Literaturgefluester

2011-01-31

eigenSINN&SINNESwandel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:06

Nach einer heftigen Diskussion mit JuSophie, ob überforderte Lehrer schon zwanzig Prozent Analphabetenkinder produzieren und man schreiben darf, daß sich die Mimi für gesund und normal hält, ihre Mutter, die Nachbarn etc, das aber anders sehen, einen dichten Praxistag und einer noch nicht gemachten Abrechnung, war ich wieder in der Alten Schmiede.
Friedrich Hahn moderierte die Textvorstellungen, als ich eintraf, hat schon Friederike Schwab, die 1941 in Graz geboren, GAV-Mitglied Malerin und Autorin ist, aus ihrem bei Leykam erschienenen Buch „Die Insel im Maismeer“ gelesen. Die Erklärung warum das Buch so heißt, habe ich versäumt, das Thema des Abends lautete eigenSINN&SINNESwandel und im Buch geht es um eine Frau um fünfzig, die aus ihrem Leben fällt. Friedrich Hahn hat es nach der Lesung ein Opus Magnum genannt, weil es eine ganze Epoche beschreibt. Die Szene von dem Großvater scheine ich versäumt zu haben, als ich ankam packte gerade eine Frau Sachen aus einem Auto in ein Zelt, dann ging es noch um eine Mutter mit Gehirntumor, die mit dem Rollstuhl aus einem Altersheim flüchten will und in der Nacht von Kindern besucht wird.
Danach folgte ein Schulroman, bzw. eine Novelle, des 1959 in Spittal an der Drau geborenen Klaus Ratschiller, der die letzten fünf Jahre als freier Schriftsteller und Philosoph lebte, jetzt aber wieder AHS-Lehrer ist. In dieser Zeit ist „Kollege M“, in der Edition Atelier erschienen. Er las eine Szene aus der Bibliothek, wo sich die Deutschlehrer einer Schule treffen, um ironisch den schulautonomen Kanon zu diskutieren, dabei führt ein junger Lehrer namens Flosse vor, wie er die Schüler mit auswendiggelernten Romanstellen aus „Mobby Dick“ überzeugten will, während der ältere Lehrer Michael Mitterecker, genannt MM, der inzwischen nur mehr Anzüge trägt, weil sich die Schülerinnen vor seinem Kropf grausten, über seine Mittelmäßigkeit philosophiert.
Dann kam wieder ein jüngerer mir bisher unbekannter Autor, nämlich der 1978 in Graz geborene Martin Kolozc, der 2003 den Kyrene Verlag gegründet hat, sein Buch „Lange Abende“ ist aber bei Skarabaeus erschienen und handelt von einem Aussteiger. Ein Nichtschwimmer ersteigert ein Boot, verläßt seine Freunde und zieht an einen See, dort befreundet er sich mit einem Kapitän, einer Frau und einer Katze, bringt sich aber, obwohl ihm eigentlich alles in seinem Leben gelingt, um. Martin Kolozs, der ebenfalls Philosophie studierte, begründete auf Friedrich Hahns Frage, daß er das deshalb tat, weil ihm das Leben, hier und dort nirgends befriedigte. Mich beeindruckte vor allem der Satz, daß die „Katze Moni eines Tages ohne etwas zu sagen einfach wegblieb“, da habe ich beim Autor nachgefragt, ob ich richtig gehört habe, worauf er begründete, daß dieser Christian eine sehr intensive Beziehung zu seiner Katze hatte.
Interessant habe ich gedacht, ein Satz den der Lektor offenbar nicht gestrichen und dem Autor das Buch auch nicht vor die Füße geschmissen hat, aber ungewöhnlich und infolgedessen einprägsam.
Das vierte Buch „Wer getragen wird, braucht keine Schuhe“, ist eindeutig das bekannteste, ist die 1976 in Innsbruck geborene Carolina Schutti ja für den Rauriser Debutpreis nominiert, der wie ich hörte, am 2.2. entschieden wird. Ich würde ja auf Dorothee Elmiger tippen, aber meine Schätzungen waren bis jetzt meistens falsch und von dem Buch habe ich schon in einer Ex-Libris Sendung und auf der Buch-Wien gehört. Es ist auch sehr poetisch und hat immer wieder ungewöhnlich dichte Sätze, wie „Wenn du einen schwarzen von einem weißen Faden nicht mehr unterscheiden kannst, dann treffen wir uns!
Die Hauptperson Anna trägt eine Schuld mit sich, offensichtlich hat sie als Kind die kleinere Schwester in den Swimmingpool geschmissen, sie verläßt jedenfalls mit achtzehn mit einer Tasche Kleider und ihren Stoffhasen das Haus, wo die Mutter einfach ein Gedeck weniger, zu dem nicht benützen (vierten) legt, fährt in die Stadt und betritt ein Lokal, das eine Serviererin sucht. Dort arbeitet sie zwei Jahre, bis sie Harald kennenlernt, sie scheint sich auch zu schneiden und versucht sich immer wieder umzubringen. Das Buch erzählte Carolina Schutti ist in drei Teilen und aus drei Perspektiven geschrieben, die die Handlung weitererzählen. Den ersten Teil erzählt Anna, den zweiten Harald, im dritten spricht Anna mit ihrer Schwester.
Carolina Schutti erzählte im interview, daß sie erst zu schreiben begann, als sie ihre Habil oder ihr Habilansuchen in den Mistkübel schmiß, jetzt wird sie beim Schreiben bleiben, sie trägt die Geschichte aber schon lang mit sich herum.
Als ich mich beim Büchertisch durch die Bücher schaute, kam Friedrich Hahn auf mich zu und erkundigte sich, ob ich wieder fleißig mitgeschrieben hätte?
Natürlich, antwortete ich. Ich schreibe immer mit und meistens auch sehr viel!

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2011-01-30

Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:12

In der „Eine Stadt-ein Buch Aktion“ von 2010, „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ von Dai Sijie mit der die Stadt Wien den Wienern das Lesen schmackhaft machen will, geht es, wie Bürgermeister Häupl in seinem Vorwort schreibt, ums Lesen in einer Zeit, wo es gefährlich und verboten war und um die Schilderung der chinesischen Kulturrevolution in heiteren, anekdotischen Ton.
Und der beginnt gleich auf der ersten Seite, als der Ich-Erzähler und sein Freund Luo, ein siebzehn und ein achtzehnjähriger Bursche, Kinder von Ärzten, die als Intellektuelle in Ungnade gefallen sind, zur Umerziehung aufs Land geschickt werden und ihr Gepäck in dem Bergdorf, in dem sie gerade angekommen sind, vom Ortsvorsteher untersucht wird. Der Ich-Erzähler hat eine Geige im Rucksack, ein Gegenstand, den die Dorfbewohner nicht kennen und „für ein typisch bourgeoises Spielzeug aus der Stadt“ halten, das verbrannt werden muß.
Dem Ich-Erzähler fröstelt, aber Luo, Sohn jenes berühmten Zahnarztes, der Mao einst behandelt hat, erklärt dem Vorsteher, daß er, obwohl streng verboten, die Sonate „Mozart ist mit seinen Gedanken immer beim großen Vorsitzenden Mao“, spielen wird.
Damit ist das Eis gebrochen, der Ich-Erzähler darf die Geige behalten, die beiden werden in ein Pfahlhaus einquartiert, in dem auch eine dicke Sau lebt und die Umerziehung beginnt. Auch die wird, wie ein Lausbubenstreich geschildert, hat Luo doch einen Wecker im Gepäck, der wie ein Hahn aussieht und ein sanftes Läutwerk hat, dieser Wecker hat nun eine fast reiligiöse Anziehungskraft für die Dorfbewohner. So kommen sie mit dem Vorsteher jeden Morgen zu dem Haus, um sein Läuten zu hören. Danach ist es Zeit für die beiden zur Arbeit auf das Feld zu gehen. Der kluge Luo versteht das jedoch zu manipulieren, so daß er die Weckzeit, um Stunde zu Stunde verstellt, daß die beiden in den Jahren ihrer Umerziehung nicht mehr wissen, wie spät es ist.
Sie sind auch begabte Geschichtenerzähler, so werden sie vom Vorsteher in die Kreisstadt ins Kino geschickt, wenn sie zurückkommen, müßen sie den Dorfbewohnern den Film erzählen. Im Nachbardorf gibt es einen Schneider und der hat eine wunderschöne analphabetische Tochter mit schwarzen Zopf und rosafarbenen Schühchen, die kleine Schneiderin und in die verliebt sich Luo, so er sie fast täglich, die beiden Dörfer sind durch eine Schlucht verbunden, was auch ganz schön gefährlich ist, besuchen geht.
Dann gibt es noch den Brillenschang, ein zur Umerziehung geschickter Schriftstellersohn und der hat von seinen Eltern einen Koffer streng verbotener Bücher mitbekommen, die die beiden, um in den kostbaren Besitz zu kommen, stehlen. Balzacs Bücher sind dabei, die von Dumas, Gogol, Melville und sogar von Roman Rolland.
Die beiden sind überwältigt und beginnen zu lesen. Luo liest den Balzac auch der kleinen chinesischen Schneiderin vor und sein Freund muß ihren Vater vor dem Einschlafen eine Geschichte erzählen, er wählt dafür den „Graf von Monte Christo“, wird aber vom Vorsteher überrascht, der ihn wegen „der reaktionären Ferkeleien“ ins Büro der Staatssicherheit bringen will, was für die „Feinde des Volkes Folter und Hölle“ bedeutet. Es gibt aber einen Ausweg, der Vorsitzende hat nämlich Zahnweh, wenn ihm der Sohn des berühmten Zahnarztes den Zahn behandeln kann, wird dem Freund die Strafe erspart. So binden sie den Vorsitzenden ans Bett und werkeln mit Hilfe einer Nähmaschine in seinem Mund herum. Dafür bekommt Luo ein Monat Urlaub, weil er von seiner Mutter ein Telegramm bekommen hat, daß sie im Krankenhaus liegt.
Der Ich-Erzähler muß indessen auf die kleine Schneiderin, die auch von der Dorfjugend belagert wird, aufpassen, die ihm erzählt, daß sie Ärger hat, weil ihr ständig übel ist und sie seit zwei Monaten ihre Tage nicht mehr hatte. Der Ich-Erzähler hätte sie nun gern geheiratet, was aber unmöglich ist, da man das in diesem Lande erst ab fünfundzwanzig darf, die Diktatur des Proletariats aber auch die Abteibung verbietet.
So macht sich der Ich-Erzähler in das Krankenhaus der Kreisstadt auf, um dort nach dem Gynäkologen zu suchen, was aber schwierig ist, da ihn die schwangeren Frauen, die auf Behandlung warten, für einen Spanner halten. Er findet erst über einen alten Pastor, der wegen Bibelbesitz zum Straßenkehrer degradiert wurde, jetzt aber sterbend im Krankenhaus liegt, zum Gynäkologen, erzählt ihm von seiner Freundin und seinen berühmten Eltern, kann ihn aber erst zur Abtreibung überreden, als er ihm ein Buch von Balzac verspricht. Der Handel geht auf, die kleine Schneiderin verliert ihr Kind, das ein Mädchen geworden wäre, Luo kehrt zurück, am Ende veranstalten die beiden Freunde aber doch ein Autodafe, indem sie in betrunkenen Zustand ihren Bücherschatz verbrennen. Es ist nämlich etwas Schreckliches geschehen, die kleine Schneiderin hat sich von ihrem Vater weiße Tennisschuhe besorgen lassen und macht sich mit diesen auf, in die Stadt zu gehen, weil sie „Dank Balzac begriffen hat, daß die Schönheit der Frau ein unbezahlbarer Schatz ist“.
Damit endet das Buch, das die Umerziehung Chinas während der Kulturrevolution als heiteren Anekdotenschatz erzählt, dabei mehrmals die Perspektiven und den Erzählstil wechselt, mit der der 1954 in der Provinz Sichuan und 1984 nach Paris emigrierte Dai Sijie 2000 schlagartig wurde. Dai Sijie ist ebenfalls ein Ärztesohn und der Enkel eines christlichen Priesters, die Familie galt seit Beginn der Kulturrevolution als Feind des Volkes, von 1971-1974 wurde er zur kulturellen Umerziehung in ein Bergdorf geschickt.
Der Roman ist also ziemlich autobiografisch. Im Interview, das im Buch enthalten ist und in dem, das ich auf der Buch-Wien hörte, erzählte Dai Sijie, das die kleine Schneiderin in Wahrheit eine Bäuerin gewesen ist und die Geschichte mit der Zahnoperation nicht so stattgefunden hat.
Das Buch wirkt ein wenig ungewöhnlich, ist aber spannend zu lesen, die Geschichte der beiden Intellektuellen Söhne, die in einem Dorf, die Sexualität kennenlernen und verbotene Bücher lesen, was mich daran erinnerte, daß ich nach meiner Matura 1973, im Gartenhaus am Almweg eine ähnliche, aber viel harmlosere „philosophische Krise“ durchmachte, mir viele Bücher kaufte und beispielsweise Musils „Mann ohne Eigenschaften“ in vierzehn Tagen verschlungen, aber nicht verstanden habe. Meine erste Erzählung habe ich in dieser Zeit geschrieben und von der Kulturrevolution in China nicht viel gewußt.

