Literaturgefluester

2010-09-19

Die Nacht im Zelt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:07

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat es Freitag bis Samstag, die neunzehnte „Rund um die Burg“ Veranstaltung“ gegeben. Gehard Ruiss hat sich dafür eingesetzt, Sponsoren sich gefunden, die Lesungen wurden nicht mehr in die anderen Zelte übertragen und ein bißchen kleiner war es vielleicht auch.
Es gab aber wieder ein sehr schönes Klo mit einem vielleicht ein wenig kitschigen Bücherdesign und Ex-Operndirektor Ion Holender hat mit seiner Biografie, das große Opening begonnen. Deshalb saß ich Anfangs neben einen Herrn, der einer Dame sehr engagiert von guten und schlechten Stimmen erzählte und ich bin eine sehr engagierte Besucherin. Ich glaub, ich war jedes Mal dort, in den letzten Jahren habe ich es auch geschafft, non stop zu bleiben. Das ist ein Art Spleen von mir, ein anderer geht Bungeejumpen. Ich setze mich einmal im Jahr mit einem Sack voll Essen und einem Pullover ins Zelt. Jetzt weiß ich schon, wie ich mich motivieren muß und, daß außer mir nur ein Fotograf non stop bleibt, der kennt mich wahrscheinlich schon. Sonst gibts ein paar ältere Damen und einen älteren Herrn, die bis Mitternacht bleiben und am nächsten Vormittag wiederkommen. Die Zuzaks kommen auch, sonst waren außer Cornelia Travnicek nicht viele nicht lesende Autoren da.
Beim Welcome haben sich die Sponsoren aufgestellt und Gerhard Ruiss, der bis Mitternacht moderierte und am Nachmittag noch einmal, fragte nach der Wichtigkeit von Büchern und alle betonten, wie wichtig eine lesende Jugend ist und, daß sie natürlich Leseratten wären, die kein Buch auslassen würden…
Es war bei dieser von Claudia Wittrich und Andy Gaiser organisierten Mainstream-Veranstaltung erstaunlich viel österreichische Literatur dabei.
Paulus Hochgatterer mit seinem „Matratzenhaus“, der das Thema Kindesmißbrauch mit einem ausgebrannten Psychiater als Hauptperson, auf eine sehr fachkundliche realistische Art und Weise behandelt. Lydia Mischkulnig hat in „Schwesten der Angst“ die kindlichen Traumen, dann in einer sehr kunstvollen Sprache höchst beklemmend dargestellt. Monika Helfer ihr viel gepriesenes neues Buch „Bevor ich schlafen kann“, da geht es um eine Psychiaterin und eine Krebserkrankung, Bettina Balaka ihre Geschte von dem Schiffsjungen, die ich, glaube ich, schon gehört habe.
Gerhard Ruiss, den dritten Teil seiner Wolkenstein-Nachdichtungen, das, was es bei Buchlandung im Abverkauf gab, war offenbar der este Teil. Erwin Riess hat wieder ein Kapitel aus „Herr Groll und der rote Strom“ gelesen. Julian Schutting aus „Am Schreibplatz“, der junge Bernhard Strobel, von dem immer gesagt wird, daß er sich in seiner Dichtung mit Randfiguren beschäftigt, aus seinem Erzählband „Nichts, nichts“. Christoph Poschenrieder ist ein Diogenes Autor, den ich nicht kannte und hat einen Schopenhauerroman „Die Welt im Kopf“, zum Gedenkjahr geschrieben. Thomas Sautner, der Autor von „Milchblume“ und „Fuchserde“ hat mit dem bei Aufbau erschienenen „Fremdes Land“ einen Roman über die Gefahren des Sicherheitswahns geschrieben. Franzobel, der bei Rund um die Burg immer sehr prominent besetzt ist, hätte aus „Lusthaus oder die Schule der Gemeinheit“ lesen sollen, hat sich aber etwas andereres ausgesucht und ist zum Abschluß noch einmal gekommen.
Um elf hätte Erika Pluhar aus dem „Späten Tagebuch“, das ich ja gewonnen habe, lesen sollen. Da dachte ich, ziehe ich herum und schaue mir die anderen Stände an, es kam aber Robert Schindel mit seinen sehr skurrilen witzigen Geschichten.
