Literaturgefluester

2011-01-19

Schreibkrisen und Lesestress

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:58

Die letzten Tage bin ich fast wieder in eine kleine Schreibkrise hineingekommen, verleiten die Diskussionen über die schlecht lektorierten Bücher und die vielen Blogs, die es schon gibt, doch leicht zu den Gedanken „Das schafftst du nie, wozu tust du dir das an? Es ist sowieso aussichtslos und wenn du dich noch so sehr bemühst!“, das hat mir ja schon Tränen in die Augen getrieben. So kann ich mich an eine Exilpreisverleihung erinnern, wo das geschehen ist. Mehr als einmal bin ich schon fast weinend aus dem Literaturhaus gekommen und am letzten Wochenende hat mich Ann Cotten auf der Margaretenstraße auch in einer solchen Stimmung erwischt. Die geballte Ladung der Wiener Experimentellenszene, der Andrang um Friederike Mayröcker…
Dann gehe ich nach Hause, suche endlos Fehler in meinem vierundzwanzigsten Digitalbuch in spe und weiß natürlich, daß ich mir das antun will, sehr viel Sinn hat es aber nicht und so weiter uns so fort.
Da lobe ich mir Blogs, wie den von Thomas Wollinger, der täglich ziemlich offen über das Schreiben spricht. Der ist eine Ausnahme im österreichischen Literaturbetrieb, wo dir die Kolleginnen ja oft noch immer nicht sagen, woran sie schreiben, aus Angst, du könntest es ihnen stehlen und ich mehr als einmal hörte, wenn der oder die liest, lese ich nicht, denn das schadet meinen Ruf oder wenn du mit mir in der Autorensolidarität abgebildet bist, klage ich dich, ich will nicht mit einer auf einem Foto sein, die ihre Bücher selber macht.
Aus Amerika kommt Töstlicheres, wie der Nanowrimo oder Sätze, der erste Entwurf muß nicht unbedingt den Nobelpreis bekommen, du darfst und mußt auch Fehler machen, nur so kannst du weiterkommen. Da hat Thomas Wollinger kürzlich ein sehr ermutigendes Video in seinen Blog gestellt, wobei ich mir allerdings auch dachte, bei mir gilt das nicht.
Während ich das dachte, habe ich natürlich weiter an der „Absturzgefahr“ korrigiert und bin jetzt schon in der Phase, wo ich glaube, jetzt werde ich fertig und wieder einen Fehler finde. Erfahrungsgemäß braucht es dann dann noch einige Wochen.
Die „Schreibkrise“ hat mich fast dazu gebracht, die Aufforderung für die Zeitschrift „Landstrich“, einen Text zu schreiben, zu ignorieren. Früher habe ich ja viel auf „Auftrag“ geschrieben, da gab es beispielsweise den Siemens-Literaturpreis, den allerdings auch meistens experimentelle Autoren, wie Birgit Schwaner oder die Grauenfruppe gewonnen haben und den Alfred Stern-Preis der Gewerkschaft, den der Bawag-Skandal beendet hat.
Dafür habe ich Jahr für Jahr einen Text geschrieben, die meisten sind in meinen „Best of“ Büchern abgedruckt. Beim Stern-Preis habe ich dreimal gewonnen, beide Preise gibt es nicht mehr. Ich schreibe kaum mehr kurze Texte und habe schon lang aufgehört, Auszüge aus meinen Romanen an Kolik, Wespennest und Manuskripte zu schicken. So habe ich den Herrn von Landstrich am Samstag auch gesagt, daß mir zu diesem Thema nichts einfällt, danach Ann Cotten auf der Straße getroffen und am Sonntag nicht, wie geplant, die „Absturzgefahr“ korrigiert, sondern einen Text mit dem Titel „Verbindliche Vorschläge zum höchsten Wertkanon“ geschrieben, mal sehen, was es bringt.
Am Montag habe ich vom Zweiten, der mich bei den Textvorstellungen am 6. 12. angesprochen hat, eine Kritik auf die „Sophie Hungers“ bekommen und das war ein langer fundierter Brief mit vielen Fragen, Gedanken und Überlegungen. Eine Rückmeldung, wie man sie sich nur wünschen kann. Christian M. hat mir geschrieben, daß er die Sendung „Texte“ in Ö1 gehört hat und deshalb in die Alte Schmiede gekommen ist, weil ihn unkonventionell entstandene Bücher interessieren. Er hat das Buch auch wirklich sehr genau gelesen. Ich würde mir ja für das Literaturgeflüster eine lebendigere Diskussion wünschen, leider sind meine eifrigsten Kommentierer inzwischen verschwunden, aber eine Literaturdiskussion über Blog ist eine spannende Sache, die zumindestens ich manchmal betreibe und auf meine Lieblingsblogs Kommentare stelle.
Dazu passt die Nachricht, daß Manfred Chobot, wie ich heute im Leporello hörte, den ersten SMS-Roman geschrieben hat.
Vom Schreiben komme ich nun zum Lesen, das ja eine Gefahr bzw. eine Ablenkung sein kann. Deshalb lesen manche Autoren nichts oder nur wenig. Ich tue das dagegen intensiv, wenn ich es zu lang betreibe, bekomme ich Schuldgefühle und denke, daß ich jetzt wieder etwas schreiben sollte…
Aber jetzt habe ich durch das neue Bücherregal und meine lange Leseliste den Ehrgeiz bekommen, all das auch zu lesen. Es gibt ja auch Phantasien darüber zu schreiben. Einen Roman, der aus lauter ungelesenen Bücher besteht, zu schreiben, schwebt mir schon lange vor. Ein paar Ansätze dazu gibt es auch schon und der Bücherstoß im Badezimmer ist inzwischen auf vierzig Stück angewachsen. Da muß ich aufpassen, daß nicht mehr als höchstens ein Buch pro Woche dazu kommt, um meine Vorsätze einigermaßen zu schaffen. Eine interessante Selbstbeschränkung, denn Bücher faszinieren mich ja sehr. Das Schreiben und das Lesen, ich bleibe dran an beiden und werde darüber berichten…

