Literaturgefluester

2011-03-05

Jeanne d` Arc beendet den Heiligen Krieg

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:37

„Der äußere Plot: ein Thriller. Eine junge Schwedin, genötigt für den Geheimdienst zu töten, begeht Selbststmord. Ihre Freundin Juliette Catherine Dumolin, Tochter eines Wirtschaftsmagnaten, will ihre Mörder finden. Das innere Spannungsfeld: Vierzehn Engeln sehen in Juliette die frühere Jeanne d` Arc, die in die Gegenwart zurückgekehrt ist, um Krieg Martyrium und die Lügen des Himmels zu überwinden. Immer am Rande der Skurrilität, vermischt mit wiederkehrenden surrealen Elementen, thematisiert diese Geschichte die Frage nach Frieden und dem „Ende der Heiligen Kriege“, steht auf der Rückseite von Johanna Tschautschers „Jeanne d`Arc beendet den Heiligen Krieg“, ein Roman aus dem Albatros Verlag, das mir der Verleger und Autor Walter Baco auf der Buch-Wien gegeben hat.
Der Name Johanna Tschautscher sagte mir nicht viel, so habe ich nachgegooglet, daß sie 1968 in Wels geboren wurde und eine oberösterreichische Regisseurin und Schriftstellerin ist. 2007 erschien von ihr schon bei Albatros der Roman „Die sieben Raben“. Da geht es um die Mafia und Johanna Tschautscher recherierte dafür in Palermo, hat drei Kinder, inszenierte verschiedene Theaterstücke und auch schon bei Arovell Bücher herausgebracht. Einen Orden hat sie von der Stadt Linz 2009 auch bekommen und was den neuen Roman betrifft, wurde er im Jänner in der Sendung „Beispiele“ vorgestellt, eine Lesung gab es im November und eine findet am 16. März um 19 Uhr in der Landesbibliothek OÖ in Linz, Schillerplatz 1, statt.
Um was es in dem Buch, von dem ich zuerst dachte, ein historischer Roman um die heilige Johanna interessiert mich eigentlich nicht, ist gar nicht so leicht zu sagen, denn eine Globalisierungskritik, wie man glauben kann, ist es vielleicht doch nicht und so skurril und surreal habe ich es auch nicht empfunden, obwohl das Lesen des rasant geschriebenen Buches schon ein bißchen verwirrend war und ratlos machen kann.
Vom Layout hatte ich noch mit den sperrigen glänzenden Seiten, die sich schwer umblättern lassen, meine Schwierigkeiten, das Buch ist aber sehr gut lektoriert, werden da doch sowohl Walter Baco, Gabriele Herbst, Barbara Larcher und Irene Wondratsch angegeben, da kann ein anderer Verlag wohl nur neidig sein.
Die Verwirrung liegt in den „Doppelwirklichkeiten“ begründet, denn der Plot und die rasante Handlung läßt sich auf mehreren Ebenen deuten und wenn auch hier der Psychiater mit dem Psychologen wiedermal verwechselt wird, habe ich das Krankheitsbild der Schizophrenie selten so klar, wie hier beschrieben gefunden, auch wenn man in französischen Privatkliniken wahrscheinlich nicht mehr so oft mit Zwangsjacken daherkommen wird und die Zeiten, wo man lebenslang in der Psychiatrie verschwindet, sind zumindest in Frankreich und in Österreich vorbei.
Das Buch hat eine Rahmenhandlung, es beginnt bei einem Fest im Schloßgarten von Macon, wo der Energykaiser Pierre Dumoulin, seine Tocher Juliette mit dem Sohn des spanischen Stierkämpfers Antoine Mercuriel verloben will und endet auch dort. Erzählt wird die Geschichte von der Geliebten Pierres Francoise Marie Galant, die ein Buch darüber schreibt.
Juliette ist ein sehr sensibles mutterlos aufgewachsenes fast autistisches Mädchen, das nur eine einzige Freundin, nämlich jene Udine hat, die später aus dem Fenster springen wird, der einmal in einer polnischen Kirche vierzehn Engeln in einer Krippe begegneten, die sie fortan verfolgen und sie den Fall der Berliner Mauer voraussagen lassen. Sie ist auch sonst sehr hellseherisch veranlagt und weiß die Geheimnisse ihrer Mitmenschen, zum Beispiel, daß der Wirtschaftsprofessor Aleksandre Flaherty auf der Bühne während einer Heinrich IV Vorstellung von einem russischen Schauspieler gezeugt wurde. Wird von ihrem Vater sehr verwöhnt, der sie mit seinen Millionen großzügigst unterstützt.