2011-01-29

Studentenlesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:11

Für den Hochschullehrgang der Sprachkunst habe ich mich ja seit Herbst 2009 interessiert, als Cornelia Travnicek auf ihren Blog beschrieb, daß sie als überqualifizierte Autorin dort nicht aufgenommen wurde, dann habe ich mir die Namensliste aus dem Internet ausgedruckt, Sandra Gugic als einzige gekannt, hat die doch mit „Einer kurzen Geschichte über eine lange Fahrt“, 2008 den 2. Exil-Literaturpreis gewonnen und war 2009 Stipendiatin beim Klagenfurter Literaturkurs, also auch ganz schön prominent, vielleicht hatte sie aber noch nicht so viele Veröffentlichungen, wie Cornelia Travnicek von der ja im Herbst 2009 schon das vierte Buch erschien. Im November 2009 habe ich mich im Rahmen des NANOWRIMO in meiner Phantasie mit dem Hochschullehrgang für Sprachkunst und den dort Aufgenommenen und Abgelehnten beschäftigt, eine Diskussionsrunde im Literaturhaus gab es aber vorher auch noch.
Hingekommen bin ich genau vor einem Jahr, zum Tag der offenen Tür am 28. Jänner 2010, wo Robert Schindel das Studium vorstellte und es eine Lesung der Studierenden des damaligen ersten Jahrgangs gab. Da habe ich Jan Braun, Elisabeth Mundt und Rhea Krcmarova gehört. Sandra Gugic hat im Mai bei den Textvorstellungen in der Alten Schmiede gelesen. Die Namen der Studierenden, die 2010 für den Lehrgang aufgenommen wurden, habe ich mir nicht mehr ausgedruckt oder im Internet nicht mehr gefunden. Im September gabs eine Diskussion mit Robert Schindel zum Thema „Lehrjahre“ in der Werkstätte für Kunstberufe und die Lesarten der Sprachkunst im Literaturhaus, wo bisher Gerhard Rühm, Therezia Mora und Wilhelm Genazino lasen, bei den beiden letzteren war ich, habe die Studenten beim Gläschen Wein stehen sehen, immer nur Sandra Gugic gekannt und vorige Woche gab es das Symposium, wo ich die Studenten weiter kennenlernte und sie auch den Abschlußabend gestalteten. Jetzt gab es eine eigene Lesung der Studierenden, wo zwölf vom Jahrgang II, das heißt, die 2009 aufgenommenen, ihre Texte, die wie Robert Schindel in seiner Einleitung betonte, im Rahmen des Lehrgangs entstanden sind, vortrugen.
Ich habe vorher nach den Namen Barbara Dunst, Rosemarie Pilz, Nina Lucia Groß, Jakob Kraner, Jan Braun, Anna Gschnitzer, Irmgard Fuchs, Elisabeth Mundt, Rhea Krcmarova, Raphaela Edelbauer, Sandra Gugic und Matthias Vieida gegooglet und einige Überraschungen erlebt.
Bei Wikipedia konnte ich zwar keinen der zwölf finden, aber von Rhea Krcmarova habe ich schon außer, daß sie mich im Vorjahr in das Institut für Sprachkunst geleitete und dort las, etwas gehört, hat sie doch 2006 mit ihrem Stück „Staatenlos – Willkürliche Szenen zur Entwurzelung“, den Exil-Literaturpreis gewonnen und dort gehe ich ja meistens hin und wenn man im Internet nachschaut, findet man viel bei den Wiener Wortstätten von ihr. Rhea Krcmarova weiß ich jetzt, wurde 1975 in Prag geboren, kam mit 6 Jahren nach Wien hat Theaterwissenschaften, Schauspiel und Gesang studiert und bei den Wiener Wortstätten mehrere Texte erarbeitet. Heute hat sie im vollen Literaturhaus aus ihrem Gedichtzyklus „Kuchelböhmisch“ gelesen, aber ich habe noch etwas anderes gefunden, nämlich, daß Matthias Vieider ein ziemlich bekannter Poetry Slamer ist, der schon einige Slampreise gewonnen hat. Im Literaturhaus hat er als letzter gelesen und zwar einen Text mit Weihnachtsstimmung, der „Ein Blick aus dem Fenster“ heißt, dann noch zwei „Zuggedichte“ und ein Elisabeth Mundt gewidmetes Tiergedicht. Von Elisabeth Mundt habe ich im Internet nicht viel gefunden, sie aber schon im Vorjahr lesen gehört, diesmal las sie etwas von einem „Ursprungszauber“, das mit „sich fallen lassen“ begann und auch damit endete.
Begonnen hat Barbara Dunst, die Lesungen mit einigen Gedichten, von ihr weiß ich immer noch nicht sehr viel, hat Robert Schindel in seiner Einleitung ja nur die Namen erwähnt und die Biografien weggelassen, das gleiche gilt für Rosemarie Pilz, die mich mit einer sehr poetischen Geschichte von Hunden, Fallschirmspringplätzen und Infantinnen in schönen Kostümen sehr beeidruckt hat. Von Nina Lucia Groß habe ich im Internet mehr gefunden, wenn es diese Nina Lucia Groß, ist, die in der „Dorfzeitung“ schreibt, in Wien liebt, lebt, studiert und feiert und davon in ihrem „Groß-Stadt-Blog“ erzählt. Nach fünf Lesungen gab es eine Pause.
Da habe ich dann meine neue Leserin JuSophie kennengelernt, die einen ähnlichen Beruf, wie ich auszuüben scheint, literarisch aber, wie ich schon an ihren Kommentaren merkte, einen ganz anderen Zugang hat, über den wir lange sprachen. Ich habe über das Literaturgefüster schon einige Bekanntschaften gemacht, Cornelia Travnicek, Herwig Bitsche, Andrea Stift, E. A. Richter, Elisabeth von Leselustfrust, beispielsweise und das ist immer spannend und interessant.
Nach der Pause lasen außer den schon Erwähnten Irmgard Fuchs und Raphaela Edelbauer, die zum Einlesen eine Hommage aus ihrer Lieblingskronenzeitung „In den Wind gereimt“ brachte und zum Auslesen auch noch sehr aktuell und politisch war, vorher habe ich noch Jakob Kraner, Jan Braun und Anna Gschnitzer gehört. Jan Braun hat schon im Vorjahr gelesen, diesmal erheiterte er das Publikum mit seiner Einleitung, daß er im Stehen lesen würde, weil er dann besser atmen kann und überraschte mit seiner Kurzprosa, die ein Haus vom Dach in den Keller und in den Garten beschreibt.
Nachher gabs Brötchen und Wein, interessant ist, was ich noch vom Hochschullehrgang der Sprachkunst, in dem offenbar sehr viele Gedichtzyklen geschrieben werden, hören werde und wann wer beim Bachmannwettbewerb liest. Den FM4 Preis hat noch keiner gewonnen, Anna Gschnitzer, die Scheibengedichte gelesen hat, hat, habe ich ergooglet, einen Südtiroler Studentenpreis gewonnen. Ebenfalls interessant, daß einige der Aufgenommenen Exil-Preisgewinnerinnen waren, ob die Studenten schon Texte in Literaturzeitschriften, wie Kolik haben, weiß ich nicht. Eine eigene Sprachkunst Literaturzeitung hat Sabine Scholl beim Symposium mitgeteilt mit Texten der Unterrichtenden und der Studenten soll es bald gaben. In Leipzig geben die Studenten jedes Jahr eine Anthologie namens „Tippgemeinschaft“ selbst heraus und die Lesereihe „Hausdurchsuchung“ gibt es auch. Die Lesarten der Sprachkunst mit berühmten Dichtern im Literaturhaus, soll, hat Robert Schindel angekündigt, weitergehen.

