Literaturgefluester

2010-10-10

Buchmesse und Friedenspreis des deutschen Buchhandels

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:36

Heute morgen bin ich so früh mit dem Rad nach Ochsenburg gefahren, daß noch der Rauhreif auf dem Gras gelegen ist, wollte ich doch, wenn das blaue Sofa und die 3Sat Übertragungen des letzten Messetages beginnen, zurücksein, denn da gab es gleich ein interessantes Programm. Christian Adam und sein Buch „Lesen unter Hitler“, über das Lesen in Deutschland zwischen 1933 und 1945 und da war interessant zu hören, daß es einen Kulturstreit zwischen Goebbels, der Germanist gewesen ist und Alfred Rosenberg, dem Dogmatiker gegeben hat und Hiltler gern Karl May gelesen hat. Empirische Leseforschung gab es noch nicht, wohl aber die Bücherei Ausleihlisten und da stand Schenzinger mit seinem Rohstoffroman „Anilin“ darauf, es mußte damals alles unpolitisch und unterhaltsam sein, also keine Hakenkreuzfahnen im Inhalt. „Mein Kampf“ und „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ waren die Bestseller, ist die Kurzfassung des Buches, das mich sehr interessiert. Vielleicht kommt es einmal zu mir, so daß ich mich weiter vertiefen kann. Danach habe ich aufs blaue Sofa zurückgeschaltet, denn dort wurde die Preisträgerin des Aspekte Literaturpreises, Dorothee Elmiger, die ich schon von Klagenfurt kenne, mit ihrem Roman „Einladung an die Waghalsigen“ vorgestellt und das Buch über die beiden Schwestern über einer Polizeistation einer untergegangenen Stadt, die sich die Welt aus dem übergebliebenen Büchern erretten wollen, Margarete lesend, Fritzi durch Erkundungsspaziergänge, würde mich auch interessieren. Ich habe mir überhaupt eine Liste der Buchmessebücher erstellt, die ich gern lesen würde. Es sind sehr viele. Wawerzinek, Kohout, Grass, Grossmann, Franzen, Rachman, Nadl Abonji, Ortheil, Rabinovici ect. Ich hab dabei nur ein Platzproblem, so daß ich es beim Anhören belasse und von David Grossmann, dem diesjährigen Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels war anschließend gleich zu hören, gab es bei ARD ja einen Livestream zur Paulskirche. Die Laudatio hielt Joachim Gauck und der Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“, wurde schon am Donnerstag am blauen Sofa vorgestellt. Der 1954 in Jerusalem geborene, israelische Schriftsteller hat, wie er in seiner Dankesrede ausführte, den Preis bekommen, obwohl er den Frieden nie erlebte, sondern immer im Krieg lebte. 2006 ist sein Sohn gefallen, er hat eine Woche später wieder zu schreiben angefangen und der auf der Messe vorgestellte Roman, handelt von einer Frau, die ihren Sohn zum Militäreinsatz bringt und dann nicht mehr nach Hause geht, weil sie Angst vor der Nachricht seines Todes hat.
Dann wurde es auf dem blauen Sofa wieder weniger literarisch. Ich hörte aber noch Andreas Maier, der mit seinem Roman „Das Zimmer“ auch auf der Longlist stand. Den 1967 in Bad Nauheim geborenen Autor kenne ich von seinen Kolummnen in der Zeitschrift „Volltext“, seinen Roman „Klausen“ habe ich gelesen. Beim „Zimmer“ handelt es sich um den ersten Teil von geplanten elf Bänden, in denen Andreas Maier seine nähere Umgebung erkunden will. Hauptperson ist ein behinderter Onkel und dessen Leben wird beschrieben. Ein bißchen hatte ich mit dem Autor schon bei seinen Kolumnen Schwierigkeiten, weil er mir zu aggressiv erscheint und man muß das Buch wohl lesen, um es beurteilen zu können.
Wir sind dann bald nach Wien gefahren, mußte ich ja wählen und jetzt ist die Frankfurter Buchmesse 2010 schon Geschichte.
Neunzigtausend Bücher wurden wieder vorgestellt, einen Bruchbruchteil davon kann man lesen. Ob sie ein Erfolg war, wird morgen in der Zeitung stehen. Ich habe wieder viel Interessantes erfahren und werde noch ein bißchen in den Podcasts und den Messeberichten surfen und morgen gehts zurück in den alltäglichen Literaturbetrieb. Ich habe nächste Woche ein dichtes Veranstaltungsprogramm, werde mit meiner Herbst Winterleseliste weitermachen und schon mit John Irvings „Witwe für ein Jahr“ begonnen. Die Ohrenschmaustexte sollten auch bald kommen, damit ich sie bis zur Jurysitzung durchsehen kann und „Mimis Bücher“ wurden, wie mir der Digitaldruck am Freitag mitteilte, schon abgeschickt.

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