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2011-01-18

Prada, Pumps und Babypuder

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

„Prada, Pumps und Babypuder“ von Sophie Kinsella ist ein Fund aus dem offenen Bücherschrank und der fünfte Band der Shopaholic-Serie mit der Heldin Rebecca Boomwood bzw. Brandon. Den ersten Band, die Schnäppchenjägerin hat mir Alfred im Hardcover 2000 oder 2001 geschenkt, weil er meinte, daß es zu mir passt und ich habe das Buch als eine psychologische Studie des Kaufrausches gelesen, die zwar ein bißchen in der Upper Class Londons spielt und ein paar Klischees bedient, ein Adeliger kommt auch darin vor, aber köstlich und ungefähr das Gegenteil von dem ist, was ich unter Schnäppchen verstehe. In den Romanen sind immer Briefe eingeschoben, bei der „Schnäppchenjägerin“, die von Banken, die die verschuldete Becky mahnen, doch ihr Konto auszugleichen und ihre Antworten, in denen sie sich dreht und windet und die Wirklichkeit verkennt.
Als ich „Das literarische Leben der Dora Faust“ geschrieben habe, habe ich mich ein bißchen an dem Schreibstil orientiert und Verlagsbriefe in den Roman integriert. Dann habe ich lange von Sophie Kinsella nichts mehr gehört, als ich einmal von einer Supervision heimgegangen bin, habe ich in einer der Bücherkisten des Bücherzentrums gesehen, daß es Fortsetzungsbände gibt, aber ich kaufe mir ja keine Bücher, die mehr als einen Euro kosten…
2006 habe ich beim Literaturwettbewerb in der Pannaschgasse einen Thalia-Gutschein über zweihundertfünfzig Euro gewonnen, „Fast geschenkt“ und „Umtausch ausgeschlossen“ entdeckt und beide Bücher in einem Zug gelesen.
Sie waren spannend, aber schon im Stil der Erfolgsserie geschrieben. Becky kauft weiter lustig ein, zerstreitet sich mit ihrem Luke, den sie im ersten Teil findet, gerät in allerhand Schwierigkeiten, die sie am Schluß mit Bravour löst. Im dritten Teil „Hochzeit zu verschenken“, den ich nicht gelesen habe, heiratet sie Luke, im vierten taucht eine geizige bzw. umweltbewußte Schwester auf.
Inzwischen gibt es einen sechsten Band „Mini-Shopoaholic“, 2010 herausgekommen, der gerade von den Bücherblogs eifrig gelesen und besprochen wird und andere Erfolgsromane, wie etwa „Charleston Girl“, hat die 1969 in London geborene Autorin, die eigentlich Madeleine Wickam heißt und Wirtschaftsjournalistin war, auch geschrieben.
Jetzt habe ich „Prada, Pumps und Babypuder“, gelesen, in dem Becky Brandon, ein Jahr verheiratet und schwanger, mit ihrem Mann zur Ultraschalluntersuchung geht, der ja ein erfolgreicher Geschäftsmann und ziemlich autoritär ist, so schleppt er sie zu einem alten Frauenarzt, der ihn schon zur Welt brachte und weigert sich das Geschlecht des Kindes zu erfahren, obwohl Becky das unbedingt wissen will. Sie tröstet sich indem sie in einen Nobelkinderladen geht und dort die unsinnigsten Sachen in ihren Einkaufswagen schmeißt, zufällig hört sie ein Gespräch zweier Nobelkundinnen, die von einer wahnsinnig tollen Frauenärztin erzählen, wo man Lotuswassergeburten machen kann, zu der alle Models gehen. So will sie natürlich auch hin, verspricht der Assistentin alles, damit sie einen Termin bekommt und schleppt auch ihren Luke mit. Was nicht gut ist, denn der war der ehemalige Liebhaber, der schicken rothaarigen Ärztin, die Markenklamotten, statt einen weißen Mantel trägt, ganzheitliche Betreuung anbietet und jeder ihrer Patientinnen eine persönliche Beziehung verspricht. Aber die scheint sie eher mit ihrem verflossenen Liebhaber aufzubauen, der wieder geschäftliche Schwierigkeiten hat, Becky hat sie ebenfalls, ist sie doch inzwischen Einkaufsberaterin in einem Kaufhaus, das vor der Pleite steht und aus der Wohnung müßen sie auch hinaus. Was aber nichts macht, haben sie ihr Traumhaus schon gefunden, das zwar schon verkauft wurde, aber Becky verspricht Fabia Paschalli ihre tollen Markenstiefeln und alles scheint in Ordnung oder doch nicht ganz, denn die Anzeichen häufen sich, daß Luke etwas mit der schönen Geburtshelferin hat und die ist sehr gemein zu Becky, zwingt sie in häßliche Stützstrümpfe, nimmt ihr ihre Markentaschen weg und als Becky mit einem T-Shirt auftaucht, auf dem „Sie ist eine rothaarige Hexe und ich hasse sie“, steht, auftaucht, das eigentlich die Geschäftsidee ist, um das Kaufhaus zu retten, erzählt sie ihr, sie und Luke wären ein Paar und Becky ist wieder einmal niedergeschlagen.
Am Ende waren es doch nur Lukes Geschäftsprobleme, die ihn so oft das Haus verlassen ließen, das hatten wir schon in Roman zwei oder vier, es kommt zu einer fulminanten Szene in der Entbindungsklinik, die kleine Minnie wird geboren, Becky hat für sie inzwischen auch ein bißchen Geld gewonnen, nur das Traumhaus mit den vielen Luxuseinrichtungen und Kinderzimmern bekommen sie nun doch nicht. So wohnen sie vorübergehend bei Beckys Eltern und geben auch ein paar der eingekauften Kinderwägen zurück. Daß die Geschichte gut ausgeht war zu erwarten, habe ich inzwischen doch bei libromanie schon die Besprechung von Mini-Shopaholic gelesen. Spannend ist es immer noch geschrieben, obwohl Muster und die Klischees deutlich zu erkennen sind und sich Luke und Becky vieleicht noch einige Male streiten und versöhnen werden und Becky munter einkaufen geht. In Band sechs habe ich bei libromanie gelesen, kommt auch noch die Wirtschaftskrise vor.

2011-01-17

Blaubarts Kinder

Filed under: Uncategorized — jancak @ 15:25

Renata Serelytes 2010 bei Wieser in der Edition Zwei erschienener Roman „Blaubarts Kinder“, ist, wie ich der Verlagshomepage entnehme „Ein Schlüssel zur kommunistischen und postkommunistischen Welt abseits der großen Politik – weit über Litauen und Russland hinaus“ und ich habe mich beim Lesen des Buches der 1970 in Litauen geborenen und dort lebenden Schriftstellerin, die mit „Blaubarts Kinder“, den Bank Austria Literaris Preis für Literatur aus dem Osten und Südosten Europas, nicht sehr leicht getan, obwohl ich ja im November bei der Preisverleihung im Radiokulturhaus gewesen bin, denn dem Buch ist leider, was heute zum Glück sehr selten ist, weder ein Lebenslauf der Autorin noch ein paar Zeilen zu Buch und Inhalt beigefügt und im Internet habe ich zuerst auch nur wenig gefunden. Cornelius Hell hat das Buch übersetzt und es, wie ich mich zu erinnern glaube, bei der Veranstaltung als einen der besten Romane der litauischen Gegenwartsliteratur bezeichnet und Cornelius Hell war auch vorige Woche in der Sendung Ex Libris und hat dort den Roman des Litauers Romualdas Granauskas „Das Strudelloch“ besprochen, wo er über die schlechte Übersetzung und das fehlende Lektorat klagte.
„Blaubarts Kinder“ sind sicherlich viel besser übersetzt, gestöhnt habe ich beim Lesen trotzdem, scheint mir doch die Kapitelbezeichnung unvollkommen bzw. fehlerhaft zu sein. Denn es beginnt bei eins, geht bis drei um dann mit zwei fortzufahren und so weiter und so fort, durch die gesamten 337 Seiten. So daß ich bei dem Roman, über den ich nicht viel weiß, der die Geschichte des Kommunismus mit Mythen, Märchen, Bildern und auch noch mit wechselnden Ich-Erzählern aufarbeitet, sehr unsicher wurde, noch dazu, da ich ja von der Geschichte Litauens nicht wirklich viel weiß.
Cornelius Hell macht zwar ein paar Anmerkungen, erklärt einige Nationalspeisen und auch einige litauische oder russische Autoren, ein paar Wörter, die mir nicht ganz Deutsch erscheinen, wie z.B. Diphtong, verwendet er aber doch und es beginnt auch gleich mit einer Toten, die begraben wird und in sehr drastischen Worten ihr Leben erzählt. Es ist also auch für eine vielleicht nicht so geübte Leserin, wie ich es sicher bin, nicht leicht das Buch zu verstehen, deshalb habe ich Cornelius Hell ein Mail mit Fragen geschickt und es zurückbekommen. Als ich es dann beim Wieser Verlag versuchte, habe ich auf der Homepage eine Erklärung zu dem Buch gefunden und ein paar Zeilen Lebenslauf zu Renata Serelyte hatte ich schon. Zu „Blaubarts Kinder“ scheint es noch keine Rezensionen zu geben, es gibt aber ein paar Fotos und sogar Videos von Renata Serelyte im Internet.
Nun denn, ich habe mir die Geschichte als Aufarbeitung des Kommunismus der Sowetunion bzw. Litauens interpretiert. Das Buch beginnt in einer sehr starken Sprache mit dem Begräbnis der Mutter, einer überzeugte Kommunistin, die der Liebe wegen, ihren trinkenden Mann verlassen hat und aus dem litauischen Dorf dem Russen Anatolij nach Russland folgte. Dort hatte sie es schwer mit den Parteihierarchien und wird auch von ihrem jähzornigen Mann mit einem Bügeleisen erschlagen bzw. verbrannt. Drei Kinder bleiben zurück, der Sohn und die Tochter des litauischen Vaters, die wieder nach Litauen gebracht werden und der Sohn des Russens, der in ein Kinderheim kommt. Es gibt, wie erwähnt vier Erzählerstimmen, die Mutter und die drei Kinder, was das Verstehen nicht leichter machte, trotzdem erfährt man nach und nach die Geschichte, die dann von der Tochter und dem Bruder weitererzählt wird. Namen gibt es in dem Buch nicht sehr viele, was es auch nicht leichter macht. Blaubarts Kinder wachsen jedenfalls bei der Großmutter und dem trinkenden Vater auf, gehen in den kommunistischen Zeiten zur Schule und sollen dort zu besseren Sowetmenschen gemacht werden, der Bruder liest aber gerne in den Büchern von Jack London, die Großmutter scheint fromm zu sein und erzählt von ihrer Jugend, als es noch keinen Kommunismus gab, die Not daher viel größer und sie viel ärmer waren. Aber richtig reich ist man in dem Haus auch nicht, wo die Stiegen von einem wahrscheinlich ebenfalls betrunkenen Architekten so geplant wurden, daß man sehr aufpassen muß, um nicht in den Keller zu fallen. Gewalt und Alkohol spielen eine große Rolle, vor allem die Gewalt der Männer gegen die Frauen, die sie treten und schlagen und die gegen sie keine Chance haben und die Gewalt des Kommunismus bzw. die des Vorsitzenden, der Lehrer etc…
Alpträume kommen vor und eine sehr drastische Sprache, die uns all das erzählt. Denn inzwischen hat sich ja das System verändert, den Kommunismus gibt es nicht mehr, der Rubel fiel und es wird, als es die Schwester nach Vilnus zum Studium schafft, litauisches Geld verwendet. Die Schwester wird Schriftstellerin, bekommt aber auch einen gewalttätigen Mann und ihre Kinder, ein Mädchen und ein Bub, hier kommen Namen vor, werden es wohl trotz fehlenden Kommunismus auch nicht viel besser haben. Sperrt der Mann, die Schwester doch ein und die kleine Lügne nimmt der Mutter die Flasche weg und schimpft sie „Alkoholikerin“, während der Bruder, der offenbar selbst viel sensibler, als die gewalttätigen Schulkameraden ist, wie schon beschrieben, die Bücher von Jack London liebt, aber schlechte Träume hat, in der Psychiatrie behandelt wird und sich schließlich das Leben nimmt. Der andere Bruder, der im soweitischen Kinderheim aufgewachsene, tritt am Schluß auch noch auf, auch er schafft es weder im kommunistischen noch im postkommunistischen Leben, wird aber fromm und gläubig und nimmt den Kontakt zu den litauischen Halbgeschwistern auf.
Ein beklemmender Roman, der uns in seiner starken Sprache, viel von einem uns unbekannten Leben erzählt, wo die Männer die Frauen mit Bratpfannen und Bügeleisen schlagen und die Desinfektionsmittel giftgrün sind, so daß man sich, wenn man damit gewaschen wird, fürchten muß, auf die Straße zu gehen, sieht man so doch, wie ein Frosch oder ein Marschmensch aus, die Kinder sich vor der Greisslerei die Nasen plattdrücken, weil sie kein Geld für Bonbons haben und die Lehrer zwar von Lenin und Engels schwärmen, ihren Schülern aber auch nicht viele Perspektiven anbieten können. Ein wenig versucht das zwar die Theatergruppe des Kulturhauses, was ihr, da der Kommunismus am Verfallen ist, aber nicht wirklich gelingt, so daß wir nach der Lektüre des Buches ein beeindruckendes Panorama von einem Land bekommen, über das die meisten von uns wohl nicht viel wissen.
Kulturkontakt und die Edition Zwei versuchen da ein wenig abzuhelfen, obwohl das Buch auch seinem Namen nicht ganz gerecht wird, denn in den anderen Büchern, die ich von dieser Edition habe, kann man es auf der einen Seite in Deutsch, auf der anderen in der Originalsprache lesen. Hier ist es fast nur auf Deutsch, nur hinten gibt es zwei Kapitel auf Litauisch und wie erwähnt, die Erklärungen haben mir gefehlt, weil ich mir ganz allein ins kalte Wasser geworfen, ein wenig verloren vorkam.
Jetzt bin ich aber doch zu einer Besprechung gekommen, es war auch ein interessantes Buch und ich habe das Lesen trotz allem sehr genossen. Wenn ich nun noch von Wieser eine Antwort bekomme, wird mich das besonders freuen.

