Literaturgefluester

2010-06-24

Erstes Bachmannlesen und Dicht-Fest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:23

Nachdem gestern die Lesereihenfolge ausgelost wurde, begann das Bachmannlesen heute um zehn mit Sabrina Janeschs Text „Katzenberge“, ein Auszug aus dem gleichnamigen Roman, der im Herbst als Debut, der 1985 geborenen Autorin, die in Hildesheim kreatives Schreiben studierte, erscheinen soll.
Da ich am Vormittag drei Stunden hatte, habe ich zuerst die Diskussion gehört und da zeigten sich die Schwierigkeiten, die die Juroren mit dem Text hatten, in dem eine Enkeltochter, mit den Worten „Großvater sagte“, die Geschichte eines ukrainischen Bauern, der von den Russen in ein von Deutschen verlassenes Dorf verfrachtet wird und dort die Nacht in einem Zimmer verbringt, in dem schon die Pilze wachsen und beim Schlafen von Schritten am Dachboden gestört wird und als er am Morgen nachsieht, die aufgehängte Leiche des deutschen Vorbesitzers findet, die er mit dem Hakenkreuz in eine Decke wickelt, erzählt.
Ein Text der mit schönen Symbolen sprachlich sanft erzählt wurde, was die Juroren als unangemessen empfanden und den aufgehängten Deutschen am Dach mit Stephenie Meyer verglichen, nun ja.
Beim zweiten Text „Letzte Fischer“ von Volker H. Altwasser, habe ich zuerst das Portrait und danach die Diskussion gehört. Die Kritiker waren ebenfalls nicht einverstanden und sind mit Moby Dick dahergekommen und zwar ging es hier um Hochseefischer, die mit der roten Seefledermaus, das große Geld machen wollen, der man lebend die Haut abziehen muß. Robert Rösch, der das macht, ein ehemaliger Sozialwissenschaftler, der wie der Autor, aus der ehemaligen DDR zu kommen scheint, sehnt sich dabei nach seiner Frau und am Ende kommen somalische Piraten auf die Fischfabrik.
Den dritten Text „Ein versteckter Mensch“ von Christopher Kloeble habe ich erst am Abend mitsamt Diskussion gehört und da ging es um ein mir in letzter Zeit sehr vertrautes Thema und um eine umgekehrte Vater-Sohn Beziehung. Fred, der Vater ist fünfundsechzig, hat noch ein paar Monate zu leben und Albert der Sohn zieht zu ihm und allmählich bekommt man heraus, daß Fred offenbar lernbehindert ist. Da stellt sich zwar die Frage, wie Fred zu einem solchen Sohn gekommen ist, daß der sich aber wünscht von seinem Vater einmal als solcher behandelt zu werden und nicht immer in der umgekehrten Überforderung zu bleiben, ist mir klar. Den Kritikern offenbar nicht, denn die wußten mit dem Wahnsinn oder der Demenz nichts anzufangen oder ist es vielleicht doch Autismus? Da Fred sich auch mit Lexika beschäftigt und lesen kann, vermutlich ja. Die Literaturkritiker kamen aber mit ihren Genres daher und gerieten ordentlich ins Schwitzen, denn, daß man so nicht schreiben darf, wissen wir schon vom letzten Jahr.
Daniel Mezger, der um zwei gelesen hat, hat es ihnen mit „Bleib am Leben“ auch nicht leichter gemacht. Denn da will ein Dorfschullehrer seine Frau verlassen, kann es aber nicht, weil sie ihm in diesen Fall den Suizid ankündigt und sich zu schneiden beginnt, so daß er sie vom Psychologen zum Psychiater schleppt und endlose Litaneien anstimmt und die Kritiker sind schon wieder empört, denn eigentlich müßte das ja die Frau machen und der Lehrer müßte Angst empfinden.
Dann kam die 1985 in der Schweiz geborene und in Berlin lebende Dorothee Elmiger mit ihrer „Einladung an die Waghalsigen“ und alles hat wieder gestimmt.
Nämlich ein sprachlich wunderbarer Text einer schönen jungen Frau, die in einer bürokratischen Polizistentochterprosa von den letzten Büchern erzählt, mit denen sie die Apokalypse überlebte und mit Textmontagen aus diesen Sachbüchern den Fluß Buenaventura finden will und wir haben eine mögliche Preisträgerin.
Und ich bin, weil ein Tag Bachmannlesen und vier Praxisstunden offenbar nicht genügt, zum Dicht-Fest in die alte Schmiede gegangen. Das ist eine von Christine Huber moderierte GAV-Veranstaltung, in denen Claudia Karolyi, Klaus Haberl, Erika Kronabitter, Bernhard Widder, Franz Xaver Hofer und Dine Petrik ihre meist bei kleinen Verlagen erschienen Gedichte vorstellten und ich einige Bekannte, wie Bruni Langthaler und Judith Gruber-Rizy traf, denen ich versuchte meine Bücher zu zeigen.

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