Literaturgefluester

2010-12-25

Schreibgedanken

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:56

Wenn man mehrmals in der Woche zu einer Literaturveranstaltung geht und sich bemüht, die Übersicht über den Berg ungelesener Bücher zu behalten, obwohl man an den offenen Bücherschränken nicht vorbei gehen kann, dann handeln die Artikel zu einem großen Teil über neue oder alte Schreibtalente, bzw Rezensionen, die eigentlich Buchberichte sind und obwohl, das dritte Bein des Literaturgeflüsters, die eigene Schreibwerkstatt ist, nicht so oft davon, denn es ist ja langweilg zu schreiben, heute habe ich zehn, zwanzig oder auch fünfzig Seiten korrigiert.
Denn das Korrigieren macht einen großen Teil der Schreibarbeit aus, zumindestens bei meiner Produktionsweise. Aber natürlich ist ein wesentlicher Teil des Literaturgeflüster, daß ich über mein Schreiben Auskunft geben und meine Leser und Leserinnen in meine Werkstatt schauen lassen will. Denn ich glaube, das hätte ich mir vor dreißig Jahren sehr gewünscht, jemanden zu haben, der mich in seine Produktionsweise hineinschauen läßt.
Deshalb sollte ein Drittel der Artikel diesem Thema gewidmet sein. Geht nicht immer. Denn am meistens läßt es sich natürlich in der aktiven Schreibphase plaudern und die nimmt bei mir ein Fünftel oder ein Sechstel der Produktionszeit ein. Also wars in der letzten Zeit diesbezüglich ein wenig ruhig, aufmerksame Leser wissen es. Ich habe im Jahr 2010 drei neue Bücher herausgebracht. „Sophie Hungers Krisenwelt“, „Heimsuchung oder halb eins“ und zuletzt „Mimis Bücher“.
Über alle drei läßt sich im Literaturgeflüster nachlesen. Die „Sophie Hungers“ wurde vor kurzem in der Alten Schmiede vorgestellt. Ein Stückchen daraus gibt es auch in der letzten Volksstimmeanthologie zu lesen. Rezensionen findet man im Literaturgeflüster, einige andere Lesungen daraus gab es auch, bzw. wird es noch im Herbst des nächsten Jahres geben.
Bei der „Heimsuchung“, das ist die Erzählung, die im Rahmen des NANOWRIMO 2009 entstanden ist, ist das ähnlich. Anfang des Jahres habe ich „Mimis Büchers“ geschrieben, das ist im Herbst erschienen und da habe ich erst einmal, nämlich bei meinen Geburtstagsfest daraus gelesen und schicke es auch noch herum, so daß die Rezensionen noch auf sich warten. Drei Bücher in einem Jahr sind sehr viel. Einerseits bin ich stolz darauf, andererseits fürchte ich mich natürlich davor, für eine Vielschreiberin gehalten zu werden. Aber wer hat, der hat, so schlimm ist das auch wieder nicht und soll mir erst einer nachmachen, bevor er darüber mäkelt. Hat auch noch keiner, nur Richard Langthaler hat, als ich ihm „Mimis Bücher“ bei der Judith Gruber Lesung zeigte, gesagt „Deine Bücher werden auch immer dünner!“
Nun ja für die „Heimsuchung“ und „Mimis Bücher“ trifft das zu. Die „Absturzgefahr“ wird wieder etwas länger und das ist das zweite Buch, das ich 2010 geschrieben habe. Ende Juni habe ich damit angefangen, wieder manisch und besessen, den Sommer vor mich hingeschrieben und bin, meine Leser wissen es, beim Korrigieren in eine Art Schreibunlustphase gekommen, bzw. habe ich vor mich hingedümpfelt. Zuerst hat es mir nicht mehr gefallen. Dann bin ich im November durch die Buch Wien und den anderern Veranstaltungsreigen nicht dazu gekommen. Und habe über ein Monat gebraucht die hundertzwanzig Seite Szene für Szene durchzugehen. Vor ein paar Tagen wurde ich damit fertig und jetzt gehts in einem Wurf solange durch, bis ich es für fehlerfrei halte, was schätzungsweise bis Ostern dauern wird, bevor es der Alfred zum Endlektorieren und Setzen bekommt, wenn man das so nennen kann. Meine Leser wissen ebenfalls, daß ich keine große Korrigiererin bin. Das Buch ist wahrscheinlich zehn bis fünfzehn Prozent kürzer, als die Rohfassung. Die Handlung aber zu fünfundneunzig Prozent die Gleiche. Hin und wieder kommt eine Szene dazu oder eine weg.
