Literaturgefluester

2010-08-18

Diesseits von Eden

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:15

„Diesseits von Eden“ habe ich beim letzten Gewinnspiel auf Dietmar Füssels Autorenseite gewonnen. Denn dahin bin ich vor ca zwei Jahren über das Autorenlexikon des Autorenhausverlages gekommen und mache seither regelmäßig bei den Gewinnspielen mit und habe auch ziemlich oft etwas gewonnen, denn der 1958 in Wels geborene und in Ried im Innkreis als Schriftsteller, Läufer und Bibliothekar lebende Dietmar Füssel, aktualisiert jedes Monat seine Homepage, stellt eine Gewinnfrage und gibt an den Ersten, der sich meldet, eines seiner Bücher oder eine Literaturzeitschrift, in der ein Text von ihm enthalten ist, aus. So habe ich auf diese Art und Weise schon fast alle seiner Bücher, das bei Resistenz erschienene „Rindfleisch“ habe ich hier besprochen und den Gedichtband „Unterwegs“.
Es gibt auch noch ein Kinderbuch „Gelsomina“, das nicht habe und Veröffentlichungen von „Log“ bis „Rampe“, denn Dietmar Füssel ist sehr fleißig, schreibt derzeit an einem historischen Roman, gewinnt gelegentlich einen kleineren Literaturpreis und berichtet jedes Monat über sein Schreiben.
Ich habe ihn über den oberösterreichischen Literaturpreis zur Arbeitswelt kennengelernt, wo ich in den Achtzigerjahren eifrig teilnahm, nie etwas gewonnen habe, aber einmal in die engere Auswahl gekommen bin und 1987 an der Schreibwerkstatt teilgenommen habe. In dieser Zeit hat er einen der Hauptpreise gewonnen und seither ist mir sein Name bekannt, später hat er einmal bei der von mir organisierten Lesung im Literaturhaus „Zustand und Abstand“ zur Präsentation der Österreichausgabe der deutsprachigen belgischen Literaturzeitschrift „Krautgarten“, die ich 1991 mit Arthur West herausgegeben habe, gelesen.
Dann ist der Kontakt abgerissen, 2008 habe ich ihn über die Gewinnspielschiene wieder aufgenommen und ihn seither bei den GAV GVs gesehen. Am Anfang habe ich immer etwas gewonnen, dann weniger, ich hatte die Bücher auch schon, den Roman „Diesseits von Eden“ hätte ich aber gern gehabt, geht es darin ja um einen erfolglosen Schriftsteller und das interessiert mich sehr. Leider war ich, als er ausgeschrieben war, nicht die Erste und Dietmar Füssel hat ihn, weil er auch verkaufen muß, nur einmal verlost. Aber jetzt habe ich ihn bekommen, weil es beim vorletzten Gewinnspiel Schwierigkeiten mit der Gewinnfrage gegeben hat. Gefragt war etwas anderes, als man glaubte und dann war ich nur die zweite, aber jetzt hat es geklappt und ich halte Dietmar Füssel für einen der fleißigen Schreiber, die unermüdlich vor sich hinschreiben und deren Bücher in den kleinen Verlagen, in denen sie erscheinen, nicht sehr wahrgenommen werden. Darüber habe ich schon vor ein paar Tagen geschrieben und da mich das nicht so erfolgreiche Schreiben, weil ich selbst davon betroffen bin, sehr interessiert, habe ich den Roman gleich gelesen, er ist aber anders als ich dachte. Nämlich eine Satire und Eden ist eine kleine Stadt , die einmal Waldburg hieß, sich aber durch den reichen Onkel aus Amerika, 1925 von Österreich abtrennte, an der Grenze einige Schutzwälle errichtete und jetzt laufen die Bewohner in Fußballdressen herum und es gibt einen Denunizanten namens Willy und einen Kulturstadtrat, der sehr faul ist und weder sein Amt noch die Bibliothek jemals betreten hat und einen Stadtratsvorssitzenden, der über alles wacht und seine Bürger zur Strafe in die Psychiatrie einweisen läßt. Es gibt auch keine technischen Geräte im schönen Eden, nur einen stinkenden Wecker, weil man nicht faul sein darf, obwohl das offenbar die meisten sind und auch einen Haß auf die Ausländer jenseits von Eden. Trotzdem gibt es eine Ausschreibung für einen Stadtschreiberposten, die zwar offenbar ein Irrtum war, die Hans Pribil gewinnt, weil der Stadtratsvorsitzende gerne Experimente macht. So wird er vom Kulturstadtrat persönlich abgeholt, der ihm verspicht, daß man in der Zeit seiner Abwesenheit die Miete seiner Wohnung bezahlt und weil die Bewohner von Eden alle Ausländer hassen, wird er von zwei Irrenwärtern begleitet und ein Besserungskomitee, das aus dem Pfarrer, der Nutte und dem Denunizanten besteht, gibt es auch.
Hans Pribil, der nach Eden seinen Computer nicht mitnehmen durfte, bekommt auch keine Gelegenheit zu Lesungen und soll nach Willen des Stadtratsvorsitzenden sein schönes Amt nicht mehr verlassen, so spaziert er mit den Irrenwärtern in der Stadt herum, besucht die Bibliothek, in der es dreitausendmal dasselbe Buch mit nur drei Kapiteln gibt, nämlich der Geschichte, wie der Staatsgründer den idealen Staat gegründet hat, sein Leben und noch eine philosphische Abhandlung darüber. Da Hans Pribil eher phlegmatischer Natur ist, passt er sich der Diktatur an, was dem Stadtsratvorsitzenden wieder nicht recht ist, so daß er zwar zu keinen Lesungen, aber zu öffentlichen Reden kommt und mit seinen Gleichnissen, die dummen Bürger so gut unterhält, daß ihn der Stadtratsvorsitzende doch ausreisen läßt.
Was auch nicht gut geht, hat man doch seinen Paß vernichtet und die Miete seiner Wohnung nicht bezahlt, so daß der Computer und die ganzen Manuskripte verschwunden sind, der Phlegmatiker zum Toben beginnt und dem Gericht, die Geschichte von der Diktatur in Eden erzählt, die man ihm nicht glaubt. So wird er in den Steinhof eingewiesen und hört zu schreiben auf.
Soweit die Satire. Die Geschichte ist flüßig erzählt und man kann sie auf vielfältige Weise deuten. Der Vergleich zu der DDR drängt sich auf, aber auch der Ausländerhaß und gewisse Parolen der F Partei und natürlich läßt es sich als Satire über den Literaturbetrieb Schreiben verstehen. Vielleicht ist es das Manko des Romans, das er sich nicht eindeutig festlegen läßt, so daß man am Ende ein wenig ratlos zurückbleibt, sich beim Lesen gut unterhalten, aber nicht wirklich viel Neues weiß.

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