2011-01-28

Transformationsfragen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Das Sprachkunstsymposium und die Diskussion, die sie auf diesen Blog auslöste, haben einige Fragen aufgeworfen, mit denen ich mich auseinandersetzen will. Irgendwie geht es ja immer um das schlechte Schreiben oder um die Frage, wieso es nicht gelingt in den Literaturbetrieb hineinzukommen, bzw. als Autor, Autorin wahrgenommen zu werden.
Es gibt sehr viele Leute, die sich schreibend verwirklichen oder auch damit berühmt werden wollen und immer weniger, die lesen. Dafür wahre Bücherberge, wenn man nach Frankfurt, Leipzig oder auch in die Buchhandlung Morawa, bzw. zum Thalia geht, sieht man sie in großen Stößen liegen und ich denke schon, daß es auch am bekannten Namen liegt, daß ein Buch gekauft wird. Das bemerke ich immer bei den blauen Sofa Diskussionen, wenn da Schauspieler oder andere Prominente ihre neuen Bücher präsentieren, die sie wahrscheinlich gar nicht selbst geschrieben haben. Bieten sich inzwischen ja genügend Autoren als Ghostwriter an und dann stoße ich auch immer wieder auf Autoren, die beim Bachmannpreis gelesen haben, ein Buch bei Suhrkamp oder sonst wo hatten und dann irgendwie vergessen werden.
Ludwig Roman Fleischer und Alfred Paul Schmidt, die ich beide diese Woche in der Alte Schmiede hörte, würde ich dazu zählen, aber auch Uwe Bolius, mit dem ich einmal in einer sehr leeren Alten Schmiede las oder Kurt Bracharz mit dem ich 2005 bei der Text und Kritikveranstaltung in Vorarlberg war und der gerade ein Portrait in den Tonspuren hatte.
Dann gibt es natürlich die Großen, die Frau Mayröcker beispielsweise, die den Bremer Literaturpreis aber auch erst gewonnen hat, als sie es nicht mehr schaffte, persönlich zur Preisverleihung zu kommen und die auch, glaube ich, immer ein bißchen im Schatten von Ernst Jandl, aber auch von Elfriede Jelinek stand und die jungen Talente, wie z.B. Dorothee Elmiger, Judith Zander und Verena Rossbacher und da bin ich schon beim Symposium für Sprachkunst, wo bei der Diskussion, um die kreativen Prozesse, die Klage aufkam, daß viele Leute, die sich für ein solches Studium interessieren, ihre Erlebnisse eins zu eins aufs Papier bringen, zuwenig verdichten und verfremden und daher schlecht schreiben würden, weil die guten Texte nicht durch das autobiografische Erleben, sondern am Schreibtisch entstehen. Daran füge ich meine Beobachtung, daß auf der einen Seite, das realistische, narrative Schreiben sehr scheel angesehen wird, obwohl es auf der anderen, das ist, was die Leser wollen. Den verdammt spannenden Roman, den Krimi oder die Fantasygeschichte, aber das gilt nicht für gute Literatur, daher bietet Leipzig ein solches Studium nicht an und über Josef Haslingers Bücher „Opernball“ bzw. „Vaterspiel“, der ja wahrlich ein bekannter Autor ist, habe ich schon Rezensionen gelesen, die mich den Kopf schütteln ließen.
Als ich 2002 und 2003 in der Jury bei den GAV-Neuaufnahmen war, habe ich Kistenweise experimentelle Texte und beispielsweise Ritter oder Fröhliche Wohnzimmer-Bücher zum Beurteilen gehabt und mich gefragt, ob die wohl jemand außer Jurymitglieder liest und als ich bei einem der Feste für Ernst Jandl oder Gerhard Rühm in Mürzzuschlag und Neuberg an der Mürz war, habe ich Literaturkritiker, wie Jörg Drews über die vielen schlechten narrativen Romane schimpfen hören, was mich sehr gewundert hat, weil ich so ja schreiben will.
Ein Widerspruch, der sich nicht auflösen läßt, auch Reinhard Urbach ist bei seiner Einführung zu Alfred Paul Schmidt darauf gestoßen und hat darüber gesprochen, daß man die Wirklichkeit nie direkt in Sprache umformen kann und die Tricks angeführt, wie das Alfred Paul Schmidt gelingt.
„Warum eigentlich?“, habe ich mich gefragt, weil ich mir nicht so sicher bin, daß man das nicht doch kann und es die Autoren auch praktizieren.
Da lese ich ja sehr oft in Romanen von Helden, Protagonisten, Ich-Erzählern, die eine ganze ähnliche Entwicklung, wie der Autor haben. Wilhelm Genazino, wäre da ein Beispiel, das mir einfällt. Der ältere Intellektuelle, der in seinen Büchern seine Schwierigkeiten mit dem Leben, den Frauen und dem Älterwerden schildert und man denkt, wenn man im Lebenslauf des Autors nachsieht, das ist Autobiografie. Fragt man in der Diskussion danach, wird es der Autor verneinen.
Bei der Diskussion um das kreative Schreiben mit Thomas Klupp und Verena Rossbacher am Samstag im Literaturhaus, hat eine Frau gefragt, wie sehr sie entfremden muß, daß man sie in ihren Texten nicht erkennt? Interessanterweise hat ihr Thomas Klupp geantwortet, daß es Beispiele berühmter Bücher gibt, wo die Autoren ganz offen über sich geschrieben haben. In jünger Vergangenheit wäre mir dazu „Rabenliebe“ von Peter Wawerzinek, dem letzten Bachmannpreisträger eingefallen. Thomas Klupp hat aber an „Axolotl Roadkill“ gedacht und um wieder zur Transformation und dem realistischen Schreiben zurückzukommen. Ich schreibe schon siebenunddreißig Jahre realistisch und wenn man sich die „Hierarchien“ hernimmt, den Roman, der 1990, in einem Kleinstverlag erschienen ist, so hat die Heldin Anna sehr viel mit mir zu tun, ist sie doch gerade von der Klinik weggegangen, wo sie als Soziologin sehr unglücklich war, ich habe ein paar Jahre vorher, die HNO Klinik verlassen und bin in die freie Praxis gegangen und die Mitglieder aus Annas Wohngemeinschaft hatten auch ganz reale Vorbilder. Heute würde ich das nicht mehr so schreiben. Im Laufe meiner Schreiberfahrung habe ich gelernt, zu verfremden, weiß, daß das Roman-Ich nicht unbedingt, das Autoren-Ich bedeutet oder wie ich es gern definiere, es ist alles autobiografisch und alles wieder nicht.
Um so weit zu kommen, braucht es aber Zeit. Das ist sicher ein Lernprozeß, bis man gelernt hat, das, was man in der U-Bahn, auf der Straße, im Kaffeehaus oder wo auch immer erlebt, so zu transformieren, das daraus ein literarischer Text entsteht, der in meinem Fall immer realistisch werden wird. Bei meinen früheren Texten haben mich manchmal die Rückmeldungen verwirrt, so habe ich in „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ über den Prater und eine Ringelspielbesitzerfamilie geschrieben, die erfunden war und von Karin Jahn, damals beim Europa-Verlag erklärt bekommen, wie es mit den Ringelspielbesitzverhältnissen im Prater wirklich ist und, daß ich das, wenn ich realistisch schreiben will, berücksichtigen muß.
Dann schreibe ich vielleicht doch nicht so realistisch, denn natürlich fließt die Phantasie in meine Texten ein, das soll, darf und muß auch so sein und so war ich auch ein wenig von JuSophies Kommentar verblüfft, die meinte, daß es ihr zu fad wäre, etwas so niederzuschreiben, wie man es erzählen könnte.
Das ist vielleicht der Widerspruch, auf den man in der Diskussion, ob man jetzt realistisch oder experimentell schreiben soll, immer wieder stößt.
Den experimentellen Autoren ist die Wirklichkeit zu fad, sie wollen die schönen Sätze am Schreibtisch konstruieren, das narrative Schreiben wird nicht anerkannt, weil es zu einfach ist, obwohl es die Leser spannend haben wollen. Aber da darf es wieder phantasievoll sein, sind ja jetzt gerade Vampirromane in, obwohl die nicht für große Literatur gelten. Sie werden aber gekauft, auch wenn man sie vielleicht nicht öffentlich lesen darf, außer man ist sehr selbstbewußt.
Ich habe ja eine eher tolerante Einstellung, was das Lesen und das Schreiben betrifft, lasse alle lesen, was sie wollen und schreiben, so gut sie es können und würde beides fördern.
Für mich, das bemerke ich immer wieder, muß es außer der schönen Sprache, aber auch die Handlung geben und die sollte nicht zu sehr am Schreibtisch konstruiert sein, wenn es geht.
Die Regeln, habe ich letzte Woche wieder bei dem Symposium gehört, sind dazu da, um gebrochen zu werden. Man muß sie vorher nur beherrschen, mahnen die Sprachkunstlehrer. Daher ermuntere ich zur Transformation in realistische Romane und glaube, daß man das, was man erzählt, sowieso nicht eins zu eins umsetzen wird, wenn man ein bißchen Erfahrung hat.
Daß es, nachdem ja wirklich schon so viel geschrieben wurde, nicht leicht ist, seinen eigenen Stil zu finden, lehrt das Beispiel von Wolf Haas, der erzählt in Interviews immer, daß er einige unbrauchbare Romane geschrieben hat, bis es ihm bei seinen Brenner-Krimis gelungen ist, mit einer künstlichen Sprache, berühmt zu werden.
Es ist nicht leicht, man soll es aber trotzdem versuchen und durch Erleben und Erfahrung besser werden, was in der Reihe „Im Gespräch“ auch Josef Winkler betonte. Er bezog sich allerdings auf das,“wie“ des Schreibens und meinte, daß das „was“ nicht so wichtig sei, was ja nicht nur Richtung Elfenbeinturm geht, sondern auch gefährlich sein kann, zitierte Handke und meinte, daß er den täglich lese und gern, wie er schreiben können würde.
Noch eine Transformation bzw. eine Beobachtung habe ich am Schluß anzumerken, die vielleicht nicht so erfreulich ist und auf die Rezensionsdebatte der Bücherblogs um Weihnachten zurückzuführen sein könnte. Habe ich bei den letzten drei Anfragen, die ich machte, zweimal keine Antwort und eine Absage bekommen, was vor einem halben Jahr nicht so war.
Schade denke ich, obwohl ich ja an keinen Büchermangel leide und genug aufzulesen habe, was ich auch will, schade nur, wenn das Schreiben und das Sprechen, die Situation verändert, es kann aber auch Zufall sein.

