Literaturgefluester

2010-11-30

Ohrenschmaus 2010

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:21
Gebärdendolmetsch und BM Schmied

Gebärdendolmetsch und BM Schmied

Der Literaturpreis für Menschen mit Lernschwierigkeiten bzw. intellektueller Behinderung wurde heute im Museumsquartier zum vierten Mal vergeben. Ich bin seit Beginn in der Jury und wie immer ist das Lesen der an die hundertvierzig Texte interessant gewesen. Die Jury besteht außerdem aus Kurt Palm, Heinz Janisch, Barbara Rett, Andrea Stift und Ludwig Laher, die beiden letzten sind neu, Felix Mitterer hat den Ehrenschutz und der Ohrenschmaus wurde von Franz Joseph Huainigg zu seinem vierzigsten Geburtstag ins Leben gerufen.
Es gibt drei Preise in den Kategorien Lyrik, Prosa, Lebensbericht und die Preisverleihung war sehr eindrucksvoll. Vor allem sehr voll, inzwischen beginnt sich auch das literarische Stammpublikum hineinzumischen. So hat mich die ältere Dame, die immer Friederike Mayröcker in die Alte Schmiede begleitet, begrüßt, der Josef und der Lehrer, den ich von der Auge-Weihnachtsfeier kenne, waren ebenfalls da.
Johannes Kaup hat wieder moderiert, Frank Hoffmann die Ohrenschmaus-Schmankerl vorgelesen. So gab es ja sehr viele schöne Texte z.B., den von „der fliegenden Waschmaschine“ von Hedwig Dinges, die hoch in die Luft abhebt und alle Busenhalter, Höschen etc. ablädt, so daß sich die Menschen wundern, wo die viele Wäschen auf einmal herkommt oder den von Herbert Kastner „Grüß dich, Herr Mozart“: „Er hat mich besucht, der österreichische Komponist Wolfgang Amadeus Mozart. Er hat mit „Nannerl“, Weber Konstanze, auch mit seinem Vater Leopold Mozart und mit den Kindern, einen Staatsbesuch nach Gallneukirchen gemacht, mit der Pferdekutsche.“
Dann wurden die Frau Minister, die ebenfalls seit drei Jahren an der Preisverleihung teilnimmt und das Siegergedicht verliest und Felix Mitterer zu dem Preis befragt.
Es gab es eine Stepptanzeinlage mit Clara Horvath und Mike Brozek, anschließend wurde der Prosapreisträger David Sylvester Marek und sein Text „Baustelle beim Madlehner Haus an der Silvretta Hochalpenstraße“ vorgestellt. Ludwig Laher hielt eine wirklich schöne Laudatio und es ist auch ein sehr schöner Text, für den ich ebenfalls gestimmt habe. Eigentlich ein Dialog zwischen einem Herrn Ludwig Sucher und einem Herrn Karl Hetzer, die sich über die Reperaturen und Kraftwerkanlagen mokieren und von Unfällen erzählen, wo Kohlenhändler in die Laster mit Weinflaschen hineinfahren oder umgekehrt. Einen Textdialog von einer „geheimnisvollen Gletscherspaltenputzfrau im Ochsental“ zwischen Ludwig Sucher und Karl Hetzer gab es auch noch.
Der Lebensbericht „Aufsatz vom Wochenende“: „Am Samstag aufgestanden, Klo gehen, dann gut abwischen, gut anziehen, dann mit dem Autobus bis zur Albrechtskreithgasse und weitergehen, bis zum Hof hinunter, dann warten, Pause machen, aufs Klo gehen, Mund abwischen, Hände abwischen, 1/2 3 aufkehren, zusammenkehren, Mistausleeren, 3 Uhr fertigmachen“ ect, stammt von dem 1964 in Wien geborenen Reinhard Buchmann.
Die Laudatio stammte von Andrea Stift, die krank war und ihren Text verlesen ließ.
Ich hielt die Laudatio für den Lyriktext von Stefan Mann aus Gallneukirchen, der einige Text einreichte. Das Siegergedicht, das man auch in der Zotter Schokolade, die es wieder gab, finden kann, heißt
Wie ich in die Welt kam
Schon längere Zeit war ich als Affe dort oben
Ich war froh, daß mein Stern gekommen ist. Ich bin darauf geklettert.
Es war finster im Weltall.
Früher war ich im schwarzen Loch. Ich hab mich gewehrt, mit allen meinen Kräften, das mich das schwarze Loch nicht schluckt.
Eine Verwandlung kam vom Affen zum Menschen.
Ich bin gehüpft, wie ein Mann mit einem Ball. Dann war ich im Raumschiff.
Meine Mutter wurde 1931 mit mir schwanger. Ich flog runter.
Es war eine große Last für meine Mutter. Es war noch immer finster und kalt.
Wenn sie ihre Hände auf den Bauch legte, wurde es warm
Dann wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert.
Aus dem Stern wurde ich. Ein wertvolles Kind

„Stefan Manns Texte sind merkwürdig bizarr und verstehen das Leben in schrillen, farbenfrohen Bildern, in einer sehr lebendigen Sprache zu schildern… Schreiben ist gebündelte Phantasie und die kann helfen mit der Wirklichkeit zu recht zu kommen und sie dadurch besser zu verstehen“, habe ich in meiner Laudatio geschrieben.
Dann gabs Live-Musik von Ronny Pfennigbauer, der auch in den früheren Jahren schon aufgetreten ist. Die Ehrenliste mit den zwölf außerdem noch ausgezeichneten Texten wurde vorgelesen und einen ganz besonders originellen, den ich mir auch sehr angestrichen habe, gab es, ebenfalls von Reinhard Buchmann, auch noch, den las Felix Mitterer vor.
„Früher war Vindobona geheißen, so ist Wien groß und christlich geworden, früher war die Ritterzeit, heute ist Österreich und Europa katholisch geworden, früher war der Bezirk von Chirurgen und Internisten bewohnt, heute ist der Bezirk groß und psychiatrisch und gesundheitlich geworden, früher war die Mörderhand, heute ist Österreich und Europa katholisch geworden“ und so weiter und so fort. Thomas Bernhard läßt grüßen, könnte man sagen und ganz am Schluß, bevor die Schokolade angebissen, das Abschlußfoto gemacht und das Buffet eröffnet wurde, wurde noch ein Film nach dem Siegertext des ersten Ohrenschmauses 2007 „Der böse Gerhard“ von Renate Gradwohl gezeigt.
Wer sich für die gesamte Textauswahl interessiert, auf www.ohrenschmaus.net wird sie bald zu finden sein. Meine Berichte von 2008 und 2009 gibt es hier zu lesen und ein Literaturcafe Ohrenschmaus bei facebook gibt es inzwischen auch.