2011-01-16

Ein Fest für Ernst Jandl

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:43

Gabs am Samstag im Wien Museum im Rahmen der Ernst Jandl Ausstellung ab sechzehn Uhr und im Radio wieder eine Jazznacht mit der Jandlschen Plattensammlung, die sich, wie ich gerade hörte, im Literaturarchiv befindet. Ernst Jandl hatte ja im Jahr 2010 den 85. Geburtstag und 10 Todestag, deshalb die Ausstellung. Warum dieses Wochenende das Fest gefeiert wurde und im Radio soviel Jandlnächte zu hören sind, weiß ich nicht, es war aber interessant in der Kombination mit den beiden Alte Schmiede Abenden, bei denen ich diese Woche war und ich habe auch viele Bekannte getroffen. Zuerst gabs Lesungen von sechs experimentellen Lyrikern, die ihre und Jandls Texte zur Geltung brachten.
Der 1965 geborene Semier Insaif hat begonnen und Gedichte vorgetragen, die später noch zu hören, bzw. auch in der Ausstellung zu finden waren. Das vom Faulseinsein beispielsweise „ein faulsein ist nicht lesen ein buch, ist nicht lesen keine Zeitung, ist überhaupt nicht kein lesen….“, das in unserer derzeitigen Bildungsdebatte ja eine besondere Bedeutung bekommt, das Gedicht vom „Schützengraben“ und das vom „Mund“, wo man schon einen gewissen Einblick in die Lyrik Jandls bekam. Die Priessnitzpreisträgerin von 2007 Ann Cotten folgte und überraschte, daß sie ausgerechnet die kleinen biligen DDR-Poesiealben, die ich erst in der Hand hatte, erwähnte und Texte aus dem Ernst Jandl gewidmeten Heft 278 las. Sie erwähnte auch, was ich nicht, wußte, daß das Heft erst deshalb in der DDR Nachfolgezeit erscheinen konnte, weil sich die DDR geweigert hat, Jandl zu drucken, dann folgte Ferdinand Schmatz, der der letzte Ernst Jandl Preisträger ist.
In der Pause kam ich mit Christel Fallenstein ins Gespräch, die mich einigen Leuten vorstellte, darunter dem Herrn, den ich einen Text für die Zeitschrift Landstrich schicken soll und mir einen russischen Dichter zeigte. Friederike Mayröcker erschien, den zweiten Lesungsteil begann Brigitta Falkner, die Jandls Texte an die Wand projizierte und dabei das Inserat zeigte, in dem der Dichter und Lehrer eine ruhige private Zweitwohnung suchte, dann kamen noch Texte aus ihrem „Prinzip I“.
Bodo Hell las einen Jandl Prosatext der in Rohrmoos, dem langjährigen Sommerfrischenort von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker entstanden ist und erzählte, daß er vor kurzem dort gewesen ist um sich das Haus anzuschauen. Friederike Mayröcker las drei Jandl Gedichte und Texte aus „Dem Vogel Greif“. Christel Fallenstein hat mir die Texte inzwischen geschickt, so daß ich ein bißchen zitieren kann.
Da war z.B. „das hundelvieh“, das Friederike Mayröcker gewidmet ist.
„gar traurig geht das hundelvieh, auf einer zeh und einem knie, verloren leckt das hundelvieh, am roten fleck der masturbie…“
Nachher wurde die Dichterin mit Autogrammwünschen bestürmt, da ich in der Nähe saß konnte ich sehen, daß einige Leute gleich zehn Fotografien oder mehr signieren ließen und der russische Dichter übergab ein Buch.
In dieser Pause ging ich nochmals durch die Ausstellung, nachher gabs den Film von Peter Whitehead von dem legendären Poetry Festival 1965 in der Royal Albert Hall mit Allen Ginsberg, wo Ernst Jandl mit seinen Lautgedichten „Am Anfang war das Wort“, „Schützengraben“ und „Ode an N“, das Publikum überzeugte und in England sozusagen über Nacht zum Popstar wurde. Er hat sich mit Allen Ginsberg befreundet und einem Freund geschrieben, daß er wieder nach Wien, als Lehrer zurückmüße, weil man vom Dichten nicht leben kann, aber in Wien ist leider so gar nichts los….
Danach kam eine audiovisuelle Performance, wo aus Stempelzeichnungen Ernst Jandls und seiner Stimme „viele köpfe aber auch Os“ durcheinandergeworfen wurden. Das hat aber leider erst angefangen, als schon der Poetry Slam mit Mieze Medusa und friends beginnen sollte und das war auch sehr lang. Mieze Medusa konnte sechs Personen einladen und hat Markus Köhle, Yasmin Hafdeh, Christian Reiner, Didi Sommer, Jörg Semmler und Tobi Kunze ausgewählt, die sowohl ihre, als auch Jandls Texte in zwei Durchgängen jeweils Minuten slamten. Es gab eine Jury, die Tafeln zwischen 1 und 5 hochhielten und sogar Preise für die Sieger. Tobi Kunze und Yasmin Hafdeh haben gewonnen, den Text über die Ziele der zwanzigjährigen Yasmin Hafdeh „Mein Weg führt nicht nach Rom“, den sie nach Jandls „Viele Wege“ slamte, war sehr beeidruckend, weil er die ganze Ausweglosigikeit und auch das Selbstbewußtsein der prekären Studenten von heute zeigte.
„Nach links, nach rechts abbiegen und wählen Sie Ihre Ziel neue, Sie haben Ihr Ziel verfehlt, warum hat sich Thomas Bernhard wiederholt und warum ist das Studium der Theaterwissenschaft so theoretisch, aber ich gehe meinen eigenen Weg, ein Nobelpreis ist sicher auch dabei, ob ich mich über den dann freuen kann…?“
Didi Sommer habe ich schon von der Augustin Schreibwerkstatt gekannt, er begann mit Jandls Gedicht über seinen Vater, der im Krieg geschossen hat und gefallen ist und lenkte dann zu seinem Opa über, der nach dem Krieg, die Oma heiratete und schließlich an Krebs starb. Nur der Witz, daß die Oma in die Oper, der Opa aber in die Oma will, hat mir nicht so gut gefallen, aber den hat, glaube ich, ein anderer vorgetragen.
Nachher war ich sehr müde und erschöpft und habe beim Nachhausegehen wieder einmal niedergeschlagen „Ich schaffe es nicht, ich schaffe es nicht!“, vor mich hingedacht, als auf einmal Ann Cotten die Quergasse hinuntergekommen ist, die Straße überquerte, umdrehte und mich ansprach, ob ich traurig wäre?
Allerhand habe ich gedacht, sie muß sehr sensibel sein, daß sie das bemerkt. Durch ihre originellen Kommentare und trockenen Bemerkungen ist sie mir aber schon früher aufgefallen.