2011-01-27

Einladung an die Waghalsigen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:08

Auf dieses Buch war ich sehr neugierig, habe es zu meiner Weihnachtsempfehlung gemacht und es nach der Diskussion über das realistische Schreiben, die ich mit JuSophie in den letzten Tagen führte, bzw. dem Symposium und den Lesungen, bei denen es auch darum ging, begierig studiert. Roman steht darauf. Zitha Bereuter hat bei ihrer Einleitung in der Hauptbücherei bezweifelt, daß es einer ist, das Buch hat nur hundertvierundvierzig Seiten und mehrere bestehen aus wenigen Sätzen.
„Ich würde es Textsammlung“ nennen, hat Dorothee Elmiger, glaube ich, geantwortet. Oder Erzählung, wie ich es nennen würde, bzw Novelle, denn ein bißchen ist der Tonfall etwas antiqiert, manchmal jedenfalls.
Aber die Verlage wollen alle Romane, weil sich das besser verkaufen läßt. Das Buch wird auf den Klappentexten und am Umschlag hoch gelobt.
„Dorothee Elmiger wagt das größte Abenteuer. Jenes der poetischen Weltverwandlung. Ein Wunderwerk der Intonation!“, schreibt etwa ein Peter Weber.
„Margarete und Fritzi sind die übrig gebliebene Jugend einer verschwundenen Stadt. Die beiden Schwestern brechen auf zu einer Expedition, um ihre eigene Herkunft zu erforschen“, steht auf der Buchrückseite und damit ist der Inhalt schon erzählt.
Beim Bachmannpreis wurde über das Buch heftig diskutiert und mehrere kluge Theorien darüber aufgestellt. Es wurde auch gelobt, weil da eine Fünfundzwanzigjährige nicht ihr Leben erzählt und den ewig gleichen Weltschmerz schildert, sondern ganz ohne Biografie auskommt, obwohl das nicht stimmt.
Denn die Margarete ist ja eine Ich- Erzählerin und es geht sehr oft, um die verschwundene Mutter, die mit Hemingway verglichen wird und mit dem Vater, dem Polizeikommandanten der verschwundenen Stadt scheint es auch Spannungen zu geben.
Das Thema hat mich interessiert und weil mir bei dem, was ich bei der Bachmannlesung und dem Interview auf der Frankfurter Buchmesse hörte, einige Fragen offen blieben, habe ich mir das Buch besorgt.
Denn es gibt da ja die wunderschöne musikalische Sprache, die vielleicht, wie ich auf dem Symposium für Sprachkunst hörte, am Schreibtisch konstruiert wurde, vielleicht wurde sie auch mittels Recherche und Feldforschung erarbeitet. Ich weiß es nicht und habe vorige Woche Dorothee Elmiger nicht danach gefragt. Es ist aber originell über eine verschwundene Stadt zu schreiben, die ja trotzdem irgendwie besteht, denn die Schwestern Fritzi und Margarete Stein leben in ihr, in einer Wohnung über der Polizeistation, die diese Stadt, unter der im Bergwerk schon Jahrzehnte lang ein Feuer brennt, das nicht zu löschen ist, bewacht. Es leben auch noch ein paar andere Leute, außer den Schwestern und den Polizisten dort, zum Beispiel, die Hebamme Elisabeth Korn und dann gibt es die ehemalige Bibliothekarin Erika Gerste, die mit einem Taxi angefahren kommt, aber damit kommt sie nicht in das Sperrgebiet hinein, so nimmt sie das Fahrrad. Die Schwestern haben Auto und Motorrad. Wo sie zur Schule gegangen sind und schreiben lernten, erfährt man nicht, nur daß die abtrünnige Mutter sich nach der Geburt die Haare schneiden ließ und dann verschwand. Aber diese Rosa Stein ist ohnehin eine höchst interessante Person, wird sie doch einmal als ukrainische Diplomatin, ein anderesmal als junge Schottin bezeichnet.
„Außerdem war sie Abenteuerin, Großwildjägerin und Hochseefischerin, hat in Rußland das Ingenieurswesen und die Revolutionen studiert, in Reno ein Casino ausgeraubt und sich mit dem Geld einen Frachter gekauft.“
Ganz schön viel für eine einzige Mutter, aber wenn man in Betracht zieht, daß sie ihre Töchter nach der Geburt verlassen hat, läßt sich das schon wieder psychoanalytisch deuten.
Die Töchter wachsen jedenfalls über der Kommandatur auf und haben in der Wohnung einige Bücher gefunden, aus denen sie die Welt, das Leben und ihre Vergangenheit erforschen. Margarete tut das auf einer Schreibmaschine, die sie sich aus dem Polizeiwachzimmer holt, während Fritzi die Gegend erforscht. Die liegt aber auch gern in der Badewanne und beide Schwestern trinken viel Kaffee.
Die Namen der Bücher aus denen sie die Welt entdecken, werden aufgezählt, es wird auch in Kursivschrift daraus zitiert, auf der letzten Seite werden die Zitate dann benannt.
Deshalb hat Zitha Bereuter das Buch auch mit „Axolotl Roadkill“ verglichen, obwohl es ja fast ein Westernthema zum Inhalt hat. Die Bücher, die immer schon in der Wohnung gestanden haben, sind größtenteils Fach- und Sachbücher. Montanwissenschaftliche Schriften, Bücher über die Schifffahrt, aber auch über den Grundriß der Geschichte der bürgerlichen Revolutionen, über Pflanzen, Meere, Vögel u.u.u.
Deshalb kommen die Schwestern auf die Idee nach dem Fluß Buonoventura zu suchen, der irgendwann verschwunden ist und denken, daß er in ihrer Gegend gefloßen sein soll. Sie finden auch ein Schluckloch und später noch Ferdinand Bruckners „Krankheit der Jugend“, aber da haben die Schwestern, die verwunschene Stadt, in der der Vater inzwischen ein Sicherheitsszenario aufgebaut hat, verlassen und sind mit einem weißen Pferd, daß sie ebenfalls gefunden haben, zu einem Hotel geritten, in dem sie sich einquartieren.
Ein Tankwart stößt auch noch zu ihnen. Dort schreiben sie Briefe und Einladungen an den Rest der Welt „um zu einer Konferenz, einem großen Fest einzuladen, wo sie nicht nur die Krankheit der Jugend aufführen, sondern auch in einem hölzernen Ruderboot auf dem Buenaventura bis nach China fahren wollen.“
Sie müßen die Briefe zwar am Grenzposten abgeben und es ist auch nicht ganz sicher, ob der Grenzwächter sie wegschicken wird. Die übrig gebliebene Jugend der Stadt hat die Einladung an die Waghalsigen aber doch ausgesprochen und die Kulturkritik war von dem Buch, das den Kelag Preis in Klagenfurt, den Aspekte Literaturpreis für das beste Debut gewonnen hat und auch für Rauris nominiert ist, begeistert.
„Einer jener herrlichen Fälle, bei denen aus dem Nichts eine Welt aus Worten entsteht, souverän und originell!“, wie Judith von Sternburg von der Frankfurter Rundschau schwärmt und ich bleibe ein wenig ratlos zurück, wurden mir doch nicht alle Fragen beantwortet und als realistische Autorin und Verhaltenstherapeutin hätte ich ja gern den Halt und die Struktur.
Einiges weiß ich ja, die Sprache ist sehr schön und gleitet musikalisch dahin, manchmal wirkt sie etwas bedächtig und antiquiert und man denkt, das hat man schon gehört, aber das passt zum Thema, geht es ja um das Entstehen der Zukunft aus der Vergangenheit.
Den Einfall das aus Büchern zu konstruieren und in einer verschwundenen Stadt spielen zu lassen, finde ich immer noch originell. Dann fehlt mir wieder viel realistisches Wissen, beispielsweise die ganz banale Frage, wo haben die Schwestern das Lesen gelernt? Anderes erscheint mir wieder zu phantastisch, die Figur der Mutter beispielsweise und auch die Kapitelüberschriften, so kommt „Florida“ beispielsweise in einem vor, „Grand Erg du Bilma“, „Las Vegas“ und „China“, obwohl die Stadt, wenn ich es recht verstanden habe, in der Schweiz liegt. So haben die Orte der Umgebung, die die Schwestern erkunden, schweizerisch klingende Namen, aber die hat Dorothee Elmiger erfunden und darauf geachtet, daß es sie nicht gibt.
Dann scheint die Parabel „Die beiden Schwestern brechen auf zu einer Expedition, um ihre eigene Herkunft zu erforschen“, wieder aufzugehen und ich kann mir vorstellen, daß sich eine Fünfundzwanzigjährige mit alten Büchern und Zitaten diese Parabel zusammenkonstruiert.
Insgesamt fehlt mir wahrscheinlich doch der realsitische Inhalt. Ich hätte es lieber einfacher und nachvollziehbarer und wahrscheinlich auch länger, die Kurzform liegt mir nicht so sehr und man bleibt mit vielen Fragen zurück. Über die habe ich vor einer Woche mit Otto Lambauer diskutiert, der nicht so begeistert war. Ich bin es auch nicht mehr so ganz. Der phantastische Entwurf hat aber den Vorteil, daß man ihn selber weiterdenken kann. Der Abenteuerroman liegt mir auch nicht so sehr, aber dann kann man das Ganze wieder ganz einfach, als den Aufbruch der Jugend in eine neue freie Welt deuten, die die „Krankheit der Jugend“, die ja auch nicht so ohne war, hinter sich läßt und die Biografie ist wieder da.
Die verschwundene Mutter, der autoritäre Vater und die beiden Schwestern, die alles anders machen wollen.
Toll, daß eine Fünfundzwanzigjährige das so perfekt beschreibt. Ich hätte das nicht zusammengebracht, aber ich habe auch nicht in Biel und Leipzig studiert, freue mich auf Dorothee Elmigers zweiten Roman und bin gespannt, was ich noch von ihr hören werde und natürlich auch, ob sie in Rauris gewinnt, aber da sind auch noch Anna Elisabeth Mayer, Ulrike Almut Sanding, Carolina Schutti und Judith Zander nominiert.