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2010-11-28

Erich Fried Preis 2010

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:58

Der nächste November Fixpunkt ist die Verleihung des internationalen Erich Fried Preises, der seit 1989 oder 1990 von der Erich Fried Gesellschaft in Verbindung mit dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst vergeben wird. So weit ich mich erinnern kann, findet die Veranstaltung im Literaturhaus statt, ein Jahr in Verbindung mit einem Symposium, das Jahr darauf nur die Preisverleihung mit Laudatio und der Lesung des Preisträgers oder Jurors. Das Besondere an dem Preis ist, daß immer nur ein Juror für die Auswahl verantwortlich ist.
Derzeit ist Heinz Lunzer, der ehemalige Literaturhausleiter, der Präsident. Rolf Schwendter war das schon und um die Mitgliedschaft kann man sich nicht bewerben, sondern muß ausgewählt werden.
Mitglieder sind Ilse Aichinger, Klaus Amann, Marcel Beyer, Elisabeth Borchers, Paolo Chiarini, Anne Duden, Gustav Ernst, Julia Franck, Kurt Groenewold, Sabine Groenewold, Josef Haslinger, Christoph Hein, Walter Hinderer, Karin Ivancsics, Elfriede Jelinek, Inge Jens, Volker Kaukoreit, Alfred Kolleritsch, György Konrad, Gila Lustiger, Beatrice von Matt, Friederike Mayröcker, Robert Menasse, Adolf Muschg, Doron Rabinovici, Robert Schindel, Susanne Schüssler, Rolf Schwendter, Ursula Seeber, Christine Weiss, Herbert J. Wimmer und Christa Wolf.
Der heurige Juror Urs Widmer hat sich für Terezia Mora als Preisträgerin entschieden. Den 1938 in Basel geborenenen Urs Widmer habe ich erst am Donnerstag in der Alten Schmiede bei fünfzig Jahre Mansuskripte gehört. Gestern hat er im Rahmen des Fried Preises im Literaturhaus aus seinem Roman „Herr Adamson“ gelesen. Das hätte mich interessiert, davon voriges Jahr einiges beim Frankfurter Buchmessen Surfen hörte. Wir sind aber am Freitag nach Harland gefahren, da es gestern Nachmittag den Fototreff von Alfreds Wandergruppe gab.
Da ich aber regelmäßig zur Erich Fried Preisverleihung, seit sie im Literaturhaus und nicht im Akademietheater, wozu man Karten haben mußte, gehe, sind wir heute früh zurückgefahren und ich hatte an Heinz Lunzer, bzw. Volker Kaukoreit, mit dem ich 2001 einen gemeinsamen Interviewtermin bei Radio Orange hatte, ein Anliegen.
Hat mir nämlich Alfred in Leipzig Reiner Kunzes Gesprächsband „Wo Freiheit ist…“, gekauft und da wird auf S189 von einer 1991 in Wien stattgefundenen Erich Fried Tagung berichtet, auf der eine österreichische Politikerin wörtlich „Mit dem Fall der Mauer hat die Verfolgung der Schriftsteller und Intellektuellen angefangen…“ begrüßte und niemand der anwesenden namhaften Autoren hat widersprochen, was Rainer Kunze sehr empörte.
Darüber hätte ich gern mehr gewußt, aber weder Volker Kaukoreit, noch Heinz Lunzer und auch nicht Rolf Schwendter, den ich schon früher danach fragte, konnten mir was sagen.
Ich bin aber ein bißchen mit Frau Lunzer, neben der ich gesessen bin, ins Gespräch gekommen und habe mich auch mit Franz Koller unterhalten. Dann hat die Begrüßung durch Heinz Lunzer, Robert Stocker und Robert Huez angefangen. Es folgte die Laudatio von Urs Widmer, die damit begann, daß er, als die Aufforderung in diesem Jahr der alleinige Juror zu sein, nicht lange überlegen mußte, sondern sofort an Terezia Mora dachte, hatte er doch ihren Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ gelesen und war begeistert.
Dieser stand voriges Jahr auf der Longlist zum deutschen Buchpreis, handelt von der New Economy, der Liebe und dem Computerspezialisten Darius Kopp aus dem ehemaligen Osten, der als einziger Mann auf dem Kontinent einer amerikanischen Firma in einem Bürohaus ein Zimmer hat, mit seinen Chefs nur in telefonischer Verbindung steht und dessen Welt, in dem in acht Tagen und Nächten erzählten Roman, durch einen Koffer Geld u. a. gehörig durcheinander gerät.
Ich wäre vorigen November fast zu einer Lesefestwochenlesung der Buch-Wien ins Cafe Korb gegangen.
Urs Widmer lobte die Sprache, meinte Terezia Mora wäre darin Spezialistin und würde sowohl den Alltagsslang, als auch technische Spezialsprachen beherrschen.
Terezia Mora wurde 1971 in Sopron geboren und lebt seit 1990 in Berlin. 1999 hat sie den Bachmannpreis gewonnen, es gibt noch den Roman „Alle Tage“ und den Erzählband „Seltsame Materie“, die von Urs Widmer ebenfalls gelobt wurden.
Anschließend kam die Festrede „Die Worte noch halbwegs zusammenfügen“, die nach einem Erich Fried Zitat benannt wurde, in der Terezia Mora von ihrer genauen Sprache erzählte.
Seit zwei Jahren soll sie schon ihren neuen Roman beginnen, wird aber von den vielen Eindrücken, die eine Schreibende umgibt, daran gehindert und das ist mir ja ebenfalls bekannt. Wenn sie auf die Straße geht, sieht sie den Filialleiter ihres Supermarkts die Zigarettenbehälter leeren, bzw. einen Obdachlosen aus einem Geldabheberaum entfernen und muß diese Eindrücke so verdichten und entfremden, damit ein neuer Roman mit einer schönen Sprache, der uns ein bißchen was von unserer seltsamen Welt erfahrbar macht, entsteht.
Mir hat die Rede sehr gefallen, der Dame, die ich öfter bei Literaturveranstaltungen treffe, weniger, ihr war es nicht abgehoben genug. Aber wenn ich ins Literaturhaus gehe, komme ich auch an einer Bankfiliale vorbei und da hält sich auch gelegentlich ein Obdachloser auf, über den zu schreiben ich mir vorstellen könnte…
Ich habe schon wieder Schreibepläne, das heißt ein vorläufiger Arbeitstitel „Fünf, sechs Wünsche, nicht mehr!“, ist mir da gestern Nacht eingefallen. Das würde aber realistisch werden und eine Handlung haben. Zwei Schwestern nämlich, von denen eine nach ihrer Pensionierung oder Ausscheiden aus dem Arbeitsleben mit einem Bus durch Österreich oder Europa fährt, während die andere zu Hause, die Bücherschrankbücher liest und darüber könnten sie per e-mail kommunizieren.
So weit, die Idee, bis zur Umsetzung, ist noch Zeit und das Literaturhaus war sehr voll mit festlichen Besuchern. Eleonore Zuzak und ihren Bruder habe ich getroffen, die mir von ihrer erfolgreichen Literaturhauslesung am Mittwoch erzählte. Mit Gustav Ernst habe ich ein bißchen über das realistische Schreiben gesprochen und wie es einem Priessnitz-Juror damit geht. Rolf Schwendter hat mir das Programm zu seiner nächsten Marathonveranstaltung gegeben, da ich dort ja gern hingehe.
Es gab Sekt, Wein, Knabberstangen und weißgedeckte Stehtische im Vorraum auf denen man das genießen konnte. Das Literaturhaus hat ja seit Herbst ein neues Design. So fehlte auch das berühmte Fried Bild von Heide Heide.
Es gab aber die Vicki Baum Ausstellung „Weekend at the Waldorf“ oder „Menschen im Hotel“, die Ursula Seeber zusammenstellte, die ebenfalls anwesend war und morgen gibt es noch was Neues, nämlich eine von der Angewandten mitorganisierte Lesart der Sprachkunst genannte Lesung, damit wie Robert Schindel erklärte, die Studenten in Kontakt mit interessanten Autoren kommen, von Terezia Mora aus dem „Einzigen Mann auf dem Kontinent“, die ich mir inzwischen angehört habe und bei der die Autorin launig aus zwei Kapiteln las.
Hier und hier ein bißchen was aus dem Literaturgeflüsterarchiv.