Dann war schon Krimi-Nacht und da habe ich die vom O.P. Zier und von Eva Rossmann schon gelesen. Da habe ich mir die Autorensolidarität- und Buchkultur-Exemplare geholt und geschaut, ob ich Bekannte sehe. Die kleinen feinen Schokotropfen gab es leider nicht mehr.
Die Krimi-Nacht wurde von Susanne Ayoub eröffnet. Die sich wieder mit einem historischen Kriminalfall aus der Nazizeit beschäftigt hat, in dem es um okkulte Strömungen geht. Gerhard Loibelsberger hat auch immer historische Krimis und erzählte, daß er an einer Serie schreibt, die bis ins Jahr 1918 führen soll. Der erste Teil waren die „Naschmarktmorde“. Jetzt war Teil zwei „Reigen des Todes“ dran und es ging um die Obdachlosigkeit des Jahres 1908 und Loibelsberger beschreibt da nach historischen Fakten, die Obdachlosen, die in den Kanalsystemen lebten. Georg Haderer hat einen neuen Krimi „Ohnmachtsspiele“, der spielt in Wien, weil sich angeblich Karl Heinz Grasser bei ihm distanzierte, da der erste in Kitzbühel angesiedelt war und Thomas Raab hat einen neuen Metzger-Fall. Der erzählt eher, stellt Fragen, macht Witze und verloste Marmelade, statt viel zu lesen. Dann kam die Erotiknacht, in der diesmal Markus Köhle, Mieze Medusa und Jan Kossdorff, die „How I fucked Jamal“ Anthologie vorstellten und dafür vom Badeschiff gekommen sind, wo dreißig Jahre Milena Verlag gefeiert wurde, obwohl das nicht stimmt. Denn vor dreißig Jahren wurde der Wiener Frauenverlag gegründet und die Gründerfrauen haben, glaube ich, keine Einladung bekommen, zumindest hat mir Elfriede Haslehner sowas angedeutet.
Um diese Zeit war es wieder leer im Zelt und ziemlich kalt, aber die Anthologie scheint sehr witzig zu sein. So handelt Jan Kossdorffs Geschichte „Die Impotenz im Schoß Europas“ von osteuropaischen Stipendiaten und einem Weißrussischen Ex-Dichter, dem der goldenene Westen die Potenz raubte und Bernhard Saupe hat aus seinem Klever Band sehr gute Gedichte vorgestellt. Dann kamen wieder unbekanntere Autoren, aber auch Simone Schönett mit einem Roman über die Windischen im dritten Reich und die kenne ich vom Volksstimmefest.
Um sieben kam Christine Haidegger mit „Texas travels“ und dann ein bißchen „Unliterarisches“. So stellte Eugen Freund sein Buch über die „Brennpunkte der Weltpolitik“ vor und der Schauspieler Michael Dangl eines das „Rampenflucht“ heißt. Der Burgtheaterblock war diesmal am Vormittag, dann kam die Schule für Dichtung mit einem interessanten Schreibprojekt und einem Buch über Falcos Sprache.
Polly Adler füllte mit ihren trendigen Kolumnetexten das Zelt und ein Wissenschaftskabarett und ein Buch von Andreas Salcher, das sich mit der „letzten Stunde“, beschäftigte, gab es auch.
Ich freute mich auf Norbert Gstreins „Die ganze Wahrheit“. Leider bin ich dabei ein bißchen eingeschlafen, so daß ich mich nicht mehr an alles erinnern kann. Es kamen noch Ronald Pohl und Daniel Glattauer, der aus seinen „Theo“-Geschichten las. Am Schluß präsentierte Franzobel mit Maxi Blaha und Musikbegleitung „Der Himmel is a Eierspeis“ einige seiner älteren Texte, eine Weinheber Nachdichtung, die er nicht als solche erwähnte, war auch dabei und Schöpfungsgeschichten nach Peter Hammerschlag.
Als ich nach fünf das Zelt verließ, war es sehr schön, es gab gerade eine Demonstration am Ring, über die sich ein Besucher beschwerte und am Heldenplatz sollte um achtzehn Uhr eine Willenskundgebung zum Bleiberecht von SOS Mitmensch stattfinden. Ich war aber zu früh daran, so bin ich, weil ich sehr müde und hungrig war, nach Hause gegangen.

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: