Literaturgefluester

2011-02-23

Essays, Reportagen, Feuilletons von Joseph Roth

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:49

Im Literaturhaus gibt es die Joseph Roth Gesellschaft dessen Obmann der ehemalige Leiter Heinz Lunzer ist und weil sich der für Joseph Roth sehr interessiert, gibts und gabs auch immer wieder Joseph Roth Veranstaltungen. In den Neunzigerjahren hat er eine Reise nach Lemberg auf den Spuren Joseph Roths veranstaltet, ich habe mich dafür interessiert, bin aber nicht mitgefahren, weil ich mir das Visum selbst besorgen hätte müssen. Heute tut mir das ein wenig leid. 2008 gab es eine große Ausstellung über Roth und das Exil in Paris, wo der Trinker ja gestorben ist und darüber zu hören, hat mich damals sehr berührt. Otto Lambauer ist ein großer Roth Verehrer,liest und hört alle seine Werke, im letzten Jahr gab es das übergreifende Projekt „Mit Sprache unterwegs – auf den Spuren Joseph Roth“, bei dem ich auch ein wenig mitmachte, bei der letzten langen Nacht des Hörspiels hat die Peschina-Fassung von der 1002. Nacht gewonnen und wenn ich mich nicht irre, gabs noch eine Veranstaltung im Literaturhaus, über die ich schon berichtet habe und jetzt die Vorstellung des Wallstein Buchs „Ich zeichne das Gesicht der Zeit“.
Ich bin ja kein so besonderer Roth Fan, wie ich überhaupt kein Fan von irgendjemanden bin, trotzdem hat mich der 1884 in Brody geborene und 1939 in Paris gestorbene Dichter immer interessiert. Im Bücherschrank meines Vaters gab es den „Radezkymarsch“ und das Buch wurde in den Siebzigerjahren ja verfilmt, das habe ich im Gartenhäuschen meiner Eltern im gesehen, habe mich darüber gewundert, daß da nur eine einzige Frau vorkommt und das ist eine Hure und mit dem Abgesang der Monarchie habe ich damals nicht viel anfangen können und vom Lauf der Geschichte nach meiner Knödel-Akademie-Matura auch nicht viel verstanden.
Dann kam ein runder Geburts- oder Todestag und da ich mir damals noch Bücher kaufte, habe ich mir ein paar der Kiwi-Taschenbücher gekauft. „Hotel Savoy“, „Rechts und Links“,“Das Spinnennetz“. „Unter dem Bülowbogen“ und die Lunzer-Biografie habe ich mir von meinem Vater zu Weihnachten schenken lassen, als ich ihn noch betreute.
Jetzt bin ich ins Literaturhaus gegangen, um etwas über Roth als Essayisten, Reporter und Feuilletonschreiber zu erfahren und vor allem in die Joseph Roth Gesellschaft einzutauchen.
Das neue Buch und der Ausstellungskatalog von 2008 lagen am Büchertisch, daneben ein bißchen Infomaterial über die Gesellschaft „Werden Sie Mitglied – Wir brauchen Sie!“, ein kopierter Zeitungsartikel aus dem Standard über die Veranstaltung und ein Artikel über einen „Spaziergang in Paris“, der allerdings nur für die Mitglieder erhältlich war.
Robert Huez hat eingeleitet, dann kam Heinz Lunzer und erzählte mit begeisterten Gesicht über seine Begeisterung bezüglich der Gesellschaft, die sich vor vielen Jahren daraus entwickelt hatte, daß Roths Schwester, bevor sie in ein Altersheim übersiedelte, den Nachlaß ihres Bruders an das Literaturhaus schickte und dann konnte Heinz Lunzer noch das Material des ersten Übersetzers um viel Geld kaufen.
Jetzt gibts die Gesellschaft, sie hat viel zu tun und sie dürfte sich auch mit Thedel von Wallmoden vom Wallsteinverlag getroffen haben und mit ihm die Herausgabe des Rothes Briefwechsel und Essay- und Reportagenwerks besprochen haben. Der erste Band ist jedenfalls erschienen und so hielt der Verleger das Einleitungsreferat und erzählte, daß die siebzig Jahre Urheberschutz vorrüber sind, jetzt kann jeder Roth verlegen und viele tun das auch, Diogenes, Wallstein, Kiwi und Manesse und zitierte Kurt Wolff, der vor vielen Jahren sagte, daß es Bücher gibt, die die Leute lesen wollen und solche, die sie lesen sollten.
Bei Joseph Roth trifft inzwischen beides zu. Dann zitierte er seine Lieblingsstelle aus dem Radetzkymarsch. Dann kam der Herausgeber Helmuth Nürnberger ein sehr alter Mann und Fonante Spezialist, der aus Schleswig-Holstein kommt und sprach über seine Liebe zu Joseph Roth und die Buch-Herausgabe, sein Lieblingstext ist eine Reportage über einen Stierkampf. Im Anschluß kamen sieben Mitglieder der Gesellschaft, ebenfalls meist ältere Männer und Frau Lunzer mit ihren Lieblingstexten, die meisten bezogen sich zwar nicht auf Reisereportagen, Essay und Reportagen, sondern auf die Romane. Sie waren aber interessant, gab es da ja einen sehr sehr packenden Text aus „Juden auf Wanderschaft“, wo es um die Ostjuden ging, die sich im zweiten Bezirk ansiedelten und ihre Schwierigkeiten mit den Polizisten haben, bei denen sie sich anmelden mußten, denn diese hatten im Allgemeinen etwas gegen Juden und gegen Ostjuden überhaupt und diese hatten meist keine Papiere, weil es in den Standesämter in Litauen oder der Ukraine offenbar ständig brannte, die Geburtdaten nicht stimmten und die Namen überhaupt so komisch sind, daß sich die Ostjuden, nachdem sie drei- bis viermal weggeschickt worden waren, angewöhnt hatten, falsche Angaben zu machen, so daß sich die Beamten über die Ostjuden wunderten und diese über die Beamten.
Wenn man, wie ich heute im Radio die Debatte über die Verschärfung des Asylgesetzes gehört hat, überkommt einem das Gruseln, denn das ist noch heute so, wie es Roth in den Zwanziger oder Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts so scharf beschreibt. Es gab noch eine Stelle aus dem Radetzkymarsch und eine Frau aus Holland oder Belgien las das Ende des Romans „Beichte eines Mörders“, den Joseph Roth in Amsterdam geschrieben hat, wo er 1936 vier Monate im Hotel Eden in Bahnhofnähe, im Rotlichtviertel wohnte und, wo er diesem Hotel, wo ihn der Besitzer umsonst wohnen ließ, in der Schlußszene auch ein Denkmal setzte.
Nachher gab es sehr harte Kekse und was zu Knabbern, Robert Huez schenkte aus und meinte auf meine erstaunte Frage, daß er nicht damit gerechnet hätte, daß so viele Leute kämen. Aber als ich das letzte Mal bei einer Joseph Roth Veranstaltung im Literaturhaus war, las Elisabeth Reichert einen Text, der sich auf Joseph Roths Frau bezog, die offenbar in der NS-Zeit am Steinhof umgekommen ist und ich, weil ich ein wenig herumgetrödelt habe, nicht mehr im Hauptraum Platz fand, war es auch sehr voll.

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