Literaturgefluester

2010-11-20

Dritter Messetag und was Frauen schreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:57

Heute bei wunderschönen Wetter einen Spaziergang durch den zweiten Bezirk gemacht, die Zirkusgasse entlang zum Praterstern, wo jetzt wieder die Herren mit den schwarzen Mäntel und den großen Pelzmützen zu sehen sind und durch den Prater, der trotz seinem Disneyland-Design mit den Figurengruppen und den schon aufgebauten Punschständen am frühen Morgen einen malerischen Eindruck macht, zur Messehalle marschiert, wo in Halle A die alten Damen zur Senorenmesse strömten, dazwischen gab es eine Fachbesucherausstellung und ganz hinten, die kleine Halle D mit dem großen Programm und das war sehr dicht.
Bin ich doch zuerst die Stände abgegangen und habe mir die Neuerscheinungen angesehen. Die von Linda Stift herausgegebene „Rom-Anthologie“, bei Sonderzahl, dann beim Gemeinschaftstand der Edition Korrespondenzen, Klever und Mitter zwei Herren beim Gespräch zugehört. Es ging um einen Text von Anna Weidenholzer in der Anthologie „Vorschußlaute“, der um das Bild ihrer Großḿutter aufgebaut ist, hörte den Herausgeber Alfred Gelbmann über das Erzählen sprechen, da hab ich ihn natürlich angesprochen und bin mit ihm in ein Gespräch gekommen, das mir Anna Weidenholzers Erzählband „Der Platz des Hundes“ bescherte.
In der Literaturedition NÖ hat Syvia Treudl einen Nachrufband auf Norbert Silberbauer herausgebracht, der sich 2008 umbrachte. Christopher Stainingers „Liebes und Haßgedichte“ lagen auf, seine gestrige Lesung habe ich versäumt
Danach die Textbox der Slampoeten besucht, wo Gauner und Bas Böttcher slamten, Cornelia Travnicek über den Weg gelaufen und mich um zwölf bei der ORF-Bühne eingefunden, wo Martin Pollak sein „Kaiser von Amerika“ präsentierte, wo es um die Auswanderung der gallizischen Juden um 1900 nach Amerika ging. Ein Buch, das ich bis jetzt immer versäumte, eigentlich sollte ich E.A. Richter auf der Forum Bühne treffen, der dort bei einer Lesung von Franz Hammerbachers „Bravo Hotel“ war. Ich hab mit ihm ein Buch getauscht und bin mit auf einen kleinen Umtrunk an den Verlagsstand gegangen.
Irgendwie kenne ich auf der Buch-Wien schon alle und alle kennen mich. Ein paar sehen weg oder sind bös auf mich, wie beispielsweise Anni Bürkl, der ich ebenfalls ein paar Mal über den Weg lief.
Jetzt habe ich Herwig Bitsche doch um das Buch von Angelika Reitzer gebeten und um das von Dan Lungu „Wie man eine Frau vergißt“, das vorgestern in der Hauptbücherei präsentiert wurde. Als Abschied sozusagen, den Herwig Bitsche verläßt ja Residenz. Kaffee bekommt man übrigens beim ORF Stand umsonst, bzw. schenkte den wieder eine Autorin an dem Stand aus, wo auch Susanne Ayoubs neuer Krimi präsentiert wurde.
Haya Molcho, die am Naschmarkt ein Restaurant betreibt, machte auf der Gusto-Kochbühne „Lust auf fremde Küche“ und bereitete eine Eierspeise zu, in die ich, damit sie schneller fertig wurde, ein paar Eier schlug. Wladimir Fried fotografierte und erzählte mir von einem Empfang beim Picus Stand, wo ich Zdenka Becker traf. Dabei versäumte ich fast Donna Leon, die ihren neuesten Brunetti präsentierte und ein Plädoyer für die biologische Küche hielt, womit sie Gabriele Madeja ein wenig nervte. Vorher habe ich, während ich mir auf dem 3-Sat Stand, den Film zu Tolstois hundertsten Todestag ansah, den Messerundgang des Herrn Bundespräsidenten mit Gerald Schantin, Inge Kralupper, Valerie Besl und vielen vielen Fotografen beobachten können. Um drei bin ich wieder zur Textbox gegangen, weil ich Consens kennenlernen wollte, die mir gelegentliche Kommentare schreibt, aber die slamt erst morgen. So blieb noch Zeit für die Präsentation des Brösel Bär Verlags und das ist interessant. Denn an dem bin ich am Donnerstag vorbeigegangen und dachte, das wären Kinderbücher, dann hat mir eine Frau einen Prospekt in die Hand gedrückt und ein Mann erklärte mir, er wäre der Autor. Neun Meller Krimis hat er schon geschrieben und eine Kinderbuchserie über den Brösel Bär und seine Lesung, die man pro Verlagsstand erhält, fand um 15.45 statt. Dort erklärte er, daß er mit Fünfzig aus der Werbebranche ausgestiegen ist, weil man da was anderes machen soll und weil er sich von den Verlagen nicht mit Knebelverträgen fesseln sollte, macht er es selber und rät das auch jeden Autor. Das ist interessant, die Buch-Wien bot ja wieder ein Eigenverlagsseminar an. Cornelia Travnicek hat es besucht und Marius Huszar mit dem ich mich bei den IG Autoren unterhalten habe, stöhnt unter den Zuschußverlagen. Die Frankfurter Verlagsgruppe hat einen großen Stand, Novum gibt es auch und einige Eigenverleger, die sich einen Stand leisten.

