Literaturgefluester

2011-01-02

Die grüne Eidechse

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:12

Der 2001 bei Aufbau erschienene Roman des 1916 geborenen und 2006 gestorbenen sorbischen Schriftstellers Jurij Brezan „Die grüne Eidechse“, ist eine leicht zu lesende und ein wenig altmodische Schilderung einer großen Jugendliebe, während der Weimarer Republik, sowie, wie in der Buchbeschreibung steht, ein liebevolles Portrait seiner Heimatstadt Bautzen, die im Buch Buschin heißt und wahrscheinlich auch eine Schilderung Deutschlands im letzten Jahrhundert, hat der Roman doch eine Rahmenhandlung und beginnt zu Himmelfahrt 1999, als ein Journalist in Pension geht und einen alten Koffer seines Vaters findet, der Leiter des Fremdenamtes war, der die Geschichte der Großmutter, bzw. Großvaters seiner Schwiegertochter Doreen aufgeschrieben hat, die an einem Dienstag nach Ostern beginnt….
Da wird der einundzwanzigjährige Brasilaner mit deutschen Vorfahren Jaques de Castelnovo oder Jakob Neuhaus, von seinem Vater nach Buschin geschickt, weil er das Vermächtnis eines Ahns das deutsche Abitur abzulegen, das der nicht schaffte, erfüllen soll. Jaques Neuhaus hat schon das Abitur in Bralilien in einem Ordensinternat abgelegt und soll in Deutschland offenbar auch entjungfert werden, jedenfalls schickt ihn der Vater, ein Kaffeebaron, mit Majordomus Marco Polo, einem Pferd und einem Auto in die deutsche Kleinstadt und der mietet ihm eine junge Haushälterin, die dieses Amt mit dem Versprechen, danach eine Rolle im „Vetter in Dingsda“ zu bekommen, übernimmt.
Danach verschwindet sie ins Theater und der junge Kaffeebaron, der von den Honoratoren des Städtchens „Conte“ genannt wird, der Leiter des Fremdenamtes überwacht ihn getreulich und der Direktor des Gymnasiums nimmt ihm in der Schule auf, weil der Vater eine Schulbibliothek stiftet, wird gefördert und honoriert und lernt auch bald mehrere junge Frauen kennen. Da ist einmal das Buchhändlerlehrmädchen Katharina, die ihm Reclamheftchen und französische Romane besorgt, Brunhilde die Tochter eines Zeitungsredakteurs und Marion, mit der er in der Klasse sitzt, dann gibt es noch die Arzttochter Gisela.
Trotzdem fühlt sich der Einundzwanzigjährige fremd in der Klasse, geht nicht mehr oft in den Unterricht, dafür schreibt er politische Artikeln, die dann in der falschen Zeitung erscheinen, lernt noch einen anderen Buchhändler kennen, bandelt mit allen Mädchen an, verliebt sich aber eigentlich nur in Marion, die ihn nackt besucht und mit der er auf einer Wiese eine grüne Eidechse findet, obwohl sie sich vor ihr fürchtet und er ihr eine solche aus holländischen Rohdiamanten schleifen lassen will.
Mit den Schulkollegen gibt es dagegen Schwierigkeiten, so muß er in den Karzer, worauf er beschließt, das Abitur vorzeitig abzulegen, mit viel Geld ist das kein Problem, so läßt er sich noch mehr Bücher schenken, reist in den Sommerferien ein paar Wochen nach Italien und Griechenland, um den Stoff für die Prüfungen zu erleben, während Marion und Bruni bemerken, daß sie beide schwanger sind. Auch das ist kein Problem und die achtzehnjährigen Mädchen von denen eine Theaterwissenschaft, die andere Chemie studieren will, verschwinden in einem Schweizer Pensionat, während Jakob das Abitur besteht, nach Marion sucht und zum Abschied alle Lehrer, Mädchen und andere Bekannten zu einem großen Essen einlädt, bevor ihm Marco Polo nach Basel in ein Hotelzimmer bringt, in dem er beide Mädchen trifft. Marion weigert sich mit ihm zu kommen, verspricht ihm aber, daß er für sie und Bruni sorgen darf, wenn sie in Not sind und Jakob verschwindet mit dem Hausmeister nach Brasilien, wo er heiratet, während Bruni ihr Kind noch vor der Geburt verliert, Marion einen Jakob Julian bekommt, beide machen in der Schweiz Karriere und am 25. Mai 1978 treffen sich Marion und Jakob wieder in Buschin, sie stellt ihm ihre Enkeltochter Doreen vor, Jakob ist inzwischen verwitwet, Marion war nie verheiratet und die beiden bleiben offenbar zusammen, bis sie sterben und der in Pension gegangene Journalist aus den Fremdenakten die Liebesgeschichte eines vergangenen Bautzens schreibt…
Jurij Brezan, der auf Deutsch und Sorbisch schrieb, hat zahlreiche Kinder- und Jugendbücher verfaßt, die in fünfundzwanzig Sprachen übersetzt wurden und gilt als der bedeutenste sorbische Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts.

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2 Kommentare »

  1. ob der Jurij Brezan und Handke sich mal getroffen haben? denn Handke, mit seine Serben Liebe, hat sich ja auch bei den Sorben rumgetrieben, und auch irgeneinen Preis von denen bekommen.

    http://www.facebook.com/mike.roloff1?ref=name

    Kommentar von michael roloff — 2011-01-03 @ 02:05 | Antwort

  2. Keine Ahnung, das ist den bei Google erhältlichen Informationen nicht zu entnehmen, aber wahrscheinlich handelt es sich da um zwei verschiedene literarische Kategorien. Ich habe von Jurij Brezan überhaupt erst durch das Aufbau-Abverkaufbuch zum ersten Mal etwas gehört

    Kommentar von jancak — 2011-01-03 @ 08:38 | Antwort


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