Literaturgefluester

2011-04-30

Vorschau auf „Absturzgefahr“

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:29
Absturzgefahr

Absturzgefahr

Fritzi Jelinek hat ihren Namen von ihrer Mutter, einer AHS-Lehrerin mit Begeisterung für Elfriede Jelinek und Friederike Mayröcker bekommen, ihr Literaturstudium aber abgebrochen, um Lebensberaterin undSchreibtrainerin zu werden. Außerdem möchte sie sich, weil ihr Vater diesen Beruf ausübt, zur Psychotherapeutin ausbilden lassen.

Vorläufig gibt sie aber für ihre Diplomarbeit dem Autor Harald Hoffmann Schreibcoaching bezüglich seines Romans, der von fünf Frauen zwischen zwanzig und hundert handelt, Urur-Ur-Groß-Mutter und Tochter, die in einem Haus im Grünen zusammenwohnen. Sie wohnt dagegen mit der Mutter und dem Großvater in einem Reihenhaus, der ebenfalls Deutschlehrer war, jetzt aber seine Literaturbegeisterung mit Büchersammeln auslebt und Fritzis Mutter, die in der Midlifecrisis steckt, damit zur Verzweiflung bringt.

Dann gibt es noch den polnischen Priester Janusz Warszinski, dessen Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist, in den sich Fritzi während eines Praktikums fast verliebt und den Dänen Jan Rasmussen, der sie vor zwei Jahren in Warschau küssen wollte, jetzt aber seine Hochzeitsreise nach Wien machen will …

Und für alle Interessierte gibt es hier die Schreibberichte 123456789101112131415 und eine Leseprobe wirds auf www.jancak.at auch bald geben.
Die Wolken auf dem Titelbild sind übrigens aus einem Autobus bei Krems und nicht von einem Flugzeug bei Smolensk aufgenommen.

2011-04-29

Um den ersten Mai

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:00
Lesetheater: "So starb eine Partei"

Lesetheater: "So starb eine Partei"

Um den ersten Mai gibt es viele Veranstaltungen und es hat nach meiner Abrechnung schon am Freitagnachmittag mit einer Filmvorführung „Let the sun shine – die Wienerin aus Kamerun – Beatriche Achaleke im Topkino begonnen, bei der sogar Peter Sellars anwesend war, dann wollte ich, wie ich sein einigen Jahren tue, zum ÖAAB schauen, habe es aber nicht gefunden, dann ging es mit einer Bücherkastentour, bei der sich auch nicht viel fand, ins Amerlinghaus, wo das Lesetheater unter Kurt Raubals sachkundlicher Leitung Jura Soyfers Romanfragment „So starb eine Partei“ aufführte.
Als ich mit Alfred eintraf, bereitete sich die Gruppe, die alle irgendetwas Rotes, Schal oder Pullover, trugen, gerade gruppendynamisch auf ihren Auftritt vor und als es dann begann „Nach rechts konnte er nicht schauen, nach links konnte er nicht schauen…“, war ich anfangs verwirrt, hatte ich doch noch Helmut Qualtingers Stimme „Franz Josef Zehetner…“ im Ohr, denn die ORF-CD aus dem Jahr 1978 im Ohr, die ich mir einige Male angehört habe, als ich 2004 „M.M. oder die Liebe zur Germanistik“ geschrieben habe, da es da ja auch um Jura Soyfer geht, die beiden Bände Werkausgaben, die ich besitze, habe ich in dieser Zeit auch genauer studiert und von dem Romanfragment, das mit Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ verglichen wird, habe ich in den Siebzigerjahren, das erste Mal gehört bzw. daraus gelesen, als es in einem der Wespennester abgedruckt war.
Verstanden habe ich den Titel damals nicht, waren die Siebzigerjahre unter Kreisky ja eine Hochburg des Sozialismus und ich bin auch aus einem sozialistischen Arbeiterhaushalt gekommen. Verstanden habe ich erst heute, daß die Partei für Jura Soyfer, der im Februar 1939 in Buchenwald umkam und der die Februarkämpfe von 1934 miterlebte, gestorben war und auch die Geschichte mit dem Franz Josef Zehetner und dem Otto Bauer aus der CD war mir nicht ganz klar, dagegen war das Stück von dem aufrechten Parteifunktionär und Vereinskassier Robert Blum (eigentlich ein bekannter Märzrevolutionär) der neunundzwanzig Jahre als Fürsorgerat für die Menschheit gearbeitet hat und der verhaftet wird, weil er eine Garage in die Luft gesprengt haben soll, sehr beeindruckend.