2011-01-14

Lyrik in der Alten Schmiede

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:21

Die Lesung Ludwig Fels in der Alten Schmiede hat sich bei mir eingeprägt, obwohl ich noch gar nicht so viel von dem Autor gehört oder gelesen habe. Ein Buch habe ich mir einmal im Abverkauf gekauft und eine Lesung versäumt, die ich heute nachholen wollte. Dann kam ich darauf es gibt noch vorher einen Lyrikblock ohne die Ankündigung besonders zu studieren und am Vormittag wurde ich panisch, weil wieder klinisches Fallseminar sein sollte und dann wäre ich mit meinem „Absturzgefahr“- Pensum nicht fertig geworden. Hingehen oder nicht, lautete die Frage und als ich zu Mittag das AKH erreichte, kam mir die Stimmenhörererin entgegen und sagte „Die Veranstaltung“ fällt aus, so daß ich über den Bücherschrank zurückging, wo es einen der Shopaholic Bände der Sophie Kinsella gab, den ich noch nicht hatte und ein Buch, das ein Deja vue Erlebnis bei mir auslöste, nämlich die uralte Jugend und Volk Anthologie zur Arbeitswelt „5 Tage hat die Woche“, die ist im Jahr 1983 herausgekommen und 1982, das Buch gegen die geschlechtsspezifische Kindererziehung „Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen“, wo ich ja gewonnen hatte, so daß ich „Die freundlichen Stimmen oder auf einen Anruf warten!“, hinschickte, die Lektorin wollte es nicht, hat es aber an den Wiener Frauenverlag weitergeschickt, wo der Text in „Arbeite Frau, die Freude kommt von selbst“, erschienen ist.
Die Jugend und Volk Anthologie hatte ich bis heute nicht gesehen, viele bekannte Namen am Umschlag, die Arbeitswelt wird inzwischen höchstwahrscheinlich ein wenig veraltet sein. Dann habe ich mich intensiv über mein Manuskript gesetzt, so daß ich es rechtzeitig zur ersten Veranstaltung in die Alte Schmiede schaffte und die war ein Gewinn, ging es doch um die Lyrikreihe „Poesiealbum“ die von 1967 bis 1990 im DDR Verlag „Neues Leben“ herausgegeben wurde und seit 2007 im „Märkischen Verlag“ wiederaufgestanden ist. Richard Pietrass, der jetzige und auch damalige Herausgeber war schon im Werkstattraum und hat sich mit Kurt Neumann eifrig unterhalten, im Zeitschriftensaal lagen die Hefte auf, die mir bekannt erschienen sind. Kurt Neumann begrüßte und sagte Richard Pietrass würde zum dritten Mal in der Alten Schmiede lesen. Das erste Mal war beim DDR Schwerpunkt im April 1979, damals hatte er erst eine Veröffentlichung, nämlich sein 1974 herausgekommenes Poesiealbum. Danach im Jänner 1991 zum zweiten geplanten DDR Schwerpunkt, nur hat es zu diesem Zeitpunkt, die DDR nicht mehr gegeben, hatte die Veranstaltung doch eine lange Vorlaufzeit. Dann kam der sehr gesprächige Autor, der auch klinischer Psychologie ist oder das studiert hat und erzählte, daß die Reise 1979 nach Wien bzw. Österreich sein Leben sehr verändert hat. Er hat danach zwei Wien Gedichte geschrieben, eines trug in der ersten Fassung den Titel „Gassi“, was den Ausgang aus der DDR hinaus bedeuten soll, das zweite hat die Zeilen „Mit Ring und Graben und Läden, die haben“, dann wurde er noch nach Salzburg eingeladen, wo ihn H.C. Artmann mit seinem Fanpublikum erwartete, nach Innsbruck ging es auch, wo ihn die Berge sehr beeindruckten. Richard Pietrass war auch Lektor bei „Jugend und Welt“ und die Reihe „Poesiealbum“ wurde im Oktober 1967 zum fünfzigsten Jahrestag der Oktoberrevolution von Bernd Jentzsch begründet, der allerdings in die Schweiz immigrierte, so daß der Büchermensch und Lyrikkenner Richard Pietrass sein Nachfolger wurde, nach drei Jahren wurde er allerdings entlassen. Es entstanden bis 1990, 276 Hefte, sowohl Sowetautoren, als auch Klassiker und junge DDR-Dichter, eine ausgewogene Mischung von allem. In den zweiunddreißig Seiten starken Heftchen gab es ein Portrait und eine Grafik in der Mitte. Ein Monat nach der Währungsreform wurde die Reihe eingestellt, 2007 zuerst wieder mit Bernd Jentzsch vom Märkischen Verlag wieder aufgenommen, inzwischen macht sie wieder Richard Pietrass. Das erste Heft war Bert Brecht gewidmet, das zweite der SU, dann kamen aber auch Goethe, Heine, Reiner Kunze, Volker Braun, Eva Strittmacher, die vor ein paar Wochen gestorben ist, etc dazu. In der neuen Reihe wurden Peter Huchel, Ezra Pound, Seamus Heany, Wolfgang Hilbig, Thomas Rosenlöcher, Nelly Sachs, Christoph Meckel etc herausgegeben. Fünf Österreicher wurden auch verlegt, nämlich Ernst Jandl, Karl Kraus, Konrad Bayer, Christine Lavant und Theodor Kramer. Um das Christine Lavant Heft herauszugeben ist Richard Pietrass nach Kärnten gefahren und wurde enttäuscht, als das Musil Museum geschlossen war und „Wir freuen uns, Sie am 7. Jänner zu begrüßen!“ an der Tür stand, was er als zynisch erlebte. Er ist dann ins Lavanttal gefahren, wo ihn die freundlichen Nachbarn das Wohnhaus der Lavant zeigten und ihm sehr viel erzählten. Es gab auch Tonbeispiele, nämlich von der Lavant und von Seamus Heaney, der 1995 den Nobelpreis bekommen hat, wo Richard Pietrass es durchsetzte eine Einladung zu bekommen und als einer der wenigen im normalen Anzug an der Veranstaltung teilnahm. Die Stimme von Boris Pasternak, der seinen Nobelpreis nicht annehmen konnte, war auch zu hören, dann noch Beispiele der DDR Autoren Christoph Meckel und Thomas Rosenlöcher, dessen „Dresdner Kunstauffassung“, habe ich allerdings schon von meinem lieben Psychologiekollegen Wolfram Huber, der von Dresden nach Österreich gekommen ist, bekommen.
Eine Reise in die Vergangenheit, zu der ich meine Beziehungen habe, gibt es in den Harlander Bücherregalen doch mehrere der alten Aufbau Ausgaben und die DDR Jubelbroschüren „Gesundheit“, „Kunst und Kultur“ etc, die immer auf den Volksstimmefesten zu finden waren, gibt es auch und Ausgaben der Zeitschrift DDR-Revue oder so gibt es auch und zumindestens dort habe ich die Poesiealben gesehen, wenn ich nicht selbst ein paar davon habe. Vor allem aber hat Richard Pietrass eine sehr unkonventionelle Art zu erzählen, dann ging es in den Keller zur Präsentation des bei Jung und Jung erschienenen Gedichtbands „Egal wo das Ende der Welt liegt“, des ebenfalls 1946 geborenen Ludwig Fels. Kurt Neumann hat wieder eingeleitet und die Texte sehr gelobt. Ludwig Fels sei einer, der das Unrecht der Welt anklagt und sich nicht scheut, Herz auf Schmerz zu reimen, es aber auf eine vollkommene Art und Weise tut und empfahl drei Hauptstücke aus dem Band. Dann kam der Autor und las zur Einleitung einen Prosatext aus der Festschrift zehn Jahre „Jung und Jung“. „Über die Schönheit“, die schon sehr poetisch war. Die nachfolgenden Gedichte handelten, wie beschrieben von der Liebe, vom Leben und von der Flucht mit einem Boot in eine bessere Welt und dem Sterben im Meer, während wir nur Gesetze erfinden, um diese Fluchten zu verhindern. Geballte Poesie, die noch weiter geht, gibt es in Ö1 doch gerade eine dreistündige Jazznacht zum Thema Ernst Jandl und morgen geht es im Wien Museum mit einem Fest für ihn weiter, über das ich noch berichten werde.