„Gib mir Geld Papa, ich will eine Reise machen!“, sagt sie und fährt dann durch die Wüsten Afrika und Asiens, Lateinamerika Tokio, Dehli, Bangladesh, Burkina Faso, Afghanistan ect.
Dabei dreht sie Werbeclips für Energy 2000, dem Kultdrink ihres Vaters, in dem man die Greuel der Kriege und darunter immer wieder den Spruch „Mein Bruder schläft in meinem rechten Bein“ lesen kann. Juliette hat auch eine Weltkugel im Bauch, das heißt sie kann die Leiden der Menschen dieser Erde, die durch Krieg und Terrorr zugrunde gehen, hautnah spüren, deshalb dreht sie auch so künstlerische Spots und damit sie in den Wüsten Arabiens und Afrikas nicht verloren geht, schickt ihr Pierre den Rennfahrer Philipp Nott nach, der auf sie aufpassen soll. Was er auch tut, das Unglück beginnt nur damit, daß Juliette ihn beim Rasieren seiner Eichel filmt und Pierre mit diesen Clip sein Geschäft machen will, worauf ihr der die Rechtsanwälte an den Hals schickt und sie psychiatrisieren lassen will. Die Freundin ist inzwischen in einem Hotel in Almeria aus dem Fenster gesprungen, was Juliette endgültig durchdrehen läß und nach Orelans, wo sie ihrer Reinkarnation Jeanne d` Arc begegnen wird, schicken sie ihre vierzehn Engeln auch. Einer davon heißt Miguel und hat sich ganz besonders in die schöne Juliette verliebt und dann gibt es noch den Stierkämpfersohn Antoine, der eigentlich die Reinkarnation jenes Piraten ist, der vor sechshundert Jahren mit der heiligen Johanna etwas hatte. Diese Ebenen verwirren sich und führen zu der beschriebenen skurillen Handlung. Eine esoterische Tante namens Mim gibt es auch. Juliette, die keine Freiheitsbeschränkung ertragen kann und daher in der Nacht von einem Bett ins nächste wandert, reist mit dem Geld ihres Papas in der Welt herum, obwohl ihr das Gericht doch längst den Paß abgenommen hat, was aber nichts macht, denn erstens hat sie einen anderen, zweitens muß sie ihre Engel ohnehin in den Weinberbergen des Himmels abgeben und dort braucht man wahrscheinlich keinen Paß. Juliette flüchtet ständig, wird aber zwischendurch auch von Pierre und Antoine aus der Privatklinik entführt, weil man, wenn man verrückt ist, auf eine Alm muß, da nur eine Kuh die Seele wieder zurücklecken kann. Das ist natürlich Wasser auf den Mühlen Philipp Notts und seiner Rechtsanwälte, die außerdem in ihrem Wahn Juliette noch sagen hörten, daß sie nichts als nach Afghanistan will, um dort zu kämpfen und beschließen, da der reiche Papa ja jede Entführungssumme zahlen wird, daß Juliette auf ewig zwangsinterniert werden muß und am Schluß streiten sich die Kapazitäten noch, ob Juliette jetzt eine Schizophrenie hat oder die Zustände dieser Welt verrückt sind…
Es geht gut aus oder auch nicht, denn am Ende findet die Verlobung zwischen Juliette und Antoine statt, Jeanne d Arc beendet den Heiligen Krieg, wie habe ich nicht ganz verstanden, genauso wie mir nie ganz klar wurde, wieso die Franzosen am 14. Juli ein Freudensfest veranstalten, denn eigentlich wurde da ab 1789 ja ein riesiges Blutbad angerichtet, aber Juliette, die sich von ihrem Papa im Schloßpark von Macon, wo sie auch geboren wurde, einen Turm bauen ließ, Märchen spielen in diesen Wahnsinnswelten auch eine wichtige Rolle, gerät dort in Gefangenschaft, bzw. versucht sie sich selbst zu fesseln, so daß sie viel Blut verliert und Francoise ihre Wunden verbinden muß.Sie kommt ihren Antoine aber schließlich doch langsam näher „Minute für Minute. Stunde für Stunde. Nacht für Nacht.“

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