Jura Soyfer hat in dem Fragment seine Enttäuschung und seine Erlebnisse mit und über den Austro-Marxismus beschrieben und man kann den ersten Mai eigentlich nicht besser als mit einer Lesung daraus beginnen. Im Vorjahr war ich am Ende April bei der großen Amerlinghausprotestveranstaltung im Rathausplatz und bin dann ins Völkerkundemuseum zur Ausstellungseröffnung über den ersten Mai gegangen, wo es Filme der alten Maiaufmärsche zu sehen gab. Morgen am Tag der Arbeitslosen gibts wieder eine Filmvorführung Sabine Derflingers „Hotspot“ und am Sonntag werde ich mir u. a. den Maiaufmarsch geben. Darüber habe ich ja schon vor zwei Jahren berichtet, daß ich als Kind mit meinem Vater immer von der Wattgasse mitmarschiert bin und einmal sogar dem Bürgermeister Jonas ein Maiglöckerlsträußchen überreicht, was dann in der AZ abgebildet war und Jahre später mit den Kinderfreunden in einem rotweißroten Kleid marschiert, war auch in der AZ abgebildet, nach meiner Matura damit aufgehört und erst ab 2000 wieder bei den Maiaufmärschen mitgemacht. Da waren es aber vor allem die der Kommunisten, bei denen ich mitgegangen bin. Vor ein paar Jahren habe ich als Frühaufsteherin aber begonnen, mich dem der SPÖ Sektion Margareten anzuschließen, bin am Rathausplatz aber nie ganz nach vorn gekommen, weil ich entweder die Uli Makomaski oder die Ruth Aspöck am Spalier traf, die mich ganz erstaunt, mit den Worten „Bist du eine Sozialistin?“ begrüßten. Nein, nur einmal nicht ganz freiwillig, ein knappes Jahr Mitglied, weil ich damals bei den Kinderfreunden gearbeitet habe und angestellt werden wollte, eine Kommunistin allerdings ebenfalls nicht und bin trotzdem jeweils zur Albertina zurückgegangen. Voriges Jahr habe ich gleich im Rotpunkt mit einem Frühstück begonnen und werde das wahrscheinlich auch heuer tun, obwohl ich mich schon bei der SPÖ Mariahilf erkundigt habe, wann sie wo abmarschieren. Man hat so seine Prägungen und ich habe wohl den Sozialismus der Neunzehnhundertdreißigerjahre im Herzen und wenn die Partei damals auch nicht wirklich gestorben ist, so nennt sie sich inzwischen Sozialdemokratie und das Fremdengesetz wurde heute auch von SPÖ und ÖVP verschärft und so wirds wahrscheinlich wieder ein vielseitiger und bunter erster Mai werden, genauso bunt wie das Leben der Wienerin Beatriche Achaleke aus Kamerun, deren Portrait ich mir heute angesehen habe und die sich eine schwarze ORF-Moderatorin, einen männlichen Kindergärtner und eine Fernsehkommissarin mit Kopftuch wünscht, vor allem die letzte Idee finde ich sehr originell und werde sie mir mitnehmen, wenn ich demnächst den Roman über die zweite Gerneration Türkin Sevim schreiben werde.

