Literaturgefluester

2010-09-10

Erzählung aus der Mitte

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:19

Am Donnerstag war es schwer sich zu entscheiden, denn da gab es, wie Gabriele Madeja im Hamakon Theater Nestroyhof erklärte, sehr viele Events und weil ich, seit ich mir gelegentlich Rezensionsexemplare bestelle, von den Verlagen zu Veranstaltungen eingeladen werde, hatte ich die Qual der Wahl.
Denn da kam schon vorige Woche eine Einladung von Haymon, am Donnerstag liest Lydia Mischkulnig aus „Schwestern der Angst“, das tut sie allerdings auch bei Rund um die Burg und da ich mich vorigen Freitag zu Thalia in die Kremsergasse in St. Pölten begeben habe, wußte ich auch über die September-Highlights Bescheid, denn da gab es noch am Donnerstag, die Präsentation von Erich Hackls „Familie Salzmann“ im Nestroy Theater Hamakon, da stand allerdings auch etwas von einer Kartenreservierung unter ticket@hamakon.at und dann wurde auf der Landstraße das neue Buch von Natascha Kampusch vorgestellt, das mit Hilfe eines oder zwei Ghostwriters entstanden ist und die Psychologin in mir interessierte. Dann hat noch Wolf Haas ein Kinderbuch geschrieben „Gans im Gegenteil“ und präsentierte es in diesem Badeschiff, in dem Cornelia Travnicek bevorzugt und begeistert liest.
Da hatte ich die Qual die Wahl, beziehungsweise habe ich mich schnell entschieden, was würden meine Leser schätzen? Also ich habe im Hamakon Theater angerufen und mich erkundigt, ob die Lesung etwas kostet, in Deutschland ist das üblich und bei besonderen Veranstaltungen, zum Beispiel bei der Lesung von Michael Köhlmeier im Schauspielhaus, auch bei uns.
„Natürlich nicht!“, sagte mir die freiundliche Dame und da habe ich mich angemeldet. Buchpräsentationen des 1954 in Steyr geborenen Erich Hackl sind auch besonders interessant. Ist er ja auf irgendeine Art und Weise ein Ghostwriter, obwohl er sich glaube ich, nicht als solcher betrachtet, hat elf Bücher bei Diogenes, dem berühmten Schweizer Krimi Verlag, wo die Bücher von Donna Leon erscheinen, herausgebracht und spätestens 1989 mit „Abschied von Sidonie“ berühmt geworden oder war das schon zwei Jahre früher bei „Auroras Anlaß“?
1989 bin ich jedenfalls in meinem literarischen Zimmer in der Gumpendorfer Straße gesessen, habe die Verlagspost für die „Hierarchien“ verfaßt und nebenbei von dem Senkrechtstarter gehört. Ein Autor der seine Bücher Erzählungen und nicht Romane nennt, wie Gabriele Madeja im Hamakon Theater erklärte und ein Chronist, dem sowohl das Persönliche, als auch das Politsche sehr interessiert und der manchmal von Personen, wie beispielsweise von Hugo Salzmann angerufen wird, die ihm ihr Leben erzählen und es von ihm aufgearbeitet haben wollen. So gibt es inzwischen Erich Hackl Nummer 11, auch das ist ein Vorschlag von Gabriele Madeja, neben „Abschied von Sidonie“, der Geschichte von dem Zigenuermädchen, das die Fürsorge in der NS-Zeit der bemühten Pflegefamilie weggenommen und in den Tod geschickt hat, zu „Entwurf einer Liebe auf den ersten Blick“, „Hochzeit in Auschwitz“, „Anprobieren eines Vaters“ u. u. u.
Ich habe gerade nachgeschaut, ich habe nur ein einziges Erich Hackl Buch, das 2007 erschienene „Als ob ein Engel“, wo es um eine argentinische Studentin, Tochter einer jüdischen Flüchtlingsfamilie geht, die am 8. April 1977 im Alter von 22 Jahren verschwunden und wahrscheinlich von der argentinischen Militärbehörde gefoltert und ermordet wurde.
Trude Kloiber hat mir das Buch zu meinen Geburtstag geschenkt und Otto Lambauer, der es auch gelesen hat, meinte, daß es ihm zu wenig Literarisch ist. Mir hat es dagegen gefallen und das Schicksal der Gisi hat mich auch beeindruckt, denn 1977 habe ich in Wien Psychologie studiert und ganz ehrlich nicht viel Ahnung gehabt, was da in Argentinien passierte.
Das mit zuwenig Literarisch scheint auch ein Trauma von Erich Hackl zu sein, zumindest hat er in der Diskussion so angedeutet, vom Literaturbetrieb nicht wahrgenommen zu werden, aber elf Bücher bei Diogenes und alle sind Erzählungen nach realen Vorlagen, meist Schilderungen von NS Opfern und so hat sich Hugo Salzmann an Erich Hackl gewandt, der nach seiner Pensionierung, die Briefe seiner Mutter Juliane, die in Ravensbruck ermordet wurde und dort auch Rosa Jochmann kennenlernte, aufgearbeitet haben wollte.
Erich Hackl hat daraus eine „Erzählung aus unserer Mitte“ gemacht und eine Familiengeschichte beschrieben, die fast beinahe hundert Jahre umfaßt. Denn Hugo Salzmann Senior wurde 1903 geboren, hat in Deutschland gegen Hitler gekämpft, der Sohn ist in Frankreich und in der Schweiz aufgewachsen, wurde 1945 von der Tante Ernestine aufgezogen und war auch in der DDR, bis er nach Graz gekommen ist und dort zwei Kinder hat. Sein Sohn Hanno wurde in den Neunzehnhundertneunzigerjahren in der steirischen Krankenkassa gemobt, weil er erwähnte, daß seine Großmutter in einem KZ umgekommen ist. Die Lesung drehte sich hauptsächlich um Hanno Salzmann und Gabriele Madeja interviewte sowohl den alten Mann, als auch den Autor und die Geschichte von dem jungen Mann, der schließlich entlassen wurde und nicht einmal die SPÖ hat ihm geholfen, ist auch sehr beeindruckend. Die Mutter gibt ihn inzwischen den Rat nie mehr von der Großmutter zu erzählen, aber jetzt hat Erich Hackl alles genau dokumentiert und der Vater empfindet es als Genugtuung, weil er den Tod der Mutter nie überwunden hat.
Nachher gab es was zu trinken, Erich Hackl und Hugo Salzmann haben viele Bücher signiert. Gabriele Madeja hat darauf hingewiesen, daß Erich Hackl auch in Schulbüchern zu finden und ein beliebtes Maturathema ist. Antonio Fian habe ich im Publikum gesehen und da gab es vor einem Jahr die Präsentation von seinem Buch im Hamakon Theater und von Erich Hackl ist noch zu sagen, daß er vor einigen Jahren der Laudator bei der Theodor Kramer Preisverleihung war. Ich bin an seinem Tisch gesessen, mit ihm in Gespräch gekommen und er hat mir die zwei Bücher abgekauft, die ich immer in der Handtasche habe. Diesmal habe ich die „Heimsuchung“ der Maria Lautischer verkauft und habe mir das Diognes Magazin Nummer vier mitgenommen, in dem es auch sehr viel zu lesen gibt und interessant war auch das, was Erich Hackl über die Schwierigkeiten beim Schreiben realistischer beziehungseise chroinstischer Texte erzählte, denn das habe ich mir bei der heutigen Korrigierarbeit in etwa auch gedacht.

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