Literaturgefluester

2010-10-28

Anima Mundi

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:55

„Anima Mundi“ von der 1957 in Triest geborenen Großnichte Italo Svevos Susanna Tamaro, die mit ihrem Liebesroman „Geh wohin das Herz dich trägt“, berühmt geworden ist, ist ein Entwicklungsroman, so einer wie Siddharta oder Ruth Aspöck „Kannitverstan“.
Er beginnt mit einer philosophischen Einführung, ist in drei Teilen „Feuer – Erde – Wind“ gegliedert und man muß erst zwei Seiten lesen, bis man auf den Ich-Erzähler Walter stößt, der zum Begräbnis seines Vaters in das Dörfchen im Karst zurückgekommen ist, bei dem drei alte Männer soetwas wie die Internatione singen und kein Pfarrer erwünscht ist.
Nach und nach erfährt man von Walters Leben. Der Großvater war im ersten Weltkrieg, der Vater bei den Partisanen, ist dabei zum Trinker geworden, die Mutter eine ehemalige Lehrerin glaubt an Gott, der Vater an den Teufel und man denkt, das schließt direkt an den Konformisten an und dieser ist ein Sohn desselben, obwohl Walters Vater auf der anderen Seite kämpfte.
Walters Kindheit verläuft unglücklich, wie die Pubertät eben verlauft. Die ersten Jahre seines Lebens ist er ein Musterschüler, dann macht er eine Wandlung durch, beginnt zu trinken, läuft von zu Hause weg, schließt sich einem Wanderzirkus an, gerät schließlich in die Psychiatrie, wo er seinen einzigen Freund Andrea kennenlernt.
Im zweiten Teil ist er nach Rom gezogen, arbeitet dort als Tellerwäscher, wohnt in Untermiete mit einem Studenten, schreibt einen Roman, der sich nicht gut verkauft und, um nicht zu verhungern Texte für Pornofilme, obwohl er gar keine Erfahrung damit hat, wird der Geliebte einer verheirateten Frau und verliert die Mutter an Krebs, bevor er zehn Jahre später zurück in das Dorf kommt, in dem der Vater im Sterben liegt. Walter haßt den Vater, doch der bittet ihn um Verzeihung und einen Brief von dem Jugendfreund findet er auch.
Im dritten Teil geht er zu ihm in ein Kloster, findet dort aber nur eine alte Nonne vor, die ihm zu seinem Grab führt, der sich inzwischen umgebracht hat.
In dessen Zimmer findet er wieder Briefe, in dem Andrea ihm von der Schuld seines Vaters, der im Krieg seinen Freund tötete und dann nicht mehr gesprochen hat und der eigenen in der Fremdenlegion erzählt. Und während Moravias „Konformist“ damit beginnt, daß der kleine Marcello Eidechsen tötet, steht hier auf Seite dreihundertneun der Satz „Schon die Kinder töten gern, sie töten Ameisen, Vogeljunge im Nest und, wenn sie können, sogar Kätzchen Warum soll man als Erwachsener damit aufhören? Warum ist uns nur die Möglichkeit gegeben worden, Leben auszulöschen, nicht aber etwas zu erschaffen?“
„Was ist das Böse?“, fragt Walter die alte Nonne, die ihm die entsprechende Antwort gibt. Er bleibt bei ihr, bis sie stirbt, um sie zu begraben und ihr, nach ihrem Wunsch das Friedensgebet des heiligen Franziskus vorzulesen.
Beim Lesen dieses Bücherschrankbuchs ist es mir ein wenig seltsam gegangen. Denn einerseits passt es exakt zu der Lektüre des „Konformisten“.
Moravias Bilder mit denen er den Faschismus erklärt sind stärker und sie sind auch sehr erotisch. Susanna Tamaro liest sich leicht dahin. Die Philosophie, der Buddhismus fallen auf. Dann denkt man, das hat man doch schon alles gelesen. Ich war zwar nie eine besondere Hesse-Freundin und habe Siddharta auch nicht als das Kultbuch gelesen, doch die Idee, das Leben als Gleichnis zu erzählen, erscheint einleuchtend und tröstlich ist es auch.
Im zweiten Teil mußte ich ein bißchen passen, da erschien mir die Künstlerparabel doch ein wenig zu klischeehaft. Die Idee, das Ganze aber auf den Krieg und den Faschismus zurückzuführen, ist wieder interessant. Das Leben geht weiter, lautet die Botschaft und die Kinder der Konformisten bzw. der Partisanen, haßen später ihre Väter, werden Alkohol- oder Drogensüchtig, versuchen sich als Künstler zu verwirklichen und werden dabei ausgenützt…
Ob am Ende alle die Erleuchtung finden und, ob die in einem Kloster verborgen ist, weiß ich aber nicht.

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2 Kommentare »

  1. Der Harry Mulisch ist vorgestern gestorben; 83 Jahr. Kennen Sie vielleicht der Novelle : Zwie Frauen.; Siegfried und ;Die Entdeckung des Himmels das ich auch an Rudolf Blazejewski verschenkt habe?

    Kommentar von frans postma — 2010-11-01 @ 11:52 | Antworten

  2. Siegfried, die fiktive Geschichte über Hitlers Sohn habe ich einmal gelesen

    Kommentar von jancak — 2010-11-01 @ 15:15 | Antworten


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