2011-04-28

Alte Schmiede und mehr

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:29

In ihrer „Neues von Freunden“-Rubrik berichtete Christiane Zintzen von fünf interessanten Literaturveranstaltungen, die vom Dicht-Fest abgesehen, allesamt und synchron am Donnerstag (nicht am Freitag) stattfinden und man hat die Qual der Wahl oder muß sich splitten.
Was mich ebenfalls betraf, zwar hatte ich mir schon länger vorgenommen, in die Alte Schmiede zu den Lesungen von Anna Kim und Wolfgang Hermann zu gehen, da die bei E. A. Richters Buchpräsentation schon im November war, Wolfgang Helmharts „frauen in bunt“ wären aber sicher ebenfalls interessant gewesen, das Kabelwerk ist jedoch sehr weit, die beiden Newcomers Robert Prosser und Stefan Abermann habe ich ebenfalls schon gehörte, wenn mir aber E.A. Richter, der mich immer so freundlich zu seinen Veranstaltungen einlädt, einen Kommentar über die Veranstaltung und Rudi Lasselsberger, falls er er dort gewesen ist, ein Foto schickt, könnte ich ein synchron berichten und man könnte im Literaturgeflüster einen weiteren Einblick in das Wiener Litereraturleben bekommen, das ja sehr zweifellos sehr vielfältig ist…
Die 1977 in Südkorea geborene Anna Kim, die 1978 nach Deutschland und 1983 nach Wien kam, ist mir aber ebenfalls keine Unbekannte, habe ich ihren Namen doch das erste Mal bei einer IG-GV gehört, als ich Barbara Neuwirth fragte, wer das Autorenstipendium der Stadt Wien bekommen hat? Bei einem der Büchertürmen bin ich dann auf die „Bilderspur“ gestoßen, beim Bachmanpreis hat sie auch gelesen und ihren zweiten Roman, bei „Rund um die Burg“ vorgestellt, Christl Greller hat sie einmal zu einer Lesung ins Literaturhaus eingeladen und dann hat sie bei dem Reisereportagenprojekt „Mit Sprache unterwegs“ mitgemacht. Da konnte man sich bewerben oder wurde eingeladen und Anna Kim hat ein Projekt über Grönland eingereicht, weil sie unbedingt dorthin fahren wollte und außer dieser Reisereportage, über die ich im November im Radiokulturhaus und auch einmal im „Tag zu Tag“ hörte, ist bei Droschl ein Esseyband „Invasionen des Privaten“ herausgekommen.
„Das ist eigentlich ein trauriges Buch“, erzählte Anna Kim in der Einleitung „aber ich bin heute so gut aufgelegt, daß ich immer grinsen werde!“ und las dann ein Stück über die grönländische Stadt NUK und eine Frau Hansine vor, eine in Grönland geborene Dänemark-Schwedin, bei der sie eine Woche lebte und die sie für eine Grönländerin hielt. Das scheint Anna Kim überhaupt sehr oft passiert zu sein und so geriet sie auch in Identitätsprobleme und mußte erklären, daß sie aus Austria nicht aus Australien kommt, aber in Südkorea geboren wurde. Anna Kim hat sich mit der grönländischen Geschichte, der Rolle der Sprachen und dem Einfluß Dänemarks auseinandergesetzt, ist beim Inlandeis gewesen und mit den Hundeschlitten gefahren und hat in der Diskussion von ihrer starken Faszination die das Land auf sie hat geschwärmt. Sie schreibt jetzt auch einen Roman darüber und hat die Theorie gebraucht, um Material zu sammeln. Die Diskussion war diesmal besonders interessant, weil viele Fragen aus dem Publikum kamen und die „Invasionen des Privaten“ bzw. die Weiten und die Grenzen Grönlands offenbar ein Thema ist, das interessiert. Dann ging es vom Keller ins Parterre, man muß ja jetzt in der Alten Schmiede Bewegung zwischen den einzelnen Lesungen machen und da hat Wolfgang Hermann seinen Erzählband „In Wirklichkeit sagte ich nichts“ vorgestellt, bei dem ich einige Aha-Erlebnisse hatte. So bin ich beim Durchschauen des Archivs draufgekommen, daß der Band im Juni in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt wurde. Das hatte ich vergessen, nur gewußt, daß ich vor zwei drei Jahren in der Alten Schmiede war, als „Herr