Literaturgefluester

2010-12-26

Grimms Wörter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:17

Nun kommt schon die Weihnachtsbuchbesprechung „Grimms Wörter“ von Günter Grass, auf das ich während meines Frankfurter Buchmessensurfings aufmerksam wurde und da man dort aktuelle Bücher gewinnen konnte, habe ich mir eine Liste zusammengestellt, die ein paar Mal abgeändert und dem Alfred schließlich, den Norbert Gstrein zusammen mit Angela Leinens „Wie man den Bachmannpreis gewinnt“, als Geburtstags- und den Grass als Weihnachtswünsche genannt. So bin ich am Vierundzwanzigsten mit dem Buch in die Badewanne verschwunden, das passende Badekonfekt und ein Handtuch mit Monogramm gabs ja dazu. Das noch dreimal wiederholt, bis ich soweit bin, das Buch zu besprechen.
„Eine Liebeserklärung“, steht auf dem Umschlag und die Rezensionen, in denen ich geblättert habe, bemängeln, daß es darin um keine Liebe geht, bemängeln auch die Grassche Geschwätzigkeit, meinen er sei ausgeschrieben und es sei kein gutes Buch.
Mir hat es gefallen, weil es in einem Stil geschrieben ist, der mir sehr liegt und den ich auch selbst anwende. Und die Liebe ist natürlich, die zu den Wörtern und Buchstaben und da zieren einige den Umschlag.
Das Buch ist in neun Kapiteln aufgeteilt, die die Buchstaben A-K und dann noch U und Z tragen. Innerhalb der Kapitel wird natürlich von Buchstabe zu Buchstabe gesprungen, alle kommen vor und es wird die Geschichte der Brüder Grimm, wahrscheinlich besser bekannt, als die, die die deutschen Hausmärchen gesammelt haben, die Geschichte Günter Grass und die Deutschlands von 1785, wo Jacob zur Welt kam, bis zur Gegenwart, wo der dreiundachtzigjährige Nobelpreisträger den Faden der Geschichte aufnimmt, erzählt und da mich die sehr interessiert, ist es ein Buch für mich, das ich auch dem Lesekreis empfohlen habe.
Jacob Grimm kam also 1785, sein Bruder Wilhelm, ein Jahr später zur Welt, dann kam die französische Revolution, die Brüder Grimm hatten noch einige Geschwister von denen Ludwig Emil, der Zeichner Jacob und Wilhelm öfter auf Kupferplatten verewigt hat.
Die Brüder studierten, lebten in Kassel und in Göttingen, von wo Jacob aus politischen Gründen ausgewiesen wurde. So heißt das erste Kapitel auch „Im Asyl“.
Da begannen sie schon am deutschen Wörterbuch zu arbeiten, dessen erster Band, 1854 im Leipziger Salomon Hirzel Verlag herauskommen sollte. Später übersiedelten die Brüder nach Berlin. Wilhelm war verheiratet und hatte drei Kinder, seine Ehefrau Dortchen versorgte auch den Bruder, gingen im Tiergarten spazieren und waren unter anderen mit Bettine von Arnim befreundet, deren Liebe zu Karoline Günderrode, Hilde Schmölzer in ihrer „Frauenliebe“ beschreibt.
Langsam langsam geht die Arbeit an den Wörterbüchern weiter, zuerst stirbt Wilhelm, schließlich Jakob, als er laut Grass beim Wort „Durst“ angelangt war. Die Herausgabe der Bände ging weiter und wurde erst im Neunzehntenjahrhundert beendet, während Wilhelm Grimms Sohn, der mit einer Tochter Bettine von Arnims verheiratet war, die ersten vier Bände, schon als veraltet betrachtet hat. Nun die Sprache hat sich seit dem Achtzehntenjahrhundert sicher sehr verändert .Das kann man auch bei Grass sehen und von seinem Leben lernt es sich viel in dem Buch. Werden doch immer wieder