Literaturgefluester

2011-02-07

Nachrichten vom Schreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:48

Am Freitag und am Wochenende bin ich schön zu Hause gesessen und habe meine Vorsätze ausgeführt. Nämlich die „Mittleren-Lesung“ vorbereitet, den 14. 3. als Vorbereitungstreffen fixiert, die Frauen eingeladen, das Einleitungsreferat zusammengestellt, das Flugblatt entworfen. Am Samstag habe ich mein „Schreiblernbuch“ für meinen neuen Text, nämlich Angela Leinens „Wie man den Bachmannpreis gewinnt“ gelesen und es interessant gefunden, nicht unbedingt ein Ratgeber für mein neues Projekt oder doch, denn Angela Leinen steht ja auf der Leserseite und ist eine, die von den Autoren hohe Sorgfalt fordert, damit sie sich nicht beim Lesen langweilt und das war ja ein Thema, das mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt hat.
Wie gut oder schlecht ich schreibe und ob ich für Qualität oder Quantität stehe? Daß ich in eine Schreibkrise geraten könnte, wenn ich an eine neue Arbeit denke und der Gedanken kommt, wozu tue ich mir das an oder worüber soll ich schreiben, wenn ohnehin schon alles gesagt ist?, darüber habe ich ja schon refektiert, bevor ich ins Literaturhaus zur „Praxis des Schreibens“ gegangen bin und JuSophie kennenlernte, die mir eine Woche lang interessante Kommentare schickte.
Einerseits ist mir das Schreiben sehr wichtig, andererseits bringe ich es nicht zusammen, einen Verlag für meine Bücher zu finden und weil ich in den letzten siebenunddreißig Jahren so viel geschrieben habe, bin ich sicher schon ein wenig ausgeschrieben und die Ideen für Digitalbuch fünfundzwanzig, die in meinem grünen Notizbuch stehen, unterscheiden sich auch nicht sehr, von dem was schon geschrieben ist. Andererseits schaffe ich es nicht, nicht zu schreiben und will das auch nicht. Ein Übungsprogramm zum Nichtschreiben werde ich mir nicht entwerfen und denke auch, daß ich es kann und viel gelernt habe seit der Zeit, als die sehr schüchterne Studentin ihre erste Erzählung schrieb, jetzt auch einige der Kritikpunkte verstehe und sicher noch die nächsten zwanzig, fünfundzwanzig Jahre weiterlernen werde.
So habe ich in dem Leinen-Buch auch einige kritische Punkte gefunden. Meine Dialoge könnte ich mir anschauen, meine Figurenführung verbessern und sicher auch die Themen, denn es ist ja schon so viel geschrieben worden. Da ist eine büchersüchtige Zwillingsschwester, die sich vom Leben zurückzieht nicht so neu. Andererseits ist es vielleicht das, was ich zu sagen habe, wo ich mich auskenne und Expertin bin, aber die Idee mit dem Zeit lassen ist sicher gut und da hilft auch ein Übungssprogramm.
Was steht also in dem grünen Buch? Die erste Idee zum neuen Roman, ist schon im September oder Oktober gekommen, als ich Ulrich Bechers „Kurz nach vier“ gelesen habe. Ich könnte eine Frauenfigur auf eine Reise durch Europa schicken, die erzählt dabei ihr Leben und liegt gleichzeitig im Hotelbett oder geht ins Museum etc. Die zweite Schwester ist die depressive Aussteigerin, die ihre Bücher liest und daraus Geschichten entstehen läßt. Ein Thema das mich interessiert und über das ich schon öfter geschrieben hat, denn man schreibt ja immer an einem Roman, ein ganzes Leben lang, das steht als Vorwort in einem meiner Bücher, ich habe das aber nicht erfunden.
Dem Ganzen fehlt sicher auch der Schwung, das habe ich am Donnerstag geschrieben, als ich über den Abschluß und den Neuanfang reflektierte. Es müßte mir also gelingen, etwas Neues aus dem bekannten Gerüst zu machen. Mittwoch Nacht sind mir zwei alte Ideen eingefallen, nämlich die Geschichte der Martha Binder, ein Kind aus einer sozial schwachen Familie, das in den Siebzigerjahren von der Jugendwohlfahrt von Linz in die Stadt des Kindes geschickt wird und von der Volksschullehrerin getröstet wird, dann kannst du ins Gymnasium gehen, sie wird in die Hauptschule geschickt und als sie sich darüber ärgert, tröstet sie der Freund ihrer Mutter mit einem Fern–Matura-Kurs, den sie buchen könnte, sie tut das und geht, während es mit der Friseurlehre nicht klappt, statt in den Jugend am Werk Kurs zum Knochenkolloqium, bekommt dann keine Gemeindewohnung, sondern einen Platz in einer Frauenwohngemeinschaft und lernt schließlich den Jugendamtsleiter kennen, der ihren Fall supervidieren soll.
Eine alte Geschichte, passt aber gut zu den Jugendwohlfahrtsmeldungen, die in der letzten Zeit zu hören waren, das wäre unter dem Titel „Martha, die Lügnerin“, interessant aufzurollen, dann habe ich noch ein anderes Szenario im Kopf, nämlich das der Lenka Riegler, die knapp vor der Matura eine Psychose bekommt, in einer betreuten WG verschwindet und als sie Jahre später von einem Psychiater schwanger wird, versucht herauszubekommen.
Der Besuch bei meiner Cousine Irmi am Donnerstag hat mich auf die Idee gebracht, den Zwillingsschwestern Lisbeth und Katharina eine Mutter zu geben, die sich, als die Kinder siebenundzwanzig sind, von ihnen trennt und verschwindet. Als sie mit Achtzig stirbt, hinterläßt sie ihrer Katze ihr Vermögen, die Schwestern, beide vielleicht vor kurzem in Pension gegangen, treffen sich beim Begräbnis, Katharina, die Sozialarbeiterin war, geht mit ihrem Bus auf Europa oder Österreichreise, Martha Binder und Lenka Riegler waren vielleicht ihre Fälle, an die sie sich erinnert. Lisbeth, die Bibliothekarin zieht sich zu ihren Büchern zurück.
Zum Schreiben habe ich noch nicht angefangen. Ich weiß auch nicht, ob und, wie sich das verbinden ließe. Wäre aber ein Szenario, das ich den Rest des Jahres entwickeln könnte, zumindest nehme ich mir das vor. Vielleicht mache ich es auch ganz anders, schreibe die zwei Geschichten linear und lasse die Zwillingsschwestern weg. Denn da hätte ich erst die Begräbnisszene im Kopf und was mache ich dann? Wie weit ist der Beginn der Anfang der Geschichte, wie weit ist das Muttertrauma relevant, das zur Martha Binder und der Lenka Riegler ja in keinem Zusammenhang steht?
Ein bißchen in meinen eigenen Büchern schmökern will ich auch noch, bevor ich mit was Neuem beginne. Es gibt auch die Idee, die Katharina in Linz auf die Fritzi Jelinek treffen zu lassen und die könnte ihre Beziehung zu Janusz Warszinski wieder aufnehmen, also eine Fortsetzung und die Idee, zuerst meinen Kopf ausleeren und dann neu von vorn zu beginnen, gibt es auch, auch wenn ich da ein wenig ratlos bin, ob und wie mir das gelingen könnte.

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