Literaturgefluester

2010-10-20

Zweimal Rennweg

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:29

Für heute morgen hatte ich wieder so eine Einladung zu einer Produktpräsentation. Da ruft dich jemand mit französischen Akzent an, nennt dich „Madame“ und lädt dich in ein Hotel am Rennweg zu einer Porzellanaustellung aus. Du mußt den Monsieur mitbringen und seinen Namen sagen, aber mein Monsieur geht um elf zu keiner Produktpräsentation und war außerdem bei einer Konferenz in Krems.
„Macht nichts!“, sagt der junge Mann am Telefon, der sich vergewissert, ob die Einladung angekommen ist, dann komme ich eben allein und denke, daß es vielleicht Kaffee und Kuchen oder ein Buffet geben wird, schließlich habe ich schon Erfahrung mit Produktpräsentationen. Der Herr in dem Hotel am Rennweg Nummer 16 nennt mich auch „Madame“ und sammelt am Eingang die Einladungskarten ein, dann sitze ich ein bißchem im Foyer herum und sehe, daß es gedeckt, wie bei einem Buffet ist. Vorfreude kommt auf und es sammeln sich auch einige ältere Damen und Herren. Zehn nach elf kommen zwei Herren und und bitten in einen Raum, wo hinter einem Tisch Gläser und Teller aufgestellt sind. Sessel gibt es keine.
„Kommen Sie näher!“, sagt der Werber mit französischen Akzent von dem ich nicht weß, wie echt er ist und ich beginne zu verstehen, wie sich Klaustrophobien entwickeln, aber Monsieur schwatzt von einer französischen Porzellanfirma, die Werbung machen will, in dem sie den drei Paaren, die sich das verdienen, ein Geschenk machen werden, zeigt Porzellanteller, die mir nicht gefallen, erzählt, daß sie zwischen sieben und siebzehntausend Euro kosten und läßt das Publikum aufschreiben, für welches Design man sich entscheidet. Ich wähle das Billigste, dann kommt das Fragespiel, man muß aufzeigen, wenn man sich für nein entscheidet, muß man den Saal verlassen
„Au revoir!“, auf daß die drei glücklichen Käufer überbleiben. Als es so weit ist, daß man bestimmen soll, ob einen für das geschenkte Service die Gravour viertausend Euro wert ist, bin ich dran,
„Au revoir, Madame!“, grinst der Werber, hält mir die Türe auf und ich gehe leicht betropetzt nach Hause. Was war das? Eine Bauernfängerei? Da habe ich gedacht, ich hätte schon Erfahrung mit Werbeveranstaltungen, denn Buffet hat es selbstverständlich nicht gegeben, aber vielleicht eine Idee für den nächsten Roman.
Das wäre doch ein Einfall, der sich lohnt. Ich koche Mittagessen, mache eine Diagnostik, sowie eine Stunde und habe noch etwas vor.
Diesmal am Rennweg 44, im Studio der österreichischen Lotterien, denn da wird heute, wie ich aus dem Internet und dem Literaturkompaß der Zeitschrift Buchkultur weiß, zum ersten Mal der Alpha Literaturpreis der österreichischen Nachwuchsliteratur vergeben. Das Casino Austria tut das in Zusammenarbeit mit den städtischen Büchereien und da haben alle, die nicht mehr als zwei oder drei Buchveröffentlichungen haben, einreichen können. Hundert haben das getan.
Jessica Beer, Rudolf Schirhuber, Rudolf Kraus und Christian Jahl haben fünf daraus ausgewählt. Die Hauptjuororen, die aus Josef Haslinger, Gabriele Madeja und Klaus Nüchtern bestanden, haben noch einen sechsten dazugewählt und so sind Richard Obermayr, Verena Roßbacher, Thomas Stangl, Clemens J. Setz, Anna Kim und Christine Wiesmüller in die Shortlist gekommen. Von der letztern habe ich noch nie etwas gehört und da sich die Suchanfragen auf meinen Blog bezüglich Richard Obermayr in den letzten Tagen häuften, wurde ich neugierig auf die Gala, die im Literaturkompaß angekündigt war und bei der drei der Auserwählten lesen und einer schlußendlich die zehntausend Euro bekommen würde
Also hingegangen, obwohl ich mir dachte, daß man bei einer Gala vielleicht eine Einladung und eine Anmeldung haben müßte.