Faustini und der Mann im Hund“ vorgestellt wurde, wußte aber nicht mehr, ob ich darüber schon berichtet habe. Es war aber offenbar vor der Literaturgeflüster Zeit und Wolfgang Hermann kenne ich wahrscheinlich seit 2002, denn da hat er den Siemens Literaturpreis gewonnen. Dort bin ich immer hingegangen und in der „Reise ans Ende der Netzkarte“ kommt auch ein Herr Faustini vor. 2006 kam der erste Faustiniband „Herr Faustini verreist“, der wurde im Literaturhaus vorgestellt. Da kann ich mich erinnern, daß ich Wolfgang Hermann fragte, ob das eine Fortsetzung der Siemens-Preis-Geschichte ist. Bei der Lesung in der Alten Schmiede kann ich mich erinnern, daß dieser Herr Faustini, der sich offenbar zu einem Hund entwickelt oder einen solchen in sich entdeckt, etwas surreal ist und, daß sich Wolfgang Hermann über die Autoren empörte, die Schreibschulen besuchen und ihre Geschichten so konstruieren, daß auf Seite fünfzehn der erste Mord geschieht und auf Seite dreißig…
Er hat damals noch einen Monolog von einem Sandler in Paris gelesen, aber das hatte ich eigentlich vergessen, daran wurde ich erst durch Kurt Neumann erinnert, denn die Vorstellung des Buchs in der Gesellschaft für Literatur ist offenbar an mir vorbeigegangen. Kurt Neumann betonte, daß der 1961 in Bregenz geborene Schriftsteller einer ist, der viel von Flaneuren und Obdachlosen schreibt und erwähnte, daß die Titelgeschichte „In Wirklichkeit sagte er nichts“ ein solcher Monolog eines Obdachlosen in Paris ist, der auch als Theatertext verstanden werden kann. Der Band enthält verschiedene Erzählungen, einige, wie die „Tunesische Nacht“, die durch die politischen Ereignisse besondere Aktualität erlangt hat, wurde schon vor zwanzig Jahren geschrieben, andere sind vor kürzerer Zeit entstanden. Wolfgang Hermann begann mit der Geschichte „Auf den Schultern im Park“, die ebenfalls von einem Obdachlosen handelt, der im Park lebt und den Gärtnern bei der Arbeit zusieht, dann kam die „Tunesische Nacht“, da hat Wolfgang Hermann vor zwanzig Jahren einige Zeit in Tunesien gelebt und seine Erlebnisse von den Hunden, die so laut bellen, daß man in der Nacht nur mit dem Taxi nach Hause fahren kann, während er vor Sonnenuntergang in die Stadt gegangen ist, aufgeschrieben. Dort wird er von den arbeitslosen Männern als Ausländer ausgenommen, was ihm Vegnügen macht, sie auf eine Flasche Wein einzuladen, so daß sie ihm von den Brotkriegen erzählen und wie teuer die Zigaretten geworden sind. De Frauen schnattern, halten ihre Burka mit den Zähnen fest und tragen die Einkäufe nach Hause, während auf den Parties der Reichen, die Mädchen Jeans tragen und die Wächter, die ihre Häuser bewachen nur sehr wenig verdienen, die Reichen aber im Mercedes spazieren fahren.
In der Diskussion ist Wolfgang Hermann wieder auf das Schreiben gekommen und meinte, daß er kein Planer sei und länger brauche, bis er Material zusammen hat, weil er sich nichts ausdenken könne. Wenn man aber seinen Lebenslauf anschaut, sieht man, daß er schon viel geschrieben hat, auch Gedichte, obwohl er sagte, daß er damit nicht zufrieden ist, weil sie seinen Ansprüchen nicht genügen , die verdichtete Form des Monologs wäre ihm aber gelungen und davon hat er auch einige Fassungen geschrieben und eine davon zum Kontrast zum „Hernn Faustini“ damals in der Alten Schmiede gelesen.
Es war also wieder ein interessanter Abend.Von mir selber kann ich berichten, daß ich immer noch eifrig die „Zwillingswelten“ korrigiere, aber Thomas Wollinger für den Buchtext gewinnen konnte und sein Blog Schreiben ist ja auch einer, wo man viel über das „Schreiben“erfährt. Wem das zu mühsam ist, kann sich ansehen, was alles am Ostermontagmorgen im Museumsquartier passierte, was ja vielleicht auch Splittingalternative ist.

