Literaturgefluester

2010-08-22

Antonio im Wunderland

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

„Antonio im Wunderland“ von Jan Weiler ist die Fortsetzung von „Maria, ihm schmeckt`s nicht“, der Geschichte des sizilianischen Gastarbeiters Antonio Marcipane, eines der erfolgreichsten Romandebuts der letzten Jahre, wie in der Buchbeschreibung steht.
Auf Jan Weiler, den 1967 geborenenen Journalisten und Chefredakteur des Süddeutsche Zeitung Magazins, bin ich vor zwei Jahren, das erste Mal gestoßen, als ich das Gewinnspiel zu hundert Jahre Rohwohlt Verlag ausfüllte, dann habe ich ihn ein paar Mal in Hörbuchproben CDs gefunden und dann dieses Buch im Thalia Taschenbuchausverkauf bekommen.
In den Blogs gibt es auch immer wieder Weiler Besprechungen, also es ist ein interessantes Thema dachte ich und im Vorwort zwei steht auch noch, daß es furchtbar ernst ist, so daß man möglichst unterhaltsam damit umgehen soll. Michael Niavarani hat, glaube ich, mit „Vater Morgana“ auch so etwas probiert.
Teil zwei beginnt nach zwei Vorworten mit einer Hollywoodschaukel, erzählt wird die Geschichte vom Schwiegersohn des Gastarbeiters, dessen Töchter Sara und Lorella deutsche Männer geheiratet haben und der auch ein Reiheneckhaus bewohnt.
Er geht in Rente und da wird er, weil es die Firma so will, im Arbeitsanzug in der Chefetage verabschiedet, er bekommt auch ein paar Präsente und fährt danach mit Frau, Tochter und Schwiegersohn zu der Familie nach Campobasso, dort kommt es zum Zerwürfnis zwischen Antonio und dessen jüngerer Tochter Sara, die ihre Gastarbeiterkindjugend haßt und auch den Vater, der ihr immer in seiner autoritäten Art die Kindheit verdorben hatte, nie durfte sie Freundinnen nach Hause bringen und mußte zu ihrer Sicherheit auch ein gelbes Mützchen tragen, mit dem sie ausgelacht wurde und als sie sich mit sechzehn die Pille verschreiben lassen wollte, war der Vater auch dabei. Antonio hat offenbar ein gutes Herz, ist aber ein italienischer Macho und spricht immer noch ein sehr gebrochenes Deutsch.
Er hat einen Freund Namens Benno und offenbar auch eine Mission. Er will mit Benno und dem Schwiegersohn für eine Woche ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, um von dort den berühmten Architekten Mauro Conti, Sohn von Campobasso, dorthin zurückzuholen, um die Stadt wieder aufzubauen.
Nur weiß niemand genau, wo der wohnt und Antonio will auch nicht, daß der Schwiegersohn im Internet nach ihm forscht. Also reisen die drei Männer los und geraten prompt in alle Schwierigkeiten, über die man sich bezüglich Amerika nur lustig machen kann.
Es beginnt schon bei der Sicherheitskontolle, Antonio und Benno piepsen wie die Zeitzünder und prahlen, daß sie Bomben im Koffer haben, bei den berühmten Einreiseformularen füllen sie dann alle Fragen mit „ja“ aus und werden gerade noch von dem italienischen Polizisten Pino Carbone gerettet.
Dann gibts ein paar Tage Sightseeing, dabei gehen sie ins Naturkunde Museum, wo Benno einen Zahn vom Stegosaurus mitgehen läßt, sie werden von Pino Carbone nach Queens eingeladen und wollen mit der U-Bahn dorthinfahren. Dabei treffen sie zwei Schwarze mit Baseballkappen und Trainingsanzügen und beginnen sich vor ihnen zu fürchten, so daß sie verrückt spielen, bis die schließlich die Polizei holen. Danach geht es auf die Suche nach little Italy, das sie nicht finden, weil es von China Town verdrängt wurde und das Lokal in dem sie schließlich landen, entpuppt sich als Fäschung mit einem ungarischen Kellner und albanischen Koch. Benno will seiner Mutter unbedingt einen Rauchverzehrer mitbringen und kauft sich auch noch eine Fleisch fressende Pflanze, mit der lernen sie in einem Lokal Robert de Niro kennen, auch ein Sohn von Campobasso, der so entzückt von Antonio ist, daß er die drei in eine Luxussuite ins Penisula lädt, er verschwindet zwar, kommt aber für alle Kosten auf und schickt auch noch einen Chauffeur, so feiern die drei mit Pinos Großfamilie in der Suite eine Luxusschaumparty, zerbrechen eine chinesische Vase und fliegen außerdem noch in der Business Class zurück.
Im Reiheneckhaus in Kempen, wo gerade Lorella ihr erstes Kind auf die Welt bringt, glaubt ihnen das zwar keiner, aber das Buch ist, wie beschrieben ein Erfolg geworden und stand viele Monate auf der Bestsellerliste. Meinen Geschmack trifft es allerdings nicht zur Gänze.

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