Literaturgefluester

2010-06-23

Filmplakate, Fanny Elßler, Wörter.See und Bachmannpreiseröffnung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:37

Die letzten beide Tage hatten es in sich, gestern habe ich zwischen meinen Stunden mein Schreibmaterial hervor- und umgeräumt, so will ich Ulrich Greiners „Leseverführer“ nochmals lesen und habe auch mein Expose ziemlich umgestellt.
Die Fritzi Jelinek bekommt eine fünf Frauengenerationsgeschichte zum Lektorieren als Diplomarbeit, der Pilot ist der Freund ihres Vaters, die Beziehung zu dem polnischen Priester Janucz hat sie selbst, die Mails des Dänen Jan, den sie bei einem Auslandsaufenthalt kennenlernte, bekommt sie auch und das Ganze hat den bezeichnenden Titel „Absturzgefahr“.
So weit war ich gestern Abend, bevor ich mich ins Metro Kino aufmachte, denn da wurde das Buch „Filme malen. Der Wiener Plakatmaler Eduard Paryzek“ von der Wien Bibliothek vorgestellt und anschließend gab es eine Filmnacht mit drei Filmen aus den Vierziger und Fünfzigerjahren. Das war sehr interessant, eine mir bisher unbekannte Welt und der Film „Der Schuß durchs Fenster“ mit einem noch sehr jungen Gunther Philipp als Kriminalanwärter, hat mir auch gut gefallen.
Heute hatte ich keine Stunden, so habe ich einen Tagesfahrschein entwertet und bin mit meinem schwarzen Notizbuch herumgezogen. Von Neuwaldegg bis zum Schafbergbad, dort habe ich meine Handlung noch einmal erweitert und Notizen für die erste Szene gemacht, mit der ich demnächst beginnen werde. Vorher habe ich ein interessantes Telefongespräch gehört, dessen Sätze „Meine Zeit läuft ab“, vielleicht in meinen Texten Einklang finden. Ich bin dann noch mit der U1 nach Leopoldau gefahren und bis zur Donauinsel zurück, um bis zur U 6 zu gehen und bei den Vorbereitungen zum Donauinselfest, das dieses Wochenende stattfinden wird, zuzusehen. Um drei bin ich in den Richard Waldemar Park zum kleinen Fest zum zweihundertsten Geburtstag der Tänzerin Fanny Elßler zurechtgekommen. Was bedeutete, daß Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg mit zwei anderen Frauen in schönen „Wilde Weiber-Leiberln“ Haydn mit Baß- und Querflöten spielten und Monika Korvin charmant und spritzig Fanny Elßlers biographische Daten las, die vor zweihundert Jahren, um sechs Uhr früh im Haus Hofmühlgasse 17 geboren wurde. Ein interessantes Rechercheprogramm, bei dem ich Traude Veran getroffen habe, danach habe ich mich entschloßen, nach Haus zu fahren und bis zum Beginn der Bachmannpreiseröffnung meine Sachen zu ordnen und der ORF scheint den Bachmannpreis auch dazu zu benützen, Daten seines Ö 1 Literaturwettbewerbes Wörter.See bekanntzugeben.
Denn da gab es einen Literaturwettbewerb an dem unter Fünfunddreißigjährige teilnehmen durften und da wurden im Kulturjournal zuerst Allgemeinplätze über das, was die österreichische Literatur angeblich sein soll, nämlich schlecht, verlautbart, bevor sich die Juroren darüber wunderten, wie vielfältig und großartig die Texte waren. 164 wurden eingereicht, zwölf davon ausgewählt, neun wird der ORF im Juli senden, damit die Radiohörer, die das noch nicht wissen, erfahren können, wie interessant Österreichs junge Literatur ist. Kurt Flesch, Jessica Lind und Magda Woitzuck sind unter anderen dabei.
Um zwanzig Uhr dreißig gabs dann den Livestream der Bachmannpreiseröffnung, wo man zuerst die Menge im ORF Theater sitzen sah, dann gings los mit der etwas unwilligen Bemerkung des Rundfunkdirektors, daß es Wichtigeres, als Fußball gäbe, danach begrüßte man die Menge und bat Platz zu nehmen.
Die Begrüßungsreden der wichtigen Herren, die allesamt beteuerten sich selbstverständlich sehr für Literatur zu interessieren und große Leser zu sein, folgten und Willy Haslitzer bot das rote Telefon an, wenn man etwas brauchen würde und zählte alles auf, worüber er etwas sagen könne, bevor er wieder eines der Bücher, wie schon gewohnt, Michaela Mondschein schenkte. Diesmal war es Gernot Wolfgrubers „Auf freien Fuß“ aus dem Residenzverlag, als der noch etwas war. Inzwischen ist er es schon wieder und Wolfgang Lorenz hielt eine launig zynische Rede über den Zustand der Welt und, daß die Jugend sich schon längst in die second World verabschiedet und das Lesen verlernt hätte. Aber das Lesen braucht man auch beim E-Mailschreiben und ob ich das, was schreibe per Tastendruck versende oder in den Postkasten schmeiße, ist egal.
Karlheinz Miklin spielte mit seinem Jazztrio, dann kam Sybille Lewitscharoffs Rede über das Scheitern und die war etwas seltsam, da ich mir mit den Zynismen schwer tue und alles ernst zu nehmen pflege. So hatte ich es nicht leicht, das Scheitern von Jesus, Hiob, dem Chef der deutschen Wehrmacht Wilhelm Bodewin Keitel und dem japanischen Dichter Yukio Mishima, in einen Topf zu werfen und als dann noch der Vorschlag kam, alle zehn Jahre, zehn Dichter zum Lesen einzuladen und die neun Verlierer anschließend zu erwürgen, habe ich das nicht lustig gefunden, obwohl es wahrscheinlich eine Parodie gewesen ist. Eine Kritik an die Veranstalter, die ihren tollen Wettbewerb schon sehr abgehoben loben.
Danach kam die Auslosung der Lesereihefolge, Burkhard Spinnen hat noch ein Lob auf die Fernseher ausgesprochen, diese großartige Minderheit, die sich krankschreiben läßt, nur um das Bachmannlesen anzuhören und dann noch zwischendurch seine Meinung in die Blogs stellt.
Ich tue das, fernsehen nicht, weder die Bachmannpreisübertragung noch das Fußballspiel.
„1:0 für Deutschland!“, rief Clarissa Stadler zwischendurch aus, das dann auch während des Gartenfestes übertragen wurde.
Jetzt folgen wieder ein paar dichte Tage der deutschsprachigen Literatur für eine Nichteingeladene. Dank Internet kann ich zwischendurch meinen Praxisbetrieb machen und am Freitag zum klinischen Mittag gehen.

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1 Kommentar »

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Monika Bargmann, Monika Bargmann. Monika Bargmann said: "diese großartige Minderheit, die sich krankschreiben läßt, nur um das Bachmannlesen anzuhöre" http://bit.ly/9LuSih […]

    Pingback von Tweets that mention Filmplakate, Fanny Elßler, Wörter.See und Bachmannpreiseröffnung « Literaturgefluester -- Topsy.com — 2010-06-24 @ 13:13 | Antwort


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