2011-01-13

Neue Bücher und Anton Blitzsteins Katzen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:37

Die letzten Tage hat mich das neue Bücherregal sehr beschäftigt. Montagabend hat es der Alfred aufgebaut und ich habe die Bücherstöße, die seit Herbst im Badezimmer, Wohnzimmer und Schlafzimmer herumlagen und die Bücher vom kleinen Regal eingeräumt. Das sah dann ein wenig leer und mickrig aus und ich möchte ja nicht, daß meine Besucher sagen „Du hast aber wenig Bücher!“ und der Badezimmerstapel sollte auch aktualisiert werden, das heißt ein paar der Bücher, die ich wahrscheinlich doch nicht lesen werde, wieder ins Schlafzimmerregal zurück, aber dort war kein Platz mehr und da ich die Bücher im Bücherkatalog getrennt anführe, wollte ich meine Ordnung auch nicht vermischen. So ist mir die Idee gekommen, meine Digitalbuchauflagen hinüberzubringen, da konnte ich die Bücher, die schon durcheinandergekommen sind, wieder ordnen und nachschauen, welche vergriffen sind und wo es noch genügend Bücher gibt. Die Leseliste habe ich auch aktualisiert und einige Bücher, die ich unbedingt lesen möchte, dazugelegt. Bei all den Umräumarbeiten von einem Zimmer in das andere, sind mir „Elf Minuten“ von Paulo Coelho verloren gegangen und so viel ich auch inzwischen suchte, ich kann das Buch nicht finden. Das sind die sonderbaren Verluste, wie die Socken, die man in die Waschmaschine steckt und dort verschwinden. Meine Digitalbuchauflagen füllen jetzt drei Regalreihen, so schauts ein bißchen besser aus. Dann hat mir noch der Alfred mitgeteilt, daß eine seiner Kollegin ihre Bücher billig abverkauft.

„Willst was haben?“, hat er mich gefragt und mir die Liste gemailt, zuerst habe ich gedacht, nein, dann waren aber Gustostückerl dabei, wo ich nicht widerstehen konnte, scheint Alfreds Kollegin eine zu sein, die die Buchpreisbücher vom letzten und vom vorletzen Jahr, um zwei Euro hergibt, um wieder Platz für Neues zu haben und so werde ich demnächst Arno Geiger „Alles über Sally“, Hans Peschinskys „Bildnis eines Unsichtbaren“, Heinrich Steinfests „Der Mann, der den Flug der Kugel kreuzte“, Wilhelm Genazinos „Mittelmäßiges Heimweh“, Katharina Hackers „Die Habenichtse“,Clemens Meyers „Die Nacht der Lichter“, Thomas Glavinics „Das Leben der Wünsche“ und Michael Kleebergs „Karlmann“ einräumen und lesen können. Aber erst morgen, denn heute hat der Alfred die Bücher in der WU gelassen, haben wir uns doch zur Ausstellungseröffnung von Anton Blitzstein Katzenzyklus getroffen. Otto Lambauer war auch da und die sozialistische Akademikerin, die immer zu den Lesungen in die Pannaschgasse geht. Den phantastischen Individualisten und Art Brut Künstler Anton Blitzstein kenne ich von seinen Augustin Zeichnungen und Otto Lambauers Ausstellungsaussendungen schon lang.

Die „Mondkälber“ sind inzwischen sehr bekannt, einmal kam er in die Ohrenschmaus-Endauswahl, dann wurden aber die Teilnahmebedingungen geändert, so daß er nicht mehr mitmachen kann und als Trost lebenslang Gratiszotterschokolade bekommt. Jetzt soll es beim BSA einen Zyklus mit fünfzig Katzenbilder geben, die allerdings, wie mir Anton Blitzstein verriet, noch nicht alle fertig sind. So hat er noch ein paar andere Bilder aufgehängt. Der kritische Otto Lambauer war mit der Präsentation nicht ganz zufrieden und meinte, die Bilder hängen zu hoch, ich habe sie aber gut gesehen, Anton Blitzstein hat mich auch herumgeführt und mir die „Mona Lisa“ gezeigt, dann gibt es noch die „Nobelpreisträgerin“, „Die Tochter des Psychiaters“, etc…

Es gab Wein, Soletti, Nüße und ein paar Gespräche, denn das ist, wie der Ausstellungseröffner launig erklärte, das Wichtigste bei Vernissagen und so fiel auch Anton Blitzsteins grüne Gemeindekatze auf dem Dienstfahrrad auf, die man, wie die sozialistische Akademikerin launig anmerkte, dem Bürgermeister bringen sollte, aber wir haben jetzt ja eine grüne Vizebürgermeisterin, zu der die Katze vielleicht besser passt.
Wem die Ausstellung interessiert, bis März ist sie in der Landesgerichtsstraße 16, 1090 Wien, im dritten Stock zu sehen.

