Literaturgefluester

2010-12-16

Die Liebe, das Glück, die Blödheit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

…oder die dritte Literaturhauslesung in Zusammenarbeit mit dem Lehrgang für Sprachkunst der Angewandten. Ein bißchen habe ich schon über die neue Literaturhausschiene geschrieben, die den Studenten des Hochschullehrganges, die Möglichkeit geben soll, arrivierte Schriftsteller zu treffen und so gab es im November und Dezember drei diesbezügliche Veranstaltung, nämlich Gerhard Rühm am 8. 11., die ich versäumte, die Lesung der Fried Preisträgerin Terezia Moira am 29. 11. und jetzt den Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino mit Lesungen aus seinen Romanen „Das Glück in glücksfernen Zeiten“ von 2009 und „Die Liebesblödigkeit“ von 2005.
Bei der Terezia Moira Lesung war ich, habe aber nur ein paar Zeilen meinem Fried Preis Artikel angefügt, so daß ich erst jetzt die Gelegenheit ergreife, meine Anmerkungen zu der Lesarten der Sprachkunst Reihe zu machen.
Das Literaturhaus hat ja jetzt ein neues Logo und wenn eine Veranstaltung der Angewandten ist, prangt auf der einen Seite das grüne Logo, auf der anderen ein rotes.
Robert Huez begrüßt, dann kommt Robert Schindel und sagt, daß die Veranstaltung dazu dient, damit die Studenten in Kontakt mit berühmten Schriftstellern kommen, was er sich als junger Autor sehr gewünscht hätte. So war es das letzte Mal, wo nur wenige Leute waren. Die beiden Klassen der Studenten höchstwahrscheinlich, also zweimal fünfzehn, so die Zahl der Zugelassenen, Robert Schindel und sonst noch ein paar Besucher.
Terezia Moira hat gelesen, nachher gabs das Gläschen Wein, Robert Schindel hat sich mit den Studenten unterhalten und ich habe mich gewundert, daß es keine Diskussion gab, ungefähr so „Warum schreiben, Sie?“
Ich weiß, das ist verpönt, schließlich lese ich ja Cornelia Travniceks Blog und habe das Burkhard Spinnen Buch durchgeblättert. Aber wenn man schon eine eigene Veranstaltungsreihe macht, man könnte ja auch sagen, daß die Studenten ohnehin Gelegenheit haben, zu den Veranstaltungen ins Literaturhaus, in die Alte Schmiede ect. zu gehen, hätte mich mir gedacht, daß nachher darüber gesprochen wird und die Studenten das Wort ergreifen, um mit dem eingeladenen Schriftsteller zu sprechen. Das letzte Mal war es nicht so. Da sind die Studenten unter sich gestanden und Terezia Moira hat sich mit einem ungarisch sprechenden Herrn unterhalten.
Diesmal war es anders, da bin ich zu spät gekommen, weil um sechs noch eine Stunde, dann ist der Bus wahrscheinlich wegen der dichten Schneelage nicht dahergekommen und so war die Lesung schon im Gang, als ich das Literaturhaus erreichte und ich habe Einleitungszeremonie versäumt. Das Literaturhaus war auch sehr voll, so daß in dem Raum, wo die Ausstellung ist, Sessel aufgestellt waren.
Wilhelm Genazino hat von einem Mann zwischen zwei Frau gelesen, dem seine Tränensäcke an den Augen, Sorgen machen, vielleicht demnächst an Krebs zu sterben und wer räumt dann die Bücherberge in seinem Arbeitszimmer aus? Ist es Judith oder Sandra? Außerdem hat er eigene Theorien über den Freizeitfaschismus erstellt, worüber er in Interlaken Seminare hält. Auch da macht er sich Gedanken, welche der zwei Frauen er mitnehmen soll? Dann geht er im Park spazieren und macht sich Gedanken über die Weltordnung an Hand eines Schlafenden auf einer Bank, während Kinder mit dessen Sandalen Fußball spielen. Das stammte, wie ich später mitbekommen habe, aus der „Liebesblödigkeit“. Dann kam „Das Glück in glücksfernen Zeiten“. Da ging es wieder über die neurotischen Sorgen eines Mannes, Angehöriger der intellektuellen Mittelschicht vielleicht, der mit seiner Frau oder Freundin ins Theater geht. Er sieht ein Stück von O Neil, wird an seinem Vater erinnern, der sich sein ganzes Leben über seine Frau, seinen Beruf, seine Kinder und sein Haus Sorgen machte und denkt, daß seine Freundin Traudl, eine Sparkassenangestellte, ein Kind von ihm wollen könnte, was ihn in Panik versetzt…
Also das Tragische, das Komische, das Absurde, das Lächerliche, das Rührende und alles andere, wie Hubert Spiegel in der FAZ über Genazino schrieb und inzwischen auch von Kristina Pfoser im Morgenjournal erwähnt wurde.
Am Büchertisch lagen noch anderen Romane, des 1949 in Mannheim geborenen und in Frankfurt lebenden Autors, der unter anderen 2004 den Büchner Preis, 2007 den Kleist Preis bekommen hat.
Ich habe noch nichts von ihm gelesen, nur im Exlibris die Rezension des 2009 erschienenen Romans gehört und wurde bei dem Vortrag an eine Lesung, die ich vor Jahren in der Alten Schmiede hörte, erinnert, wo Gustav Ernst und Helmut Eisendle aus ihren neu erschienen Büchern gelesen haben, wo es bei beiden, um die Angst vor Krankheiten und die Sexualität von älter werdenden Männern ging.
Das habe ich auch bei dieser Lesung so empfunden. Ein bißchen Bernhard Ton, glaube ich, auch entdeckt zu haben, aber den braucht es wohl, um den Büchner Preis zu bekommen, den jungen Leuten um mich herum hat es gefallen, wie an ihrem Gelächter zu merken war.
Diesmal war auch Gustav Ernst und Sabine Konrath, die Institutsmanagerin, die früher mit Silvia Bartl das Literaturhausprogramm gestaltet hat, da. Angelika Reitzer, glaube ich, gesehen zu haben und Sandra Gugic, aber die war auch das letzte Mal da und die Studenten haben sich diesmal mehr mit dem Autor unterhalten, beziehungsweise sind sie um ihn herumgestanden.
Ich habe Gustav Ernst nach seinem neuen Roman gefragt, der, glaube ich, im Februar erscheinen wird und nach dem Kolik Slam am Donnerstag in der Gesellschaft der Literatur, zu dem ich eigentlich gehen wollte, bin ich aber zu Hause geblieben, um zu lesen und zu schreiben.
Im Jänner wird es dann eine Lesung der Studenten geben, auf die ich mich schon freue, denn das ist ja das wirklich Interessante, zu hören, was in diesem Sprachlehrgang passiert, weil ich ja zu einer Genazino Lesung auch gehen würde, wenn sie nicht als Lesarten der Sprachkunst angekündigt ist, aber natürlich ist es interessant, beim Gläschen Wein, den Haufen junger Leute zu betrachten, von denen ich nur Sandra Gugic erkannte und mich zu fragen, wer von ihnen es wohl schaffen wird. Natürlich ist ein bißchen Neid dabei, obwohl ich ja auch viel schreibe….

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