Literaturgefluester

2011-03-07

Die Therapie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Jetzt habe ich doch soetwas wie einen Mini-Lesemarathon eingelegt und in der Badewanne in einem Zug Sebastian Fitzeks ersten Thriller „Die Therapie“ ausgelesen. Sebastian Fitzek das ist ja der 1971 in Berlin geborene höchst medienaufgeschlossene und sympathisch wirkende Superstar, der seine Bücher sehr gekonnt mittels Blog, Twitter und Gewinnspielen zu vermarkten weiß und der von den Bloggern meist auch als Lieblingsautor genannt wird. Zwei Bücher habe ich von ihm im Schrank gefunden „Amokspiel“ und „Die Therapie“, „Splitter“ und den „Augensammler“ habe ich via Blogs ein bißchen mitverfolgt. Und als im „Amokspiel“ gelesen habe, bin draufgekommen, daß ich den Autor bei der letzten Buchwoche im Wiener Rathaus daraus lesen hörte und die atemlose Spannung, die er zu vermitteln weiß, hat mich auch beeindruckt.
Fitzek ist ein Psychothriller-Spezialist und verwendet, vielleicht weil sein Bruder Neuroradiologe ist, immer wieder psychologische-psychiatrische Themen im Psychologen-Psychiatermilieu, zumindest war das bei den zwei Büchern so, die ich gelesen habe und „Die Therapie“ ist wieder so ein Buch, das Stoff für zehn Romane enthält, beziehungsweise kann man es auf mehrfache Weise deuten. Beim Lesen ist man zunächst einmal gefangen und liest es durch, auch wenn ich mir dazwischen mehrmals dachte, das kann doch nicht sein und ausgekannt habe ich mich bis zum Schluß nicht, weil Genre und die Deutungsweisen ständig wechseln und auch einiges unlogisch bleibt.
Da gibt es einen sehr reichen und erfolgreichen Psychiater und Schizophrenie-Experten namens Viktor Larenz, dessen kleine Tochter Josy ist unheilbar krank, kein Mensch weiß, was sie hat, dann verschwindet sie auch noch. Die Handlung setzt vier Jahre später ein, der erfolgreiche Vater ist darüber zusammengebrochen, hat seinen Beruf aufgegeben, während die Mutter das Leben leichter packt.
Dann liegt der Vater wieder gefesselt in einer forensischen Spezialklinik und erzählt dem jungen Arzt Dr. Roth seine Geschichte und die ist, daß ihm das Verschwinden seiner kleinen Tochter sehr gebrochen hat, trotzdem zieht er sich in das Strandhaus seiner Eltern nach Sylt zurück, um sich für ein Interview der „Bunten“ vorzubereiten. Dort taucht eine seltsame Frau namens Anna Spiegel auf, die sich unbedingt von ihm therapieren lassen will. Er möchte nicht, wird auch vom Bürgermeister und seinem Freund, einem Detektiven namens Kai gewarnt das zu tun. Trotzdem wird er Anna nicht los, gerät immer mehr in ihre Fänge und in die Geschichte, die sie ihm erzählt. Sie ist Kinderbuchautorin und schizophren und zwar von solcher Art, daß ihr die Figuren ihrer Bücher ständig begegnen und nicht mehr loslassen. Eine dieser Figuren ist ein unheilbar krankes Mädchen namens Charlotte, vier Jahre jünger als die kleine Josy, aber sonst ist klar, daß sie Viktor ihre Geschichte erzählt, die weggelaufen ist, um sich selbst zu heilen. Sie führt Anna Spiegel zu den verschiedenen Häusern der Familie und warnt vor einem bösen Mann. In den Häusern wird dann tatsächlich, vier Jahre später eingebrochen, Menstruationsblut ist zu sehen und Viktor und Anna können von der Insel nicht weg, weil ein Sturm ausbricht und so erlebt Viktor Zustände, die an einem englischen Gespensterroman des neunzehnten Jahrhunderts erinnern. Der Bürgermeister bringt ihm eine Pistole, als er ihn aber anruft, bestreitet er das. Anna Spiegel schleicht sich in das Haus und versucht Viktor zu vergiften. Viktors Hund verschwindet und Anna kommt immer wieder und erzählt die Geschichte der kleinen Charlotte weiter, währenddessen leert Viktors Frau Isabell die Konten und ist nicht zu erreichen und als er sie schließlich doch erreicht, wirft sie ihm Betrug vor. Am Ende hat aber Anna Spiegel Viktor einen Spiegel vorgehalten und er hat seine eigene Projektion erzählt, denn er liegt ja gefesselt in der Klinik und erzählt dem jungen Arzt seine Geschichte, bzw. bittet er ihn ihn frei zu lassen, während der Professor, den Anwälten eine Spezialvorlesung über Viktors Geisteszustand hält. Denn Viktor Larenz, der Starpsychiater ist gleich zweimal krank, erstens hat er das Münchhausensydrom und ertrug es nicht seine Tochter erwachsen werden zu sehen, zweitens ist er schozophren und so hat er sie ermordet. Lange Zeit dachte man Isabel hätte das getan. Es gibt aber ohnehin keine Leiche und Viktor Larenz war auch nie auf Sylt, zumindest nicht real, sondern ist sofort, nachdem seine Tochter verschwunden ist, in die Klinik eingeliefert worden und dort in einem Stupor gefallen, bis der geniale Dr. Roth auf die Idee kam, die Medikamente wegzulassen, da kam er wieder zu sich und erzählte, daß er die letzten vier Jahre in einer Traumwelt lebte und dort will er wieder hin, weil er um seine Krankheit wissend, sich seiner Tochter nicht zumuten kann. Denn er weiß noch ein anderes Geheimnis, das er Dr. Roth im Tausch mit dem Medikamentendöschen ins Ohr flüstert. So driftet der Schizophreniespezialist wieder ab, während sich Dr. Roth an die Cote d Azur begibt, wo Isabell in einer Luxus Suite tafelt, während unten am Swimmingpool ein junges Mädchen „Quien es le hombre, Mami?“ ruft und „Dr. Roth hat das Problem einer neuen Patientin die Wahrheit zu erklären, wie er es ihren Vater versprochen hat…“