2011-01-12

Jakob der Lügner

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:28

Der 1969 erschienene Roman „Jakob der Lügner“, des wahrscheinlich 1937 in Lodz geborenen Jurek Becker erzählt auf eine sehr behutsame Art vom Leben im polnischen Ghetto, seinen Bewohnern und den Bewältigungsstrategien, die man dort brauchte. Eigentlich tut das ein namenlos gebliebener Ich- Erzähler, irgendwann in den Neunzehnhundertsechzigerjahren, der als einziger den Wahnsinn überlebte und er beginnt damit, daß er von Bäumen spricht.
Bäume, die in Ghetto genauso verboten waren, wie ein Radio, eine Uhr oder das Aufhalten auf der Straße nach acht Uhr abends. Der Erzähler wundert sich darüber, daß das den Deutschen so wichtig ist, bevor er uns Jakob Heym vorstellt, den kleinen älteren Mann, der in der Stadt, in der sich das Ghetto befindet, einmal eine Diele hatte, wo er Kartoffelpuffer briet, Himbeereis erzeugte und illegal Schnaps ausschenkte. Jetzt ist er im Ghetto und arbeitet am Bahnhof. Als er eines Tages in das Revier muß, das früher das Finanzamt war, hört er im Radio, daß sich die Russen schon in Bezanika befinden. Das bringt die Geschichte ins Rollen, denn wie beschrieben, das Besitzen eines Radios ist im Ghetto streng verboten, trotzdem kommt es dazu, daß Jakob am nächsten Tag, als er mit seinem Kollegen Mischa am Bahnhof arbeitet, ihm, um ihm vom Kartoffelstehlen abzuhalten, diese Geschichte erzählt.Damit er sie glaubt, fügt er hinzu, daß er selbst ein Radio besitzt. Mischa erzählt das seiner Freundin Rosa und deren Eltern, der Vater war einmal ein mittlerer Schauspieler, erblasst und führt die Mutter in den Keller, wo er seine Rezensionen aufbewahrt. Dort hat er auch ein Radio, das er ins Ghetto mitgenommen hat, sich aber nie zu hören traute, das zerstört er nun, damit man es nicht bei ihm findet. Die Geschichte macht im Ghetto schnell die Runde und bringt Jakob in Verlegenheit, weil er nicht weiß, wie er sich weiter verhalten soll? Merkt er doch, daß die Nachricht vom Anmarsch der Russen Hoffnung gibt, die Selbstmordrate scheint zu sinken, andererseits woher soll er die neuen Nachrichten nehmen? Und was ist, wenn der Strom ausfällt? Dann kommen alle und bieten an, das Radio dorthin zu bringen, wo es den noch gibt und wenn er sagt, das Radio ist kaputt, bringen sie einen Rundfunkmechaniker, der es reparieren soll. Es ist nicht leicht, noch dazu, wo es auch die kleine Lina gibt, die allein am Dachboden wohnt, weil ihre Eltern verschickt wurden, als sie im Hof spielte. Jakob hat sie sozusagen an Kindesstatt angenommen und kümmert sich mit dem einmal sehr berühmten Herzspezialisten Prof. Kirschbaum um sie. Lina ist aber neugierig und beginnt das Radio zu suchen, sie hält zwar die Petroliumlampe dafür, weil sie noch nie eines gesehen hat, dann führt Jakob sie in den Keller und spielt ihr die Nachrichten vor, was sie aber durchschaut. So werden wir in das Ghetto und zu seinen Bewohner geführt, lernen den frommen Herschel Schtamm kennen, der auch im Sommer eine Pelzmütze trägt, um die ebenfalls verbotenen Schläfenlocken darunter zu verbergen, der hört eines Tages am Bahnhof aus einem Güterwaggon Stimmen und wird von den Deutschen erschoßen, als er den darin Eigenschlossenen sagen will „Fürchtet euch nicht, die Russen sind schon nah!“
Prof. Kerschbaum redet Jakob auch ins Gewissen, daß das, was er tut gefährlich ist, bekommt aber selbst Schwierigkeiten, als Gestapo-Chef Herzprobleme hat und sein Leibarzt einen Spezialisten anfordert. Wo soll man den so schnell hernehmen, offenbar gibt es den nur im Ghetto und der Professor gerät ins Dilemma, das er nur lösen kann, daß er zwei Tabletten gegen Sodbrennen nimmt und dem später sehr schnell entnazifizierten SS-Mann davon anbietet. Der Gestapo-Chef stirbt, Prof. Kerschbaums Schwester wird von der SS abgeholt. Während Jakob die Russen näher und näher kommen läßt, beginnen die Deutschen das Ghetto zu säubern und die Bewohner abzutransportieren. Die Geschichte hat zwei Enden, ein erfundenes und ein wirkliches, wie der Erzähler meint. Im Ersteren wird Jakob auf der Flucht erschloßen, während man die rote Armee schon hören kann, im Wirklichen werden alle weggebracht, nur der Erzähler konnte irgendwie entkommen, um uns die Geschichte zu erzählen.
Der Roman wurde zweimal verfilmt , das erste Mal 1974 von der DEFA in Zusammenarbeit mit dem DDR Fernsehen, das zweite Mal 1999 in Hollywood.
Jurek Becker, der selbst im Gheotto aufgewachsen ist, übersiedelte nach dem Krieg nach Ost-Berlin, wo er einige DDR Preise erhielt, später wurde er Dissident, trat 1977 aus dem Schriftstellerverband aus und übersiedelte in den Westen. Den Roman „Schlaflose Tage“, der das ein bißchen beschreibt, habe ich schon besprochen. 1996 erschien „Bronsteins Kinder“ , Jurek Becker schrieb auch das Drehbuch für die Fernsehserie „Liebling Kreuzberg“ und ist 1997 an Darmkrebs gestorben.
Die tragigkomische Schilderung des Ghettolebens ist sehr beeindruckend und ein Roman den man gelesen haben sollte, was ich Dank des offenen Bücherschranks jetzt tat. Das ist es auch, was ich an dem Kasten so besonders schätze, daß ich so an Romane komme, die sonst an mir vorübergegangen wären. Interessant ist auch, wenn man über „Jakob der Lügner“ nachgooglet. Da kommt man auf Seiten, wo der Roman für den Schulunterricht aufbereitet wird und die Schüler die Frage beantworten sollen, ob Jakob nun ein Lügner ist oder nicht?
Es ist wahrscheinlich auch die vorsichtig distanzierte autobiografische Erzählweise, die an dem Roman fasziniert, auch wenn ich einige Zeit brauchte, um in den Erzählstil hineinzukommen.