2010-11-26

50 Jahre Manuskripte

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Die österreichische Literaturzeitschrift ist fünzig Jahre alt und das wird nicht nur in Graz groß gefeiert, sondern auch in der Alten Schmiede in Wien und das ist ja, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, der ästhetische Freiraum für die (österreichische) Literatur und Platz für nahezu jede Publikationsmöglichkeit in allen ihren Formen.
Ich würde sagen, das war und ist die Literaturzeitschrift nach den „Neuen Wegen“, den „Protokollen“ und vor dem „Wespennest“. So war es jedenfalls als ich, in den Siebzigerjahren in den Literaturbetrieb hineinströmte, bzw. zaghaft mein Eckchen darin suchte. Und als ich das begriffen habe, habe ich meine Texte hingeschickt und wieder zurückbekommen, bzw. die lapidare Karte mit der Zuschrift „leider nicht“, so daß ich sie für eine experimentelle Zeitschrift zu halten begonnen habe und das „Wespennest“ für die realistische, bzw. die für die brauchbaren Texte und da ist ja auch, als ich in die GAV aufgenommen wurde, ein Text von mir erschienen. Heute stimmt das alles nicht mehr und die „Manuskripte“ sind wahrscheinlich realistischer als die neue Form des „Wespennests“. Ich habe dem Herausgeber Alfred Kolleritsch, aber in meiner Euphorie geschrieben „Wenn ich es bis ins „Wespennest“ geschafft habe, schaffe ich es auch in die „Manuskripte“ und wohl daran geglaubt. Damals habe ich meine Kurzgeschichten und die Auszüge aus den längeren Arbeiten ziemlich regelmäßig an alle Zeitschriften herumgeschickt. Das tue ich längst nicht mehr. Nur Gerhard Jaschke habe ich für das „Freibord“ meine „Erinnerung an Helmut Eisendle“ übergeben und ungeduldig darauf gewartet, daß die Doppelnummer erscheint. Dafür habe ich das Literaturgeflüster, in dem ich meine Romane und Erzählungen präsentiere. Kurzgeschichten schreibe ich kaum mehr, weil ich auch nicht mehr an Wettbewerben teilnehme und die „Manuskripte“, bekomme ich seit einigen Jahren zugeschickt, seit mir Hans Jörg Waldner einmal flüsterte, daß die Stadt Wien Zeitschriftenabos hat, die sie an Autoren verschickt.
So weiß ich auch, wer heute in den „Manuskripten“ publiziert.
Andrea Stift macht das Sekretariat und Alfred Kolleritsch hat die Manuskripte 1960 gegründet, dann gibt es noch das Forum Stadtpark und seit 1973 die Grazer Autorenversammlung. Da war ich auch nicht dabei, sondern habe gerade die Knödelakademie hinter mir gelassen oder vielleicht nicht noch einmal. Hatte große literarische bzw. psychologische Pläne und im Sommer sehr euphorisch im Gartenhaus am Almweg meine erste Erzählung auf der Schreibmaschine getippt. Jahre später habe ich wahrscheinlich das erste Mal etwas von den „Manuskripten“ und Alfred Kolleritsch gehört, aber der hat im alten Residenz Verlag publiziert. Das waren noch Zeiten mit den schönen Residenzbüchern und die haben ihr fünfzig Jahresjubiläum auch schon vorbei.
Also in Wien eine Veranstaltung mit Alfred Kolleritsch, Michael Donhauser, Friederike Mayröcker, Urs Widmer, Franz Weinzettl, Olga Martynova, Gerhild Steinbuch und ich dachte, wenn die Mayröcker liest, muß ich früh im Keller sein und stand um halb sieben vor dem Tor, aber da war es noch verschlossen. Es füllte sich bald, ich sah Andrea Stift, die die Zeitschriften in den Keller schleppte, das Jubiläumsheft ist aber noch nicht erschienen. Marie Therese Kerschbaumer kam, Herbert J. Wimmer, Gustav Ernst, Andreas Unterweger ect, eine interessante Mischung zwischen älteren und jüngeren Autoren und so waren auch die Lesenden ausgewählt. Nach dem Erscheinungsjahr in den „Manuskripten“.
Alfred Kolleritsch, der Gründer, war schon in der ersten Nummer. 1965 ist Friederike Mayröcker hinzugekommen, 1969 Urs Widmer, 1975 Franz Weinzettl, 1985 Michael Donhauser, 1999 Olga Martynova und 2005 Gerhild Steinbuch, erklärte Kurt Neumann, dann stellte Michael Donhauser Alfred Kolleritsch vor, der einige seiner Gedichte las.
Neben mir saß eine alte Dame mit einem Kolleritsch Lyrikband und der von Jochen Jung herausgegebenen „Kleinen Fibel des Alltags“, der Buchgabe des HVB von 2002 zum Tag des Buches, die genau mitschrieb und mir eifrig flüsterte, wenn ein besonders schönes Gedicht gelesen wurde. Alfred Kolleritsch schien auch sehr gerührt und wollte bald aufhören. Stellte dann aber auf eine sehr persönliche Art und Weise, die anderen Lesenden vor und das hat mir gut gefallen. Friederike Mayröcker, die als einzige aus den original Manuskriptheften las, war die nächste. Alfred Kolleritsch lobte ihre Entwicklung von der Lyrik zur Prosa, erwähnte Ernst Jandl. Und Urs Widmer hat ihn das erste Mal nach Frankfurt gebracht. Dorthin ist er nämlich mit dem Wolfi Bauer geflogen und Urs Widmer war auch in der Jury als Alfred Kolleritsch den Petrarca Preis bekommen hat. Der Schweizer Urs Widmer las drei Autorenportraits, nämlich das von Wolfgang Bauer, Gert Jonke und Alfred Kolleritsch, die ich nach diesen Miniaturen nicht erkannt hätte, dann kam mit Franz Weinzettl ein jüngerer Autor an die Reihe, den ich vom Namen kannte, aber noch nie gesehen habe. Da erzählte Alfred Kolleritsch launig, daß er ihn als jungen Mann kennengelernt hatte und Franz Weinzettl ergänzte aus seiner Sicht. Mit sechzehn wurden die ersten Manuskripte im Schülerbus verteilt und es gab die ersten Dichterlesungen in der Schule, dann hat Franz Weinzettl zu schreiben begonnen und Kollertisch gefragt, ob er etwas schicken darf. Gelesen hat er einen Text von einem alten Mann der am Grazer Akademieplatz steht.
Michael Donhauser kenne ich schon lang und ich habe seinen Namen m Zusammenhang mit Peter Waterhouse eingeprägt, interessant, daß Alfred Kolleritsch in seiner Einleitung das auch erwähnte. Dann kam die 1962 geborene und in Leningrad aufgewachsene Olga Martynova, die mit ihrem Droschl Roman „Sogar Papageien überleben uns“ auf der Longlist zum deutschen Buchpreis stand. Ein Kapitel davon ist in den „Manuskripten“ erschienen, erzählte sie. Droschl hat sie daraufhin eingeladen, das Manuskript zu schicken und zum Schluß kam die jüngste, nämlich, die 1983 geborene Gerhild Steinbuch, die schon um den Bachmannpreis gelesen und 2005 den Priessnitzpreis bekommen hat. Eine Dramatikerin und hochtalentierte junge Frau, so hat sie Peter Handke offenbar Alfred Kolleritsch empfohlen.
„Paß auf sie auf!“
Alfred Kolleritsch erwähnte auch die Haube, die Gerhild Steinbuch trug. Von der Priessnitzpreisverleihung habe ich noch die fingerlosen Handschuhe in Erinnerung und dachte, die jungen Leute ziehen sich so an. Alfred Kolleritsch interpretierte die Hauben, als Wunsch sich zu verstecken und trotzdem gesehen zu werden und Gerhild Steinbuch sagte, daß sie gerne nach Graz ins Manuskriptebüro käme, weil sie sich dort nicht schützen muß.
Der Text „Schnee“ von dem Herr N., der zum Sterben auf einen hohen Berg hinaufsteigt und dann offenbar in einer psychiatrischen Klinik erwacht, hat mir auch gut gefallen. Die Manuskripte haben sich offenbar verändert, haben, wie der Droschl Verlag nicht nur mehr Experimentelles anzubieten und eine traurige Meldung habe ich von Herwig Bitsche, der sich mit seinem Newsletter verabschiedet hat, weil er Residenz verläßt, vorhin bekommen.
Adelheid Dahimene ist am Sonntag gestorben und die habe ich 1996 kennengelernt, als sie in Klagenfurt gelesen hat und beim „Tag der Freiheit des Wortes“ das letzte Mal gesehen. Daß sie Krebs hatte wußte ich nicht.