2011-04-27

Dicht-Fest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:09

Dicht-Fest ist eine von Christine Huber moderierte GAV-Lyrik Reihe, die es schon lange in der Alten Schmiede gibt, da ich aber kein so besonderer Lyrikfan bin, bin ich noch nicht oft dort gewesen. An zwei Mal kann ich mich erinnern und einmal ist es auch im Geflüster kurz notiert und da ich ja, seit ich meinen Blog betreibe, möglichst umfassend berichtet will, bin ich heute hingegangen und habe sowohl im Publikum, als auch bei den Vortragenden einige Bekannte getroffen. Hat Christine Huber ja für die Veranstaltung nicht gendergerecht verteilt oder doch, wie sie in ihrer Einleitung betonte, drei Männer und drei Frauen ausgesucht. Und da hat es mit Regina Hilber begonnen, deren Namen ich von der „Zeilensprünge – Junge Literatur aus Österreich“ – Reihe des Literaturhauses kenne und dann hat sie auch im Vorjahr bei der Freibord Festveranstaltung gelesen, eine 1970 geborenen Autorin, die ihren in der Edition Thurnhof erschienenen Gedichtband, „im schwarzen blühen die schönsten farben“ vorstellte, der während eines Slowenien Aufenthaltes im Herbst entstanden ist und daher Gedichte enthielt, die sich darauf bezogen.
Die zweite Autorin Gertrude Maria Grossegger kannte ich noch nicht, obwohl Christine Huber erwähnte, daß sie schon mehrmals beim Dicht-Fest gelesen hat, sie las aus „Bruchstücke“, die in dem Band“ Jüdische Friedhöfe in der Steiermark“ enthalten sind, in dem es um Sterben, Gräber und dem Tod ging.
Die dritte Autorin, die 1948 geborene Elfriede Kehrer, war mir ebenfalls unbekannt, bei ihrem bei Skarabaeus erschienenen Band „schärfe die schatten“ handelt es sich, wie Christine Huber betonte, um Texte die nur um aus einer Zeile bestehe, „ein Gedicht ist etwas mit viel weißen Rand herum“, definierte sie und erzählte, daß die Autorin mit der Zusage gezögert hätte, kann man aus diesem Band überhaupt dreizehn Minuten lesen, sie wünschte sich Musik dazu, Christine Huber entschied sich sich für das Schweigen, als Kontrast zwischen den Zeilen, die Musik kam dann schon vorher aus nicht abgeschalteten Handies und Elfriede Kehrers Einzeiler, die sie mit leiser Stimme vortrug, erwiesen sich als sehr starke Texte, von denen ich viele mitgeschrieben habe, jetzt aber nicht mehr lesen kann.
„An jenem Tag an dem sie sich auslieferte, sang eine Lerche“, kann ich gerade noch entziffern oder „Halte die Hände mir in den Morgen“ – „Meine Zweifel während die Beeren reifen“.
Dann kam eine Pause in der ich Gerhard Jaschke, Nils Jensen, Herbert J. Wimmer entdeckte und mich mit Hermann J. Hendrich, neben dem ich meinen Platz hatte, ein wenig unterhielt. Ich überlegte auch kurz ob ich ihn nicht fragen soll, seinen Band „daneben“, aus dem er später las, mit einem meiner Bücher zu tauschen, aber ich ecke damit ja manchmal an, habe viele noch nicht gelesene Gedichtbände und auch Hermann J. Hendrichs „Gesammelte Texte“, die in der Edition die Donau hinunter erschienen sind.
Vorher hat noch Thomas Havlik gelesen und den sehe ich ja gelegentlich bei Veranstaltungen und GAV-Sitzungen, er publiziert bei etcetera, veranstaltet dort auch die Poetry Slams und tritt bei den Podium Lockstoff Veranstaltungen immer sehr erfolgreich auf. Diesmal las er aus einem Manuskript namens der „Kassettenspieler“, das Texte enthielt, die teilweise schon im etcetera und im Freibord erschienen sind, aber noch ergänzt und erweitert werden. Wieder sehr starke Texte. Thomas Hlavik ist sicher ein starkes Talent, das wie ich aus dem Alten Schmiede Programm zitiere „zahlreiche Techniken nutzt, um die Möglichkeiten des Gedichts auszuloten: Neologismen, mit Anagrammen bereicherte Zeilen, thematisch verortet: Alltag, Zeitungsmeldungen Surreales (im bresten Sinn)“, höchst beeindruckend.
Den letzten Autor,Gerhard Altmann habe ich auch schon gehört, nämlich bei der lex liszt 12 Festveranstaltung im Literaturhaus vor zwei Jahren, da gibt es sogar ein Foto von ihm. Ich weiß nicht mehr, ob es derselbe lex liszt Band ist, aus dem er gelesen hat, da „wörterberg“ aber 2010 erschienen ist, kann das eigentlich nicht sein, obwohl der Autor, der seine Lesung ausführlich kommentierte, meinte, daß er seine Lesungen immer mit demselben Gedicht beginnt und dann einen Weinbauer-Rap vortrug, der mir bekannt erschien. Gerhard Altmann bedankte sich auch sehr für die Einladung und meinte, daß er, der in Wien Germanistik studiert hat, dort immer gern gelesen hätte, weil er auf der Uni lernte, daß das die später bekannten Autoren machen, in den Manuskripten pulizieren und in der Alten Schmiede lesen, er meinte auch, daß Andreas Okopenko, der mit seinem Onkel befreundet war, ihm empfohlen hätte, seine Texte hinzuschicken, es hätte aber jetzt erst geklappt und da ist mir eingefallen, daß die Andreas Okopenko Festveranstaltung, bei der ich den Dichter, der ja kurz darauf gestorben ist, das letzte Mal gesehen habe und die ich fast versäumt hätte, auch ungefähr vor einem Jahr war, so daß ich auch da verlinke und die Gender Dicht-Fest Veranstaltung mit den drei Männern und den drei Frauen, war wieder ein breiter Bogen durch die zeitgenössische Lyrik, auch wenn man sich, wie ich, als realistische Romanschreiberin, gar nicht so besonders für Lyrik interessiert, kommt man nicht darum herum und lernt auch viel dabei. Hermann J Hendrichs fünfundsiebzig Gedichte habe ich noch vergessen zu erwähnen, geben eine umfassende Zusammenstellung seines Lebenswerks sind sie ja zwischen 1957 und 2006 entstanden, wie Christine Huber erklärte und man sollte vielleicht wirklich mehr Gedichte lesen oder öfter zu den Dicht-Festen in die Alte Schmiede gehen…

