Literaturgefluester

2010-07-06

Sommerschreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:36

Die sogenannten Profischreiber bekommen für ihre Schreibprojekte Stipendien oder Stadtschreiberposten, Josef Haslinger in Mainz, Anni Bürkl in Wiesbaden, Cornelia Travnicek zieht im August nach Italien und ich habe meine Sommerfrische um zwei Wochen verschoben, für die zwei kommenden Wien Wochen aber große Pläne und meine Praxistage nach wie vor nur Montag und Dienstag eingeteilt. Denn ein neues Projekt steht an, der neue große Roman und das läuft bis jetzt erstaunlich gut.
Am vorletzten Mittwoch habe ich nach einem Recherchetag, die ersten zweieinhalb Seiten geschrieben, am Freitag darauf korrigiert, bis letzten Samstag liegengelassen und ins Harlander Wochenende Louise Doughty „Ein Roman in einem Jahr“ mitgenommen und da ist der Groschen gefallen.
Nach dem Verfassen des Jubiläumsartikel, wollte ich meine zweite Szene schreiben, habe die erste aber in zwei Anläufen auf neun Seiten erweitert, einen großen Teil des Plots vorausgeplant und am Montag zwischen ziemlich vielen Stunden, die zweite Szene verfaßt.
Vierzehn Seiten Rohkonzept habe ich bis jetzt, ich bin wirklich schnell, habe aber einen großen Handlungsrahmen, so daß ich meinen Vorsatz das nächste halbe Jahr daran zu schreiben, vielleicht wirklich ausführen kann und vom „Roman in einem Jahr“ an den „Nanowrimo“ anschließen. Wenn ich dann noch was zu schreiben habe, könnte ich den letzten Teil eingeben, ist zwar nicht regelkonform, aber da das ohnehin niemand kontrolliert.
Ich quäle mich trotz meiner Schreibbesessenheit ja meistens mit dem Schreiben, der innere Zensor „Das wird nicht gut, es ist ja schon alles gesagt!“, ist ständig da und setzt nie aus. Damit habe ich mich, glaube ich, schon beschäftigt, als ich noch in die Straßergasse gegangen bin.
Es ist schon alles hundertmal geschrieben und wenn man in die Buchhandlungen geht oder nach Frankfurt fährt, liegen die Bücher zu tausenden herum. Die nochmalige Lektüre von „Ein Roman in einem Jahr“, hat aber wahre Schleusen geöffnet, nämlich die Idee geboren, wirklich mit meinem Romanprojekt das nächste halbe Jahr lustvoll schwanger zu gehen und die Ideen wachsen zu lassen. Soviel Neues habe ich natürlich nicht, einen achtundachtzigjährigen Großvater, eine Mutter, eine Tochter, einen Flugzeugabsturz, Mails, einen polnischen Priester und dann noch den Roman „Das Haus im Grünen“ zu dem Fritzi Jelinek das Textcoaching macht. Den muß ich auch schreiben und damit durch Wien gehen oder an der Traisen Radfahren und meine Personen mit dem, was ich dort sehe und höre beleben.
Dann gibt es noch ein paar Schreiblernbücher, deren nochmalige Lektüre, ich mir vorgenommen habe. Den James N. Frey habe ich schon sehr oft gelesen, komme aber nicht recht klar mit ihm, natürlich man braucht ein Stufenkonzept, einen Anfang, eine Mitte und ein Ende, wozu man eine Prämisse braucht, verstehe ich aber nicht. Er führt zwar sehr energisch Beispiele dafür an an, eines davon ist „Lolita“, was ich erst vor kurzem gelesen habe und da wäre die Prämisse, große Liebe führt zum Tod, das habe ich beim Lesen aber anders verstanden und eher die Traumatisierung Nabokovs durch den Krieg und die Emigration aus Rußland als Triebfeder gesehen.
Die Idee in die Welt meiner Figuren abzutauchen ist irgendwie neu für mich, meistens fehlt das spielerische Element und das, glaube ich, plötzlich zu haben, denn ich denke jetzt ständig, ich brauche nur das, was ich sehe, beschreiben und schon habe ich Material genug.
Also auf in einen wunderschönen Schreibesommer, das passt ja zufällig sehr gut. Als ich „Lore und Lena“ geschrieben habe, war ich zwar auch in einem Rauschzustand, bin aber in der Personenentwicklung steckengeblieben, aber genau das Um- und Weiterschreiben, mit dem ich bisher Schwierigkeiten hatte, habe ich jetzt vor. Mal sehen, wie es mir gelingt.
Eigentlich wollte ich diesen Artikel „Schreibebücher“ nennen, denn da habe ich noch was am Schlafzimmertisch liegen. „Das Nähkästchen erfolgreichen Schreibens“ von dieser Cornelia Goethe Akademie beispielsweise, das ich einmal in Leipzig oder Frankfurt bekommen habe. Das ist aber auch nicht besonders erbauend, weil ich es schon ein paarmal durchgelesen habe und das, was drin steht, bereits weiß. Alfred hat mir zum letzten Geburtstag Manfred Hagels „Die eigene literarische Stimme finden mit kreativen Schreibideen von Dada bis zur amerikanischen Moderne“ geschenkt, das ich weggelegt habe, weil ich dachte, das ist nichts für mich.
Will ich ja nicht, wie James Joyce zu schreiben üben, im Lehrgang für Sprachkunst habe ich aber von Robert Schindel gehört, tut man das auch und so denke ich, kann es nicht sehr schaden, in diesem Sommer das Buch zu lesen, ob ich dann übe oder nicht, ist egal, ich muß es ja nicht und die Übungen vom vorigen Schreibprojekt aus Bonni Goldbergs „Raum zum Schreiben“ habe ich auch nicht gemacht. Die könnte ich mir also nach Harland oder in die Slowakei mitnehmen, wenn ich mit dem Schreiben nicht weiterkomme. Am Faszinierensten scheint mir aber in die eigenen Figuren abzutauchen und mit ihnen zu experimentieren.
An sich ist am schnellen Schreiben ja nichts falsch, darum werden mich schon manche beneiden und wenn ich nicht so schnell sein will, kann ich mit meinen Krimis und Sommerbüchern immer noch in die Badewanne abtauchen oder, wie in den nächsten zwei Wochen, am Abend auf den Karlsplatz ins Kino unter Sternen gehen. Davon komme ich gerade, deshalb erfolgt dieser Beitrag auch so früh und habe mir „Bevor Sunrise“ angesehen, was auch sehr inspirierend ist. Wenn man auf http://www.kinountersternen.at geht, bzw. alles sechzehn Stationen des Filmes nachwandert, bekommt man ein T-Shirt geschenkt. Das weiß ich nicht, ob ich das tue, die drei freien Tage der nächsten Woche habe ich aber für Stadtspaziergänge eingeplant und vor mir ist ein junger Mann gesessen, der die letzten zwei Monate von Bregenz nach Wien gegangen ist und das, als sehr inspirierend empfunden hat.