2010-11-25

Die ganze Wahrheit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:24

„Die ganze Wahrheit“ von Norbert Gstrein ist, wie ich den Rezensionen entnehme, ein mit Spannung erwarteter skandalumwitteter Schlüßelroman, dessen Hauptfigur Dagmar auffällige Ähnlichkeiten mit der Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz hat.
In dem Video, das ich im Netz gefunden habe, spricht Norbert Gstrein von einem Roman, der im österreichischen Verlagswesen spielt und erzählt vom langjährigen Lektor, der die Geschichte seiner ein wenig esoterisch angehauchten Chefin schreibt.
Es beginnt mit dem Satz „Man hat mir abgeraten, darüber zu schreiben, und natürlich kenne ich Dagmar lange genug, um zu wissen, was mich erwartet, wenn nur etwas von dem, was ich über sie in die Welt setze, anfechtbar ist.“
Dann geht sie los die Geschichte von dem Lektor Wilfried des Verlegers Heinrich Glück, der einen kleineren Verlag in der Schönlaterngasse, das ist dort, wo sich die Alte Schmiede befindet, betreibt. Es gibt die gute Seele Frau Hausner, die Kollegin Bella und den Kollegen Broser.
Das Buch ist in drei Teilen „Das Judenmädel“ „Die ganze Wahrheit“ und „Der Jenseitsrabe“ gegliedert.
Der erste Teil beginnt nach dem Begräbnis Heinrich Glücks, der mit seiner Gattin Dagmar in einer Hietzinger Villa lebte und dessen alte Freunde, mit denen er sich immer im Hotel Imperial traf, am Friedhof den Lektor wissen lassen, Dagmar hätte ihn umgebracht.
Heinrich Glück hat mit seiner Gattin Edith, die ihn verlassen hat, den Verlag aufgebaut, immer Beziehungen zu jungen Frauen gehabt, eine davon war die begabte Dichterin Anabel Falkner, die sich umbrachte.
Dann tauchte das Kärntner Dirndl auf, nimmt alle in Beschlag und als sie Wilfried nach dem Begräbnis das Fotoalbum zeigt, war das von allen früheren Frauenbekanntschaften gereinigt. Dagmar ist auch sonst sehr dominant, hat den Verlag und seine Führung bald an sich gerissen und scheint zu ihrem Mann ein seltsames Verhältnis zu haben. Jedenfalls beauftragt der den Lektor mit Dagmar die Nächte zu verbringen, Dagmar ist oft betrunken, gibt aber Anabel Falkners Werke aus dem Nachlaß heraus und beginnt selbst zu schreiben.
Da gibt es ein Stück im Burgtheater, das zu einem Skandal wird. Es handelt von der Waldheim-Affaire, Präsident Waldheim hat seine dritte Amtsperiode durchgesetzt und Österreich ist ein autoritärer Staat geworden. Das Stück ist außerdem noch sehr esoterisch angehaucht. Die „Kinder des Lichts“ und der geheime Taufbund kommen vor und wahrscheinlich auch einige Ufo-Geschichten.
Dagmar, die aus einem Kärntner Dorf stammt, entdeckt ihre jüdische Vergangenheit, obwohl sie doch die Enkeltochter eines slowenischen Bischofs ist. Jetzt kommt noch die jüdische Großmutter hinzu, obwohl ihr Vater das bestreitet und meint die katholischen Großmütter würden sich für diese Nachrede sehr bedanken. Trotzdem übt Dagmar sich im Kaddisch anstimmen und singt auf schlafende Säuglinge solange ein, bis die schreiend erwachen.
Dagmar weiß aber über alle und jeden die ganze Wahrheit und beginnt sie mit Hilfe des Rechtsanwalts Dr. Mrak mit Klagen einzudecken und so muß auch das bosnische Dienstmädchen Jagoda, Erdbeerchen genannt, bald aus der Hietzinger Villa verschwinden, als sie Dagmar nicht mehr passt.
Im dritten Teil geht es an das Sterben Heinrich Glücks, der in dem Buch eine seltsam passive Rolle spielt, wie sie einem Groß-oder auch nur Kleinverleger nicht zuzutrauen ist.
Dagmar sieht jedenfalls ihren Heinrich, den sie Enrique nennt, sterben und beginnt das stilvoll zu inszenieren, um später ein Buch darüber zu verfassen, das Wilfried lektoren soll, was er verweigert, so daß er mit Schimpf und Schande entlassen und von Dagmar bedroht,“daß er in der österreichischen Verlagslandschaft, keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt“, wird.
Der Lektor, der von Dagmar mit der ganzen Wahrheit konfrontiert wird, daß er betrunken war und schlecht über sie geredet hat, hat manchmal einen pathetischen Thomas Bernhard Ton, wie ich ihn schon von anderen Gstrein Büchern kenne. Auf Seite dreihunderteins wird das auf die Spitze gestrieben, in dem ein Satz dasteht, der sich wahrscheinlich im Berndhardschen Ouvre finden ließe und dazugeschrieben: „Es war genau die Art von Text, die ich in nüchternen Zustand selbst schon nicht mehr hören konnte, geschweige denn lesen, dieses selbstläufige Granteln in bewährter Auslöschmanier…“
Dann geht es auf die letzten Seite, wo dem Lektor seine einzige Begegnung mit Siegfried Unseld durch den Kopf geht. Es war vor Jahren auf der Buchmesse, wo er sich ihm zudrehte, ihm in die Augen sah und „so“ sagte, so daß Wilfredo schließlich auch „so“ wiederholte „Und dann standen wir eine ganze Weile schweigend nebeneinander“.
Punktum aus. Wir bleiben über und können rätseln, was daran biographisch und was erfunden ist. Soviel ich weiß, hat das Haus Suhrkamp nicht geklagt. Norbert Gstrein wird also gut überlegt haben, ob es möglich ist, damit von einem Dr. Mrak oder anderen Advokaten belangt zu werden.
Das Buch ist bei Hanser erschienen, der 1961 geborene Norbert Gstrein war einmal Suhrkamp Autor und ist Ende Achtzig mit den eher experimentellen Romanen „Einer“ und „Anderntags“ bekannt geworden. Mit einem davon hat er 1989 beim Bachmannlesen gewonnen. Dann folgten realistischere Romane, wie 1999 „Die englischen Jahre“, da habe ich den Autor bei einer Lesung im Literaturhaus gehört. Daniel Kehlmann war auch anwesend und „Selbstportrait einer Toten“, 2000, was man vielleicht schon als den typischen Gstrein Ton bzw., als Litanei eines beleidigten Autors auf den Literaturbetrieb, während seine Freundin als Ärztin mit den wirklichen Notfällen des Lebens konfrontriert ist, interpretieren könnte.
2003 folgte das „Das Handwerk des Töten“ und als Reaktion darauf die Erzählung „Wem gehört eine Geschichte“, weil der Roman angegriffen wurde. Der Autor scheint auch sonst sehr streitbar zu sein, so erinnere ich mich an das Jahr 2000, als alle sehr in Aufregung über schwarz blau waren, da hat es im Standard einen Artikel gegeben, wo er eine ganz andere Ansicht vertrat.
Und bezüglich Suhrkamp und dem Haus Unseld. Ulla Unseld-Berkewitz wurde 1948 geboren, ist Schauspielerin und Schriftstellerin, hat 1990 Siegfried Unseld geheiratet, der 2002 verstorben ist. 2003 hat sie den Verlag übernommen und eine Reihe Bücher geschrieben. Ich habe die Michalzik Biografie „Unseld“ gelesen. In den Bücher Abverkaufskisten findet sich öfter was von Ulla Berkewicz. „Engel sind schwarz und weiß“ habe ich gelesen. „Josef stirbt“ wartet in Harland auf mich. Eine gute Gelegenheit. Ansonsten, gilt der sogenannte Schlüßelroman als etwas anrüchiges Genre, mit dem ich es aber auch probiere.

2010-11-24

Korrigiermonat-Zwischenbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:00

Am 31. 10. habe ich in Anlehnung zum Nanowrimo dieses Monat als Korrigiermonat ausgerufen, weil ich mich am nationalen Schreibemonat nicht beteilige, sondern die „Absturzgefahr“ korrigieren wollte. Wer wissen will, was daraus geworden ist? Na, ja, ich korrigiere immer noch die Seite 53 und bin jetzt beim Kapitel „Posttraumatisch“ angekommen.
Soweit war ich zwar schon in Harland vor drei Wochen, aber da hatte ich keinen Drucker, so daß ich weitergegangen bin und mich erst jetzt mit den Feinheiten beschäftigte. Allerdings war ich sehr abgelenkt. Kam ja die Literatur im Herbst, mein Geburtstagsfest, diverse Gratisgutscheine von Leiner und Kika, die eingelöst werden wollten, sowie die Buch-Wien, was ich alles sehr intensiv betrieben habe und meine Stunden und ein bißchen Diagnostik gab es auch.
Das hat es im letzten Jahr aber auch gegeben und da habe ich beim Nanowrimo mitgemacht und war mit dem Rohentwurf der „Heimsuchung oder halb eins“ am 19. 11. fertig, das was ich mir jetzt gar nicht mehr vorstellen kann.
Aber das Korrigieren verleitet vielleicht zum Trödeln, da ja immer wieder der Gedanke kommt, wozu tue ich mir das an? Dann habe ich zu Ostern oder so mein sechsundzwanzigstes Buch und ernte, wenn ich es jemanden zeige, einen mitleidigen Blick.
Das ist nicht sehr motivierend, obwohl ich eine enorme Antriebskraft habe und mich nun schon siebenunddreißig Jahre dazu bringe, weiterzumachen und nicht aufzugeben.
Aber auch das ändert sich ein bißchen und so kann ich Ilse Kilics Beitrag beim Kulturpolitischen Arbeitskreis im Oktober, das sie das nicht mehr tut, zustimmen, obwohl es für mich nicht ganz stimmt.
Natürlich muß ich nicht schreiben. Nie mehr eine Zeile, wenn ich das nicht will, ich will es aber, auch wenn ich mich von den Events um mich herum bereitwillig ablenken lasse. Dann packt mich wieder soetwas, wie das schlechte Gewissen und ich denke, nein, ich gehe nicht in die Alte Schmiede sondern korrigiere, so wie ich das heute machen werde, obwohl ich das „Dicht-Fest“ mit Helga Glantschnig, Georgi Gospodinov, Mircea Lacatus und Evelyn Holloway angestrichen habe.
Also habe ich mich heute, da ich nur eine Stunde hatte, vor den Laptop gesetzt und mir das Manuskript vorgenommen. Und das geht eigentlich ganz gut und ich bin damit zufrieden.
Daß meine Sprache, bleibt wie sie ist, damit habe ich mich abgefunden, bzw. will ich das so und auch mit den Überhöhungen, will ich lieber vorsichtig sein. Schimpfkanonaden a la Thomas Bernhard oder so, liegen mir nicht. Bei mir kann es ruhig so sein, wie ich es im psychotherapeutischen Alltag erlebe und, daß man damit leicht übersehen wird, weiß ich schon und kann, seit ich das Literaturgeflüster habe, besser damit umgehen.
Aber ein bißchen Konzentration tut natürlich gut, der November mit seinem Ablenkungsprogramm ist fast vorbei, jetzt wieder die „Absturzgefahr“ hervornehmen und wenn ich zu Ostern so weit bin, daß es an den Digitaldruck gehen kann, bin ich zufrieden, denn es war mir ohnehin ein wenig unheimlich, daß 2010 drei Bücher erschienen sind.
Dem Vorwurf eine manische Schreiberin zu sein, will ich mich nicht aussetzen und auch keine diesbezügliche mitleidige Blicke ernten. Qualität braucht Zeit. Natürlich und da ich ich den letzten Jahren wirklich ununderbrochen vor mich hingeschrieben habe, ist sicher was daran bezüglich Ausgeschrieben und ewigen Wiederholungszwang.
Zwar ist die „Sophie Hungers“, bei der ich im vorigen Frühling sehr stark dieses Gefühl hatte, gut angenommen worden, aber ich denke schon, daß man weiterkommt, wenn man sich ein bißchen Zeit läßt und habe, als ich im Sommer mit dem Rohkonzept fertig war, gedacht, vielleicht sollte ich ein Jahr nichts schreiben, damit ich anschließend eine andere Sichtweise und Ausgangspunkt habe. Daß ich das nicht wirklich schaffe, ist klar, aber jetzt habe ich einige Monate vor mich hingetümpelt, schöne und intensive Berichte fürs Literaturgeflüster geschrieben und auch ein paar interessante Rückmeldungen bekommen.
So kann ich also bekanntgeben, ich bin derzeit bei 120 Seiten und 61.869 Worte und plane mich in der nächsten Zeit ein wenig intensiver damit zu beschäftigen und was den Nanowrimo und die Statistikseite von schriftsteller-werden.de betrifft, ist das auch sehr interessant.
Denn da sind schon dreiundzwanzig Leute fertig und der erste hat schon 375.415 Worte geschreiben, aber Jacky, die vor zwei Jahren verschämt gestand, daß sie es auf hunderttausend Worte brachte, liegt erst bei 18.365 und hat bei ihrem ersten Bericht in ihrer Blogparade auch davon geschrieben, daß sie nur am Wochenende schreiben und in der anderen Zeit korrigieren will.
Interessant habe ich gedacht und bemerkt, daß der erste Wochenbericht sehr intensiv ausgefallen ist, aber dann kam nichts mehr und als ich mich schon darüber wunderte, kam vor zwei Tagen die Nachricht, Jacky ist Mutter geworden und die Blogparade muß ein wenig warten.
Andere Leute führen also auch ein intensives Leben, aber natürlich muß man aufpassen am Weg zu bleiben, um nicht, wie Ruth Klüger am Samstag meinte, beim Kochtopf zu landen, weil man keine Anerkennung fürs Schreiben bekommt.
Daß es sehr gut ist, daß ich eine fleißige Schreiberin bin, weiß ich schon und das werden mir auch die bestätigen, die an Schreibblockaden leiden. Davon bleibe ich durch meine Disziplin verschont und dann gibt es ja noch andere Hindernisse und das sind die vielen Bücher, die ich immer nach Hause schleppe und die auch gelesen werden wollen und da habe ich ebenfalls den Anspruch dran zu bleiben und bin auch gut unterwegs. Bei sechsundsiebzig gelesenen Büchern liege ich, glaube ich, gerade, also fast doppelt soviel, wie im vorigen Jahr und das habe ich Elisabeth von leselustfrust zu verdanken, die sich gerade auf Blogpause begeben hat. Das scheint derzeit in zu sein. Ich lese immer noch Norbert Gstreins „Die ganze Wahrheit“ und hoffe, das demnächst zu besprechen und habe ansonsten meine Leseliste etwas umdisponiert, da ich den Anspruch habe, zumindestens die Romane, die ich von der Buch-Wien nach Hause gebracht habe, möglichst bald zu besprechen, obwohl von da kein Druck kommt.

