Literaturgefluester

2010-08-16

Zum zehnten Todestag von Arthur West

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:50

Am 16. August 2000 ist der am 24. August 1922 als Arthur Rosenthal geborene Arthur West gestorben und ich kenne den Lyriker, Linkes Wort beim Volksstimmefestgründer und ehemaligen Volksstimmeredakteur, Theaterkritiker und aufrechten Kommunisten seit Ende der Siebzigerjahre, seit mich Monika Jensen in den Arbeitskreis schreibender Frauen mitgenommen hat.
Da war er gemeinsam mit dem Frischfleisch und Löwenmaul Redakteur Nils Jensen und seiner Frau Edith und hat mit seiner Pfeife im Mund den Frauen Ratschläge zum Schreiben gegeben.
Edith West hat inzwischen erzählt, daß sie nur Briefe an ihre Freunde in England schreibt, denn Arthur und Edith West haben beide sehr jung Österreich verlassen müssen und sind nach England immigiriert. Das Gymnasium in der Karajangasse, das Arthur West besuchte, hatte eine Gedenkstätte über seine ehemaligen jüdischen Schüler, Nikolaus Scheibner hat da einmal herumgeführt und sich auch kurzfristig die halbe Veranstaltung zum Tag der Freiheit des Wortes unter dem Nagel gerissen, um sie an dieser Schule zu veranstalten.
Arthur Rosenthal ist jedenfalls sehr jung nach England emigriert, hat dort die etwas ältere Edith kennengelernt. Erich Fried war der Trauzeuge, Theodor Kramer ein guter Freund, der wie Edith West bei ihrem neunhzigsten Geburtstagsfest im rebublikanischen Club ausführte immer sehr viel gegessen hat.
In der free Austrian Youth sind die ersten Texte entstanden, nach dem Krieg ist Arthur West als englischer Offizier nach Österreich zurückgekommen und etwas später Redakteur bei der Volksstimme geworden.
Redakteur und Theaterkritiker, ich kann mich erinnern, daß ich ihn einmal im Volkstheater in einem schwarzen Anzug getroffen habe und mich über die Bürgerlichkeit des Kommunisten gewundert habe, Gerald Grassl hat über diesen Punkt auch bei der Hommage berichtet und mir ist Arthur West als der aufrechte, ausgleichende und stets um Konsens bemühte Kommunist in Erinnerung.
Bei der GAV und den IG Autoren hat er sich stets zu Wort gemeldet und seine kulturpolitischen Vorschläge gemacht und ich habe einmal mit ihm die Österreich Nummer der belgischen Literaturzeitschrift „Krautgarten“ gestaltet.
Das war schon im Frühjahr 1991, als ich von Japan gekommen bin, meine Mutter gestorben ist und die Zeitung „Täglich alles“ meine psychologische Kolumne plötzlich strich um sie Winfried Pernhaupt zu übegeben.
Vorher habe ich schon begonnen beim linken Wort am Volksstimmefest zu lesen. Das erste Mal in einer Gruppenlesung mit den schreibenden Frauen, ständig dann ab 1989, da sind wir kurz vorher aus Amerika zurückgekommen und auf diesen Volksstimmefest war plötzlich alles anders. Ungarn hatte seine Grenzen geöffnet, die halbe DDR ist in den Westen ausgereist und Arthur West erklärte mit besorgten Gesicht, daß es nicht stimmt, daß der Kommunismus zu Ende ist.
Peter Turrini, Elfriede Jelinek und Elfriede Kerschbaumer haben noch gelesen, ich habe ein Stückchen aus den „Hierarchien“ vorgetragen und Peter Turrini erkundigte sich freundlich, ob das ein Roman sei?
Später haben diese Stars nicht mehr beim Volksstimmefest gelesen, ich aber schon. Es gab aus Solidariät mit den bedrohten Völkern kein Honorar, aber Kaffee und Kuchen. Der Kuchen war von Edith West persönlich gebacken. Bei der GAV und bei den IG Autoren habe ich Arthur West immer wieder gesehen und bin auch bei einigen Präsentationen seiner Gedichtbände gewesen, einmal in dem Theater am Petersplatz und einmal, es war, glaube ich, 1998, hat ein sehr streitbarer Robert Menasse bei einer GAV GV Arthur West angegriffen, ich war die einzige, die ihn verteidigt hat.
Arthur West ist auch immer sehr freundlich mit mir umgegangen, hat mich beim Volksstimmefest lesen lassen und mit mir höflich diskutiert, zum Beispiel an dem Tag, der IG GV, als sich Marie Therese Kerschbaumer von mir provoziert fühlte und mir eine Ohrfeige gab.
Ein paar der Arthur West Gedichtbände habe ich ebenfalls und ihn auch immer beim linken Wort gehört. Frischfleisch und Löwenmaul hat ihn verlegt, später Werner Herbst in seiner Herbstpresse und hat da einmal bei einem Volksstimmefest gesagt, daß die Stadt Wien oder sonst wer die Subvention gestrichen hat, weil sie Arthur West für nicht literarisch hält.
Er war auch sehr politisch und hat sich 2000 im Wendejahr bei den Widerstandslesungen beteiligt, dann ist er getorben, in der Feuerhalle am Zentralfriedhof war das Begräbnis, da gab es rote Rosen und die Internationale und es war mein erstes und bisher einziges Begräbnis, wo ich „Völker hört die Signale!“ hörte. Beim Volksstimmefest schon, da bin ich als Nichtkommunistin immer sitzen geblieben, während Arthur West den Arm ausstreckte und als ich 1985 mit Alfred und Anna in Ostberlin in einer Buchhandlung war und mir dort für den Zwangsumtausch ein Buch mit internationaler Literatur kaufte, waren Texte von Arthur West enthalten.
Beim Linken Wort am Volksstimmefest hat uns Helmut Rizy, im Jahr 2000 kurz nach dem Begräbnis aufgefordert, neben unseren Texten auch unsere Arthur West Lieblingsgedichte zu lesen, die in der Anthologie „Schubumkehr“ enthalten sind. Ich habe mich für das „Leise Lieblingslied“ von 1954 oder so entschieden und dann noch die Strophen „Auch wenn ich hinfällig werde, will ich nicht überflüssig sein. Ehe ich der Welt „Lebe wohl!“ sage, will ich dazu doch ein wenig beigegtragen haben“, dazugelesen. Eugenie Kain hat das „Lied im Spätherbst“ gewählt:

„Jahre gehäuft schon zu vielen Jahrzehnten-
vor uns statt Jahrzehnten nur Jahre
Und was wir erhofften, erträumten, ersehnten,
bekam längst- und gleich uns – schon weiße Haare.

Wir lassen uns kaum unter Feiernden sehen
und keuchen ganz schön auf den Stiegen
Und wenn wir noch Freunde besuchen gehen
dann meist, wo sie aufgebahrt liegen

Unsere Kinder sind groß
unsere Welt wird recht klein
Geliebte, wie könnt es denn anders sein?

Man merkt die starken Gefühle für die etwas ältere Edith West und dieses Gedicht habe ich auch bei einer Gedenkveranstaltung des ersten Wiener Lesetheaters gelesen. Es gab dann von Edith West initiiert 2002 oder so eine große Werkausgabe und eine Präsentation derselben im Literaturhaus.
Edith West treffe ich manchmal bei den Maikundgegebungen, bei ihrem neunzigsten Geburtstagsfest war ich im republikanischen Club und heute bei der Gedenkveranstaltung.
Christoph Kepplinger, der junge Literaturwissenschaftler, der im Elfriede Jelinek Forschungscenter tätig ist und seit einigen Jahren mit Roman Gutsch, die linke Wort Lesung des Volksstimmefest organisiert, hat eine Einführung gegeben.
Sieglinde Bolbecher hat statt Konstantin Kaiser, der nach einem Insektenstich im Spital liegt, etwas über Arthur West, die free Austrian Youth und seine Verbindungen zu Theodor Kramer erzählt und Gerald Grassl etwas über den Volksstimmekulturchef. Ottwald John hat gelesen und erzählt, wie der Theaterkritiker ihn bei den Kommödianten unterstützt hat.
Arthur West der Ausgleichende und Vielseitige, der der vier Dinge gleichzeitig im Kopf hatte und zu allen freundlich und solidarisch war.
Nachher gab es Wein. Ruth Aspöck habe ich getroffen und noch ein paar andere bekannte Gesichter gesehen, bevor ich zum Rathausplatz und zur „Little Nightmare Music“ und dem Max Raabe Palastorchester gegangen bin, um dort den Alfred bei einem schönen lauten Sommerabend zu treffen.

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