Literaturgefluester

2010-09-16

Shortlisten-Lesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:24

Bei dem deutschen Buchpreis-Spektakel gibt es die sogenannten Blindlesungen. Da wird ein Buchpreiskanditat zu einer Lesung eingeladen und das Publikum erfährt erst vor Ort, von wem es vorgelesen bekommt und da die meisten Lesungen in Deutschland stattfinden, muß man dafür auch Eintritt zahlen.
Einen Tag vor der Shortlisten- Bekanntgabe war so eine Lesung in der Schiller Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen, wobei es eine Aktion des Literaturcafes gab, wenn man den richtigen Autor erriet, durfte man umsonst hinein. Ich weiß nicht, wieviel Besucher auf Michael Kleeberg kamen.
Doron Rabinovicis Buchpäsentation zu „Andersorts“ in der Hauptbücherei war jedenfalls im Septemberprogramm angekündigt und es war, wie Jessica Beer einleitete, die erste dieser Art, das Recht der ersten Nacht sozusagen, wie sie launig anmerkte.
Ich bin auf jeden Fall ein bißchen früher hingekommen. Es war aber nicht so voll, zumindestens um dreiviertel Sieben nicht. Später ist auch Robert Schindel gekommen, der von Doron Rabinovici, als Freund erwähnt wurde, der die Arbeit an dem Buch begleitet hat. 2006 oder 2007 hat er damit begonnen, hat er erzählt und die Suhrkamp Lektorin Doris Plöschberger, die extra deshalb nach Wien gekommen ist, hat eingeleitet. Vorher hat schon Jessica Beer etwas zu diesen rasanten Buch, das ständig in Bewegung zwischen Wien, Tel Aviv und Jerusalem ist und den Verwirrungen und Identitätsverlusten, die der Hauptprotagonist Ethan Rosen durchmacht, berichtet und Doris Plöschberger hat noch was vom jüdischen Witz erzählt und die Geschichte, daß sich der kleine Doron als er mit drei Jahren von Israel nach Wien gekommen ist, über die Esel wunderten, die nicht Hebräisch verstehen und auch, daß er schon als Kind lieber die Bücher seiner Eltern, als Jugendliteratur gelesen hat.
Dann ist es losgegangen mit dem ersten Kapitel, von dem die Lektorin später erzählte, daß es in sich abgeschlossen ist und fast alle Personen darin vorkommen. Jedenfalls fliegt der Soziologe Ethan Rosen, der als Kind aus Israel nach Wien gekommen ist und in Tel Aviv bei einem Begräbnis war, nach Wien zurück und im Flugzeug, dem Ort wo die unterschiedlichen Kulturen aufeinandertreffen, geht das Verwirrspiel los.
Er sitzt neben einem gläubigen Juden, der so unruhig ist, daß er nach Abheben des Flugzeugs in einen Gebetstaumel verfällt, während die ältere Dame, die ihm mit seinem Kosenamen anspricht, einen Tablettencocktail in sich hineinwirft und der israelische Geschäftsmann, der in Wien eine Filiale übernehmen soll, verwirrt ihn sosehr, daß er einer Dame, die weiter sitzt, erklärt, daß er Johann Rossauer heißt, zum Baden in Israel war und nicht Hebräisch kann.
Ein Doppelgänger namens Rudi Klausinger und ein meschugger Rabbi, der Gott aus der Retorte herstellen will, kommen auch noch in dem Buch vor. Dem Publikum hat die Lesung und der Humor sehr gefallen, es wurde viel gekichert, eine Diskussion von welchen Philosophen Doron Rabinovici beeinflußt wurde und wann der gestorben ist, gab es auch und ich kenne den 1961 geborenen Doron Rabinovici, glaube ich, seit 1988 durch die GAV und durch die Waldheim Geschichte. Da wurde auch der Republikanische Club gegründet und er grüßt mich immer freundlich, wenn er mich sieht. Den 2004 erschienenen Roman „Ohnehin“, der unter anderem am Naschmarkt spielt und die Geschehnisse um den Naziarzt Dr. Gross auch auf eine originelle Art aufarbeitet, habe ich gelesen. Bei dem Projekt „Mit Sprache unterwegs“, das demnächst im Radio Kulturhaus vogestellt wird, hat er mitgemacht und da ist es, glaube ich, auch um die Reise nach Indien gegangen, von der er in der Diskussion erzählte, daß er dort sehr seltsame Leute getroffen hat, die, wie sein meschugger Rabbi recht seltsame Vorstellungen vom Leben hatten.
Am Samstag gibt es im Literaturhaus Frankfurt die nächste Lesung aus dem Buch, da werden dann alle Shortlistenkanditaten lesen.

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