2010-11-23

En espanol, por favour

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:45

Eigentlich wollte ich gestern nahtlos weitermachen, gab es ja zwei tolle Veranstaltungen. Im Radiokulturhaus wurde der neunzigste Geburtstag von Paul Celan gefeiert und in der Alten Schmiede gab es eine doppelte Buchführung Veranstaltung mit Thomas Stangl und Inka Parei. Aber mein Körper hat nicht mehr mitgespielt, ich bin um halb sechs ins Bett gegangen und habe mir in Ö1 die Tonspuren und die neuen Texte aus Österreich angehört, die Ausschnitte aus der Exil Anthologie mit den Texten von Susanne Gregor und Hanno Millesi brachten.
Heute ging es wieder und da waren im Literaturhaus literarischen Stimmen aus Lateinamerika, Spanien und Österreich zu hören. Eine Reihe, die das GAV Mitglied Enrique Moya seit einiger Zeit veranstaltet und mich per Mail einlädt.
Ich war noch nie dort, jetzt hat aber Lidio Mosca Bustamante gelesen und den habe ich vor einigen Jahren bei einer Silvesterfeier von Hilde Schmölzer kennengelernt, ihn zu ein paar Lesungen eingeladen und ein Buch mit ihm getauscht.
„Die magische Vihuela“. Der 1947 geborene argentinische Schriftsteller, der schon lange in Österreich lebt, schreibt im magischen Realismus und „Blumen für Augustina“ hat einmal beim Volksstimmefest in einer Gratiskiste gelegen.
Außerdem hat noch die Tirolerin Irene Prugger und der aus Kolumbien stammende, in Schweden lebende Victor Rojas gelesen.
Das Literaturhaus war auch heute morgen im Leporelle, bzw. wurde auf eine Ausstellung von Vicki Baum und ihre Hotelromane „Menschen im Hotel“, „Hotel Shanghai“ und „Hotel Berlin“ hingewiesen. Anläßlich des fünfzigsten Todestags der Dichterin und das sind ja die Bücher, die sich im Bücherschrank finden lassen.

Franz Blaha, Lidia Mosca-Bustamante, Eva Jancak

Franz Blaha, Lidia Mosca-Bustamante, Eva Jancak

Ich habe mich in die zweite Reihe neben Herrn Blaha und Frau Mosca gesetzt, die eine eifrige Leserin meiner Bücher ist und mit Hern Blaha über die Möglichkeiten von Rezensionen im Augustin gesprochen, denn da kommt meistens keine Reaktion zurück, wenn ich ein Buch hinschicke.
Elfriede Haslehner war da und Alfred, der später gekommen ist, hat noch Hilde Schmölzer gesehen.
Dann ist es losgegangen mit der zweisprachigen Begrüßung, Enrique Moya auf Spanisch, Eva Srna auf Deutsch und die Lesungen wurden komplett in beiden Sprachen gelesen. Dadurch war es sehr lang und ein wenig einschläfernd, wenn man die Hälfte nicht versteht.
Lidio Mosca Bustamante hat jedenfalls zwei seiner magischen Geschichten gelesen. Eine hat vom Sisyphus gehandelt. Irene Prugger, die ich spätesten von ihrem Roman „Schuhe für Ruth“, kenne, hat eine Geschichte aus dem Band „Nackte Helden und andere Geschichten von Frauen“ ausgewählt und der Kolumbaner hatte drei Texte, die er einem Dichter, den er in Wien getroffen hat, der inzwischen ermordet wurde, widmete. Eine handelt von einem Schwedischkurs für kreative Emmigranten, wo er sich als „Ich komme aus Victor Royas und heiße Kolumbien vorstellt“.
Dann noch eine Geschichte, wo einer im Bingo gewinnt und sich von dem Geld einen dreidimensionalen Fernseher kauft. Bücher gab es am Büchertisch jede Menge und einen Hut für Spenden, aber keine Getränke und nichts zu knabbern, was ich bedauerte, da ich direkt von der Diagnostik gekommen bin und da hatte ich auch einen literarischen Klienten.

2010-11-21

Buch-Wien 2010, letzter Tag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:37

