Literaturgefluester

2011-03-01

Das neue Buch von Michaela Falkner

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:59

Im Literaturhaus wurde heute Michaela Falkners neues Buch „Du blutest, du blutest“, vorgestellt, darüber habe ich mich bei der GV der IG Autoren am letzten Wochenende schon mit O.P.Zier unterhalten, der meinte, daß das Buch zum Minderheitenprogramm des Residenz-Verlags zählen würde und ich habe mich überhaupt gefragt, was drin stehen würde, kenne ich ja Michaela Falkner hauptsächlich als Performancerin.Ist sie als solche einige Male im Literaturhaus aufgetreten und ich habe mich auch einmal bei der Verleihung des Erich Fried Preises 2009 mit ihr unterhalten, wie sie das schafft, tagelang in einem Museum auf dem Boden zu liegen? Jetzt dachte ich, daß das vielleicht in dem Buch abgebildet ist und war als ich ins Literaturhaus kam und in dem Buch blätterte, Roman steht darauf, überrascht, das es offensichtlich eine erzählende Handlung hat. Auf dem Umschlagbild ist Michaela Falkner mit tätowierter Hand abgebildet, sie weist auf den handgeschriebenen Titel hin und das Manifest 34 „FALKNER – mit großer Geste wider die Mittellage“, das anläßlich des Erscheinen des Buches im Februar 2011 erschienen ist, lag am Büchertisch und dort gab es noch einige Falkner Bücher, die wieder zu meinen Erstaunenen nicht der bildendenen Kunst zuzuordnen sind und Michaela Falkner hat seit 2005 auch viel geschrieben.
Da gibt es beispielsweise „Kaltschweißattacken“, ebenfalls bei Residenz erschienen, „A fucking masterpeace“ und „Falkner II- Eine Moritat in siebzehn Bildnern“. Ich kenne die 1970 in OÖ geborene, die in politischer Psychologie promovierte und seit 2005 als Grenzgängerin zwischen bildender Kunst und Literatur Tätige, die Perfomances macht und Manifeste herausgeibt, glaube ich seit zwei Jahren. Vorher habe ich sie, das passiert mir ja oft, mit Brigitta Falkner verwechselt, sie ist aber bei den Schreibveranstaltungen im Literaturhaus aufgetreten, dann beim Fried Symposium und im jetzt beim Symposium für Sprachkunst noch einmal. Der Residenz Verlag hat zu der Veranstaltung mit Schnaps und Schokoladekuchen eingeladen. Als ich gekommen bin, habe ich gleich Alexandra Millner, Annas ehemalige Deutschpraktikantin gesehen, die das Buch in der Hand hielt und erzählte, daß sie darüber im Spektrum und für ein Projekt im Stifter Haus schreiben wird.
Robert Huez hat eingeleitet im Anschluß gab es eine Diskussion mit dem Lektor bzw. Programmleiter Günther Eisenhuber und dem ORF-Sonderberichterstatter Friedrich Orter, denn in dem Buch geht es, um Krieg und Gewalt. Michaela Falkner las schwarzgekleidet stehend von dem Kind Ivan, das eines Tages von seinen Eltern mit der Mitteilung geweckt wird, daß ab nun Krieg herrscht, das sich daraufhin im Wald versteckt und sich aus den Leichenteilen, die es dort findet, Menschenpuppen bastelt, in die namenlose Stadt zurückkehrt, zum Anführer einer Revolte wird und sie mit den Kindern, die es dort noch gibt in eine Apokalyse stürzen und mit Gewalt überziehen wird.
So steht es im Literaturhausprogramm. Michaela Falkner las in sprachlich sehr verdichteten Worten von dem Kind, das zuerst mit einem Bus am Tag seines Geburtstags im Sommer ist irgendwohin fährt. Dann von den Kindern, die von einem Zimmer in ein anderes gebracht, unter Drogen gesetzt und den Ersten erschießen müßen um vielleicht nach Hause zu dürfen. Später werden sie den Vater töten und die Mutter vergewaltigen, um dazuzugehören. Ivan kehrt in das Haus seiner Eltern zurück, wo die dreiundsiebzig übergebliebenen Kinder sitzen und ihre Namen hundertmal an die Wand schreiben. Michaela Falkner zählte sie alle auf die Pavlovs, Wolfgangs, etc mit Altersangabe, hin und wieder war auch ein Mädchen dabei. Dann gab es die Diskussion mit dem Kriegsberichterstatter und dem Lektor, den O. P. Zier am Wochenende sehr lobte, der gleich das Publikum in die Diskussion einbezog, so daß ich fragte, wie man auf die Idee kommt so etwas zu schreiben und wie die diesbezügliche Recherche stattfindet? Michaela Falkners Antwort war, glaube ich, der Satz aus dem Manifest 35.
„Der Schriftsteller als „Fleisch gewordenes Wort“, die Installation seiner selbst als sprachlich vermittelte Skulptur, als kreatürlicher Akt, damit das Sehnen aufhöre.“
Ein anderer erkundigte sich nach der Sprache mit der man Gewalt ausdrücken kann. Friedrich Orter, der auch zwei Bücher über seine Kriegsberichterstattung geschrieben hat, läßt die Verben weg „Zum Frühstück eine Kugel“. Michaela Falkner verwendet Listen und schreibt in ihrer Art und es war eine sehr beeindruckende Präsentation.
Wie dazu der Schnaps und der Schokoladekuchen passt ist nicht ganz klar.Wir sind aber sicher abgehärtet und das Vorhandensein der puren Gewalt von unseren Fernsehbildschirmen gewohnt. Und ich, die ich nicht fernsehe, bekomme sie meist im Morgenjournal noch vor dem Frühstück mit. Tun kann man ohnehin nichts dagegen, als höchstens diskutieren oder Bücher lesen und interessant, daß da ja einige zum Thema passend vor kurzem erschienen sind. Ludwig Lahers „Verfahren“, das die Flüchlingssituation nach dem Krieg auf eine dokumentarische Art und Weise schildert und Susanne Scholls „Allein zu Haus“ über Tschetschenien. Michaela Falkner macht es auf eine künstlerische experimentelle Art, beeindruckend ist es schon und das Vorhandensein von Gewalt läßt sich sowieso nicht ändern. So habe ich zwei Gläschen Wein getrunken, ein bißchen Schokoladekuchen gegessen, mich länger mit Alexandra Millner und dann noch mit der Autorin unterhalten, um sie nach dem Ausgang des Buches zu befragen. Außerdem wollte ich noch wissen, wo man politische Psychologie studiert und wurde so neugierig auf das Buch, daß ich Petra Eckart von der Presseabteilung darum bat und es mir signieren ließ. Daß ich über die Veranstaltung schreiben werde, habe ich Michaela Falkner schon vorher erzählt, damit sie es findet, sagte ich ihr die Adresse. Jetzt habe ich in dem Buch „für literaturgelüster.com“, stehen, die erste Widmung meines Blogs, vielleicht später für Literaturwissenschaftler interessant.

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