Ich habe zwar immer vor zu verändern, es bleibt aber meistens so. Hat wahrscheinlich seinen Grund und ist gut so, wie es ist. Was ich allerdings in der letzten Zeit vermehrt mache ist, daß ich es mir sprachlich vornehme. Denn das ist ja, was manche Leser bemängeln, daß ich nicht so eine gute Sprache habe. Gut, meine Meinung zur Rechtschreibung habe ich schon in einem Artikel festgelegt, das ist für mich irgendwie ein Ort der Freiheit, so bleibe ich bei meinen falschen oder scharfen s. Der Alfred oder wenn es sich ergibt, ein Lektor, kann das ruhig korrigieren und das mit dem Erheben oder nicht Erheben, was mir Karl-Markus Gauss einmal in einem langen Brief ausführlich daregte, den ich damals, es war in den Neunzigern, nicht so recht verstanden habe, ist auch so was, was mir nicht recht liegt. Mit hunderttausend schönen Worten in der Wiese liegen und eine Blume beschreiben, will ich, glaube ich nicht und ich will auch nicht dauernd „Österreich ist das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten!“, vor mich hinschimpfen. Da hätte ich wahrscheinlich nicht Verhaltenstherapeutin werden dürfen. Von der Frau Professor Friedl in der Strassergasse, habe ich schon geschrieben. Die hat mir oder war das vielleicht schon die Frau Linser in der Hauptschule Geblergasse etwas vom Adalbert Stifter und seinen sanften Steinen erzählt. „Nicht das Große, sondern das Kleine halte ich für schön!“ oder so. Das hat sich bei mir eingeprägt. Da gibt eine psyologisch-psychotherapeutische Praxis auch etwas her und so versuche ich jetzt wirklich mehr meine einfach strukturierten Sätze zu verbessern und das nicht erst seit es das Literaturgeflüster gibt oder Andrea Winkler beim Bachmannpreis gelesen hat.
Das erste Mal habe ich das schon bei der „Fluchtbewegung“ getan. Denn damit war ich 2005 in der Text- und Kritikwerkstatt der Erika Kronabitter im Silvrettahaus Bielerhöhe eingeladen und habe im kleinen Kreis zwei Szenen vorgetragen, die bearbeitet wurden. Damit bin ich nach Hause gefahren und da ist mir das erste Mal aufgefallen, daß ich es sprachlich genauer nehme. Dann kamen noch einige andere Bücher und ab Sommer 2008 das Literaturgeflüster, das jetzt bald seinen sechshundertsten Artikel hat und auch, wenn ich wirklich glaube, daß ich vielleicht eine nicht so schöne Sprache habe und orthographisch nicht perfekt bin, glaube ich auch, daß man nicht sechshundert Artikel schreiben kann, ohne in der einen oder anderen Weise davon zu profitieren und bin, das merke ich sehr wohl, selbstsicherer geworden. Ein Jahr später kam das Bachmannlesen mit Andrea Winkler und der „Wunderschöne Tintentraum“ und seither denke ich immer wieder, das muß doch zu vereinen sein, daß man das, was man erzählen will, in einer schönen Sprachen tun kann und es kann auch positiv sein und vielleicht ein wenig märchenhaft. Denn das ist auch etwas, was ich gelegentlich höre, daß ich das bin, was ich eigentlich nicht recht verstehe. Denn positiv, denke ich, sind meine Geschichten nicht. Was ist denn positiv, wenn einer am Abend ins Bett steigt und sich nichts anderers wünscht, als am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen und daß er, wenn er es trotzdem tun, so gut wie möglich weiter zu machen versucht?
