Literaturgefluester

2011-02-22

Die roten Großmütter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 05:03

Vera Schwarz hat, glaube ich, im Jahr 2000 bei der Lesetheateraufführung meiner Texte im Little Stage mitgelesen und ist die Tochter von Susanna C.Schwarz-Aschner einer Lesetheater-Aktivistin und die Enkeltochter von Ilse M.Aschner, die in der GAV Sekretärin war, als ich dort aufgenommen wurde und hat eine Diplomarbeit über einige Frauen geschrieben, die infolge des Einmarschs der Russen in Prag 1968, ausgeschlossen oder ausgetreten sind, die dreifach unsichtbar waren, als Frauen, als Kommunistinnen und als Ex-Parteimitglieder, die 2010 im Peter Lang Verlag herausgekommen ist und am Montag mit ihr und ihrer Mutter im Rahmen einer Lesetheateraufführung vorgestellt wurde.
Ein bißchen habe ich daraus schon bei einer Lesetheaterfestveranstaltung im Oktober gehört, dachte aber, daß es in dem Buch um Vera Schwarz Mutter und Großmutter geht, die Diplomarbeit, die wie Vera Schwarz meinte, auch literarisch sein sollte, beschäftigt sich aber auch mit anderen Frauen und zwar wurden Interviews mit Ilse M. Aschner, Hannah Fischer, Lisa Markstein, Maria Verber und Maria Zottl geführt und die Lesetheateraufführung begann damit, daß Vera Schwarz ein bißchen erzählte, wie es zu den Parteiaustritten oder Ausschlüßen gekommen ist. Von den großen KPÖ-Krisen, habe ich zwar immer gehört, daß da einmal wild gestritten, gespalten und ausgeschlossen wurde, aber das genaue Wie und Warum, habe ich nicht genau gewußt und so war es interessant zu erfahren, was da an dem Parteitag passiert ist, Ernst Fischer wurde ausgeschlossen, die besagten Frauen ausgetreten, die trotzdem später politisch tätig und aktiv waren.
Ich war 1968 fünfzehn und noch nicht sehr politisch, in den Bund demokratischer Frauen, bin ich erst rund zehn Jahre später gekommen, da hat mich, die inzwischen verstorbene Monika Jensen, auch eine, deren Familie emigrieren mußte und daher in New York geboren wurde, nach Wien zurückkam und mich Ende 1978 über den Vortrag „Warum Frauen schreiben“ und den sich darauf gegründenden Arbeitskreis schreibender Frauen informierte, so bin ich dorthin gekommen und aufs Volksstimmefest, habe Irma Schwager und Erika Danneberg kennengelernt, die Frauen, die nicht aus der KPÖ ausgetreten sind, Ilse M. Aschner kenne ich, wie erwähnt über die GAV, Vera Schwarz und Susanna Schwarz-Aschner über das Lesetheater und Hannah Fischer die Psychologin und Kindergärtnerin durch die Sigmund Freud Gesellschaft bzw. weil es, als ich als Kind in dden Ferien mit den Kinderfreunden nach St. Veit und Klein St. Paul gefahren bin, die dortige Heimleiterin Hanna Fischer geheißen hat und später Inspektorin bei den Kinderfreunden war, aber das ist nur eine Namensgleichheit, die Namen Lisa Markstein, Maria Verber und Maria Zottl habe ich nicht oder nicht sehr gekannt, aber bevor es Ausschnitte aus den Interviews gab, hat Vera Schwarz noch ein bißchen über die Rolle der Frauen in der KPÖ referiert, die waren, wie wahrscheinlich in den anderen Parteien auch, nicht so besonders gefördert, sie durften zwar kassieren, während die Karrieren die Männer machten, sollten sich aber bei Vorträgen weiterbilden, damit sie den Genossen bewußte Gattinnen sein konnten und dann gab es den Bund demokratischer Frauen und die „Stimme der Frau“, wo sich die Frauen engagieren durften und in der „Stimme der Frau“ ist auch mein erster Text erschienen und der Alfred hat die Zeitschrift, solange es sie gab für die Anna abonniert, gelesen habe ich sie. Aber das war erst in den Achtzigerjahren.
Die interviewten Frauen, meistens Jüdinnen, die nach 1945 nach Österreich zurückkamen und engagiert für eine bessere Zukunft kämpfen wollten, sind nach ihrem Ausschluß oder Austritt, weil sie mit dem Einmarsch der Russen nicht einverstanden waren und die Parteilinie nicht mittragen wollten, weiter politisch aktiv gewesen. Ilse M. Aschner im Republikanischen Klub, der während der Waldheim Zeit gegründet wurde und in der GAV als Sekretärin, eine der Frauen hat ein Dolmetschstudium absolviert und sich für den Berufsverband der Übersetzer engagiert, Hannah Fischer im Sigmund Freud Kindergarten und ist der SPÖ beigetreten. Nachher gab es eine rege Diskussion, die Veranstaltung war nicht besonders gut besucht. Evelyn Holloway ist vor mir gesessen, neben mir Werner Grüner, von den erwähnten Frauen ist Hannah Fischer gekommen, Rolf Schwendter war natürlich da und ich wurdee auch daran erinnert, daß ich in Harland ein Buch von Ernst Fischer liegen habe, das ich auch schon lange lesen will.
Während ich das schreibe gabs im Ö1 in der Literaturleiste, den „Tonspuren“ und den „Texten“ auch was Interessantes zu hören. Und zwar in den „Tonspuren“, wo ich leider den Anfang Teil versäumte „Cakir und Simsek-zwei türkische Schriftsteller in Wien“ und da habe ich das Buch „Zitronenkuchen für die sechsundfünfzigste Frau“ von Seher Cakir, die ja auch einmal den Exil-Literaturpreis gewonnen hat und in den „Texten“ gab es den Siegertext von Wartholz 2011 zu hören. Regina Dürig eine Absolventin des Schweizer Literaturinstituts hat ihn gewonnen. Im Bücherschrank gabs auch etwas Interessantes, nämlich Elfriede Gerstls Hörspiele „Berechtigte Fragen“, das kleine orange Hefterl mit den Kreisen und einem Jugendbild der Autorin am Umschlag aus der legendären Edition Literaturproduzenten, das die Lesetheater Frauengruppe im April so erfolgreich aufführte, ich habe mir in den Siebzigerjahren einen ganzen Schwung solcher Hefte gekauft, die jetzt in Harland stehen, ob ich dafür auch neundunddreißig Schilling bezahlt habe, weiß ich nicht mehr, in dem Büchlein gibt es jedenfalls eine Rechnung von der berühmten Buchhandlung Hermann von 10. 4. 1974 und um in die Gegenwart zurückzukommen, heute wird das Literaturgeflüster bei den Bücher- Blogs Made in Austria vorgestellt.

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