Zu was kommt man während einer Buchmesse nicht? Richtig zum Lesen, wenn man es so intensiv wie ich betreibt. Da ich aber gestern mit einer vollen Büchertasche nach Hause gekommen bin, habe ich heute morgen in die Anthologien wenigstens hineingeschaut.
Da gibt es ja die von Linda Stift herausgegebene Rom-Anthologie „Alle Wege“, in der Cornelia Travnicek und Andrea Stift Texte haben, so daß ich das Entstehen über deren Blogs ein wenig mitverfolgte.
Es sind dreizehn Texte meist jüngerer AutorInnen enthalten, die meist von ihrem Rom Stipendien erzählen, da gibt es ja ein schlecht eingerichtetes Atelier, über das schon sehr viel geschrieben wurde und da das Buch Texte von Rosemarie Poirarkov, Johannes Gelich, Anna Kim, Markus Köhle, Mieze Medusa, Sabine Gruber, Michael Stavaric, Angelika Reitzer, Olga Flor, Marin Amanshauser ect enthält, gibt es wohl tatsächlich, wie im Klappentext steht, ein sehr gutes Panorama der österreichischen Gegenwartsliteratur, was auch der Grund ist, daß sich eine Romanleserin, wie ich auf Anthologien steht, geben sie doch einen guten Überblick und ich habe ja den Anspruch über die österreichische Gegenwartsliteratur Bescheid zu wissen.
Das Nachrufbuch auf Norbert Silberbauer „Manchmal alles – manchmal nichts“, hat zwar einen traurigen Anlaß, gibt aber ebenfalls einen guten Einblick in das Leben und das Wirken des 1959 geborenen, in Retz gelebt habenden Dichters, der eine Zeitlang GAV Vertreter von NÖ war, wodurch ich auch, durch die Lesungen, die ich in den Neunzigerjahren für GAV NÖ in St. Pölten organisierte, Gabriele Ecker kennenlernte.
Solcherart gerüstet, konnte ich zum letzten Messetag aufbrechen und noch einmal das etwas verlorene Gefühl erleben, das aufkommt, wenn man kurz nach dem Öffnen durch die Halle geht. Katja Gasser besprach gerade mit Lojze Wieser an seinem Stand die nachfolgende Veranstaltung, ich setzte mich in die ORF-Lesbar zu einem Kaffee und dem mitgebrachten Nußkipferl und hörte Katja Gasser auf der ORF Bühne die Veranstaltung eröffnen. Es ging um ein Gespräch mit dem Verleger des Wieser Verlags über die osteuropäische Literatur, die wird, wie Lojze Wieser meinte, im Westen nicht gut rezepiert und hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Die Edition Zwei hat aber in Verbindung mit Kulturkontakt sehr viel in den Westen gebracht und da habe ich in den letzten Tagen einiges darüber erfahren.
Danach zog es mich zur Gusto-Kochbühne, denn wie habe ich im letzten Jahr geschrieben, zu Lesungen komme ich das ganze Jahr, zu Haubenköchen fast nur während der Buch-Wien. Also auch das genießen und mich ein wenig bekochen lassen. Da gab es auch sehr viel zu schmecken, nämlich um elf Best of Steak und Fish und um zwölf ging es mit Martina Lessing weiter, die in London ein Home Catering Service aufgebaut und ein Buch über Finger Food geschrieben hat. Ich saß neben ihrer Familie und hörte deren Gesprächen über das schöne Essen mit guten Freunden zu, während ich das Kastaniensüppchen verkostete, garnierte Gurkenscheiben schnabulierte, Teigtäschen und Schüßelchen mit Wachteleirn bzw. Ravioli-Spieße gab es auch.
Dann war es schon Zeit für das Ö1 Quiz, das im VIP Zentrum live von der Buch-Wien übertragen wurde. Auch da saß ich neben der Tochter eines der Kanditaten und wußte die Frage nicht, mit der man den zweihundert Euro Buch Gutschein gewinnen hätte können. Edgar Allen Poe wäre es gewesen, aber der ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Eva Rossmann hat aber ohnehin jemand anderen gezogen. Die drei Kanditaten waren ehemalige Lehrer, darunter ein einundachtzigjähriger Herr, der gegen die Gesamtschule wetterte und den Quiz nicht ganz ernst zu nehmen schien, weil er immer seinen Konkurrenten einsagte. Es war also sehr lustig und es ging auch mit Niki Glattauers Buch „Der engagierte Lehrer und seine Feinde“, weiter mit der Schule und den Lehrern.
Ich blieb bei der Forum Bühne sitzen, weil Otto Brusattis Buch „Die Musik – Fluch und Gande“ vorgestellt wurde. Irgendwie bin ich ja ein Otto Brusatti Fan und ging nicht um drei zur Textbox, obwohl ich Cornelia Hülmbauer gerne kennenlernen wollte. Ich habe mir nur später einen zweiten Kaffee geholt und mich vom Sascha verabschiedet, der mir sagte, daß er nach Hause geht, weil er von der Messe schon genug hat. Ich bin aber, wie man weiß, sehr beständig und hörte mir auch den Beginn von Robert Misiks „Anleitung zur Weltverbesserung an“, weil ich den aber von misik.at gut kenne, bin ich zum Literaturcafe hinübergegangen, wo Josef Kleindienst „An dem Tag als mich meine Friseuse küßte“ vorstellen und später Anna Weidenholzer lesen sollte.

©HVB

©HVB

Es waren aber gerade ungarische Autoren auf der Bühne und beim Gusto-Stand Josef Zotter mit seiner guten Schokolade, also wieder umdisponiert und weil der sehr lange geredet bzw. gekocht hat, bin ich zu Anna Weidenholzer nicht mehr gekommen. Macht ja nichts, habe ich ja ihr Buch und außerdem hat Cornelia Travnicek über die Lesung gebloggt. Josef Zotter und seiner Schokoladen soll man nicht widerstehen und der hat gerührt und erklärt, weißes und dunkles Mousse gemacht, Kakaobohnen verkosten lassen, Indianderschokolade zubereitet und Schokoladeplättchen mit Minze und anderer Ganierung, so daß es halb sechs wurde, die Herren mit den mahnenden Blicken erschienen und die Garderobe fast leer war, als ich meine Jacke holte.
Das war die Buch-Wien 2010, die ich Dank der freundlichen Bereitstellung der Messe- und Einladungskarten wieder sehr intensiv erleben konnte, wofür ich herzlich danke und wem es intesseriert, Buch habe ich heute keines nach Hause gebracht.

2010-11-20

Dritter Messetag und was Frauen schreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:57

Heute bei wunderschönen Wetter einen Spaziergang durch den zweiten Bezirk gemacht, die Zirkusgasse entlang zum Praterstern, wo jetzt wieder die Herren mit den schwarzen Mäntel und den großen Pelzmützen zu sehen sind und durch den Prater, der trotz seinem Disneyland-Design mit den Figurengruppen und den schon aufgebauten Punschständen am frühen Morgen einen malerischen Eindruck macht, zur Messehalle marschiert, wo in Halle A die alten Damen zur Senorenmesse strömten, dazwischen gab es eine Fachbesucherausstellung und ganz hinten, die kleine Halle D mit dem großen Programm und das war sehr dicht.
Bin ich doch zuerst die Stände abgegangen und habe mir die Neuerscheinungen angesehen. Die von Linda Stift herausgegebene „Rom-Anthologie“, bei Sonderzahl, dann beim Gemeinschaftstand der Edition Korrespondenzen, Klever und Mitter zwei Herren beim Gespräch zugehört. Es ging um einen Text von Anna Weidenholzer in der Anthologie „Vorschußlaute“, der um das Bild ihrer Großḿutter aufgebaut ist, hörte den Herausgeber Alfred Gelbmann über das Erzählen sprechen, da hab ich ihn natürlich angesprochen und bin mit ihm in ein Gespräch gekommen, das mir Anna Weidenholzers Erzählband „Der Platz des Hundes“ bescherte.
In der Literaturedition NÖ hat Syvia Treudl einen Nachrufband auf Norbert Silberbauer herausgebracht, der sich 2008 umbrachte. Christopher Stainingers „Liebes und Haßgedichte“ lagen auf, seine gestrige Lesung habe ich versäumt
Danach die Textbox der Slampoeten besucht, wo Gauner und Bas Böttcher slamten, Cornelia Travnicek über den Weg gelaufen und mich um zwölf bei der ORF-Bühne eingefunden, wo Martin Pollak sein „Kaiser von Amerika“ präsentierte, wo es um die Auswanderung der gallizischen Juden um 1900 nach Amerika ging. Ein Buch, das ich bis jetzt immer versäumte, eigentlich sollte ich E.A. Richter auf der Forum Bühne treffen, der dort bei einer Lesung von Franz Hammerbachers „Bravo Hotel“ war. Ich hab mit ihm ein Buch getauscht und bin mit auf einen kleinen Umtrunk an den Verlagsstand gegangen.
Irgendwie kenne ich auf der Buch-Wien schon alle und alle kennen mich. Ein paar sehen weg oder sind bös auf mich, wie beispielsweise Anni Bürkl, der ich ebenfalls ein paar Mal über den Weg lief.
Jetzt habe ich Herwig Bitsche doch um das Buch von Angelika Reitzer gebeten und um das von Dan Lungu „Wie man eine Frau vergißt“, das vorgestern in der Hauptbücherei präsentiert wurde. Als Abschied sozusagen, den Herwig Bitsche verläßt ja Residenz. Kaffee bekommt man übrigens beim ORF Stand umsonst, bzw. schenkte den wieder eine Autorin an dem Stand aus, wo auch Susanne Ayoubs neuer Krimi präsentiert wurde.
Haya Molcho, die am Naschmarkt ein Restaurant betreibt, machte auf der Gusto-Kochbühne „Lust auf fremde Küche“ und bereitete eine Eierspeise zu, in die ich, damit sie schneller fertig wurde, ein paar Eier schlug. Wladimir Fried fotografierte und erzählte mir von einem Empfang beim Picus Stand, wo ich Zdenka Becker traf. Dabei versäumte ich fast Donna Leon, die ihren neuesten Brunetti präsentierte und ein Plädoyer für die biologische Küche hielt, womit sie Gabriele Madeja ein wenig nervte. Vorher habe ich, während ich mir auf dem 3-Sat Stand, den Film zu Tolstois hundertsten Todestag ansah, den Messerundgang des Herrn Bundespräsidenten mit Gerald Schantin, Inge Kralupper, Valerie Besl und vielen vielen Fotografen beobachten können. Um drei bin ich wieder zur Textbox gegangen, weil ich Consens kennenlernen wollte, die mir gelegentliche Kommentare schreibt, aber die slamt erst morgen. So blieb noch Zeit für die Präsentation des Brösel Bär Verlags und das ist interessant. Denn an dem bin ich am Donnerstag vorbeigegangen und dachte, das wären Kinderbücher, dann hat mir eine Frau einen Prospekt in die Hand gedrückt und ein Mann erklärte mir, er wäre der Autor. Neun Meller Krimis hat er schon geschrieben und eine Kinderbuchserie über den Brösel Bär und seine Lesung, die man pro Verlagsstand erhält, fand um 15.45 statt. Dort erklärte er, daß er mit Fünfzig aus der Werbebranche ausgestiegen ist, weil man da was anderes machen soll und weil er sich von den Verlagen nicht mit Knebelverträgen fesseln sollte, macht er es selber und rät das auch jeden Autor. Das ist interessant, die Buch-Wien bot ja wieder ein Eigenverlagsseminar an. Cornelia Travnicek hat es besucht und Marius Huszar mit dem ich mich bei den IG Autoren unterhalten habe, stöhnt unter den Zuschußverlagen. Die Frankfurter Verlagsgruppe hat einen großen Stand, Novum gibt es auch und einige Eigenverleger, die sich einen Stand leisten.

