Literaturgefluester

2010-10-30

Weltspartag, Ohrenschmaus und Reisereportage

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

Alles in einem Tag und dazwischen gabs noch die Abrechnung zu machen. Zwischen den WGPV-Honorarnoten und denen an die WGKK bin ich in die Bank gegangen, um mich ein Viertelstündchen mit meinem Bankfreund zu unterhalten, eine Weinverkostung gabs am Weltspartag auch, allerdings keine Geschenke mehr für Erwachsene. Die Künstlerin, die mich vor zwei Jahren zu einer Lesung eingeladen hat, die nie stattfand, habe ich dort getroffen und um fünf war Ohrenschmaus Jurysitzung im Albert Schweitzerhaus.
Vorher habe ich versucht meine Rechnungen an die Sozialversicherung zu schicken und meine Juryvorschläge durchgeschaut. Eva Singer schickte, die von Kurt Palm und Ludwig Laher, die sich entschuldigen ließen und da habe ich neue Jurymitglieder vorgeschlagen, von denen ich gerne hätte, daß sie zu den Sitzungen kommen. Ludwig Laher ist aber in Japan auf Lesereise. Andrea Stift war da, ebenso Heinz Janisch und Barbara Rett.
Die Entscheidung zu den neuen Prosa, Lyrik und Lebensberichtsiegern ist relativ schnell erfolgt. Am 30. November ist die Preisverleihung, bis dahin werde ich die Laudatio für den Lyrikpreis schreiben. Es gibt schon einen Ablaufplan, Michaela König wird mitmoderieren und eine Stepeinlage gibt es, glaube ich, auch.
Sehr spannend und man kann sich schon darauf freuen.Vorerst war ich einmal froh, daß es so schnell gegangen ist, wollte ich am Abend doch ins Radiokulturhaus gehen, denn da wurden die literarischen Reportagen auf den Spuren Joseph Roths „Mit Sprache unterwegs“ vorgestellt und das ist ein Projekt über das ich schon geflüstert habe.
Christiane Zintzen hat es Anfang des Jahres in ihrem Blog vorgestellt und die Vorberichte der Autoren gebracht. Christoph W. Bauer, Clemens Berger, Anna Kim, Radek Knapp, Lydia Mischkulnig, Martin Pollak, Doron Rabinovici, Peter Rosei und Sabine Scholl haben ein Reisestipendium bekommen, sich damit eine Gegend ausgesucht und darüber berichtet. Eugenie Kain hätte auch mitmachen sollen, ist im Jänner aber verstorben.
Die Endfassung gibt es als Buch der Edition Atelier, herausgegeben von Kurt Neumann und Manfred Müller, was noch bei diesem Projekt zu erwähnen ist, ist, daß es offenbar in Kooperation aller österreichischer Literaturhäuser, der Gesellschaft für Literatur und der Alten Schmiede durchgeführt wurde und wird dort auch auf Tournee gehen und im Sommer sendet der ORF die Texte im Literaturprogramm. Günter Kaindlsdorfer hat mit Ilija Trojanow moderiert, sieben Autoren waren anwesend und wurden in drei Runden vorgestellt, dazwischen gab es Proben vom Josephs Roths Reportagen.
„Da müssen sich die zehn sehr anstrengen, ihr Vorbild zu erreichen!“, hat der Joseph Roth Verehrer Otto Lambauer kommentiert, als ich im Jänner davon berichtet habe.
Sie haben sich angestrengt und es sind interesante Texte herausgekommen. So ist Clemens Berger den Burgenländern nachgefahren, die um die Jahrhundertwende nach Amerika auswanderten, während Christoph W. Bauer, Joseph Roth nach Paris, aber auch nach Lemberg und in seinen Geburtsort nachgefahren ist.
Doron Rabinovici hat es nach Sri Lanka verschlagen, wo die jungen Israeli nach drei Jahren Militärdienst die große Freiheit suchen, dort aber von verschienenen Rabinern missioniert werden. Bei der Shortlistenlesung in der Hauptbücherei hat er darüber berichtet. Peter Rosei war mit seiner Reportage, glaube ich, in Ungarn, hat Günther Kaindlsdorfer aber viel von seinen früheren Reisen erzählt. So ist er mit H. C. Artmann mit dem Motorrad durch Italien gefahren, mit Kurt Neumann war er in der hohen Tatra und in Wien läuft er auch sehr viel herum.
Runde drei bestand aus Martin Pollack und Anna Kim. Martin Pollack hat sich auf die Spuren der burgendländischen Roma gesetzt, die im zweiten Weltkrieg in Polen ermordet wurden und wollte wissen, ob es in den Dörfern Erinnerungspunkte an sie gibt. Es gibt aber keine Gedenksteine und Tafeln und über die Meldelisten kann man auch nicht herausbekommen, wieviel Romafamilien heute dort leben.
Sabine Scholl habe ich vergessen, die war in Siebenbürgen und hat die deutsche Kultur gesucht und soweit passen die Ziele auch zusammen und zu Joseph Roth. Anna Kim fällt mit ihrer Grönlandreise aus der Reihe, aber dort spielt ihr neuer Roman spielen und Grönland ist für eine literarische Recherche sicher interessant, auch wenn Joseph Roth nicht dort gewesen sein wird. Der hat in den Neunzehnzwanzigerjahren die junge SU bereist und ist in Paris elend verstorben und von Radek Knapp, der nicht anwesend war, habe ich in Christiane Zintzens Blogs gelesen, daß er sich mit dem Flugzeugabsturz in Smolenz beschäftigt hat.
Das hat mich interessiert, habe ich es ja für die „Absturzgefahr“ gebraucht. Wo Lydia Mischkulnig gewesen ist, weiß ich jetzt nicht, kann es aber bei Christiane Zintzen nachlesen, im Buch steht auch einiges über Eugenie Kains Reisepläne.
Das Buch ist also interessant und das Radiokulturhaus war sehr voll. Marianne Gruber, Silvia Bartl, Julya Rabinowich, Semier Insayif und noch viele andere habe ich gesehen und die Diskussion war sehr vielschichtig, wurden die Autoren ja nicht nur nach ihren Reisen befragt, es wurde auch diskutiert, was sich seit Joseph Roths Zeiten verändert hat?
Daß man von Innsbruck nach Wien in fünfundvierzig Minuten und achthundertfünfzig Stundenkilometern gelangen kann, war Christoph W.Bauers Antwort. Man braucht also keine Automaten mehr, wo man sich die Reiselektüre für die lange Fahrt am Bahnhof ziehen kann, wie es Joseph Roth Anno 1920 beschrieb.
Wozu braucht man überhaupt Reisereportagen, wenn jeder selber an die Orte fahren kann, war die nächste Frage?
Dazu fällt mir ein, daß ich beim Writersstudio Eröffnungstag einen Schnupperkurs in „Travel Writing“ besucht und die hohe Tatra mit allen Sinnen beschrieben habe und als ich im Jänner das Projekt beflüsterte, habe ich dem Otto geantwortet, daß ich auch mit Sprache unterwegs sein werde. Ich war es inzwischen auch, in Leipzig, auf der hohen Tatra, in Krakau und in Harland in der Sommerfrische und natürlich komme ich fürs Literaturgeflüster auch ohne Reisestipendium viel herum an den literarischen Orten Wiens, die ganz ohne Stipendium für mich und die, die es interessiert, beschreibe. Eines der nächsten Projekte wird die Buch-Wien sein und dafür habe ich inzwischen eine Einladung bzw. eine Empfehlung bekommen.

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