Literaturgefluester

2010-09-21

Die Endlichkeit des Lichts

Filed under: Uncategorized — jancak @ 06:46

Den 2001 im Berlin Verlag erschienenen Roman von Susanne Riedel habe ich zweimal im Bücherschrank gefunden und das war gut so, wurde ich dadurch an das Buch erinnert und habe es zu lesen begonnen, weil ich den Namen der Autorin kannte, die 2000 mit einem Auszug aus „Die Endlichkeit des Lichts“ beim Bachmannpreis gewonnen hat.
Wenn man das Buch liest, versteht man auch warum, denn es ist ein sehr typischer Bachmannpreistext.
Höchst kunstvoll und articifiell in einer Sprache geschrieben, die sich von meiner Alltagssprache sicherlich sehr unterscheidet.
„Ein hoch poetischer Text, eine ungeheurer beeindruckende Liebesgeschichte“, hat Iris Radisch in ihrer Jurybegründung geschrieben. Dann wird der Roman noch als Medienkritik benannt, es geht aber vor allem um Gedichte, nämlich um die von T. S. Eliot und Anne Sexton, denn für die haben die Helden der Liebesgeschichte eine deutliche Vorliebe.
Der einbeinige Einsiedler und Pilzspezialist Alakar Macody, der eigentlich Antonio heißt und von seiner Psychoanalytischen Mutter und seinem Physiker Vater, der ihm schon mit sechs Jahren Heisenbergs Theoreme erklären wollte und ihn dadurch in die Einsamkeit getrieben hat. Aber nicht ganz, meldet er sich doch bei einer Millionenshow, die er sofort ohne es überhaupt zu begreifen gewinnt und die Moderatorin Verna Albrecht, verliebt sich sofort in seine Stimme, weil sie sie an ihre große Liebe Izzy Stern erinnert. Außerdem schreibt sie Gedichte, wurde von ihrer Mutter in die Waldorfschule geschickt und besucht zweimal in der Woche eine Psychoanalytikerin.
Macody fährt am nächsten Tag aus dem Wald mit der Postmeisterin zur Show, denkt über sein Leben nach und stiehlt bei Brainonia der Mathematiklehrerin Vera Albert, die zu Hause eine Verna Albrecht Puppe hat, die Show, in dem er für sie die Antworten gibt.
Verna Albrecht wird von ihm nach Haus gefahren, will mit ihm schlafen, streichelt aber leider das falsche Bein, so daß er am nächsten Morgen mit hunderttausend Mark zu Vera Albert fährt und dort einzieht.
Verna wurde indessen von Brainonia gefeuert, weil sie dort weinte und man Gefühle ja nicht zeigen darf. Dafür bekommt Alakar eine eigene Show, wo er zu besten Sendezeiten Eliots Gedichte und seine eigenen verlesen darf.
Er hatte auch eine Geliebte nämlich Doris Knöchel und als sich noch herausstellt, daß die eigentlich Vernas Halbschwester ist und der Vater heißt Izzy Stern wird alles gut und aus den beiden ein Paar.
Soweit der Roman, der 2000 zu einem Bachmannpreis führte und in Wien 2010 gehäuft im Bücherschrank zu finden war. Ich habe ein unverkäufliches Leseexemplar erhalten, das man nicht vor dem 5. August 2001 rezensieren sollte.
Diese Frist ist lang vorbei und ich muß zugeben, daß ich seither nichts mehr von Susanne Riedel hörte. Wenn es aber damals schon den deutschen Buchpreis gegeben hätte, wäre sie wahrscheinlich auf einer der Listen gestanden und der Roman zu einem der Bücher geworden, das man bis Weihnachten kaufen soll und das ist ja das Spannende an den offenen Bücherkästen, daß man da auf die Bücher der vorigen Listen und Bachmannpreisträger stoßen kann, die man nicht gelesen hat.
Und während ich das schreibe, höre ich mir die Diskussion aus dem Bachmannpreis-Archiv an, wo über die schöne Sprache und die Künstlichkeit der Bilder diskutiert wird.

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