2011-04-26

Howl

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

„Howl“ ist das bekannteste Gedicht des 1926 geborenen und 1997 gestorbenen Allen Ginsberg, den Begründer oder wichtigsten Vertreter der Beatgeneration und ein 2010 in den USA entstandener Film von Robert Epstein und Jeffrey Friedman, der derzeit im Schikanederkino zu sehen ist.
Wenn ich ehrlich bin, muß ich zugeben, daß die Beatgeneration also Allen Ginsberg, Jack Kerouac, William S.Burroughs, etc, ein bißchen an mir vorbeigegangen ist, bzw. habe ich, glaube ich, durch sie erst von Christian Ide Hintze bei seinen Präsentationen der Schule für Dichtung bzw. in Ö1 gehört, das Kulturquiz fragt manchmal danach und ach ja, das sind die in Amerika der Fünfziger- und Sechzigerjahre, sex und drugs etc..
Im Deutschunterricht in der Hauptschule und in der Straßergasse habe ich sicher nichts davon gehört und später war für mich die Wiener Gruppe schon irgendwie exotisch, da ich ja eine realistische Autorin bin und auch ein bißchen zu jung für 1968, denn da war ich erst fünfzehn und sehr unpolitisch, kam das eben über Ö1 und Ernst Jandl zu mir, denn da war ich ja im Jänner im Wien-Museum und habe Allen Ginsberg bei diesem berühmten Auftritt in der Royal Albert Hall gesehen.
Ich war aber vor einigen Wochen mit Alfred im Kino und habe da in der Stadtkino-Zeitung den Artikel über diesen Film gesehen und als wir vor einer Woche am Schikanederkino vorbeigegangen sind, ist der Alfred daraufgekommen, daß es den Film am Ostermontag spielt. Deshalb sind wir auch ein bißchen früher aus Harland zurückgekommen, der Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters, der diesmal wieder durch (einen anderen Teil) des vierten Bezirk führte, hätte noch früher angefangen. Da mich aber niemand eingeladen hat mitzulesen und ich mich nicht dafür gemeldet habe, ist auch das an mir vorbeigegangen. Ich begnüge mich also darauf hinzuweisen, bzw. mit dem Archiv der letzten Jahre, denn da ging es 2009 durch den fünften und 2010 durch den vierten Bezirk und bei beiden habe ich gelesen, bzw. ein bißchen mitorganisiert.
Von dem Gedicht „Howl“ zu Deutsch „Das Geheul“, das Allen Ginsberg das erste Mal im Oktober 1955 öffentlich in San Fransico vorgetragen hat, habe ich auch noch nichts gehört, wenn man aber ins Internet schaut, stolpert man förmlich über die youtube Filme und kann sich das Gedicht von dem alten, dem jungen Allen Ginsberg etc vortragen lassen. Das Gedicht ist Carl Solomon gewidmet, den Ginsberg in einer psychiatrischen Klinik kennengelernt hat, es ist sehr lang, besteht aus drei Teilen und einer Fußnote in der das Wort heilig auf die ganze Menschheit angewandt wird und dem Ganzen sozusagen ein optimistisches Ende gibt, trotzdem beschlagte die Polizei 1957 die fünfhundertzwanzig Exemplare des Buches in dem es erschienen war und klagte den Verleger an, weil es vor allem mit der Zeile „die sich in den Arsch ficken ließen von heiligen Motorradfahrern und vor Freude schrien“ als obszön galt.
Der Film zeigt nun diese Gerichtsverhandlung, es zeigt auch den jungen Allen Ginsberg im schwarzen Anzug, weißen Hemd und großer Brille, wie er vor andächtig lauschenden Zuhörern selbst andächtig dreinschauend das Gedicht vorträgt und läßt einen bärtigen Allen Ginsberg über das Gedicht sprechen und aus seinem Leben erzählen. Er war in der Psychiatrie und die Mutter, eine Kommunistin ist dort gestorben, vor allem wird das Gedicht auch performt und in einer Animationssequenz illustriert, was den Film sehr spannend macht.
„Der Film wird selbst zum Gedicht. Aber eben nicht nur. Er liefert zugleich auch Entstehungsgeschichte, Interpretation, Rezeption und den Verfasserkommentar“, schreibt die Berliner Morgenpost.
Am Ende entscheidet das Gericht, das Gedicht ist nicht obszön, denn ein Dichter darf solches empfinden, ausdrücken und beschreiben und es war wirklich spannend, wie das dargestellt wurde. Da waren die konservativen älteren Herren, die Richter, die Staatsanwälte, der engagierte Verteidiger, auch er im Anzug und dann wurden die Literaturexperten vorgeladen, drei Professoren und eine Frau im Stil der Fünfzigerjahre gekleidet und gefragt, ob das und was Literatur ist?
„Die Form!“ war immer die Antwort. Da fällt einer, der Herr Beckmesser ein, der in seinem Kabhäuschen sitzt und vor Freude aufjauchzt und einen Strich auf die Tafel macht, wenn der junge Künstler sich an der Form vergreift, weil die Regeln ja alles sind und im literaturcafe.de wurden die Autoren, die ihre Werke Amazon als E-Book anbieten wollen, gerade erst belehrt, daß sie ja auf die Rechtsschreibung achten sollen, weil es nicht nur auf den schönen Inhalt ankommt.
In den Neunzehnhundertfünfziger- und Sechzigerjahren war da eine Generation, die durch den Krieg und den Holocaust hervorgegangen ist, Vietnam klopfte irgendwann auch an, traumatisiert war, aber ihre Homosexualität und auch die Drogen entdeckte, sich frei schrieb und letztlich auch freigesprochen wurde…
Um auf Ernst Jandl zurückzukommen, die Wiener Gruppe hat sicher auch davon profitiert. Wenn man heute schreiben will, wird man sich vielleicht bei der Hochschule für Sprachkunst bewerben und wenn man Glück hat, werden fünfzehn von dreihundert ausgesucht, aber das sind schon wieder andere Zeiten, die des Neoliberalismus und des nicht mehr freien Hochschulzugangs nämlich. Die Schule für Dichtung bezieht sich aber sehr auf die Beatgeneration und wenn man sich die Videos mit dem jungen Allen Ginsberg ansieht, fallen gleich die Poetry Slamer ein. Die sind zwar anders angezogen und haben wahrscheinlich nicht mit einem Prozeß zu rechnen, ihre Inhalte sind aber oft ähnlich sozialkritisch, anklagend und revolutionär…
Es war also ein sehr spannender Film, Alfred meinte zwar, er hätte ihn ein bißchen depressiv gemacht, ich habe dagegen einiges über die Beatgeneration gelernt, auch wenn ich bei meiner Sprache, meinem Realismus und auch bei meinen Rechtschreibfehlern bleiben werde, denn das ist, behaupte ich einmal und habe ich mir das in den frühen Siebzigerjahren in der Straßergasse gedacht, das Revolutionäre an mir…