2011-01-11

Lisa Spalt und Elfriede Czurda

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:17

Die Literaturveranstaltungen im neuen Jahr fangen bei mir meistens in der Alten Schmiede an. Vor einem Jahr war es eine Menasse-Lesung, vor zwei das „Kleine Fest des Lesens“, wo man zu den Lesungen zwischen dem Parterresaal und dem Schmiedemuseum hin- und hergegangen sind. Das ist jetzt vorbei, jetzt geht man von der Schmiede in den Keller, um in Bewegung zu bleiben und, daß das neue Jahr literarisch in der Alten Schmiede beginnt ist natürlich Zufall.
Diesmall wollte ich am Freitag mit der Lesung von Ludwig Fels anfangen, dann habe ich am 1. Jänner ein Neujahrsmail von E.A.Richter bekommen, wo er mich fragte, ob ich schon sein Buch besprochen habe und in die Czurda Lesung, deren Buch auch in der Edition Korrespondezen erschienen ist, gehe?
Das hatte ich zuerst nicht vor, erschien mir doch die 1946 geborene Elfriede Czurda, die Lektorin bei der Edition neuer Texte war, so experimentell, daß ich noch nicht bei vielen ihrer Lesungen war. Das habe ich E. A. Richter geschrieben, das Mail aber zurückbekommen und weil ich sehr gewissenhaft bin, dachte ich, gehe ich zu der Lesung, dann kann ich es ihm persönlich sagen. Er war aber gar nicht da, für mich hat es aber gepasst, weil jetzt schon fast ein Monat bei keiner Lesung und außerdem hat Lisa Spalt zu lesen begonnen und die kenne ich von den Ilse Kilic Veranstaltungen im Amerlinghaus, hat sie da bei xxx-small öfter einen Stand betreut. Ebenfalls eine experimentelle Autorin, die mit dem Komponisten Clemens Gadenstädter befreundet ist, bzw. ein Schreibspiel mit ihm geschrieben hat. 2003 hat sie in Rauris einen Förderpreis bekommen, jetzt ist bei Czernin „Blüten-Ein Gebrauchsgegenstand“ herausgekommen.
Interessanterweise war fast niemand aus dem Wohnzimmerkreis in der alten Schmiede. Ich bin ziemlich zeitgleich mit Bodo Hell angekommen, vor mich setzte sich Birgit Schwaner, hinter mir war Christian Steinbacher zu entdecken, Hanno Millesi, Herbert J. Wimmer, Angelika Kaufmann waren da, also ein ziemlich illustrer Kreis der österreichischen experimentellen Dichterszene, der über das fröhliche Wohnzimmer hinausging. Wolfgang Helmart habe ich aber, glaube ich, schon gesehen. Florian Huber hat eingeleitet. Dann war ich ziemlich ratlos, denn ich habe nicht viel verstanden, kenne ich mich bei den experimentellen Texten ja nicht so besonders aus, bzw. suche ich immer nach dem Sinn und wenn die Sätze nur schön sind, mir aber nicht besonders einleuchten, habe ich Schwierigkeiten, wie man weiß.
Es ging also um Tulpen, Zwiebeln, Frankenstein und das Second Life, was ein ziemlicher Kontrast ist, um Banken ging es, glaube ich auch, zumindest war bei den Einleitungszitaten ein schönes von B. Franklin zu finden „Wenn sich ein Geldschein im Kopf festsetzt, kann niemand die Vernunft entfernen“ oder so und dann ist der Text hin und hergesprungen, hat sich in Kommentaren erklärt, das kenne ich von Ilse Kilic Texten, von der Tulpenmanie war die Rede und die Frage wurde aufgeworfen, ob Schönheit Krankheit ist, was sich auf Tulpenmuster bezog, die eigentlich ein Virus waren. Die Sprache war schön, der Sinn hat sich, wie bereits erwähnt, mir nicht ganz aufgetan, bzw. war es mir zu abstrakt, um zu verstehen. Lisa Spalt hat aber ein bißchen erklärt, daß sie drei Jahre versuchte, den Text in eine lineare Form zu fassen und sich dabei auch auf Gertrude Stein bezogen.
Nachher gab es eine längere Pause, wo ich im Foyer herumstand, Martin Kubaczek entdeckte und im Booklet 44 eine Rezension von Evelyne Polt-Heinzl „Von Tulpenhype und Konsumglück“, zu Lisa Spalts „Blüten“ fand. Jetzt kann ich nachlesen, was ich nicht verstanden habe. Julian Schutting erschien, Birgit Schwaner verabschiedete sich und ich ging mit Angelika Kaufmann in den Keller. Elfriede Czurda und ihr Verleger waren schon da und ich saß auf einmal zwischen Angelika Kaufmann und Julia Schutting und hörte zu, wie sie sich unterhielten.
Liesl Uljvary war auch da und in dem Buch „Dunkelziffer“, geht es um Zahlen, wie Florian Huber erklärte. Diese und die Texte wurden auf die Wand projiziert. Elfriede Czurda führte sehr genau ein und erwähnte eine „Universalgeschichte der Zahlen“, die sie sehr faszinierte, daraus ist der Versuch entstanden, magische Würfel in Texte und zu fassen, die sich „Schneelandschaft“, „Sprachlandschaft“ Maschinenlandschaft“ etc. nannten. Nachher gab es eine rege Diskussion der experimentellen Dichter, die viel mehr in die Texte hineininterpretierten, als die Autorin beabsichtigt hatte. Der realistischen Autorin scheinen diese Sprachspiele, wie z B. aus jedem zehnten Wort eines Lexikons einen Text zu machen und seinen Lebenslauf in Zahlen zu schreiben, zwar ein wenig simpel, Elfriede Czurda scheint es aber fasziniert zu haben. Ich habe einen intensiven Eindruck von der Autorin bekommen und sehe gerade, daß ich „Voik Gehirn Stockung Notat Stürme“ aus der edition neue Texte, aus dem Jahr 1993 habe und besonders interessant war es natürlich die experimentellen Dichterszene so hautnah zu erleben.

2011-01-10

Das neue Bücherregal

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:39

Während meiner elf Uhr Stunde haben mir heute zwei nette Männer von der grünen Erde die neun Schachteln Regalteile gebracht, obwohl ich mir am Mittwoch den Liefertermin ab zwölf gewünscht habe. Aber jetzt ist alles da und vom Alfred schon fast fertig aufgestellt.
Für den Nachschub, den ich gleich einräumen werde, habe ich vorige Woche zwei neue Rezensionsexemplare angefragt, eines vor und eines nach der Rezensionsdiskussion, die in den Weihnachtsferien plötzlich, wie die berühmten Pilze in die Bücherbloglandschaft eingebrochen ist.
Zwar hat leselustfrust inzwischen ihre Statistik veröffentlicht in der prompt der Artikel über Rezensionsexemplare boomte, worauf sie beschlossen hat, ab sofort keine mehr anzunehmen und die Diskussion hat noch mehr Gemüter erregt, worauf ich einige weitere interessante Blogs entdeckte…
Dreihundert Bücherblogger soll es im deutschen Raum inzwischen geben. Ich finde das immer noch nicht schlimm und das Einzige was mir an der Diskussion nicht gefällt, ist das Schimpfen auf die vielen angeblich schlechten und, daß man die Lust verliert, weil andere schlecht bloggen, ist auch etwas, was nicht nicht verstehe, würde ich mich ja freuen, daß ich besser bin. Habe das aber in Autorenkreisen auch erlebt und das ist auch der Grund, warum ich in der Frauen lesen Frauen Gruppe keine Veranstaltungen mehr organisiere, weil ich da alle eingeladen hätte, was aber hitzige Diskussionen erregte. Es passt auch in unsere Schul- und Bildungspolitik, wo derzeit die konservativsten Ansichten als große Erfolge gefeiert werden.
Nun ja, die Wohnung sah vor kurzem, wie ein Schlachtfeld aus, eine kleine Fotodokumentation wird es demnächst geben und dann ist wieder Platz für neue Bücher, bzw. für die alten, für die ich in den letzten Monaten keinen mehr fand. Vielleicht schreibe ich ein paar Worte, wie ich es mit Rezensionsexemplaren oder überhaupt mit Büchern halte.

Als Studentin habe ich mir sehr viele gekauft und viel Geld in meine Büchersammlung hineingesteckt, weil ich schon sehr früh meine Leidenschaft für Bücher entdeckte. Später bin ich mit dem Kaufen vorsichtiger geworden, habe mich mehr an die Abverkaufskisten gehalten, bzw. den Autoren einen Tausch vorgeschlagen. Daß das nicht immer gut angekommen ist, steht schon im Literaturgeflüster. Ruth Aspöck die die zweite Autorin war, die die Frage nach dem Tauschen eher schroff abwies, weil sie es als Abwertung für ihre Verlagsproduktion empfand, legt inzwischen ihre Restauflagen in den offenen Bücherschrank und ich nehme sie mir nicht, weil ich sie schon vor ihr bekommen habe. Mike Markart und Cornelia Travnicek haben mich in ihre Rezensenteliste aufgenommen und ich habe einmal angefangen, bei Veranstaltungen nach Büchern zu fragen. Da erinnere ich mich, daß ich das bei Cornelia Travniceks „Die Asche meiner Schwester“ eines der ersten Male tat.
„Kein Problem!“, sagte Gabriele Ecker, eine Autorenkollegin hat „Tut man das so?“, gefragt und den Kopf geschüttelt, als ihr Gabriele Ecker auch eines angeboten hat.
Das war zu der Zeit, als das Literaturgeflüster ein paar Monate jung war und ich gerade mit dem Besprechen angefangen habe. Das heißt eigentlich habe ich schon früher Leserrezensionen geschrieben, für Amadeus oder Thalia, die haben für jede gedruckte, einen Zehn- Euro- Gutschein ausgegeben. Nicht sehr viel, könnte man sagen, drei Bücher habe ich mir auf diese Art und Weise trotzdem eingetauscht und drei Besprechungen von Mainstreambüchern wurden auch gebracht. Eva Menasses „Vienna“ war dabei und bei den eingetauschten Büchern eine Lilly Brett und ein Andrey Kurkov. Ich habe ungefähr zwanzig Bücher besprochen, Doris Kloimsteins „Kleine Zehen“ war dabei und vieles nicht Mainstreammäßiges, denn ich bin ja eine, die sich durch den literarischen Krautgarten liest.