Ursula Seeber und Ruth Klüger

Ursula Seeber und Ruth Klüger

„Canossagang“ Mellers fünfter Fall, aus dem der Autor Wolfgang Weiss las, erinnerte mich manchmal an Thomas Raab, bzw. hat er eine ähnliche kräftige Stimme und es geht um die Sondergruppe Mödling, die alle Fälle löst. Dann war es schon Zeit für die ORF-Bühne, denn die Exilliteraturpreise wurden heuer dort vergeben, was zwar ein wenig schade um das schöne Buffet im Amerlinghaus ist. Mehr Öffentlichkeit wurde aber sicher erreicht und es war auch sehr voll. Cornelia Travnicek, die ja einen ihrer ersten Preise dort gewonnen hat, hat darüber gebloggt. Diesmal hat Hanno Millesi den Preis mit deutscher Muttersprache gewonnen und der Rom Ilija Ivanovic, der offenbar sehr krank ist, den Lyrik Preis. Julya Rabinowitsch, die heute morgen im Klassiktreffpunkt war und mir sehr viel darüber erzählte, war mit Edith Ulla Gasser und Martina Schmidt in der Jury. Es gibt wieder eine Anthologie, in der die Texte zu finden sind und interessant, einen der Schülerpreise hat eine Klasse gewonnen, die sich die Öko-Freewriters nennen und bei deren Lehrerin Gundi Haigner, habe ich beim Writersstudio Eröffnungstag ja neunmal „Die Neuigkeit des Tages ist…“ geschrieben.
Es gab Musik des Schneebergers gypsy trios, danach bin ich mit einer vollen Büchertasche ins Literaturhaus gefahren, wo Ruth Klüger ihr neues Buch „Was Frauen schreiben“ mit Ursula Seeber präsentierte. Dort war es noch voller und die meisten Leute habe ich nicht gekannt. Das Buch besteht aus sechzig Rezensionen, die Ruth Klüger für eine amerikanische Wochenzeitschrift schrieb. Ruth Klüger ist ein bekennender Harry Potter Fan, las aber auch ihre Rezension über Herta Müllers „Atmeschaukel“ und eine über ein Buch, das Bettina von Arnim mit ihrer Tochter Gisela geschrieben hat. Dann gabs eine Diskussion wieviel Frauen schreiben und Ruth Klüger beeidruckt durch ihren trockenen Humor, meinte sie doch, daß „Frauen, wenn sie für ihr Schreiben keine Anerkennung bekämen, damit aufhören und das tun würden, für die sie die doch bekommen, nämlich kochen!“ und hatte anschließend viele Bücher zu signieren, während ich mit Alfred ein Glas Wein trank.

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