2011-01-26

Souveränes Jonglieren

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

In der Alten Schmiede gings gleich weiter mit einer Bestandsaufnahme in die gültigen Register der Literatur und zwar wurde als souveräner Jongleur literarischer Muster Alfred Paul Schmidt vorgestellt und der 1941 in Wien als Alfred Schmidt geborene und in Graz lebende, begleitet mich seit der Zeit, seit der ich mich für Literatur interessiere, als einer im Schatten der Grazer Szene stehender, so hat es sich zumindest bei mir eingeprägt.
Hin und wieder habe ich etwas über ihn gehört, aber nicht wirklich viel gelesen, obwohl ich in Harland, das 1982 bei Hannibal erschienene „Doppelte Totgeburt“ habe und ich habe auch zugegriffen, als ich im Bücherschrank, den im Europaverlag erschienenen Roman „Fünf Finger im Wind“ sah, das Buch ist Reinhard Urbach gewidmet und der hat den Schriftsteller in der Alten Schmiede auch portraitiert. Eingeleitet hat Kurt Neumann und davon gesprochen, daß sich Alfred Paul Schmidt im kollektiven literarischen Unterbewußtsein befinden würde und als ich gerade dachte, daß das auch bei mir zutrifft, hat er dazu erklärt, daß Alfred Paul Schmidt zwanzig oder dreißig Drehbücher für Fernsehserien geschrieben hat. Aber die habe ich als Nichtfernseherin wahrscheinlich nicht gesehen, also ist er in meinem Unterbewußtsein immer noch der neben Gerhard Roth stehende experimentelle Grazer Autor, obwohl er, wie Reinhard Urbach erklärte, das nicht mehr ist, weil er seine Stile als Jogleur inzwischen souverän gewechselt hat. Aber angefangen als Sprachkritiker, denn das hat man in den frühen Siebzigerjahren, das hat der Handke, die Barbara Frischmuth und der Gert Jonke, das haben alle, die der von den Nationalsozialisten besetzten Sprache nicht mehr trauten und so ist Alfred Paul Schmidts erstes Buch „Bester jagt Spengler“ 1971 bei Suhrkamp erschienen, allerdings noch unter dem Namen Alfred Schmidt. Zu einem Paul hat ihn erst Reinhard Urbach gemacht, der ihn in die Gesellschaft für Literatur zu einer Lesung eingeladen hat. Dort sind die Bücher eines anderen Alfred Schmidts gelegen, so ist aus dem Alfred ein Alfred Paul geworden, aber eigentlich würden ihn seine Freunde ohnehin nur Goofy nennen.
Reinhard Urbach hat Alfred Paul Schmidt auch 1975 in die Alte Schmiede eingeladen. Es sind dann nach und nach zwanzig Bücher erschienen, die alle irgendwie mit der Sprache spielen, beziehungsweise sich ihr vorsichtig annähern, so heißt das zweite auch „Als die Sprache noch stumm war“.
Reinhard Urbach zog souverän immer die jeweiligen Exemplare aus seiner Jackentasche, alle lachten und ich dachte, wie wird er das bei zwanzig Bücher machen? Das sieht man ihm gar nicht an, daß er in seinem Anzug zwanzig Bücher versteckt. Dann kamen schon die Krimis und die Entwicklungsromane.
„Fünf Finger im Wind“ ist, weiß ich nun, ein solcher und handelt von gescheiterten Studenten, die in einer WG landen und die Krimis sind irgendwie auch experimentell, so verliebt sich die Kommissarin beispielsweise in den Mörder und verrät ihn dann nicht oder einer mordet, um bedeutend zu werden, aber keiner merkt es, so daß er den Kommissar zum Mörder machen muß. Ein Theaterstück im Akademietheater, das zu der Zeit aufgeführt wurde, als Reinhard Urbach Dramaturg im Burgtheater war, gab es auch und die Krimidrehbücher für die Serien „Tatort“, „Soko Kitzbühel“, „Stockinger“ etc. Auch da war Alfred Paul Schmidt, erklärte Reinhard Urbach immer experimentell und ließ seine Protagnonisten zum Teil in Aphorismen reden oder teilte ihnen besonders schöne Sätze zu. Außerdem hatte er immer Texte in den „Manuskripten“ und in den letzten zwanzig Jahren jede Woche Aphorismen für die Kleine Zeitung in Graz geschrieben.
Jetzt gibts ein neues Buch, das 2010 erschienene „Das andere Gestern“, bzw. zwei, aus denen der Autor las, die anderen, kam in der Diskussion heraus, sind vergriffen und es wird auch nicht daran gedacht, sie wieder aufzulegen.
Nur im Antiquariat bedauerte der Autor kann man sie bekommen und Reinhard Urbach, der ja einige aus seinen Taschen zog, ist einer der wenigen, der alle besitzt.
Und im Bücherschrank, füge ich hinzu und habe die „Fünf Finger“ inzwischen zu meinem Badezimmerstapel gelegt. Das Buch aus dem der Autor las, ist auch ein aphoristischer Roman und zwar geht es da, um einen Drehbuchautor der zwanzig Jahre Fernsehkrimis geschrieben hat und sich als gescheiterter Schriftsteller sieht, die Autobiografie ist nah, der vor einem Schaufenster eine Frau kennenlernt, sie anspricht und mit ihr, obwohl sie mit einem anderen Mann verabredet ist, ein Glas Wein trinken geht. Das andere Buch ist ein Hundekrimi, heißt „Die Spur der Sonne“ und ist aus ein Roman, der sich aus drei Kurzgeschichten zusammensetzt. Held ist ein Hund namens Alessandro, der einmal Polizeispürhund war, jetzt einer Frau namens Andrea gehört und mit ihrer Hilfe einen bzw. drei Fälle aufklärt. Der Hund kann auch sprechen, schreiben und lesen. Er kommuniziert im Dialog mit dem Leser, verspricht ihm auch zu erklären, wieso er das kann und bezeichnet sich als verwunschener Prinz. Löst sein Versprechen aber dann nicht ein, was zur Spurenverwischung des Autors gehört.
Ein interessanter Abend über einen fast Vergessenen. Irgendwie wird es ja viele Autoren geben, die ein Buch bei Suhrkamp haben, mehrere Preise bekamen und dann irgendwie verschwinden. Es ist bei der Lesung bzw. dem Gespräch auch herausgekommen, daß Alfred Paul Schmidt darunter leidet und eine solche Diskussion habe ich in den letzten Tagen auch mit einer meiner Leserinnen geführt, die sich auf meinen Artikel über das Symposium zur Sprachkunst gemeldet hat. Und während es hier und dort um das übersehene Schreiben geht, wird in Bremen einer der bedeutensten Literaturpreise an Friederike Mayröcker und Andrea Grill vergeben. An Friederike Myröcker allerdings so spät, daß sie ihn nicht mehr persönlich abholen kann, was ja auch sehr schade ist.