seine diversen Wahlauftritte für die SDP und seine Niederlagen, da niemand auf ihn hörte, geschildert. Im ersten Kapitel beschreibt er, wie er in Gelsenkirchen in einer Werkkantine vor Kuchen mampfenden Arbeiterfrauen spricht. Etwas später schreibt er von einem Theaterstück namens „Der Dra-Dra“, das Wolf Biermann aus dem Russischen übersetzte und Heinar Kipphardt für die Münchner Kammerspiele in den Neunzehnsiebzigerjahren inszenierte. Im Programmheft waren die Drachenköpfe kirchlicher und wirtschaftlicher Würdenträger abgebildet, was Grass als unzumutbare Menschenhetzte ablehnte, deshalb wurde er, als er das Theater aufsuchen wollte, von der Belegschaft aufgefordert, dieses zu verlassen.
Dann gibt es noch die Geschichte, wo er 1997 während der Frankfurter Buchmesse für den damaligen Friedenspreisträger Yasar Kemal die Laudatio in der Paulskirche halten sollte u. u. u.
Günter Grass geht sein Leben durch, erzählt Geschichten, er geht auch und das mag vielleicht, als ein bißchen kitschig empfunden werden, mit Jacob und Wilhelm durch den Tiergarten, bzw. trifft er die beiden dort, um ihnen von der Fortsetzung der Wörterbücher zu erzählen, setzt sie auch in ihrer romantischen Kleidung auf Motorräder etc.
Aber es geht in dem Buch ja um zwei Märchensammler und so spielen die Grmmschen Hausmärchen ihre Rolle. Günter Grass Lieblingssmärchen ist der „Däumling“, so hat einen solchen zum Helden seiner „Blechtrommel“ gemacht und er erzählt auch, daß die Brüder durch den Tiergarten gingen, als es dort noch nicht nach Currywurst roch. Günter Grass hat das dann in dieser Zeit nachgeholt und sich dort nach dem Fall der Mauer, auf die Spuren seines „Weiten Felds“ gemacht, das ich nach Erscheinen gelesen habe, worauf ich alle in meinem Besitz befindliche Fontanebücher herausholte, um sie zu lesen. Sehr weit bin ich damit nicht gekommen und ich habe auch nicht alles von Günter Grass gelesen. Die „Blechtrommel“ z.B nicht. Laut Katalog besitze ich „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“, „Ausgefragt“, „Der Schrfitsteller als Bürger“, „Die Rättin“, „Ein weites Feld“ und „Im Krebsgang“ und nun das neue Buch.
„Die Rättin“ stammt, glaube ich, aus Edith Broczas Lesekisten und sollte ich auf meine Frühjahrs-und Sommerleseliste setzen und Günter Grass habe ich mindestens zweimal persönlich gesehen.
Das erste Mal in Wien, ein paar Jahre vor dem Nobelpreis im historischen Museum, denn Günter Grass ist ja auch Zeichner und da wurde eine Ausstellung von ihm eröffnet. Er betratt freundlich das Eröffnungspublikum grüßend das Museum, das hat sich bei mir eingeprägt, der freundliche ältere Mann mit dem Schnauzbart.
Nach dem Nobelpreis habe ich ihn ein oder auch ein paar Mal in Leipzig gesehen. Da hat mir der Alfred im Berliner Zimmer „Im Krebsgang“ gekauft und wollte es signieren lassen. Da waren mir aber zu viele Leute und ich bin ja kein Signiertyp. Bei einem meiner Frankfurter Buchmessensurfings bin ich auf ein Video gestoßen, wo ihn ein Reporter angesprochen hat, Günter Grass aber sehr abweisend war.
Nun ja, der Ruhm kann Menschen verändern, älter wurde er auch und nimmt in „Grimms Wörter“ auch auf seinen Tod Bezug. Ein interessantes Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann.

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