Literaturgefluester

2010-07-16

Abend im Museumsquartier

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Bei den O-Tönen war am Donnerstag Clemens Berger mit seinem Roman „Das Streichelinstitut“, das wollte ich mir im Frühling einmal im Literaturhaus anhören, bin aber igendwie nicht hingekommen, einen Auszug habe ich aber in Ö1 gehört. Leselustfrust hats besprochen und in Leipzig habe ich Clemens Berger auch gehört. Clemens Berger ist ja noch sehr jung, 1979 in Burgenland geboren, Anfang 2009 gabs in den Tonspuren eine Sendung über ihm, dann war er bei dieser Verlagspräsentation, wo ich mich gerade mit der „Sophie Hungers“ herumquälte im Literaturhaus, in der alten Schmiede habe ich ihn im Vorjahr auch gehört. Im Frühjahr ist jetzt dieser Unterhaltungsroman erschienen, wo ein gescheiterter Philosophiestudent, auch Clemens Berger hat Philosophie studiert, beschließt in das Wirtschaftsleben einzusteigen, in der Mondscheingasse im grünen Bezirk der, wie er es nennt Lumpenbourgeoisie, ein sogenanntes Streichelinstitut eröffnet, weil Streicheln das Einzige ist, was er kann, so geht er auf das Magistratische Bezirksamt, zu einer Brot essenden Dame, die hunderttausend Stofftiere in ihrem Büro aufgebaut hat und holt sich von ihr einen Gewerbeschein für Lebensberatung, wie die Hobbypsychologen, Handleger und Kaffeesudleser. Heute, glaube ich, muß man dafür eine eigene Ausbildung machen, die gar nicht mehr so ohne ist, die Zeiten, wo die Lebensberaterkonzession so billig, wie die der Maronibrater zu bekommen war, sind vorbei. Das nur als Detail am Rande. Ansonsten gibt es eine herrliche Beschreibung der Esoterikszene in der Neubaugasse, ein bißchen übertrieben zwar, aber das muß ein Roman ja sein, wenn er unterhalten will. Es gibt auch eine Freundin Anna, die philosophische Seminare hält und erotische Phantasien des Sebastians. Adorno und seine Theorien kommen auch irgendwie vor.
Die Lesung war im Staatsrathof, das ist ganz hinten, gleich beim Ausgang Volkstheater. Klaus Zeyringer hat eingeleitet und das mit der Philosophie und Adorno erklärt. Es war wieder sehr voll. Ich habe aber einen Platz und sogar einen Fächer bekommen. Den Standard und einen Volltext, den ich, glaube ich, schon hatte. Sabine Gruber hatte ihren Platz neben Clemens Berger und Klaus Zeyringer. Der Autor sagte, wenn es zu regnen beginnt, höre ich zu lesen auf, aber da war das Wetter noch sehr schön und im Publikum waren sicher einige Leute, die sich bei der Beschreibung der alternaiven grünen Lumpenbourgeoisie, man kann es wohl auch akademisches Prekariat nennen, angesprochen fühlten und ich habe mich auch angesprochen gefühlt, habe ich ja auch einmal eine Praxis eröffnet, allerdings nicht als Hobbypsychologin und einen Gewerbeschein habe ich auch nie gebraucht. Im Falter habe ich früher aber auch Gratisinserate aufgegeben und so habe ich wohl einige der Erfahrungen gemacht, die Clemens Berger ironisch abgehoben beschreibt, zum Beispiel, die Frage „Arbeiten Sie mit der Kankenkasse, ich studiere noch und habe wenig Geld!“
Danach, das wurde schon bei der Einleitung angekündigt, ging es in den Haupthof zur Eröffnung des Impuls Tanz Festival, da kam ich gerade zur Rede von Stadtrat Mailath-Pokorny, der den Steuerzahlern für ihre Steuern dankte, zurecht. Ich drängte mich nach vorn und stand dann eine Stunde ziemlich unbequem in der einzigen Art von Stöckelschuhe, die ich habe und die ich mir unbedingt anziehen mußte. Es gab eine Originalmusik von Mauro Pawlowski und eine Choreografie von Wim Vandekeybus mit dem Titel „What`s the prediction“. Ein Tänzer trat auf und schmiß eine Frau auf die Bühne, danach trugen ein paar Leute Babys herein, die sie auf ihren Händen balancieren ließen, ein Mann schrie etwas von „Peace and all together“ und wurde von den anderen überrannt, ein paar Tänzer zeigten stolz ihre Tätowierungen, eine Tänzerin ihr Kopftuch und am Schluß traten noch Hunde auf. Das Ganze war sehr laut, engagiert und mit Begeisterung vorgetragen. Ich kannte mich aber programmlos nicht ganz so aus, so habe ich mich später mit einem Programm auf die Stufen gesetzt, um es mir anzusehen, bis mich ein Security Mann mit dem Satz, daß Wetterarlarm gegeben worden sei und die Fluchtwege freigehalten werden müßen, vertrieb. Es fing auch bald zu blitzen und zu schütten an. Ich wurde wieder einmal patschnaß, es war aber ein schönes warmes Sommerbad.

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