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2 Kommentare »

  1. Ich wünsche dir ganz viel Glück, Ideen und Durchhaltevermögen!
    Meinen letzten Roman habe ich ganz ohne Prämisse geschrieben 🙂 obwohl ich von Frey eine Menge gelernt habe.
    Ich motiviere mich, indem ich – in Absprache mit dem Verlag – meinen Roman online als Blog geschrieben habe, und mit dem Neuen mache ich es gerade genauso. Dadurch, dass es eine Handvoll Leser gibt, die immer gespannt auf das nächste Kapitel warten und mir gleichzeitig sagen, wenn etwas unverständlich, zu verschachtelt ist oder bestimmte Infos fehlen etc, erhalte ich den nötigen „Tritt“ um gleichmäßig weiterzuschreiben. Es macht riesig Spaß!
    Beste kollegiale Grüße und einen wunderschönen, erfolgreichen Schreibsommer,
    Patricia

    Kommentar von Patricia — 2010-07-06 @ 18:57 | Antwort

  2. Nach anfänglicher Verwirrung bin ich für mich daraufgekommen, daß die sogenannten Prämissen wahrscheinlich das Theoriekonzept sind, die man nachher hineindeuten kann und ob man sie vorher festlegt oder nicht, ist wahrscheinlich Geschmacksache und nicht das meine.
    Bezüglich ganz in den Blog schreiben bin ich vorsichtig und tue es nicht, obwohl das Feedback der Leser sicher sehr motivierend sind, das Schreiben darüber ist aber empfehlenswert und hilft mir sehr, vielen Dank für die freundliche Rückmeldung

    Kommentar von jancak — 2010-07-07 @ 09:11 | Antwort


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