Die Lust zu Kritisieren war bei mir nie sehr entwickelt und ich habe das Bücherbesprechen natürlich erst lernen müssen. Denn es hat schon eine Weile gebraucht, bis ich jedes gelesene Buch in das Literaturgeflüster stellte und das tue ich, glaube ich, hauptsächlich für mich. Als Erinnerungshilfe, damit ich später weiß, was darin steht. Daß es eine gute Prophylaxe gegen Alzheimer und Demenzen ist, habe ich inzwischen auch erkannt und Gustav Ernst sagte mir einmal, daß er beim Lehrgang für Sprachkunst seinen Studenten raten würde, Bücher zu besprechen, denn dabei lernt man das Formulieren und liest viel aufmerksamer.
Die Berichte über Literaturveranstaltungen gebe ich auch für mich als Erinnerungshilfe, da denke ich aber, daß das Literaturstudenten und Germanisten interessieren könnte und meine Buchbesprechungen interessieren auch, wie sich herausstellte, andere. Zumindest wird „Scherbenpark“ von Alina Bronsky, das eine meiner ersten Literaturgeflüsterrezensionen war, immer noch sehr oft gelesen, obwohl die inzwischen ein zweites Buch geschrieben hat, das im Herbst auf der Longliste zum deutschen Buchpreis war. Das beantwortet meine vor ein paar Wochen gestellte Frage, ob sich die Leute auch für Älteres interessieren. Sie tun es offenbar, während ich das Buch, deren Autorin ich 2008 beim Beobachten des Bachmannpreislesens kennenlernte, inzwischen fast vergessen hatte.
Das Regal ist eingeräumt. Ein bißchen mickrig siehts noch aus, im Badezimmer liegt der inzwischen aktualisierte Lesestoß und das Veranstaltungsprogramm für diese und nächste Woche ist festgelegt. Bezüglich lesen bin ich gerade bei Jurek Beckers „Jakob der Lügner“, ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, dann werde ich mich an die noch ungelesenen Bücher von der Buch-Wien machen und, daß ich Lydia Mischkulnigs „Schwestern der Angst“ gern besprechen möchte, habe ich bei Charlousies Blog festgestellt und das ist eine sehr junge interessante Bloggerein, die ich durch Bibliomaniediskussion entdeckte. Was diese Diskussion betriff, ist interessant, daß Maren mehrmals Nele Neuhaus Buch „Schneewittchen muß sterben, als schlechtestes Buch ihres Lesejahrs bezeichnet hat. Ein Buch von dem ich noch nie etwas gehört habe. Jetzt habe ich nachgegooglet und interessant auf der Homepage der Autorin steht, sie hat lange keinen Verlag gefunden, es dann bei Book on Demand versucht, bis Ullstein auf sie zugekommen ist. Interessant deshalb, weil ich in den Blogs ja immer lese, daß man es nie selber machen soll, weil man sonst nie mehr einen Verlag findet.
Der fünfzigtausendste Besucher ist inzwischen auch gekommen.

2011-01-09

Das Frittenmobil

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:41

„Das Frittenmobil“, auf Englisch „the van“, ist der dritte Teil der „Barrytown Trilogy“, des Dubliner Autors Roddy Doyle. Barrytown entnehme ich Wikipedia, ist ein fiktiver Vorort Dublins, offenbar ein Arbeiterbezirk, in dem die Familie Rabitte im Mittelpunkt steht. Im ersten Teil ist Jimmy Rabitte zwanzig und gründet mit seinen Kumpeln eine Band, im zweiten Teil wird er schon Senior genannt, hat sechs Kinder, die älteste Tochter Sharon wird eines Tages vom Vater ihrer Freundin geschwängert und bekommt das Kind, was im katholischen Irland ja nicht einfach sein soll.
Im dritten Teil, den ich zu Ostern in der Abverkaufkiste in dem Papiergeschäft von Wilhelmsburg um einen Euro oder so gekauft habe, es ist ein ausgeschiedenes Exemplar der städtischen Bücherei, SMZ-Ost, die es ja nicht mehr gibt und hat dazwischen einer Frau Irmgard gehört, ist Jimmy Senior arbeitslos geworden, das Geld ist knapp, seine Frau Veronica besucht die Abend oder Volkshochschule, um sich weiter zu bilden, der Sohn Leslie ist verschwunden, Sharon hat inzwischen die kleine Gina geboren, Jimmy Junior ist bereits ausgezogen, hat eine tolle Freundin und steckt dem Vater gelegentlich einen Fünfer für ein Bierchen zu. Darren ist daran als erster in der Familie, die Matura oder wie das in Irland heißt, zu machen, die fünfzehnjährigen Zwillinge Tracy und Linda streiten sich. Jimmy Senior fällt die Decke auf den Kopf, hängt in der städtischen Bücherei herum, quält sich durch Dumas „Der Mann mit der Eisenmaske“, möchte am liebsten den Rasen alle zwei Stunden mähen oder auch in die Abendschule gehen, was Veronica nicht will und beschäftigt sich mit der kleinen Gina.
Vor allem aber ist das Geld vor Weihnachten und auch sonst sehr knapp und es gerät zur Katastrophe, wenn der vorlaute Darren verkündet, sie würden vom Staat leben.
In dieser Situation ist es ein Segen, daß der Kumpel Bimbo, ein ehemaliger Bäcker ebenfalls arbeitslos wird, denn der kauft von seiner Abfindung einen alten Imbißwagen und bietet Jimmy Senior an, sein Partner zu werden. Das ist eine tolle Sache, obwohl das Frittenmobil ziemlich heruntergekommen ist, aber alle helfen mit, Bimbos Frau kümmert sich um die Genehmigungen und entwickelt alle möglichen Geschäftsideen, besorgt eine Einkaufskarte für den Großmarkt und auch einmal Hamburger, die man nur noch in die Mikrowelle stecken muß, obwohl der Frittenwagen gar keinen Strom hat. So verkaufen sie Fisch und Chips, Sharon hilft im Wagen aus und auch Darren, obwohl er Vegetarier ist und da sich die Fußballweltmeisterschaft 1990 nähert, geht auch alles gut. Später steht der Wagen am Strand, Bimbos Frau hat sich um die Genehmigung gekümmert, zwar ist das Wetter schlecht und auch die lebenden Toten, die halbwüchsigen Kinder, die nie lachen und Steine auf den Wagen schmeißen, machen Schwierigkeiten und als Sharon einmal die kleine Gina mitnehmen und ihre Windel wechseln muß, gibt es ebenfalls Probleme, denn ein Stück der Pampers gerät in einen Burger und der Käufer droht mit Anzeige bei der Polizei.
Trotzdem wird Geld verdient, so daß sich die beiden Freunde Anzüge kaufen und fein ausgehen können und Jimmy Senior auch sehr stolz auf Darrens Examen ist, der nun als erster in der Familie studieren kann.
Wirklich schwierig wird es erst, als Bimbo Jimmy eines Tages vorschlägt, ab nun die Einnahmen nicht mehr zu teilen, sondern ihm Lohn zu zahlen, denn das Frittenmobil gehört ja Bimbo, da scheint die Männerfreundschaft, die vorher durch dick und dünn gegangen ist, zu platzen. Jimmy Senior ist beleidigt, verlangt Arbeitspausen und droht mit dem Eintritt in die Gewerkschaft, dann taucht noch der Gesundheitsinspektor auf und gibt dem Chef eine Woche Zeit, den Dreck wegzuräumen, sonst wird er angezeigt. Aber Jimmy Senior hat den Inspektor nicht geholt, die beiden Freunde fangen zuerst an sich zu prügeln, dann ziehen sie ins nächste Pub, bestellen ihre Bierchen wieder gegenseitig und beschließen Halbe Halbe zu machen, wozu auch gehört, daß sie das Frittenmobil ins Meer versenken, damit die Freundschaft weitergehen kann.
Für den 1991 erschienenen Roman, hat der 1958 in Dublin geborene Roddy Doyle, der bis Ende der Neunzigerjahre Lehrer für Erdkunde und Englisch war, den Booker Preis bekommen. Er ist auch unter dem Titel „Fish und Chips“ verfilmt worden. Von Roddy Doyle habe ich schon „Henry der Held“ gelesen, was der Grund auch war, daß ich mir „Das Frittenmobil“ aus der Abverkaufskiste zog.
Ein nicht ganz leicht lesbarer Roman, schließlich ist es schon der dritte Teil der Familiensaga, so wird vieles vorausgesetzt, die häufigen Dialogpassagen machen das Lesen auch nicht einfacher. Trotzdem ist die humorvolle Schilderung der irischen Arbeiterfamilie, die sich durch alle Schwieirigkeiten kämpft, sehr spannend, man bekommt auch einen guten Eindruck vom sozialen Leben in einem Dubliner Vorort der Neunzigerjahre.

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