Literaturgefluester

2010-12-03

Lockstoff

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:13

Lockstoff eine Literaturperformance des Podiums mit Judith Pfeifer, Stefan Abermann, Anna Weidenholzer, Thomas Havlik, Sophie Reyer, Martin Fritz und Robert Prosser, fand heute im Dschungel Wien im Museumsquartier statt. Große Namen der jungen Literatur und Literaturperformances beziehungsweise Poetry Slams sind derzeit überall in.
Die Gesellschaft für Literatur hat den Kolik Slam, das Literaturhaus seine Open Mike und Poetry Slam Veranstaltungen. Cornelia Travnicek erzählt in ihrem Blog immer wieder davon und ich habe auch schon einige dieser Performances beschrieben.
Das erste Mal bin ich aber lange vor dem Literaturgeflüster auf die Begriffe Poetry Slam und Open Mike gestoßen. Zehn bis fünfzehn Jahre ist das her, Droschl hat da einen Poetry Slam im Cafe Stein veranstaltet, um junge Talente zu suchen. Ich habe meine Texte hingeschickt, hatte aber keine Ahnung, was einen Poetry Slam von der konventionellen Literatur unterscheidet, aber die Kathrin Resetarits, Nikoloaus Scheibner und Philip Scheiner dort kennengelernt. Fast zeitgleich gabs von der Bezirkszeitung eine Open Mike Veranstaltungsreihe, wo ich einmal mitmachte und im Schikaneder gabs auch Poetry Slam, bis die ersten Bücher kamen und die Poetry Slams durch Markus Köhle, Mieze Medusa sozusagen professionell und zum Begriff wurden.
Den ersten Poetry Slam, über den ich im Literaturgeflüster geschrieben habe, habe ich in Passau erlebt und dann war ich 2009 einmal im Literaturhaus bei der Slam Sause, wo die Sieger vorgestellt wurden und ich Stefan Abermann kennenlernte und auch die anderen Talente, die heute performten sind mir durch meine Veranstaltungsbesuch ein Begriff.
So habe ich Anna Weidenholzer kennengelernt, war bei ihrer Lesung in der Alten Schmiede und Texte von ihr in der Fm4 Anthologie Wortlaut Gold und im LitArena4 Ecetera gefunden. Habe ihren Erzählband „Der Platz des Hundes“, der heute in den Beispielen in Ö1 vorgestellt wurde und GAV-Mitglied ist sie inzwischen auch.
Ebenso wie Judith Pfeifer und Sophie Reyer. Sophie Reyers Texte kenne ich aus den Manuskripten und habe sie einmal bei Rund um die Burg gehört. Judith Pfeifer habe ich bei dem Lyrikfestifal „laut lauter lyrik“, das voriges Jahr bei den Erich Fried Tagen im Literaturhaus veranstaltet wurde, kennengelernt. Sie hat bei dieser Lyrik Automaten Aktion mitgemacht und ich habe ein Bild mit einem Text von ihr im Wohnzimmer hängen. Da gab es auch „Rotten Kinck Show“ mit Ann Cotton, Monika Rinck und Sabine Scho, wo die Puppen aufgezogen wurden, Semmeln ins Publikum geworfen und dabei Lyrik rezitiert wurde. Sigrun Höllriegl, die ich bei der Ö-Slam-Sieger-Sause am 24. 1. 2009 im Literaturhaus kennenlernte, hat mir damals auch gesagt, daß für sie Literatur eine Performance und keine eintönige Lesung sein müße und sie sich von den Autoren Sprechausbildung etc. erwarte.
Das war heute auf jeden Fall gegeben und auch die anderen Autoren habe ich in den letzten zweieinhalb Jahren kennengelernt, wenn ich sie nicht schon früher kannte. Den 1982 geborenen Martin Fritz z.B, der 2009 den FM4 Preis und heuer den Rauriser Förderungspreis gewonnen hat, ich habe ihn auch bei einer von Angelika Reitzers Textvorstellungen lesen gehört. Thomas Havlik kenne ich durch die GAV, er ist auch in der Jury des LitArena Literaturpreis der Literaturzeitschrift etcetera und Roberts Prosser Namen habe ich im vorigen Oktober das erste Mal gehört, als er mit Cornelia Travnicek und Clemens J. Setz für die Österreich Sondernummer der Zeitschrift Buchkultur vorgestellt wurde. Dann wurde sein Buch „Strom“ in der Gesellschaft für Literatur präsentiert. In der Alten Schmiede hat er inzwischen auch gelesen und vor kurzem den Floriana Literaturpreis bekommen.