2 Kommentare »

  1. Liebe Eva,
    ich hatte sie viele Arbeit mit der Renovierung der Wohnung meiner Mutter, dass ich erst jetzt wieder einmal dazukomme ins Literaturgeflüster hineinzuschauen. Was machst Du Dir nur für Arbeit mit dem Rezensieren so eigenartiger Bücher wie diesem: „Therapie“. Ich kann Dich nur bewundern.
    Was Deinen Termin unserer Zusammenkunft für die Mittleren am 14. 3. anbelangt – ich komme. Als Vorinformation wünsche ich mir aber, dass Du mir kurz mailst, wie viele Minuten mein Lesebeitrag sein soll, dann kann ich mich schon vorbereiten.
    Liebe Grüße Margot

    Kommentar von Margot Koller — 2011-03-07 @ 07:30 | Antworten

    • Eigenartig ist die „Therapie“ eigentlich nur, während man es liest, denn da schwappen die Ebenen so auf- und durcheinander, daß man sich nicht auskennt. Als Psychologin und realistische Autorin denkst du dir dann immer, was ist jetzt die Psychose und wo die Krimihandlung? Aber ein Krimi im eigentlichen Sinn ist das Buch gar nicht. Fitzek wird für seinen amerikanischen Spannungsstil sehr gelobt und das merkt man, er versteht es zu verwirren und die Spannung auf die Spitze zu treiben, dazwischen denkst du manchmal, du bist in einem ganz altmodischen düsteren Gespensterroman, denn es passsieren die wunderlichsten Dinge, Strom fällt aus, es stürmt und es knarren die Türen im morschen Geäst und am Ende denkst du, das ist doch alles gar nicht logisch, denn wieso wird die Mutter verhaftet und war er jetzt schizopren oder nicht?
      Viele Fragen also, die Antworten können sich die Leser geben oder gleich zum nächsten Buch greifen. Aber das ist wohl das, was die Verlage von ihren Thrillern und Bestsellerautoren so wollen.
      Ich muß aber gestehen, ich lese Krimis ganz gern und die Darstellung der Schizophrenie interessiert micht natürlich auch, wenn du es politischer willst, kann ich dir Johanna Tschautschers „Jeanne d` Arc beendet den Heiligen Krieg“, aus der Edition unseres GAV-Kollegens Walter Baco sehr empfehlen, da wird die Schizophrenie ein bißchen verständlicher dargestellt, beim Fitzek könnte man ja sagen, daß er das Klischee, daß der Schizophrene gefährlich ist und ständig mit einem Messer herumläuft, um es dir ins Herz zu stechen oder deinen Kopf abzuschneiden, also das wogegen Prof. Katschnig vom AKH mit seiner Antistigmatisierungskampagne Sturm lief, unterstützt, am Schluß ist aber ohnehin alles anders.

      Kommentar von jancak — 2011-03-07 @ 09:23 | Antworten


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