Literaturgefluester

2010-12-04

4. Adventkalenderfenster

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:31

In unregelmäßiger Reihenfolge ein paar Adventgedanken. So werden die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie, die das Leseverhalten unserer Schüler prüft, zwar erst am Dienstag bekanntgegeben, wurden aber schon diese Woche in den Medien diskutiert. Die Ergebnisse sind schlecht, die Zahl der beinahe funktionalen Analphabeten, die in die erste Klasse AHS kommen, steigt, so daß die ÖVP prompt wieder eine sehr geliebte Idee aus dem Nachtkastl nahm. Die Aufnahmsprüfung für das Gymnasium muß her, denn wir wollen eine Elitebildung, die anderen können ihren funktionalen Analphabetismus ja in der neuen Mittelschule ausleben. Nun weiß ich zwar nicht, was das für einen Sinn macht, nur die ohnehin schon Guten zu fördern, sehe aber, daß das auch in anderen Bereichen gut zu funktionieren scheint, beispielsweise an der Hochschule für Sprachkunst, meinem Lieblingsthema, ich weiß.
Ich würde mich dort zwar inzwischen nur als Lektorin aufnehmen lassen, denn ich habe mir das nötige Know how, wie ich wirklich glaube, selber beigebracht und bin 1964, als es noch die Aufnahmsprüfung gab, ohne überhaupt den Versuch eine solche zu machen, in eine zufälligerweise sehr gute Hauptschule gekommen, später über eine Knödelakademie zur Matura und danach zum Hochschulstudium, weil unter Kreisky der Zugang zur Bildung etwas offener war. Das Knödelkochen habe ich in der Schule nicht gelernt, kann es inzwischen aber, auch wenn ich es nur selten praktiziere, da ich keinen Schweinsbraten mache und in der Bildungsdebatte hinken wir nicht nur weiter lustig nach, sondern haben, wie Pisa zeigen wird, schon große Mißstände aufzuweisen. In den Siebzigerjahren hat niemand vom funktionalen Analphabetismus gesprochen, damals wurde die Gesamtschule diskutiert, die es inzwischen in ganz Europa gibt. Nur Österreich ist anders und die ÖVP schwärmt in Zeiten, wo der Standard eine ganze Seite den Ohrenschmaustexten von Menschen mit mentaler Behindertung bringt, der übrigens auch von einem ÖVP-Politiker intitiert wurde, von den neuen Eliten.
Mir fällt dazu ein, daß ich vor einiger Zeit Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, ein, wie ich mir sagen ließ, dazupassendes Buch aus den Neunzehnhundertdreißigerjahren, aus dem Bücherschrank genommen habe, das ich nach den Adventbüchern endlich lesen will, wobei ich wieder beim Thema bin, denn eigentlich wollte ich in Zeiten der Adventkalender und Büchergewinnspiele einiges nachtragen.
So zum Beispiel, daß ich auch einen „Adventkalender“ geschrieben habe, nämlich jeden Tag ein paar Zeilen, die ich später zu der Geschichte „Adventkalender“ gemacht habe, die im „Best of – Das Eva Jancak Lesebuch“, enthalten ist.
Da ich noch ein paar Exemplare habe, will ich meinen Beitrag zur Leseförderung leisten und obwohl die Gewinnspiele im Literaturgeflüster kein großer Erfolg sind, ein bis drei daran Interessierten eines der Bücher zu Weihnachten oder auch schon früher schenken.
Ansonsten könnte ich noch nachtragen, daß man auch bei facebook Residenzverlag jeden Tag ein Buch gewinnen kann und Klaudia Zotzmanns Adventkalender noch einmal empfehlen. Sie macht das sehr genau und sorgfältig, man lernt viel dabei, auch wenn man nicht Tagesgewinner wird.
Das schöne weiße Winterwetter ist inzwischen eingetroffen und weil Alfred morgen nach Harland zu seinen Eltern Schneeschaufeln fährt, kann ich mich anschließen und so zum Punschtrinken bei der Familie Herzinger in Nußdorf an der Traisen kommen, was immer ein sehr schönes Advent Highlight war.
Der Standard widmet seine Wochenendbeilage unter dem Titel „Alle Jahre wieder..“, dem Thema wegwerfen. Andrea Roedig wundert sich dabei über die Warenmassen über die wir während der vier Einkaufssamstage oder auch sonst stolpern und sie haben zu müssen glauben, um sie später wegzuwerfen.
„Wo soll das hinführen?“, fragt sie an und der Standard erkundigt sich bei einigen Prominenten wie Konrad Paul Liessmann, Julya Rabinowich, Andrea Maria Dusl, Sophie Reyer, Peter Truschner und Marlene Streeuwitz, wie sie es mit dem Wegwerfen halten.
Interessant, daß sich Andrea Maria Dusl und Marlene Streeruwitz als büchersüchtig deklarieren, da kann ich mich nur anschließen. Ich werfe Bücher auch nicht weg, ganz im Gegenteil, ich bringe sie nach Hause, stelle sie auf und unternehme wenigstens den Versuch, sie zu lesen bzw die Übersicht zu behalten, in dem ich über Ungelesenes flüstere.
Wenn ich einen Weihnachtswunsch freihätte, würde ich den Elitegedanken aus den Köpfen der ÖVP-Politiker herauszaubern und auf dem Müll entsorgen. Da ich das nicht kann, werde ich mich am Nachmittag mit Alfred in den Weihnachtstrubel werfen, zur Grünen Erde gehen und endlich drei Bücherregalreihen bestellen, weil ich wirklich keinen Platz mehr habe und sich die Bücher schon im Badezimmer stapeln.

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