2011-01-25

Von seltsamen Phänomenen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Renate Zuniga hatte diesmal für die Textvorstellungen drei sehr unterschiedliche Autoren, beziehungweise Texte ausgewählt, die auch in sehr unterschiedlichen Verlagen erschienen sind. So begann bei dem Abend über die seltsamen Phänomene, der mir bisher unbekannte Udo Kawasser und stellte sein Ritter-Buch „Einbruch der Landschaft: Zürich – Hawanna“ vor, das, wie der 1965 geborene Dichter, Übersetzer, Tänzer und Coreograph erklärte, eigentlich „Fabula Rasa“ heißen sollte, da Brigitta Falkner aber ein gleichamiges Buch hat, hat er es auf „Einbruch der Landschaft“ umbenannt. Es ist ein Mosaik aus Fragmenten und kurzen Kapiteln, die jeweils mit demselben Wort beginnen und enden. Es gibt zwei Teile und eine Ouvertüre, denen jeweils ein Zitat vorangestellt ist und das Ganze schildert die Geschichte eines Mannes, der nur mehr in der Gegenwart leben will, von Zürich nach Kuba fährt und dort eine Frau namens Viva kennenlernt. Ein sehr poetischer Text, der 2007 herausgekommen ist. Es gibt dann noch einen Gedichtband entnehme ich Wikipedia, bzw. habe ich in der Alten Schmiede diesen kurz durchblättert, zweimal das Staatsstipendium und drei Preise hat der Autor auch bekommen.
Der zweite Autor Ludwig Roman Fleischer, der seinen in seinem Sisyphus Verlag erschienenen Erzählband „Neue Einfälle des Kauzes“ vorstellte, war mir dagegen bekannter, habe ich von ihm doch schon einige Bücher gelesen und im Badezimmer, den 1999 erschienenen Roman „Aus der Schule“, den ich nach Weihnachten im Bücherschrank gefunden habe, liegen, das habe ich ihm vor der Lesung erzählt und nach der Lesung das neue Buch mit seiner Frau getauscht, als die „Mimis Bücher“ kaufen wollte.
Ludwig Roman Fleischer wurde 1952 geboren, ist GAV-Mitglied, hat 1990 beim Bachmannlesen den Ernst-Willener-Preis bekommen und seit den Neunzehnhundertachtziger Jahren den Sisyphus Verlag, wo er seit 1990 als fiktiver Chronist jedes Jahr ein eigenes Buch herausgibt, das sich als Sittenbild der österreichischen Gesellschaft lesen und interpretieren läßt. Von Beruf ist Ludwig Roman Fleischer Lehrer, deshalb sind oft Lehrer seine Protagnoisten, meistens trinken sie zuviel Alkohol und sind auch oft seltsame Käuze. Ludwig Roman Fleischer hat auch eine sehr direkte Sprache und eine sehr prägnante Art seine Texte vorzutragen.
Wenn ich mich nicht irre, habe ich „Rakontimer“,“Hellebard der 68 oder Die Biegung der ersten Person“, die anderen Weihnachtsgeschichten „Herbergsuche“ und „Der Castellaner“ gelesen. Ich war auch öfter bei seiner Verlagspräsentation, die lange Zeit vor Weihnachten im Literaturhaus stattgefunden hat. Jetzt hat Ludwig Roman Fleischer aus seinen dreiundzwanzig Erzählungen, die von „Morbus Scheuermann“ gelesen und zwar erzählt da der Polizist, Akademiker und Hofrat Oberstleutnant Franz Josef Holler, die Geschichte von einem grün alternativen Makrobiotiker und linken Vollwertnarr, namens Andreas Scheuermann, der eine Hofratswitwe mit getrockeneten grünen Knollenblätterpilzen versorgt, die in kleinen homöopathischen Dosen als Breitbandstimulus für gesteigertes Lebensbewußtsein gelten, worauf sie an Organversagen stirbt und der sanfte Alternative erbt.
Danach gabs wieder eine Stilschwenkung, kam da doch der ebenfalls 1952 geborene Chemiker, Wissenschaftsredakteur und Schriftsteller Christian Mähr an die Reihe, der fantastischen Romanen und Hörspielen geschrieben hat. Von „Simon fliegt“ habe ich einen Auszug in einer Dumont-Verlagsvorschau gelesen,mit „Semmlers Deal“ war der Autor bei „Rund um die Burg“, jetzt hat er einen dicken Roman geschrieben, der sich „Karlitos Reich“ nennt und zwar schlüpft da ein Journalist in den Körper von Karl III und damit ins neunte Jahrhundert, während der wieder in dessen Körper ins einunzwanzigste Jahrhundert kommt. Der eine will die Aufklärung und den Fortschritt ins Mittelalter bringen, der andere bekämpft den Sittenverfall unserer Zeit und beide scheitern. Es ist aber noch viel komplizierter, denn am Heldenplatz findet, so entnahm ich dem Stück, das der Autor las, eine Demonstration statt, wo Tausende erschossen wurden, ein paar Polizisten flüchten in die Schatzkammer, wo sich Karl III gerade von der Kustodin die Krönungskleider und die Krone aus den Vitrinen holen läßt. Er spricht nur lateinisch und einer der Polizisten entdeckt, daß er das plötzlich versteht, obwohl er es nie gelernt hat und alle stapfen über die Leichen zum Stefansdom die Krönung findet aber wo anders statt.
Nachher gabs eine rege Diskussion über diesen Roman, den Kurt Neumann als besonders interessant erwähnte. Christian Mähr erzählte sehr launig aus der Entstehungsgeschichte, daß er sich Karl III deshalb ausgewählt hat, weil der ständig scheiterte und das Material über das neunte Jahrhundert über das man nicht sehr viel weiß, hat er sich aus einem dreiteiligen vergriffenen Geschichtsband aus dem neunzehnten Jahrhundert zusammengesucht. Das Buch wurde natürlich auch gekauft und Irene Wondratsch erzählte mir, daß in David Safirs „Plötzlich Shakespeare“ ein ähnliches Thema behandelt wird. Da steigt eine Frau in Shakespeares Körpers, es wurde gerätselt, ob Christian Mähr dieses Buch wohl kennt?

2011-01-24

Denn am Sabbat sollst du ruhen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:37

„Denn am Sabbat sollst du ruhen“, von Batya Gur, 1993 mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet, spielt in der Jerusalemer Psychoanalytiker Szene bzw. in dem Institut, das vom 1933 aus Wien emigrierten jungen Analytiker Ernst Hildesheimer gegründet wurde. Inzwischen gibt es drei Kontrollanalytiker, eine Ausbildungskommission, viele Kanditaten und Vorlesungen am Samstagmorgen, bei denen einmal der Analytiker Schlomo Gold, die Kontrollanalytikerin Erva Neidorf, die einen Vortrag über „Ethische und forensische Aspekte bei der psychoanalytischen Behandlung“ halten will, erschoßen auffindet.
Langsam und bedächtig führt die 1947 in Tel Aviv geborene und 2005 in Jerusalem gestorbene Autorin in den Roman und das Sujet ein. Aufklärer ist Inspektor Michael Ochajon, der eigentlich Geschichte studierte und sehr unkonventionelle Methoden hat, hört er doch ähnlich, wie die Psychoanalytiker sehr gut zu und so bekommen wir in den ersten Kapiteln eine Einführung in die Psychoanalyse, erfahren was sie von der Psychotherapie unterscheidet, jedenfalls stellt Inspektor Ochajon Ernst Hildesheimer diese Frage und, daß als Kanditaten üblicherweise nur Ärzte und Psychologen angenommen werden, einmal war zwar ein Veterinärmediziner dabei, aber der blieb ewig Außenseiter und zum Kontrollanalytiker wird er sicher auch nicht gewählt. Erfahren, wie lange Psychoanalysen dauern, wie streng die Regeln sind und sehr genau und streng ausgewählt wird, um die Konkurrenz nicht zu groß werden zu lassen.
Eva Neidorf, die kurz vor ihrem Vortrag, wo auch einige neue Mitglieder aufgenommen werden sollten, aus den USA, wo ihr Enkelkind geboren wurde, zurückgekommen ist, wird von allen sehr verehrt und als genaue, moralische, strenge Analytikerin beschrieben, die einmal Ernst Hildesheimer in der Institutsleitung ablösen soll. Sie wurde auf einem Sessel sitzend im Institut erschoßen, die Tatwaffe, ein alter Revolver, der dem Außenseiter Joe Linder gehört, wird im Garten des gegenüberliegenden Krankenhauses gefunden, der arabische Gärtner, der am Sabbat arbeiten darf, gerät in Verdacht und Eva Neidorfs Wohnungschlüßel ist verschwunden. Außerdem wurde in ihrer Wohnung eingebrochen, Unterlagen zu ihren Patienten und der Vortrag sind verschwunden. Die Polizei befragt alle Analytiker und versucht Eva Neidorfs Stundenplan zu rekonstruieren, als sie aber die Namen der Patienten beim Steuerberater holen will, ist dort jemand zuvorgekommen, so müßen die Bankkonten geöffnet werden. Beim Begräbnis erscheint ein sehr schöner junger Mann, der sich etwas seltsam gebärdet und seine Analytikerin Dina Silber verfolgt, die in Joe Linders Praxis arbeitet und auch die Kanditatin ist, die nach der Vorlesung aufgenommen werden sollte.
Joe Linder hat auch einen Freund, Oberst Joav Alon und der, stellt sich heraus, hat mit seiner Arbeit als Militärgouverneur, wo er nichts tut, als Genehmigungen zu erteilen, Probleme, so daß er in Depressionen verfiel, seine Frau mit seiner Sekretärin betrog und als es nichts wurde im Bett, in Eva Neidorfs Praxis landete. Aber ein Oberst darf keine psychischen Probleme haben und sich in Therapie begeben, so gerät er in Mordverdacht und wird von Inspektor Ochajon sehr lang verhört. Seiner Karriere wird das genauso schaden, wie das Leben des arabischen Gärtners, der die Waffe fand, zerstört sein wird, der aus Angst am Montag nicht mehr zur Arbeit kam und daraufhin verhaftet wurde.
Batya Gur übt auch Kritik an ihrem Heimatland und läßt Michael Ochajon Fehler machen. Er versagt als Vater bei seinen Sohn, vergißt ihn zu treffen, arbeitet zuviel und trinkt zuviel Kaffee und die schöne Mörderin wird am Schluß auch auf sehr unkonventionelle Weise, nämlich durch Ernst Hildesheims Hilfe, der damit seine heiligsten Prinzipien bricht und das, um den Mord aufzuklären auch gerne tut, überführt.
Batya Gur, die Literaturwissenschaftlerin und mit einem Psychoanalytiker verheiratet war, ist durch ihre Ochajon-Romane berühmt geworden.
Man bekommt einen genauen Einblick in die israelische psychoanalytische Gesellschaft, die Spannungen und Konklikte, die beschrieben werden, werden auch in Wien nicht anders sein, das Thema Sex mit einem Patienten, erscheint heute vielleicht nicht mehr als der große Tabubruch, sondern eher als Klischee.
Der Holocaust, wie Israel zu Israel wurde und mit welchen Problemen es zu kämpfen hat, wird kurz geschildert, originell, daß Inspektor Ochajon der Aufklärung im Kino, als er dort mit seinem Sohn einen Science Fiction Film sieht, näherkommt.
Interessant ist auch, daß ich während der Lektüre, sowohl bei einem Vortrag im Sigmund Freud Museum über Anna Freuds „Jackson Kinderkrippe“ und bei der Feier „Zehn Jahre Psychotherapie auf Krankenschein war“, so daß ich den Roman mit dem psychotherapeutischen Wien von 2011 vergleichen konnte.

