Literaturgefluester

2010-12-10

Drei Männer im Schnee

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:56

Erich Kästners 1934 geschriebenen Roman „Drei Männer im Schnee“ gab es 2003 in Ö1 am Sonntagmorgen in Fortsetzungen, da habe ich den Anfang versäumt, später die Folgen begierig verfolgt (bin dabei zweimal nach Graz zum Ö1 Quiz gefahren), denn Geschichten von Millionären und armen Schluckern, die die schöne junge Erbin und einen Job in der Vorstandsetage kriegen, faszinieren immer und in meinen Bücher kommen auch solche märchenhaften Begegnungen vor, die dann der Patrick kritisiert. So habe ich also sehr bedauert, daß ich von Kästner nur einige Kinderbücher, „Fabian“ und die „Verschwundene Miniatur“, aber nicht die „Drei Männer im Schnee“ besitze, wozu gibts aber den offenen Bücherschrank und es passt auch gut in die Winterszeit, obwohl es nicht zu Weihnachten spielt.
„Drei Männer im Schnee“ ist also ein Buch über Millionäre, was in zwei Vorworten erklärt wird, wie es dazu kam, das Buch zu schreiben.
Millionäre sind aus der Mode gekommen und als künstlerisches Motiv ungeeignet, wird da behauptet, was für unsere Zeit nicht mehr stimmt, denn da werden, wie man in den Zeitungen lesen kann, die Millionäre immer mehr und die Schwere zwischen arm und reich immer größer.
1934 gab es in Deutschland aber auch eine Wirtschaftskrise und der 1899 in Dresden geborene und 1974 in München gestorbene Satiriker hat sich in seinen Bücher mit diesem Thema auch sehr auseinandergesetzt.
Es geht in dem Buch also um den innerlich Kind gebliebenen Geheimrat Tobler, den ganz Deutschland und ein bißchen mehr gehört, in seiner Villa mit dem Diener Johann, der Hausdame Frau Kunkel, dem Dienstmädchen Isolde und seiner Tochter Hilde lebt, gerne Nudelsuppe mit Rindfleisch ißt, Kognak und siamesische Katzen mag und sich bei dem Preisausschreiben seiner Putzblank-Werke beteiligt hat und dabei den zweiten Preis, zwei Wochen Aufenthalt in einem Hotel in den Alpen gewinnt. Was das Kind im Multimillionär veranlaßt sich bei einem Trödler als Sandler einzukleiden und als solcher im Grandhotel aufzukreuzen. Zur Sicherheit nimmt er seinen Diener Johann mit, der muß sich als Reeder ausgeben und das Schifahren lernen. Damit der Papa aber nicht am ersten Tag hochkantig hinausfliegt, ruft Tochter Hilde im Hotel an und erklärt, wer der arme Schlucker ist und seine Katzen, einen heißen Ziegelstein und einen Masseur im Zimmer braucht. Das tuen der Hoteldirektor und der Portier Onkel Polter auch sogleich und klären auch die Stammgäste auf. Sie verwechseln nur den ersten mit den zweiten Preisträger, denn den ersten Preis hat auch so ein arbeitsloster Schlucker gewonnen, nämlich Dr. Hagedorn, ein Reklamefachmann, der mit seiner Mutter in Berlin lebt und schon seit Jahren sämtliche Preisausschreiben mit trendigen Werbesprüchen gewinnt und in Luxushotels urlaubt, eine Stelle hat für ihn aber niemand, was wieder in unsere Zeit der Praktika und Prekariatsstellen passt.
Dr. Hagedorn wird also für den Millionär gehalten, bekommt die Luxussuite mit den siamesischen Katzen und die alleinstehenden oder auch verheirateten Stammgäste stürzen sich auf ihn, während Geheimrat Tobler der sich Eduard Schulze nennt in die ungeheizte Dachkammer ausgelagert und zu Hilfsdiensten herangezogen wird, was das Kind im Mann sehr genießt.
Der Diener Johann alias Herr Kesselhuth bügelt die versandelte Hose und treibt einen Heizstrahler auf, Herr Schulze freundet sich auch gleich mit Fritz Hagedorn an und die drei Männer bauen vergnügt den Schneemann Kasimir. Herr Schulze kommt zum Spielen mit den Katzen in die Luxussuite und nascht von Fritz Hagedorns Rindfleischsuppe, während Herr Kesselhuth verspricht Hagedorns Entwürfe zu Geheimrat Tobler zu schicken, weil er sehr initme Beziehungen zu dem Millionär hat. Johann macht sich auch Sorgen über die schlechte Behandlung des Geheimrats und schreibt an Fräulein Hilde einen Brief. E-mails und SMS gab es damals ja noch nicht, so hat auch Mutter Hagedorn den ersten Brief an ihren Fritz schon geschrieben, als sich dieser noch im Fleischerladen den Reiseproviant besorgte. Es kommt, wie es kommen muß. Hilde Tobler reist mit der Hausdame, die sie Tante Julchen nennt in die Alpen und lernt im Bus Dr. Hagedorn kennen. Die beiden verlieben und verloben sich, denn Dr. Hagedorn hat inzwischen von den Toblerwerken ein Angebot bekommen in die Reklameabteilung einzutreten. Das ist den luderlichen Damen ein Dorn im Auge, die sich den Millionär schnappen wollen, so bekommt Eduard Schulze zweihundert Mark geboten, wenn er das Hotel verläßt. Der hat indessen die Lust am Tiefstapeln verloren, verschenkt das Geld an den Kellner und den Schneeschaufler mit dem er die Eisbahn säuberte, fährt mit seiner Gefolgschaft ab und beschließt das Hotel zu kaufen, um den Direktor und den Portier zu entlassen, was aber nicht gelingt, weil es ihm schon längst gehört…
Der arbeitslose Akademiker bekommt die Prinzessin und wird die väterliche Firma leiten, weil sich der Geheimrat gemeinsam mit Mutter Hagedorn den Enkelkindern widmen will.
Ein packendes Märchen über Deutschland der Dreißigerjahre, vor allem wenn man weiß, was nachher kam, bzw. es mit unserer Wirtschaftskrise vergleicht. Ein kleines bißches hat sich inzwischen ja verändert, so werden die Frauen nicht mehr als liderliche Luxusweibchen bzw. reine Jungfrauen dargestellt. Erich Kästners etwas problematische Beziehung zu seiner Mutter, wird in der zwischen Fritz und Frau Hagedorn widergespiegelt, die übrigens ziemlich kleinkarierte Ansichten hat, aber ihren Fritz sehr liebt und Reklamefachmänner, die zwar jedes Preisausschreiben gewinnen, aber keinen Job bekommen, soll es bei uns inzwischen ebenfalls geben, nur finden die meist keine Millionärstöchter im Schnee und gebärden sich auch ein wenig moderner, weil sie ja wahrscheinlich Handies und I-Pots haben und mit Kreditkarte und Überziehungsrahmen ein wenig besser leben.

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