Gut, da spricht dann sicher irgendwie die Verhaltenstherapeutin mit, die kann und soll sich natürlich nicht verleugnen und, daß die ihren Klienten nicht sagt „Österreich ist das Fürchterlichste vom Fürchterlichsten!“, sondern „Versuchen Sie es noch einmal, es gibt doch so vieles, was Ihnen gelingt!“, ist auch ganz klar.
Mein Pech ist, daß das Realistische nicht für so Literarisch gilt. Das habe ich bemerken können, als ich in der Augustin Schreibwerkstatt aus der „Sopie Hungers“ gelesen habe. Aber das ist halt das über was ich schreiben will und wahrscheinlich auch das, was im am Besten kann. So gesehen liegt also wieder die Korrierarbeit an der „Absturzgefahr“ vor mir und ein paar Gedanken für das nächste Buch habe ich auch schon im meinem grünen Telecom Notizbuch und die sind, wie ich fürchte, auch nicht so neu. Die fünf oder sechs Wünsche der „Radiosonate“ kann man darin finden, die beiden Schwestern von denen eine durch Österreich fährt, die anderen ihre Bücher liest und dann kann noch eine Therapiestation oder ein Seniorenheim eine Rolle spielen. Mal sehen, das ist noch nicht so ausgereift, das kann noch anderes werden. Denn eines gelingt mir jetzt ein bißchen besser. Das Zeitlassen. Erst einmal die „Absturzgefahr“ in Ruhe fertigkorrigieren und dann zum Nächsten gehen. Ich weiß, spätestens ab diesen Zeitpunkt werde ich schnell und ungeduldig und haste mit einer vielleicht unfertigen Idee davon. Da wäre ein Schreibcoach gut. Aber den habe ich erstens nicht, zweitens gilt solches immer noch für unprofessionell. Das Literaturgeflüster soll oder kann aber vielleicht ein Schreibcoach für andere sein. Wenn es jemanden gibt, dem meine Schreibgedanken weiterhelfen, soll mich das freuen. So gesehen passt die Dreiteilung auch sehr gut. Denn irgendwie, ich weiß auch nicht warum, ist das zu Veranstaltungen gehen, sehr wichtig für mich und das, was ich schon seit dreißig Jahren mehr oder weniger intensiv betreibe. Dadurch entdecke ich die neuen Literaturtalente, kenne mich und das möchte ich schon behaupten, in der Gegenwartsliteratur gut aus, obwohl ich manchmal denke, das kann auch nicht alles sein und ich darf nicht auf mich vergessen. Denn was nützt es, wenn ich die Arbeiten der Cornelia Travnicek, der Andrea Winkler, Valerie Fritsch, Angelika Reitzer ect gut kenne und sie kennen mich nicht.
Das stimmt seit ich das Literaturgeflüster betreibe auch nicht mehr so ganz und das ist ein Vorteil des Bloggens, den ich durchaus nützen will. Daß das Lesen mich schon immer sehr gereitzt hat und, daß unterm Weihnachtsbaum in der Wattgasse immer Bücher der Wiener Kinderfreunde und der Büchergilde Gutenberg gelegen sind, habe ich schon geschrieben. Daraus habe ich die Idee entwickelt eine Intellektuelle zu werden und habe inzwischen zwischen fünf- und sechstausend Bücher und die offenen Bücherschränke, die für mich ja auch ein Gottesgeschenk sind. Aber darüber werde ich in einem eigenen Artikel schreiben, wenn es über die Bücherjahresrückschau geht.

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