2011-01-22

Die Praxis des Schreibens

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:55

Das Literaturhaus hat seit Herbst eine Zusammenarbeitungsschiene mit dem Institur für Sprachkunst, so gabs bis jetzt Lesungen drei bekannter Autoren, am 28. Jänner sind Texte der Studenten zu hören und jetzt das Symposium „Die Praxis des Schreibens“, mit dem das Institut offenbar in die Öffentlichkeit geht und von seiner Arbeit berichtet.
Ich habe zwar den Zweck der Zusammenarbeit nicht so recht verstanden, wenn sich aber das Institut in seine Karte schauen läßt und man im Literaturhaus ein bißchen mitschnuppen kann, wie das Schreibenlernen passiert, söhnt es mich mit den Aufnahmebedingungen, von dreihundert, vierhundert oder wieviel auch immer Bewerbern werden fünfzehn ausgewählt, ein wenig aus und das Literaturhaus war auch immer sehr voll.
Gestern gings in das „Handwerk des Schreibens“ und so berichteten im ersten Block Olga Flor, Josef Haslinger und Katrin Zimmermann, wie sich Prosa zwischen Laissez Faire und Formalisierung lehren läßt. Daß ein solches Unterfangen im deutschen Sprachraum immer noch mit den Vorurteilen des sogenannten Genieparagraphen zu kämpfen hat, hat Robert Schindel schon in seiner Eröffnungsrede oder im Kulturjournal- Interview erläutert, es war auch in den Pausengesprächen immer wieder das Thema.
Aber natürlich muß man das Schreiben lernen und der, der es betreibt, hat das auch einmal. Josef Haslinger, wie er sagte in der Redaktion der Zeitschrift „Wespennest“, sein Mentor war Gustav Ernst, obwohl sich der damals vielleicht nicht so nannnte und sich nicht als solcher sah.
In den Schreibschulen wird es so genannt und auch ausprobiert, ob das in der Gruppe oder einzeln geschehen soll und natürlich muß man für seine Arbeit irgendeine Form der Benotung bekommen, weil das das Hochschulsystem so verlangt und es ist auch hart, wenn die Kollegen über die Texte herfallen und sie zerlegen, wenn das in einer konstruktiven Art und Weise passiert, läßt sich aber daraus lernen und manchmal passiert es in Leipzig auch, in Wien wird man noch nicht so weit sein, wie Josef Haslinger erzählte, daß der Markt die Studenten, wie das bei Sasa Stanisic mit seinem Roman „Wie der Soldat das Grammafon reparierte“ passierte, vom Institut wegholt, der dann mit seinen Lesereisen etc so beschäftigt ist, daß er das Studium nicht mehr fertig machen kann. Im Allgemeinen werden die Studenten aber davor gewarnt mit ihren Texten zu früh an die Öffentlichkeit zu gehen und, daß sehr viele, die in Leipzig studieren, später beim Bachmannpreis lesen, ist bekannt und war im Publikum auch zu sehen. Eine sehr interessante Diskussion, in die ich Einiges einbringen hätte können, während ich beim zweiten Block „Figuren im Raum“, unbeleckter war, schreibe ich ja nicht dramatisch, obwohl ich vor Jahren einmal bei einem Symposium der IG Autoren über das Szenische Schreiben war. Gustav Ernst, der ja schon viele Stücke hat, hat moderiert und zwei interessante dramatische Schreiber vorgestellt. Den Engländer David Spencer, der im Schauspielhaus , am Burgtheater, in Hamburg und in Berlin szenisches Schreiben unterrichtet und Ewald Palmetshofer, 1978 geboren, der Hausautor am Schauspielhaus war, dort einige Stücke erarbeitet und herausgebracht hat. von „tier. man wird doch bitte unterschicht“, habe ich vor kurzem erst im Radio etwas gehört. Am Nachmittag ging es mit der Lyrik weiter. „Stimmen finden“ hat der Block geheißen. Robert Schindel hat mit Evelyn Schlag, Barbara Hundegger und Dagmar Leupold diskutiert und wollte etwas darüber wissen, wie der Lyriker zu seiner eigenen Stimme finden kann. Die Diskussion war heftig, denn es schreiben, wie ich wieder hören konnte, inzwischen mehr Leute Gedichte, als gelesen werden. So sind die Auflagen skandalös klein und Gedichte werden wohl auch deshalb so oft geschrieben, weil man glaubt, das geht leicht, da brauche ich nur ein paar Zeilen, breche die Sätze ab und schon bin ich berühmt. Barbara Hundegger, die von vielen, als eine der bedeutensten österreichischen Gegenwartslyrikerinnen bezeichnet wird, hatte da viele strenge Einwände, beklagte die schlechte Sprache, „da beherrschen dreifache Doktoren die Grammatik nicht richtig“ und riet zur Lektüre von Wörterbüchern. Einwände aus dem Publikum, die vielleicht zu nah an das therapeutische Schreiben kamen, wurden zurückgewiesen, das Gedicht muß nicht mir, sondern den anderen etwas geben, was wieder schwierig ist, wenn die Leute sie nicht lesen….
Ich habe da ja eine etwas weniger rigide Meinung und rate auch zum Schreiben, wenn die Grammatik nicht hundert Prozent stimmt. Allerdings lese ich Gedichte, schreibe aber keine und gehöre wohl zu den wenigen Autoren, die nicht mit Gedichten angefangen haben, sondern eigentlich immer Romane schreiben wollten. Das narrative Schreiben ist aber auch nicht so anerkannt, obwohl es das ist, was die Bücherblogger lesen und die großen Auflagen bringt und da habe ich noch Josef Haslinger vergessen, der von Vampirromanen sprach und davon, das Leipzig das Schreiben solcher nicht anbietet, obwohl die Leute, die sich dort bewerben, sie offenbar das schreiben, wobei ich auf mein „Nanowrimonovel“ hinweisen kann, denn das gibt es ja eine Studentin des Hochschullehrgangs für Sprachkunst, die einen Fantasywettbewerb gewonnen hat. Es ging aber mit den transmedialen Formen der Literatur weiter, bei der man die Grammatik auch nicht so braucht. Diskutierte Michael Lentz ja mit Michaela Falkner und Ide Hintze und die eine macht ihre Manifeste, geht in Museen, läßt sich dort erschießen und liegt dann drei Tage lang in ihrem Kunstblut am Boden, während Ide Hintze vom Filmen und den Zettelkästen hergekommen ist, die Schule für Dichtung gegründet hat und die Poesie auch auf eine höchst unkonventionelle Art und Weise betreibt. Danach gab es es eine Poetikvorlesung von Ferdinand Schmatz und eine Performance von Michael Lentz, die ich beide versäumte, da der WGPV „Zehn Jahre Psychotherapie auf Krankenschein“ feierte, wo es bei einem ein gutes Buffet gab und Agnes Palmisano schöne Lieder sang.
Am Samstag gings mit den kreativen Prozessen weiter und zwar mit der Studie von Claudia Dürr und Tasos Zembyas über die Entwicklung des Texts von der Idee zur Fertigstellung. Darüber wurde mit Verena Roßbacher und Thomas Klupp diskutiert, die beide an Literaturinstituten studierten, ihre Debutromane herausbrachten und jetzt, obwohl sie erst Anfang Dreißig sind selber unterrichten, Thomas Klupp tut das in Hildesheim, Verena Roßbacher betreut fünf Studenten in Biel. Dagmar Leupold beklagte in der Diskussion wieder, daß es so viele Texte mit abgelutschten schiefen Metaphern gäbe, wo statt der Transformation nur einen Transfer des Erlebten stattfindet. Da müßte man kritisch sein, sagten die Lektoren und lobten das Bücherlesen, weil man dabei am sehr viel lernt. Danach ging es um Literatur und Erfahrung. Elfriede Czurda definierte die Definitionen aus dem Wörterbuch der Brüder Grimm. Marie Caffari vom Schweizer Literaturinstiut erzählte vom Mentoring, der 1 zu 1 Betreuung, die dort betrieben wird und Kerstin Preiwuß, die in Leipzig studierte und lehrt, erzählte von ihren Poetikvorlesungen und meinte, die Leute sollten mehr Lyrikbände kaufen. Danach wurde es kompliziert und unverständlich, das Thema hieß Experiment und Welt. Ferdinand Schmatz diskutierte mit Franz Schuh, Samuel Moser, Monika Rinck und Ulf Stolterfoht, die weder die Welt noch die Erfahrungen gelten ließen und meinten, daß Texte am Schreibtisch entstehen, deshalb hätte es keinen Sinn, wie es Sibylle Lewirtscharoff in Leipzig mit den Studenten macht, in Gefängnissen auf Recherche zu gehen. Am Ende war es dann so mit Theorien vollgepfropft, daß Franz Schuh anmerkte, daß die die Dichter nun mit ihren Werken widerlegen würden, Ferdinand Schmatz lachte dazu.
Danach hielt Dagmar Leupold ihre Poetikvorlesung, die sich als Text mit dem Titel „Mundart“ entpuppte, wo es um das rollende „r“ der Ostpreussen und Vormundschaften ging.
In der langen Pause machte ich einen Spaziergang zum Bücherschrank und zog dort den Bestseller des Jahres, der immer noch in großen Stößen beim Morawa liegt, nämlich Dirk Stermanns „6 österreicfher unter den ersten 5“, ein eindeutiges Weihnachtsgeschenk, weil es über den Preis ein Sternchengibt, heraus, unterhielt mich mit einem jungen Mädchen, das aus Deutschland zum Symposium anreiste und sich an der Hochschule bewerben will, hoffentlich hat sie keine schiefen Metaphern, traf E. A. Richter beim Büchertisch und habe mit einigen Frauen gesprochen, die Romane schreiben für die sie einen Verlag suchen. Mit Christl Greller und Marietta Böning habe ich mich auch unterhalten, bevor die Lesung des Büchner-Preisträgers Josef Winkler begann, der zwei Szenen aus „Roppongi“, wo es um das Sterben seines Vaters ging und dann zwei Geschichten aus dem Band „Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot“, las. Eine hieß „Lufthoheit der toten Kissenschlacht“, wobei Josef Winkler bemerkte, daß er es Polsterschlacht nennen wollte, worauf ihn der Suhrkamp Lektor fragte, was ein Polster sei? Damit die Deutschen die Pointe verstehen wurde es beim Kissen belassen.
Dann wurde das Buffet für alle frei zugänglich, vorher mußte man pro Kuchen oder Saft einen Euro spenden, Robert Schindel hielt das Schlußwort bevor die Studenten, von denen ich schon einige kannte, den Abschluß gestalteten, ein paar Filme zeigten, die bei den transmedialen Formen mit Orhan Kipcak entstanden sind, einen Wortchor veranstalteten und ihre Texte in verschiedenen Performances zur Geltung brachten.

