Literaturgefluester

2011-01-25

Von seltsamen Phänomenen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Renate Zuniga hatte diesmal für die Textvorstellungen drei sehr unterschiedliche Autoren, beziehungweise Texte ausgewählt, die auch in sehr unterschiedlichen Verlagen erschienen sind. So begann bei dem Abend über die seltsamen Phänomene, der mir bisher unbekannte Udo Kawasser und stellte sein Ritter-Buch „Einbruch der Landschaft: Zürich – Hawanna“ vor, das, wie der 1965 geborene Dichter, Übersetzer, Tänzer und Coreograph erklärte, eigentlich „Fabula Rasa“ heißen sollte, da Brigitta Falkner aber ein gleichamiges Buch hat, hat er es auf „Einbruch der Landschaft“ umbenannt. Es ist ein Mosaik aus Fragmenten und kurzen Kapiteln, die jeweils mit demselben Wort beginnen und enden. Es gibt zwei Teile und eine Ouvertüre, denen jeweils ein Zitat vorangestellt ist und das Ganze schildert die Geschichte eines Mannes, der nur mehr in der Gegenwart leben will, von Zürich nach Kuba fährt und dort eine Frau namens Viva kennenlernt. Ein sehr poetischer Text, der 2007 herausgekommen ist. Es gibt dann noch einen Gedichtband entnehme ich Wikipedia, bzw. habe ich in der Alten Schmiede diesen kurz durchblättert, zweimal das Staatsstipendium und drei Preise hat der Autor auch bekommen.
Der zweite Autor Ludwig Roman Fleischer, der seinen in seinem Sisyphus Verlag erschienenen Erzählband „Neue Einfälle des Kauzes“ vorstellte, war mir dagegen bekannter, habe ich von ihm doch schon einige Bücher gelesen und im Badezimmer, den 1999 erschienenen Roman „Aus der Schule“, den ich nach Weihnachten im Bücherschrank gefunden habe, liegen, das habe ich ihm vor der Lesung erzählt und nach der Lesung das neue Buch mit seiner Frau getauscht, als die „Mimis Bücher“ kaufen wollte.
Ludwig Roman Fleischer wurde 1952 geboren, ist GAV-Mitglied, hat 1990 beim Bachmannlesen den Ernst-Willener-Preis bekommen und seit den Neunzehnhundertachtziger Jahren den Sisyphus Verlag, wo er seit 1990 als fiktiver Chronist jedes Jahr ein eigenes Buch herausgibt, das sich als Sittenbild der österreichischen Gesellschaft lesen und interpretieren läßt. Von Beruf ist Ludwig Roman Fleischer Lehrer, deshalb sind oft Lehrer seine Protagnoisten, meistens trinken sie zuviel Alkohol und sind auch oft seltsame Käuze. Ludwig Roman Fleischer hat auch eine sehr direkte Sprache und eine sehr prägnante Art seine Texte vorzutragen.
Wenn ich mich nicht irre, habe ich „Rakontimer“,“Hellebard der 68 oder Die Biegung der ersten Person“, die anderen Weihnachtsgeschichten „Herbergsuche“ und „Der Castellaner“ gelesen. Ich war auch öfter bei seiner Verlagspräsentation, die lange Zeit vor Weihnachten im Literaturhaus stattgefunden hat. Jetzt hat Ludwig Roman Fleischer aus seinen dreiundzwanzig Erzählungen, die von „Morbus Scheuermann“ gelesen und zwar erzählt da der Polizist, Akademiker und Hofrat Oberstleutnant Franz Josef Holler, die Geschichte von einem grün alternativen Makrobiotiker und linken Vollwertnarr, namens Andreas Scheuermann, der eine Hofratswitwe mit getrockeneten grünen Knollenblätterpilzen versorgt, die in kleinen homöopathischen Dosen als Breitbandstimulus für gesteigertes Lebensbewußtsein gelten, worauf sie an Organversagen stirbt und der sanfte Alternative erbt.
Danach gabs wieder eine Stilschwenkung, kam da doch der ebenfalls 1952 geborene Chemiker, Wissenschaftsredakteur und Schriftsteller Christian Mähr an die Reihe, der fantastischen Romanen und Hörspielen geschrieben hat. Von „Simon fliegt“ habe ich einen Auszug in einer Dumont-Verlagsvorschau gelesen,mit „Semmlers Deal“ war der Autor bei „Rund um die Burg“, jetzt hat er einen dicken Roman geschrieben, der sich „Karlitos Reich“ nennt und zwar schlüpft da ein Journalist in den Körper von Karl III und damit ins neunte Jahrhundert, während der wieder in dessen Körper ins einunzwanzigste Jahrhundert kommt. Der eine will die Aufklärung und den Fortschritt ins Mittelalter bringen, der andere bekämpft den Sittenverfall unserer Zeit und beide scheitern. Es ist aber noch viel komplizierter, denn am Heldenplatz findet, so entnahm ich dem Stück, das der Autor las, eine Demonstration statt, wo Tausende erschossen wurden, ein paar Polizisten flüchten in die Schatzkammer, wo sich Karl III gerade von der Kustodin die Krönungskleider und die Krone aus den Vitrinen holen läßt. Er spricht nur lateinisch und einer der Polizisten entdeckt, daß er das plötzlich versteht, obwohl er es nie gelernt hat und alle stapfen über die Leichen zum Stefansdom die Krönung findet aber wo anders statt.
Nachher gabs eine rege Diskussion über diesen Roman, den Kurt Neumann als besonders interessant erwähnte. Christian Mähr erzählte sehr launig aus der Entstehungsgeschichte, daß er sich Karl III deshalb ausgewählt hat, weil der ständig scheiterte und das Material über das neunte Jahrhundert über das man nicht sehr viel weiß, hat er sich aus einem dreiteiligen vergriffenen Geschichtsband aus dem neunzehnten Jahrhundert zusammengesucht. Das Buch wurde natürlich auch gekauft und Irene Wondratsch erzählte mir, daß in David Safirs „Plötzlich Shakespeare“ ein ähnliches Thema behandelt wird. Da steigt eine Frau in Shakespeares Körpers, es wurde gerätselt, ob Christian Mähr dieses Buch wohl kennt?

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