Literaturgefluester

2010-09-29

Die Kinder von Eden

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:19

In Ken Folletts 1998 erschienenen Roman „Die Kinder von Eden“, geht es um eine scheinbare Idylle.
Hat sich doch eine kleine Gruppe von Aussteigern ins Silver River Valley von Kalifornien zurückgezogen, um dort Wein anzupflanzen, freie Liebe zu praktizieren, den Konsum und die Technik zu verweigern und mit den von ihrem Führer Priest erfundenen fünf Mantras glücklich zu sein.
Der Grund ist von der Regierung immer für ein Jahr gepachtet und wird, da in der Gegend ein Staudamm errichtet werden soll, gekündigt. Was die Kinder von Eden, beziehungsweise Priest auf den Plan bringt, denn der war, bevor er sich in diese Idylle zurückgezogen hat, ein berüchtigter Gangster, der schon einen Menschen umbrachte und im Alter von elf Jahren sein erstes Auto klaute.
Das beginnt er zu Beginn des Buches zu wiederholen, klaut er da doch einen seismischen Vibrator und bringt gleich, weil sich das nicht so einfach machen läßt, dessen Chauffeur um. Den seismischen Vibrator braucht er, weil die Gruppe beschloßen hat, den Gouverneur mit der Drohung ein Erdbeben auszulösen, zu erpressen. Daß das machbar ist, weiß Priest von Melanie, einer Seismologin, die ihren Mann und ehemaligen Professor mit ihrem Sohn Dusty verlassen hat, weil der in San Francisco an Allergien leidet, die er im Silver River Valley nicht bekommt.
Auf der anderen Seite steht die halbasiatische FPI Agentin Judy Maddox, die gerade die Fung Brüder hinter Schloß und Riegel brachte und Dezernatsleiterin für asiatische Bandenkriminalität werden will. Geht aber nicht, denn sie bekommt einen neuen Chef und der degradiert sie, in dem er ihr den scheinbar unwichtigen Fall der Kinder von Eden überträgt. Als sich der als spekulär erweist, nimmt er ihn wieder weg und Judy muß sich sehr durchsetzen, ihn doch übertragen zu bekommen, was ihr mit Hilfe von Michael Quercus, Melanies Ehemann gelingt.
Das Buch ist in Prolog, Epilog und drei Teilen, von denen der erste vier Wochen, der zweite sieben Tage, der dritte achtundvierzig Stunden dauert, gegliedert.
Der erste wird sehr lang und breit erzählt, man erfährt Priests und Stars Vorgeschichte unter deren Namen das Gut gepachtet ist und die mit Priest drei Kinder hat, obwohl der inzwischen Melanie vögelt und die von Judy Maddox, ihrem Vater und den Mobbingstrategien im FPI.
Priest ist Analphabet, aber sehr gerissen, so plant er alles ganz genau und ist in dem Weingut, von dem niemand weiß, daß es eine Sekte ist, eigentlich unauffindbar. Im zweiten Teil, nach dem ersten Erdbeben, als das FPI den Fall ernst zu nehmen beginnt, ändert sich das schlagartig. Priest und Judy kommen einander immer näher. Er geht auf Pressekonferenzen, entführt die rechte Hand des Gouverneurs, ruft ständig John Truths Nachrichtensender, aber auch direkt beim FPI an, so daß Judy ihm immer dichter an die Fersen kommt. Einmal kommt sie auch mit gezogener Waffe in Michaels Wohnung, in den sie sich verliebt hat, als der gerade mit Melanie im Bett liegt, die von ihm FPI Interna erfahren soll.
Trotzdem kommt es am Ende von Teil zwei zu einem weiteren Erdbeben. Menschen werden verletzt, Melanie wird als Mittäterin erkannt und Judy erfährt Priests richtigen Namen, er kann ihr aber trotzdem entkommen, so daß es nach zwei neuen abenteuerlichen Tagen, zwar zu keinem dritten Erdbeben kommt, das kann Judy gerade noch verhindern, in dem sie auf Priest schießt, der hat vorher schon Melanie erschoßen, weil sie sich um Dusties Sicherheit Sorgen machte.
Priest entkommt ihr trotzdem, läßt sich von einem heroinsüchtigen Chirurgen zusammenflicken um ins Silver Valley zurückzukehren, das von dem Stausee inzwischen schon durchflutet wird, um mit einer Flasche des selbsterzeugten Weins und einem dicken Marihuana-Joint in die ewigen Jagdgründe zurückzukehren.
Der elfte Bestseller des 1949 in Wales geborenen Ken Follet ist ohne Zweifel sehr spannend geschrieben, wenn er auch nicht ganz logisch ist. So erscheint mir die Kombination von dem analphabetischen Kriminellen, der zwanzig Jahre als Guro ohne Geld und Strom in einer Hütte lebt und plötzlich, weil ihm diese Idylle genommen werden soll, wie wild zu morden beginnt, nicht sehr realistisch und die Handlung ist eigentlich nach einem sehr einfachen Muster gestrickt, trotzdem ist sie excellent aufgebaut und ein Musterbeispiel der Spannungssteigerung.
Es steht in der Danksagung auch etwas von einem Research for Writers und, daß die Skizzen und Entwürfe von Freunden, Agenten und Lektoren gelesen und einer konstruktiven Kritik unterzogen wurden.
Und Gabriele Madeja, die Ken Follet als Stargast für die heurigen Buch Wien geholt hat, hat bei dem Jour fixe im Juni auch erzählt, daß sie zwei Bücher von ihm gelesen hat, die ihr sehr gefallen hätten und das habe ich inzwischen auch getan.
Außer „Die Kinder von Eden“ noch „Der Schlüssel zu Rebecca“, das ich vor zwei Jahren bei diesen Stattersdorfer Kirchenflohmarkt gefunden habe. Gabriele Madeja zeigte sich von dem Bestsellerautor begeistert, während ich in einer „VonTag zu Tag“- Sendung vorige Woche, als dort Michael Rohrwassers Buch „Seitenweise“ vorgestellt wurde, hören konnte, daß manche Leute sich den Buchumschlag der „Letzten Tage der Menschheit“ über einen Follet Thriller stülpen, um ihn ungestraft im Zug zu lesen.
Dazu ist jetzt wieder Gelegenheit, ist der neue Follet „Sturz der Titanen“ gestern ja erschienen. Ich habe die Bücher natürlich offen gelesen und bespreche den Bücherschrankfund auch so.

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