Ursula Seeber und Ruth Klüger

Ursula Seeber und Ruth Klüger

„Canossagang“ Mellers fünfter Fall, aus dem der Autor Wolfgang Weiss las, erinnerte mich manchmal an Thomas Raab, bzw. hat er eine ähnliche kräftige Stimme und es geht um die Sondergruppe Mödling, die alle Fälle löst. Dann war es schon Zeit für die ORF-Bühne, denn die Exilliteraturpreise wurden heuer dort vergeben, was zwar ein wenig schade um das schöne Buffet im Amerlinghaus ist. Mehr Öffentlichkeit wurde aber sicher erreicht und es war auch sehr voll. Cornelia Travnicek, die ja einen ihrer ersten Preise dort gewonnen hat, hat darüber gebloggt. Diesmal hat Hanno Millesi den Preis mit deutscher Muttersprache gewonnen und der Rom Ilija Ivanovic, der offenbar sehr krank ist, den Lyrik Preis. Julya Rabinowitsch, die heute morgen im Klassiktreffpunkt war und mir sehr viel darüber erzählte, war mit Edith Ulla Gasser und Martina Schmidt in der Jury. Es gibt wieder eine Anthologie, in der die Texte zu finden sind und interessant, einen der Schülerpreise hat eine Klasse gewonnen, die sich die Öko-Freewriters nennen und bei deren Lehrerin Gundi Haigner, habe ich beim Writersstudio Eröffnungstag ja neunmal „Die Neuigkeit des Tages ist…“ geschrieben.
Es gab Musik des Schneebergers gypsy trios, danach bin ich mit einer vollen Büchertasche ins Literaturhaus gefahren, wo Ruth Klüger ihr neues Buch „Was Frauen schreiben“ mit Ursula Seeber präsentierte. Dort war es noch voller und die meisten Leute habe ich nicht gekannt. Das Buch besteht aus sechzig Rezensionen, die Ruth Klüger für eine amerikanische Wochenzeitschrift schrieb. Ruth Klüger ist ein bekennender Harry Potter Fan, las aber auch ihre Rezension über Herta Müllers „Atmeschaukel“ und eine über ein Buch, das Bettina von Arnim mit ihrer Tochter Gisela geschrieben hat. Dann gabs eine Diskussion wieviel Frauen schreiben und Ruth Klüger beeidruckt durch ihren trockenen Humor, meinte sie doch, daß „Frauen, wenn sie für ihr Schreiben keine Anerkennung bekämen, damit aufhören und das tun würden, für die sie die doch bekommen, nämlich kochen!“ und hatte anschließend viele Bücher zu signieren, während ich mit Alfred ein Glas Wein trank.

2010-11-19

Werbefahrt mit Joseph Roth

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:40

Ich bin ja nicht so besonders reiselustig, für kostenlose Werbegaben aber sehr empfänglich und daher seit längeren in den Karteien diverser Kaffeefahrten, was der Literatur zu Gute komme, zehren solcherart doch sowohl „Eine begrenzte Frau“, „Die Zusteigerin oder die Reise nach Odessa“, „Wilder Rosenwuchs“ und wahrscheinlich einiges mehr davon.
Solche Werbefahrten schärfen den sozialen Blick und da ich ja mit und ohne Joseph Roth mit Sprache unterwegs sein will, habe ich mich, als ein Brief von „Rosi-Reisen“ mit der Aufforderung kam „Einen wunderschöne Urlaubstag in der Oststeiermark zu machen: Rosenausstellung, Stadtrundfahrt, Blumen-Versteigerung, Bauernmarkt, Frühstückbuffet, Mittagessen, dazu die Übergabe des Hauptgewinnes aus der großen Sommerverlosung, sowie ein Extrapräsent im Wert von achtundsiebzig Euro und eine Rundfahrt entlang der Schlösserstraße bis nach Ungarn, kostenlos für mich und meine Gäste“, zu machen, angemeldet und bin, da sehr konsequent und gewissenhaft, trotz Buch-Wien und Toleranzpreisverleihung, um halb sechs aufgestanden. Der Bus kam pünktlich und hatte die vorherigen Stationen schon abgefahren, so daß mein Lieblingsplatz besetzt war. Der Chauffeur erkundigte sich, ob ich einen Reisepaß mit hätte und begann einem Fahrgast zu erklären, daß man immer einen Paß bei sich tragen müßte, weil man sonst Strafe zahlen muß und er uns nach Szombathely bzw. an die Tankstelle in der Triesterstraße bringen würde, wo ein anderer Chauffeur die Fahrt übernehme.
Die beiden heiligen Trinker, die ich schon von den letzten Busfahrten kenne, öffneten ihre Schnapsfläschchen und begannen darüber zu schimpfen, daß sie schon eine Stunde herumfahren würden und der andere Chauffeur kreiste etwas etwas später in Oberpullendorf und schien etwas zu suchen, so daß wir an sehr schönen Häusern vorbei, die kleinsten Wege fuhren.
Die beiden begannen zu streiten, ob wir nach Sopron oder Szombathely fahren und welcher Grenzübergang der richtige wäre, den der Chauffeur schließlich auch fand. In Szombathely an Hofer, Lidl, Tesco vorbei und etliche Kilometer hinaus zum Restaurant Joszi Baczi, wo der Chauffeur den Werbeleiter holte.
Herr Mark erschien sogleich und führte in den großen Saal, wo es Frühstück gab. Ein Teller mit Wurst, Käse, Butter, einer Gurkenscheibe und Kaffee. Herr Mark, der nichts als Ehrlichkeit forderte, verschenkte eine Puppe einer verblüfften Dame und verkaufte einem Herrn ein, wie er meinte, wertvolles Messerset für zwanzig Euro.
„Das werde ich an diesen Tag noch dreimal machen!“, versprach er und ich dachte an Joseph Roths Spuren. Vielleicht finden sich die in dem kleinen Dorf? Denn das war das Eck von Szombathely Petöfi telep, wo wir gelandet waren. Die Straßen mit großen Wasserlöchern, eine verstecktes Kircherl, zwei Spielplätze und sonst nur Straßenzeilen mit teilweise sehr schönen Häusern in deren Gärten, die Hunde so laut kläfften, daß ich mich nicht daran vorbeigehen traute. Katzen liefen herum und hin und wieder ein Passant, der freundlich grüßte.
Herr Mark erklärte inzwischen, daß er Molekularmediziner sei, begann von Q 10 zu sprechen und, daß man zwischen Kur und Therapie unterscheiden muß. Zitierte ein paar Bücher von Nobelpreisträgern und zeigte Kuverts mit fünfhundert Euroscheinen her, die er verschenken würde, man müße aufzeigen, wenn man interessiert ist. Etwa zwanzig Personen taten das. Herr Mark schien erschreckt. Da hat doch jemand etwas mißverstanden! Was machen wir da? Erklären, daß man das Geld nur bekommt, wenn man die Kur für tausenddreihundert Euro kauft, dazu wird noch eine Puppe oder ein Stoffhund geschenkt.
Das Essen kam. Cordon Bleu mit Reis und Pommes Frites, dazu Krautsalat. Die Lehrerin, die neben mir saß, erzählte mir von ihren Allergien und daß sie unter den Türkenkindern in ihrer Klasse leide, weil die nicht deutsch lernen würden und unwillig wären.
Herr Mark war von den verkauften Therapien offenbar so entzückt, daß die Verteilung der Kleinteile mit weniger Druck als sonst passierte.
„Jeder, der etwas kauft, bekommt ein so großes Geschenk!“, scherzte der Molekularmediziner, riß die Finger auseinander und zog ein Plastiksackerl hinter seinen Rücken hervor.
Dann kam der zweite Teil, auf den die Lehrerin schon gewartet hatte, nämlich die informative „Rosi-Reisen“-Show, dem zweite Sponsor, der den Bus bezahlte. Dann war es schon halb fünf vorbei und als ich den Chauffeur fragte, ob wir jetzt in die Steiermark fahren würden, schüttelte der den Kopf. Er weiß von nichts oder, wie hat Frau Stephanie das letzte Mal in Sopron gesagt? „Alles nur Schmäh!“
Eine Dame hat inzwischen noch ein Fahrrad gewonnen, das versprochene Präsent war ein Scheibenmesser, unverbindlicher Richtpreis 78 Euro stand tatsächlich auf der Schachtel. Zurück zur Triesterstraße, wo die Chauffeure wieder wechselten. Es wurde etwas ungemütlich, der Chauffeur weigerte sich in die Schönbrunnerstraße zu fahren, eine Frau schrie „Passen Sie auf, Sie sind bei rot in die Kreuzung gebogen!“, eine andere „Macht doch den Chauffeur nicht nervös!“
Auf den Spuren Joseph Roths nach Ungarn, nicht in die Oststeiermark, weil die Restaurants dort, wie Herr Mark erklärte, zwanzig Euro Umsatz von den Gästen verlangen oder weil, wie der Chauffeur meinte, Werbeveranstaltungen in Österreich verboten sind.
So fahren die kleinen ältere Leute jeden Morgen mit „Rosi“ oder anderen Reisen, nach Sopron, Bratislava oder Szombathely und haben, wenn sie nicht zu viel kaufen, durchaus ihren Spaß dabei. Die heiligen Trinker schimpfen über die langen Fahrten und packen ihre Bierdosen aus, die Lehrerinnen freuen sich über geschenkt bekommene Zusatzreisen und die Werber, die sonst vielleicht arbeitslos wären, über ihren Umsatz.
Ob Joseph Roth viel in Ungarn war, weiß ich nicht. Ödon von Horvath hat in seiner Zeit, aber auch viel von den kleinen Leuten, Vertretern und Verkäufern geschrieben. Und die Lesung der ukrainischen Schriftstellerin Oksana Sabuschko in der Hauptbücherei ist sich nun doch nicht ausgegangen, hätte aber gut gepasst.