Diese sieben Autoren haben heute im Museumsquartier für das Podium performanct und es war wieder so eine Veranstaltung, wo ich mich zuerst nicht ganz hineintraute, dann habe ich aber Hannes Vyoral und Erich Schirhuber gesehen und später auch Christian Scheibmüller entdeckt, was nicht besonders erfreulich war, sagte er mir doch, er hätte die mit ihm bei der Lesetheaterfestveranstaltung ausgemachte Lesung im Cafe Amadeus am 5. September 2011 schon an einen anderen vergeben. Ich könne am 17. Oktober lesen, aber den Termin hat er, glaube ich, damals an Elisabeth Chovanec verteilt.
Der Saal im Dschungl-Wien war jedenfalls verdunkelt, als ich ihn erreichte. Mikrofone und zwei Lesetischchen waren aufgebaut, die Performer saßen an den beiden Seiten. Dann trat ohne Vorstellung und Einleitung Robert Prosser auf, zum Glück habe ich alle gekannt und rezitierte ein bißchen was in Poetry Slam Manier.
Dann kam Anna Weidenholzer mit einer sehr sozialkritischen Geschichte von einem alten Mann und zwei slowakischen Krankenschwestern, die nicht zum Leichenschmaus eingeladen werden, um sich die Menüs zu sparen, bevor Thomas Havlik auftrat und sich bei seiner Performance tänzerisch bewegte. Dann setzte er sich so etwas, wie einen Reifen auf und trat mit Judith Pfeifer und Sophie Reyer, die Hasenohren trugen und Busenhalter in denen sie Semmeln steckten in einer Art Bunny Show auf. Im Hintergrund gab es einen Film, wo Thomas Havlik wilde Grimassen schnitt, das Ganze verbunden mit sehr poetischen Texten.
Anna Weidenholzer las noch eine zweite Geschichte von dem Taxifahrer Tony der gerne nach New York fahren will und dafür Geld spart, die ich inzwischen in ihrem Buch gefunden habe.
Ob Robert Prossers Texte aus seinem Buch stammen, habe ich nicht herausbekommen. Stefan Aberman las vor dem Stehmikrofon einen Text, der aus einem Roman stammen könnte. Zwei Philosophen kommen vor, die zuerst einmal den Ich Erzähler eine Zeitlang begleiten, bevor sich der in eine Beziehung einläßt, um sich in wilden Grabenkämpfen zu bekriegen, bevor sie ihn wieder verläßt.
Martin Fritz las Gedichte aus einem Zyklus und spielte mit dem Publikum Lyrikbingo, eine Idee von Ann Cotton und Monika Rinck, wie er erklärte. Teilte Zettel aus, auf denen Bildchen abgebildet waren, man mußte zu den Texten irgendwelche Verbindungen herstellen und Bingo schreien. So konnte man ein Zukunftsbuch aus dem Jahr 1972 gewinnen, auch das ist Literaturperformance und Gewinnspiele sind ja in. Da ich nicht Bingospiele habe ich nicht viel davon mitbekommen, einige im Publikum waren aber sehr engagiert dabei.
Am Schluß stellten sich alle in einer Reihe auf und begannen im Chor jeder seinen eigenen Text zu lesen, bevor das Publikum klatschte, vorher war es mucksmäuschenstill, sich die Akteure verneigten und sie Stefan Abermann vorstellte.
Ich sehe gerade im Podium Werkstattheft 2010, daß es schon am 7. Dezember 2009 eine solche Literaturperformance im Dschungl Wien mit Thomas Havlik, Esther Strauss, Robert Prosser, Magdalena Sturm, Magda Woitzuck, Valerie Pachner und Kyrill Sohm gegeben hat, die in dem Heft ausführlich beschrieben ist und die man auch unter www.podiumliteratur.at downloaden kann. Vielleicht kann man das auch für diese Veranstaltung machen, das wäre sicher ein Gewinn. Ich verlinke jedenfalls ein bißchen aus dem Literaturgeflüsterarchiv.

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1 Kommentar »

  1. […] *** ps: hintergründiges & konkreteres wie immer bei frau jancak. […]

    Pingback von angelockt ausgeflockt: entzückt « ConSens — 2010-12-05 @ 19:04 | Antworten


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