Literaturgefluester

2011-03-23

Reinhard Kaiser-Mühleckers neues Buch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:03

Reinhard Kaiser-Mühleckers „Wiedersehen in Fiumcino“ wurde gestern in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt. Das ist der dritte Roman des 1982 in Kirchdorf an der Krems Geborenen, der 2007 mit seinem bei Hoffmann und Campe erschienenen Debut „Der lange Gang über die Stationen“, in den Literaturbetrieb eingetreten ist. Das Buch wurde, wie Manfred Müller in seiner Moderation erklärte, vor drei Jahren in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt, da war ich nicht dabei, aber irgendwann, noch vor den Zeiten des Literaturgeflüsters, im Radiocafe bei einer literarischen Soiree, wo sich alle wunderten, daß ein so junger Österreicher gleich bei Hoffmann und Campe erscheinen kann.
Das Buch wurde sehr kontrovers besprochen, hat einige Preise bekommen u.a. 2009, den Buchpreis der ÖO Arbeiterkammer, wo ich einmal zwei meiner Digitalbücher hinschickte, um zu hören, daß man Selbstgemachtes dort nicht einreichen kann.
2009 erschien der zweite Roman „Magdalenenberg“. Da war ich bei der Lesung im Literaturhaus. Jetzt ist das dritte Buch erschienen.
In der Gesellschaft für Literatur waren wieder auffällig viele junge Leute, die sich auch Plätze reservieren ließen. Robert Prosser, der ganz anders schreibt habe ich gesehen und gefragt, wie seine Lesung in Leipzig war? Der stellt sein zweites Klever-Buch „Feuerwerk“ nächste Woche im Palais Wilczek vor.
„Wiedersehen in Fiumcino“ wird, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte, von vier Erzählerstimmen, drei Männern und einer Frau erzählt.
„Nach sieben Monaten in Argentinien kehrt Joseph zurück nach Europa und trifft seine Freundin wieder, von der er sich nicht einmal verabschiedet hat“.
So stehts im Programmt. Reinhard Kaiser-Mühlecker las, wie Christiane Schmidt, die Cheflektorin, die wieder begrüßte, betonte, aus allen diesen Perspektiven vor. Josef ist die erste, die zweite, die verlassene Freundin Sabina, dann gibt es noch einen argentinischen Arzt namens Augusto und einen Freund Hans oder Juan, der in einem Museum arbeitet.
Im Gespräch mit Manfred Müller betonte dieser, das Reinhard Kaiser-Mühlecker vor drei Jahren überrascht gewesen wäre, plötzlich Mittelpunkt des Literaturbetriebs zu sein und wollte von ihm wissen, wie es ihm inzwischen damit ginge, betonte, daß er ein sehr schneller Arbeiter sei und ließ uns wissen, daß er den ersten linear erzählten Roman in einigen Wochen oder Monaten geschrieben hat.
An „Wiedersehen in Fiumcino“, der nicht linear geschrieben ist, hat Reinhard Kaiser-Mühlecker vier Jahre geschrieben und Manfred Müller wunderte sich darüber, daß er gleichzeitig nur an einem Projekt arbeiten würde, weil das die meisten Autoren anders machen. Da habe ich wohl den Kopf geschüttelt und mich gewundert. Kenne ich ja nur Julia Kröhn, die in ihren Blog von den vier oder fünf gleichzeitig in Arbeit befindeten Projekten erzählt und ich schreibe eigentlich sehr linear eine Sache nach der anderen. Als mich Manfred Müller beim Wein und den Knabberstangen darauf ansprach ist mir eingefallen, daß das nicht stimmt. Schreiben tue ich nur an einem, aber es gibt ja die Korrekturen, der noch nicht erschienenen Bücher, jetzt z.B. „Absturzgefahr“, die ich zwischendurch ansehe und manchmal habe ich schon Ideen für das nächste, die ich sammle, während ich beim Schreiben bin.
„Wiedersehen in Fiumjcino“ ist jedenfalls ein erzählendes Buch, bei den Leipzig Interviews, die ich vor ein paar Tagen hörte, habe ich gerade von den Österreichern, beispielsweise Peter Clar, der auch bald in die Gesellschaft für Literatur kommen wird, gehört, daß sie nicht erzählend schreiben. Das wird ja immer wieder angeprangert, daß Realität zu platt ist und niemanden interessiert.
Reinhard Kaiser-Mühlecker fiel mir aber durch seine sehr schönen klaren Sätze auf und platt scheint die Handlung von dem Mann, der einfach nach Argentinien verschwindet und seiner Freundin, als sie die Flugtickets liegen sieht, vorschwindelt, er würde nach Rom zu einem Kongreß oder so fliegen, nicht zu sein, sondern eher geheimnisvoll, zumindest ist mir das bei den paar vorgetragenen Stellen so vorgekommen.
Am Ende zieht sich dieser Josef in ein kleines Dorf namens Rohr zurück, um zu schreiben, als ich gestern meinen Eintrag über Magdalenenberg gelesen habe, ist mir aufgefallen, daß der Protagonist dort auch Josef heißt. Interessant, daß das Manfred Müller in seinem Gespräch nicht erwähnte und nicht fragte, ob es derselbe Ich-Erzähler sei?
Er bezog sich aber auf das einsame Schreiben in Rohr, Reinhard Kaiser-Mühlecker scheint sich inzwischen auch irgendwohin zurückgezogen zu haben, vorher hat er in Wien gelebt und meinte, daß er beim ersten Buch den Vergleich zu Thomas Bernhard gezogen habe, da sei Reinhard Kaiser-Mühlecker empört gewesen, jetzt hat er gemeint, Bernhard ist ja ein interessanter Autor und er sei auch in seiner Nähe aufgewachsen und hätte sich sein Haus öfter angesehen.
Das Publikum wollte dann noch wissen, wie es sich mit einem Stipendium lebe und ob man damit leichter schreiben kann, was Reinhard Kaiser Mühlecker bejahte und bedauerte, daß es beispielsweise in Italien weniger oder vielleicht sogar keine Literaturstipendien mehr gäbe, ein anderer fragte, ob der Autor sein Studium beenden würde, was dieser energisch verneinte.
Ein interessanter Abend mit einer interessanten Diskussion, die Einblick in das Entstehen von Literatur gab. Sehr klar ist mir die Handlung aus den paar Stellen nicht geworden, so daß ich gespannt bin, ob ich die Gelegenheit bekomme das ganze Buch zu lesen.
Nachher gab es was zu Trinken und zu Knabbern, ich habe mit ein paar Leuten gesprochen und mir die Szene sonst von außen angesehen. Denn da sieht man, wie Reinhard Kaiser-Mühlecker ebenfalls erwähnte, ja am meisten.
Ein interessanter junger Autor in dem, wie ich finde, sehr vielschichtigen österreichischen Literaturbetrieb.

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