2011-01-21

Verpatzte Werbefahrt, Symposiumeröffnung, Dorothee Elmiger

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:11

Für die, die mich für einen langweiligen Menschen halten, ich bin am gestern fünfundneunzig Kilometer über die slowakische Grenze zu einem allerdings sehr guten Frühstück gefahren und danach gleich wieder zurück. Richtig, eine Werbefahrt mit diesmal nur sehr wenigen Teilnehmern in die Strickwarenfabrik Nitra mit einem angeblich sehr günstigen Abverkauf ist angestanden, einen Schal sollte es gratis auch noch geben. Deshalb bin ich um halb sechs Uhr aufgestanden, zum Westbahnhof marschiert und mich gewundert, daß der Bus mit vierzehn Personen gefahren ist. Denn einmal bin ich da ja schon ausgestiegen, diesmal ging es aber los und sogar sehr weit in die Slowakeit hinein, der Buschauffeur erklärte alles sehr genau. Herr Mark war angefressen und deutete den Vierzehn das Einladungsschreiben „Alle versprochenen Leistungen werden von uns garantiert!“ um, nur war die Gruppendynamik interessanterweise so, daß die Leute widersprochen haben und sich Herr Mark verarscht vorgekommen sein dürfte. Er brach jedenfalls die Show ab und es ging ohne Schal, Mittagessen und Strickfabrik zurück, macht ja nichts, ich habe ohnehin zu korrigieren. Außerdem sind mir die Bus die einige Einfälle gekommen und ein vorläufiger Arbeitstitel „Bis nach vorn“.
Elisabeth und Katharina sind Zwillingsschwestern und strukturieren beide ihre Leben nach dem sechzigsten Geburtstag um. Die eine will ihre Bücher lesen, die Andere fährt mit einem alten Bus durch Europa oder Österreich. Sie erzählen dabei ihr Leben und erleben ihre Konflikte. Etwas Außergewöhnliches sollte auch noch vorommen. Was originelles, noch nie Geschriebenes..
Wieder zurück kam ich darauf, daß ich, wenn ich um sieben in die Hauptbücherei zu der Lesung von Dorothee Elmiger will, am Literaturhaus vorbeigehen könnte, denn da wurde um sechs das Symposium „Die Praxis des Schreibens“ mit einem Festvortrag von Robert Schindel eröffnet. Ganz sicher war ich mir ja nicht, ob diese Veranstaltung der Hochschule für Sprachkunst wirklich öffentlich zugängig ist, es wurde aber im Kulturjournal darüber berichtet und da sagte Robert Schindel etwas Bahnbrechendes, nämlich, daß die Schreibschulen, das gute Handwerk vermitteln, die tollen Ideen würden aber denen, die damit nach Klagenfurt kommen, oft fehlen. Eh ganz klar, ist das, nachdem doch schon so viel geschrieben wurde, nicht mehr so leicht.
Das Literaturhaus war, als ich es vor sechs Uhr erreichte bummvoll. Die gesamte literarische Prominenz hat sich da getummelt. Christl Greller, Ruth Aspöck, Ferdinand Schmatz, Olga Flor, Gustav Ernst, Klaus Kastberger, Alexandra Millner, Christel Fallenstein und viele junge Leute.
Vielleicht, weil um sieben Friederike Mayröcker gelesen hat, vielleicht auch, weil sich doch einige für die Praxis des Schreibens interessieren. Einige sind, wie ich auch bald gegangen, so wollte Ruth Aspöck eigentlich ins Theater und hat nur kurz vorbei geschaut.
Es waren zwei zusätzliche Sesselreihen aufgestellt und eine Videoübertragung in den Nebenraum gab es auch. Die Frau Minister Karl wurde begrüßt, Rektor Bast hat eröffnet und Sabine Scholl, dann hielt Robert Schindel seine Rede über den „Werkzeugkasten des Schreibens“ und der hat von schönen Worten nur so gewimmelt.

Dorothee Elmiger

Dorothee Elmiger

„Wenn einem nichts einfällt am frühen Morgen, zwischen dem Wortgesims und dem Schweigepropfen, aber ja, es geht schon, denn Einfälle kommen immer, auch wenn es schwer ist, sie mit den Flossen aufzuschreiben, um zu der Dichterin im Kaffeehaus hinüberzuschwenken, die sitzt und schaut, dann aufschreibt, wie der Kellner den Kaffee serviert und schließlich wartet, ob sie auf die Longlist des deutschen Buchpreises kommt!“
Dann wars dreiviertel sieben, Robert Schindel beendete seine Rede, ich bin in die Hauptbücherei gegangen, denn dort habe ich mit dem Alfred und Otto Lambauer verabredet, las Dorothee Elmiger doch zum ersten Mal nach Klagenfurt in Österreich und die halte ich für eine sehr talentierte Schriftstellerin, in der Mayröcker Nachfolge, wenn man soetwas von einer jungen Schweizerin sagen kann. Eine, obwohl mir Otto Lambauer widersprach, die nicht nur mit wunderschönen Worten spielt, sondern auch ein originelles Thema beschrieben hat.
„Die Einladung an die Waghalsigen“ ist bei Dumont herausgekommen und war, wie Dorothee Elmiger im Gespräch mit Zita Bereuter, erzählte, schon fertig, als sie damit beim Bachmannpreis angetreten ist und gleich drei Preise gewonnen hat. Den Aspekte Literaturpreis für den besten Debutroman hat sie auch bekommen, jetzt ist sie für Rauris nominiert.
„Vom Geheimtip zum Kultroman“, steht im Büchereiprogramm. Zitha Bereuter hat den Roman mit „Axolotl Roadkill“ verglichen, weil er auch mit Montagen und Zitaten arbeitet. Es geht aber um ein weniger brisantes Thema. Eine Stadt ist durch einen Bergwerkbrand verschwundet. Zwei junge Frauen, die in einer Polizeiwachstelle wohnen, versuchen aus Büchern die Vergangenheit zu rekapitulieren und einen Fluß zu finden. Die Bachmannpreislesung im Juni habe ich gehört und auch ein Interview bei der Frankfurter Buchmesse. Ein Ton der mir als interessant und neu erschienen ist, so daß ich mir vom Alfred das Buch kaufen ließ. Die junge Frau, schwarzhaarig und schwarzgekleidet, wie Friederike Mayröcker wirkt sehr sympathisch und hatte wegen der Kultveranstaltung im Literaturhaus wenig prominentes Publikum. Der Sascha hat allerdings fotografiert. Markus Köhle und Mieze Medusa habe ich gesehen und die haben mich sogar gegrüßt. Es ist schon interessant an einem Abend zwei literarische Highlights zu erleben. Auf der einen Seite ein Symposium des Schreibens, auf der anderen eine junge Autorin, die in Wien vielleicht noch als Geheimtip gilt.
Dorothee Elmiger wurde 1985 in der Scweiz geboren, hat ihr Philosophiestudium abgebrochen, zuerst am Schweizer Literaturinstitut studiert, bevor sie nach Leipzig gegangen ist. Jetzt lebt sie in Berlin, schreibt noch nicht am zweiten Roman und hat vorher nur ein paar Erzählungen veröffentlicht. Mich hat es sehr beeindruckt, Otto Lambauer war viel kritischer und wir sind lange in dem Cafe, das jetzt glaube ich nicht mehr „Canetti“ sondern „Oben“ heißt gesessen und haben diskutiert und Gutschein verkonsumiert, den es als Beilage zum Programm gegeben hat.

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