„Ich komme schon hinein!“, habe ich gedacht und so war es auch. Auf Tisch fünfzehn ganz hinten und zu meiner Überraschung gab es ein ganzes Menu. Vorher Aperitivs im Vorraum, ich habe Josef Haslinger die Hand gegeben und Gustav Ernst, der mich nicht mehr fragte, wieso ich hergekommen bin, sondern mich Karin Fleischanderl vorstellte und Herwig Bitsche begrüßt, der den Residenz Verlag leider verläßt, aber Clemens J. Setz ist sein Kanditat.
Ich schätzte und ich schätze immer falsch, meine Leser wissen es, auf Richard Obermayr, Clemens Setz und Verena Roßbacher und sah, als ich schon beim Vorspeisenteller saß, Thomas Stangl vorüberhuschen, hörte dem Gespräch der beiden freundlichen Herren neben mir über Börsenkurse und Bücher, die sie herausgeben werden, zu, da hatte ich mich schon in das Gespräch eingemischt, denn die Ungeduld wuchs, wer sind die drei Auserwählten?
Clarissa Stadler erklomm das Podium und erzählte etwas über den Wert den Lesens. Über zwanzig Prozent können das schon nicht mehr, aber die Lotterien werden das jetzt fördern und der Direktor erzählte, daß er als Kind vis a vie einer Bücherei gewohnt hat.
Dann kamen der Direktor der Büchereien und die Hauptjuroren. Die drei Auserwählten wurden mit einem Film vorgestellt und lasen aus ihren Büchern, denn man mußte eines einreichen. Als erste kam Verena Roßbacher mit „Verlangen nach Drachen“ , dann Clemens J. Setzt mit den „Frequenzen“, aber der ist im Moment in den USA bei einem Werkshop, also las der Lektor, danach nicht Richard Obermayr, sondern Thomas Stangl, die drei anderen Autoren habe ich nicht gesehen. Ich zückte mein Notizbuch und schrieb eifrig mit, so daß mich der Herr an meiner Seite fragte, auf wem ich tippen würde?
„Clemens J. Setz!“, antwortete ich.
„Und Sie?“
„Die Dame und die beiden anderen werden sich erschießen!“, was ich nicht ganz verstanden habe, aber die Auflösung kam nicht gleich, zuerst machten Ernst Molden und Willi Resetarits Musik und Josef Haslinger erzählte eine halbe Seite etwas zu der Preisverleihung sagte, bevor er den Namen preisgab.
„Und der Winner is Thomas Stangl!“
Ich war wieder einmal erstaunt und es hätte es wissen können, denn der letzte gewinnt, das ist mir ja schon einmal in Klagenfurt so passiert oder nicht, denn ich war nicht die letzte.
Danach gab es das Buffet. Beiried vom Salzburger Hochried, österreichische Lachsforelle oder im Ofen gegartes Rieslinghuhn.Ich habe mich für Huhn und Rind entschieden und für Mohr im Hemd und Joghurt Mousse mit frischen Früchten als Dessert und das Beste war, daß man sich das Buch mitnehmen konnte. Ich habe es mir signieren lassen, was ich ja nicht oft tue. Aber diesmal hat es gepasst und dem Autor gratuliert, dessen Bachmannpreislesung ich mitverfolgte. Auf der voretzten Shortlist war er auch. Er war sehr freundlich und hat „Das ist ein verdienter Autor!“, gesagt, als ich ihm erzählte, daß ich auf Richard Obermayr tippte und nicht mit ihm gerechnet hätte und die beiden Herren an meiner Seite, die von Hatschi Bratschis Luftballon schwärmten, haben mir meine Bücher abgekauft, ob sie ihnen gefallen, weiß ich nicht. Ich bin ja eine außerhalb des Literaturbetriebs und im Internet wurde beanstandet, daß bei diesem Nachwuchswettbewerb fast nur Namen ausgewählt wurden, die ihren Weg auch so gemacht hätten. Namen, die man kennt, die Minderheit, die sich für Literatur interessiert, wie Clarissa Stadler erwähnte, jedenfalls und für mich ist diese Literaturgala eines der größten Literaturereignisse, das ich erlebt habe. Sehr viel mir bekanntes Publikum habe ich nicht gesehen. Das Buch von Thomas Stangl werde ich natürlich lesen, auch wenn es meine Herbst und Winterleseliste durcheinanderbringt.

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