Literaturgefluester

2010-07-02

Amokspiel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:01

Jetzt kommt das Kontrastprogramm zu Oswald Egger, nämlich Sebastian Fitzeks „Amokspiel“, der zweite Thriller des 1971 in Berlin geborenen Erfolgschriftstellers, dessen Romane offenbar die Spannung haben, die man sonst nur den US-Autoren nachsagt und der seine Bücher auch noch übers Internet und Gewinnspielen mit großem Charme bewirbt. Das Buch ist über den Bücherschrank zu mir gekommen und ist der erste Fitzek Thriller, den ich gelesen habe, dennoch ist es mir bekannt erschienen, habe ich die Stelle von dem Mann, der ein Telefongespräch von einer Frau bekommt, die schon eine halbe Stunde tot sein soll, im Literaturcafe auf der letzten Buchwoche 2007, die ich mir sehr intensiv gegeben habe, gehört und damals hatte ich von Sebastian Fitzek keine Ahnung und den Namen, obwohl mich der Vortragsstil sehr beeindruckt hat, auch vergessen und bin im vorigen Jahr durch den Blog von Lillyberry auf ihn gestoßen, denn damals ist „Splitter“ erschienen und jetzt „Der Augensammler“.
Sebastian Fitzek verwendet immer spannende Themen und so habe ich mir gedacht, ich sollte das Buch lesen und wurde auch nicht enttäuscht. Spielt es doch in einem mir bekannten Milieu oder auch nicht. Denn die Psychologenszene, mit der ich zu tun habe, schaut ganz anders aus und auch das Berlin, das er beschreibt, wirkt eher, wie ein amerikanischer Tatort. Auch sonst ist höchste Spannung und Suspense angesagt. Maximale Figuren- und Handlungskapazität nennt das, glaube ich, James N. Frey.
Also die Hauptfiguren sind zwei Psychologen, erfolgreich, genial, intelligent, der eine in seiner Praxis, die andere, als Polizeiverhandlungsführerin in Geiselfragen und trotzdem sind beide am Ende.
Ist dem einen doch im Prolog, das mit seiner Geliebten passiert und dann hat ihm jemand noch Kokain im Kofferraum versteckt und eine seiner Klientinnen soll er auch geb…, nein belästigt haben, so daß er ein Jahr später auf die Idee kommt, einen Rundfunksender, bei dem der Star Markus Timber Platten auflegt und irgendwo anruft, um dem Glücklichen, der sich mit dem Satz „Ich höre 101 Punkt 5 und jetzt her mit dem Zaster“ meldet, fünfzigtausend Euro verspricht, zu besetzen, Geiseln nimmt und im Rundfunk Amok mit der Drohung, beim falschen Satz jeweils eine Geisel zu erschießen, spielt, um seine Braut, die von ihm schwanger war, zurückzubekommen, an deren Tod er nicht glaubt.
Die Polizeipsychologin Ira Samin ist nach dem Selbstmord ihrer Tochter Sara auch am Ende, wurde Alkoholikerin, beschließt sich ebenfalls umzubringen und will sich nur noch ein Cola light Zirone besorgen, damit das besser geht.
Sie kommt indessen nicht dazu, wird sie doch von der Polizei gefesselt, entführt und zur Verhandlung mit Jan May gezwungen. Außerdem ist ihre zweite Tochter Kitty, die seit Saras Selbstmord nicht mehr mit ihr spricht, die Praktikantin, die die Clubmitglieder in das Studio führte und sich dann unter der Spüle versteckte.
Zwei hohe Polizisten, von denen einer einmal Ira Samins Geliebter war und ein anderer, der vielleicht mit falschen Karten spielt, sind an der Entführung beteiligt. Ira verhandelt, eine Geisel wird erschossen, ein Staatsanwalt haut ab und der etwas verrückt erscheinende Rundfunkdirektor, der gerne mit dem Feuer spielt, findet heraus, daß Leoni Gregor, die Tochter eines ukrainischen Mafia Bosses war und für ein Zeugenschutzprogramm entführt wurde.
Die Handlung wird aber noch spannendender und mehr emotional aufgeladen. So war die Geiselnahme nur figiert, Ira wird von der Polizei verhaftet und vom Mafiaboss eingesperrt, ihr Ex-Geliebter rettet sie und sie bekommt durch kluges Kombinieren heraus, daß sich Leoni Gregor, die inzwischen Jans Kind geboren hat, auf dem Flug nach Zürich bzw. Berlin befindet. Ira Samin läßt sich gegen ihre Tochter Kitty austauschen und Jan bekommt seine Leoni zu sehen und als wir soweit sind, stellt sich heraus, daß alles anders, als man dachte, der Gute der Böse war und so rast Ira mit ihrem Ex-Geliebten dem Tod entgegen, während Kitty in der Chariete von einem falschen Psychologen zu einem Abschiedsbrief gezwungen wird und Ira, die nichts als sich umbringen will, rettet nun auch Kittys Leben, in dem sie an ihre eigenen Pulsadern in dem Glauben, daß das Götz nicht aushält, geht. Schließlich wird dann das, was noch vorhanden ist, gut und aufgeklärt.
Das Motiv war, wie immer Schulden, Jan bekommt maximal drei Jahre und kommt danach mit einer elektronischen Fußfessel in den Hausarrest zu Frau und Kind, weil er niemanden erschossen hat und er war auch noch Saras Psychologe, die ihm einen Abschiedsbrief hinterließ, in dem sie von ihrem Hirntumor schreibt und die Mutter endgültig von jeder Schuld befreit. Der neue Liebhaber hat sich in der Person des leicht verrückten Rundfunkdirektors auch schon angekündigt, nur, ob er Ira von ihrer Trinksucht befreien kann, wissen wir noch nicht.

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