Literaturgefluester

2010-12-02

Exil Shanghai

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:35

Am 29. August 1960 ist die 1888 in Wien geborene Vicki Baum in Hollywood gestorben und ich kenne ihren Namen von der Büchergilde Gutenberg und dem Bücherschrank meiner Eltern.
„Hotel Shanghai“ und „Marion“ gab es dort zu finden und die, die meinen Blog bzw. meine Bücher regelmäßig lesen, wissen, daß der Bücherschrank meiner Eltern eine große Faszination auf mich ausübte. Die beiden Bücher habe ich, glaube ich, noch zu Lebzeiten meiner Eltern bzw. meines Vaters gelesen und damals war es eigentlich still sehr um Vicki Baum und außer in den alten Büchergilde Gutenberg Journalen, die mir mein Vater ebenfalls vererbte, gab es nicht über sie zu lesen. Später habe ich in dem Flohmarkt auf der Schönbrunnerstraße, den Goethe-Roman „Clarinda“ gefunden, Konstanze Fliedl hat mir irgendwann biografische Notizen zugesandt, denn außer, daß das eine Trivialschriftstellerin wäre, gab es damals nicht sehr viel zu hören.
Inzwischen habe ich, als ich zur letzten GAV Vollversammlung in Graz war, in einem Biografieband geblättert und im offenen Bücherschrank gibt es auch immer wieder Bücher von ihr zu finden. Sterben ja die Menschen, die die um 1950 oder früher geschriebenen Romane besessen haben, allmählich weg und so ist inzwischen auch noch „Vor Rehen wird gewarnt“ und „Flut und Flamme“ zur mir gekommen.
In meinem Katalog ersehe ich, daß in Harland auch noch „Rendezvous in Paris“ steht, also auch ein Erbe meiner Eltern, aber das habe ich wahrscheinlich nicht gelesen, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. An die Lektüre von „Hotel Shanghai“ vor ca fünfzehn Jahren aber schon und wie ich meinem Katalog entnehme, scheinen die „Menschen im Hotel“ an mir vorübergegangen sein. Danach müßte ich also im Bücherschrank suchen. Wie die erfolgreichste Schriftstellerin der Weimarer Republik, die außerdem noch Harfinistin war, überhaupt sehr viele Bücher geschrieben hat und anläßlich des fünfzigsten Todesjahrs hat sich das Literaturhaus daran erinnert und der Schriftstellerin eine Ausstellung in der Bibliothek gewidmet.
„Weekend at the Waldorf oder Menschen im Hotel“ und es gab auch (an meinem Geburtstag) eine Vicki Baum Nacht im Literaturhaus in der die „Menschen im Hotel“ Verfilmung, „Grand Hotel“ gezeigt wurde, die ich versäumt habe. Aufmerksam wurde ich auf die Ausstellung durch die Sendung Leporello und heute gab es, veranstaltet von der Exil-Bibliothek einen Vortrag und eine Lesung zu dem Thema „Exil Shanghai als Erinnerungsraum in der Gegenwartsliteratur“.
Das Shaghai ein Ort war in dem sehr viele Juden auf der Flucht vor dem dritten Reich Aufnahme fanden, weiß ich schon von Konstantin Kaisers „Zwischenwelt“, denn der hat ja, glaube ich, eine ganze Zeitschrift diesem Thema gewidmet.
Vicki Baum hat Shanghai als Exilort, aber schon 1939 beschrieben, denn da ist „Hotel Shanghai“ erschienen und der Roman schildert das Schicksal neun heimatloser Menschen, die im „Hotel Shanghai“ Aufnahme fanden und dann bei einem Bombenanschlag ums Leben kamen.
Es gibt aber auch einige andere Shanghai-Exil-Romane. Franziska Tausig, des Schauspielers Otto Tausig Mutter hat ihre Autobiografie „Shanghai-Passage“ genannt. Ulrike Ottinger hat 1997 einen Film „Exil Shanghai“ gedreht und Ursula Krechel hat 2008 den Roman „Shanghai fern von wo“ herausgebracht, für den sie, wie ich heute hörte, zehn Jahre recherchierte, der das Schicksal einiger Emigranten, darunter auch das von Franziska Tausig und einem Buchhändler nacherzählt.
Inge Stephan von der Berliner Humboldt Universität hat das in ihrem Vortrag referiert, vorher hat Alexander Strobele ein Kapitel aus „Hotel Shanghai“ gelesen und nachher in verteilten Rollen mit Otto Tausig ein Stück aus „Shanghai Passage“.
Sehr beeindruckend den alten Herrn lesen zu hören, daß er als junger Mann seine Mutter am Westbahnhof mit den Worten „Verzeihung gnädige Frau, sind Sie meine Mama?“, begrüßte.
Otto Tausig rief dann auch zu Spenden für seine Sozialprojekte auf und signierte Bücher. Ottwald John kaufte eines für seinen Freund Thomas Losch, der 2009 beim „Tag der Freiheit des Wortes“ gelesen hat.
Also wieder viel gelernt, sowohl über den Fluchtort Shaghai, als auch über Vicki Baum, die jetzt wieder als Schriftstellerin entdeckt wird, es lagen einige ihrer Bücher in aktuellen Neuausgaben am Büchertisch auf. Ich kenne ja nur die alten Büchergilde Gutenberg Ausgaben.
1943 hat sie noch einen dritten Hotel Roman „Hotel Berlin“ geschrieben, der mich auch sehr interessiert. Also Augen auf beim Bücherschrank, da wird es ja bald einen dritten im Heinz-Heger-Park geben, jedenfalls hat es da heute eine Besprechung gegeben, zu der mich Frank Gassner eingeladen hat, nachdem ich ihm „Mimis Bücher“ schickte.

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