2010-11-18

Erster Messetag und Bank Austria Literaris Lesefest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:15

Hinein in die Buch-Wien Nummer III und da bin am Morgen ziemlich verloren durch die Halle gelaufen und dachte, was soll ich da den ganzen Tag?
Dabei hat alles hervorragend geklappt, diesmal wartete meine Eintrittskarte am Autorinnenstand, eine Dauerkarte mit der ich beliebig oft hinaus-und hineingehen kann, denn das war in den letzten Jahren etwas schwierig, vor allem am Donnerstag, wo um zwölf im Foyer, das eine Stadt-ein Buch Gratisbuch verteilt wird und freie Gardarobe mit der Autorenkarte gab es auch, habe ich doch, wie ich mich erinnern kann, im letzten Jahr geschwitzt.
Sich also am Stand der IG-Autoren niedersetzen, mein Homepoint in Frankfurt oder Leipzig für das volle Taschenabgeben, das Programmheft herausziehen und die Veranstaltungen Punkt für Punkt durchgehen.
Um 10. 15 gings dann bei der ORF Bühne, das ist dort, wo die Eröffnung stattfand, in den letzten Jahren hat es, glaube ich, anders geheißen mit dem Schwerpunkt „Serbien liest“, los. Denn das wird 2011 Gastland in Leipzig und deshalb werden viele Bücher übersetzt. Katja Gasser moderierte und weil ich ein schlechtes Personengedächtnis habe, habe ich sie bei der Eröffnung für Michaela Falkner gehalten und mich gewundert, daß sie so freundlich grüßte. Es ging um das neue Buch von Sreten Ugricic „Für den unbekannten Helden“ und in der Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, was Ugricic von Peter Handke hält?
„Thomas Bernhard ist der bessere Dichter!“, antwortete der und „Serbien braucht seine Hilfestellung gar nicht so sehr!“
Danach kam Stadtrat Mailath-Pkorny auf die Bühne und stellte sein „Ausgezeichnetes Wien“ vor, wo fünfzig Portraits von Leuten enthalten sind, die ein Verdienstzeichen der Stadt Wien bekommen haben, denn im Rathaus gibt es eine Ehrenzeichenkanzlei und der Stadtrat muß die Orden austeilen und es gab eine Diskussion darüber, wie die Leute auf Orden reagieren. Die meisten freuen sich wohl heimlich, geben das aber nicht zu und so fangen sie nach dem großen Vorbild, Thomas Bernhard zu schimpfen an. Der Stadtrat nimmt es aber nicht persönlich und als Stephan Weber ausgezeichnet wurde, sind die Pornohefte in die Luft geflogen, während ein Gitarrist nicht zuhörte, sondern im Geist schon zu spielen begann. Dann dachte ich, schaue ich noch in die Gusto Ecke, bevor ich mir das Gratisbuch hole und das ist heuer besonders interessant, nämlich Dai Sijie „Balzak und die kleine chinesische Schneiderin“, das erste Buch, das er im Pariser Exil geschrieben hat und das gleich ein Bestseller wurde. Er hat es auch verfilmt und während ich auf die Eröffnung wartete, sagte ich einer Reporterin ins Mikrofon, daß ich diese Aktion nicht ganz so euphorisch, wie die Stadt Wien sehe, schließlich finde ich die vorangegangenen Bücher immer im offenen Bücherschrank, bei e-bay sollen sie auch angeboten werden und meistens gefallen sie mir auch nicht so besonders.
Danach wurde im Messe Forum eine Erstveröffentlichung eines Kriminalromans von Dorothea Zeemann, der Lebensgefährtin Heimito von Doderer, die in der Edition der Apfel herausgekommen ist, bisher in einem Archiv lagerte und von Franz Schuh empfohlen wurde, vorgestellt. Es ging um einen alten Philosophieprofessor, der über seine Frau und seine Studenten schimpft, eine junge Frau verführen will und sehr eigenartige Ansichten hat. Dadurch versäumte ich den Beginn von Burkhard Spinnens „Auswärts lesen“ im Standard Literaturcafe und das ist neu auf dieser Buch-Wien. Burkhard Spinnens Buch habe ich zwar schon Anfang September in St. Pölten durchgeblättert. Er hat provokante Ansichten, die er auch entsprechend formuliert. Cornelia Travnicek, die bei den Zuhörern war, stellte die Frage, ob besser jüngere oder ältere Autoren in den Schulen lesen sollen und er antwortete, daß er für Schreibwerkstätten sei und es ihm reiche, wenn sich die Maturanten kultiviert mit Sprache beschäftigen, Romane lesen brauchen sie gar nicht.
Um vierzehn Uhr wurde das Gratisbuch auf der ORF-Bühne vorgestellt, da holte ich mir ein Autogramm, obwohl ich gar nicht so für Autogramme bin, jetzt habe ich es aber in chinesischen Zeichen und die sind sehr interessant. Danach folgte Ken Follett, aber da bin ich schon zur Forum-Bühne und zu Ernst Hinterbergers neuen Roman „Mörderische Gier“ gegangen, dort hielt ich es aber nicht lange aus. Das Koch-Forum, das jetzt Gusto-Kochbühne heißt, lockte und da gab es Knödel in verschiedenen Formen und dann noch eine kleine Portion Gulasch, serviert von Manfred Buchinger.
Emil Rennert, der Enkel von Erwin Rennert, der mit der Anna den Maturaball eröffnete, hat ein Buch über die jüdische Bukowina geschrieben und im Literaturcafe vorgestellt, da erfuhr ich daß sein Großvater vor einem Jahr gestorben ist und als ich beim Luftschacht Verlag vorüber kam, dachte ich, daß ich die Tradition mir die FMW Wortlaut Anthologie zu holen, auf die ich im Vorjahr durch Cornelia Travnicek gekommen bin, fortsetzen könnte. Wer weiß vielleicht brauche ich sie wieder für ein Veto bei der GAV oder entdecke ein neues Talent, das den Bachmannpreis oder so gewinnt. Das Thema ist „Ausgehen“. Emily Walton, Sarah Wipauer sind bei den zehn besten Texten, Valerie Fritsch hat den dritten Preis gewonnen, die anderen Namen sagen mir nicht viel. Bei Christa Stippinger habe ich mich gleich für die neue Exil-Preis Anthologie angemeldet, der diesmal am Samstag auf der Buch-Wien vergeben wird. Ich blieb dann noch im Literaturcafe, unterhielt mich mit dem Sascha und dem Toni Gruber und hörte mir die Lesung von Carolina Schutti aus „Wer getragen wird, braucht keine Schuhe“ an.
Danach gings ins Radio Kulturhaus, wo der Bank Austria Literaturpreis gefeiert wurde. Der ist ja aus der Edition zwei in Zusammenarbeit mit dem Wieser Verlag, der Bank Austria und dem Kulturkontakt hervorgegangen. Da habe ich einmal bei einem Gewinnspiel die ersten zehn Bände gewonnen. Danach war ich bei einer Preisverleihung in dem schönen Gebäude beim Schottentor, habe mir Teodora Dimovas „Die Mütter“ von Annemarie Türk erschnorrt und in der Hauptbücherei im Lesezirkel vorgestellt, wo ich Angelika Reitzer kennenlernte.
Drei Preise wurden vergeben. Der Lyrikpreis ging an den Ungarn Akos Fodor, der Prosapreis an Renata Serelyte „Blaubarts Kinder“, das von Cornelius Hell übersetzt wurde, der das Buch für den besten litauischen Roman der jüngeren Zeit hält, dann gab es noch einen Sonderpreis für Boris Chersonskij aus der Ukraine „Familienarchiv“.
Ein Buch konnte man sich aussuchen. Wein, Wasser und Knabbergebäck gab es auch. Ich bin neben Dr. Koller gesessen und habe mich mit ihm unterhalten und am Freitag werde ich, wenn ich nicht verschlafe und der Bus kommt, mit Rosi Reisen in die Oststeiermark fahren und dort eine Menge Werbegeschenke bekommen bzw. mir eine Produktshow anhören und daher weder zur Buch Wien noch zur Verleihung des Toleranzpreises an Armin Thurnher gehen, was ich zwar schade finde, ich muß aber nicht überall sein.

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