2011-04-25

Persönliche Fragen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:15

Jetzt kommt die Besprechung des 1997 in der rororo Reihe „neue Frau“ erschienenen Roman „Persönliche Fragen“ der 1935 in Helsinki geborenen finnland-schwedischen Autorin Märta Tikkanen, die ich von ihrem 1975 erschienenen feministischen Roman „Wie vergewaltige ich einen Mann“ mit dem sie berühmt geworden ist, kenne. Über dieses Buch haben wir im Arbeitskreis schreibender Frauen gesprochen, ich habe es mir gekauft und in den Siebzigerjahren gelesen. Es dürfte mich so beeindruckt haben, daß ich mir den Namen der Autorin merkte und als vor zwei Jahren bei Thalia in der Kremsergasse einen Abverkauf gab, die „Persönlichen Fragen“ kaufte. Jetzt bin ich ein bißchen ratlos, denn es ist ein sehr poetisch geschriebener Roman, in dem auf Seiten, wo oft nur wenige Sätze in verschiendenen Absätzen stehen, zwei Geschichten ineinander vermengt werden, die der Journalistin Anna Ci zu einem älteren Mann, einem Starreporter, von dem sie offenbar während seiner Abreise in sechsundsechzig Tagen schreibt, träumt, monologisiert, spricht etc und der ihres Vaters, der vor zwanzig Jahren, als sie ein kleines Mädchen war, starb, bzw. von einem Elch überfallen wurde, sein Grab wird nicht mehr gepflegt und als Anna Ci dem nachgeht, kommt sie heraus, daß es eine Kabarettsängerin namens Cäcilia gab, inzwischen eine über siebzigjährige Frau, die den Auftrag zu der Grabpflege gab und plötzlich einstellte, es gibt auch eine Mutter, die in einem Altersheim lebt und zu der offenbar die Tochter, als auch der Vater ein eher schlechtes Verhältnis haben, bzw. hatten. Dann gibt es ein Haus in den Schären, in dem der Vater, der Architekt war, lebte und das Anna Ci, der es nun gehört aufsucht und in den Spuren des Vaters forscht…
Das ganze ist in drei Teilen geschrieben, zumindestens habe ich es mir so interpretiert. Der erste trägt die Überschrift „Ich will nicht mehr wollen als du“, der spielt auf achtundachtzig Seiten in dreiundsechzig Tagen, da erfährt man etwas von Anna Cis journalistischen Leben, ihre Begegnung mit dem Mann, ihre Besuche bei der Mutter etc.
Der zweite Teil „Da kamen wir durch dieses lange Jahr“, hat über hundert Seiten, keine Überschriften aber verschiedene Ich-Monologe und Erzähler und handelt sowohl von Anna Ci als auch die Beschreibung der Beziehung des Vaters zu Cäcilia.
Der dritte Teil ist der kürzeste „Bald wäre es für alles zu spät“. Auf sechs Seiten wird von der Nacht zum vierundsechzigsten Tag und dem sechsundsechzigsten erzählt. Dazwischen steht „Du bist gekommen“ und das Buch endet mit den Sätzen „Er zog mich an sich, er sagte er wolle ein Kind mit mir haben. Da bat ich ihn zu gehen. Er ging, und nichts würde geschehen.“
„In einem überraschend neuen Ton erzählt Märta Tikkanen von dem Balanceakt zwischen Nähe und Einsamkeit, beruflicher und emotionaler Selbstverantwortung, vom Kampf des Behehrens gegen die Unmöglichkeit“, steht auf der Buchrückseite und in der einzigen Rezension, die man im Internet findet, schreibt Uwe Lorenz „Die Persönlichen Fragen drehen sich wieder um Tikkanens Haupthema, um die Liebe zwischen den Geschlechtern und die Liebe zwischen Eltern und Kindern und die Unmöglichkeit, Liebe in voraussetzungsloser Absolutheit und Ebenbürtigkeit zu leben“
Mir waren die kurzen poetischen Sätze zu abstrakt und unverständlich, da ich eine bin, die sich an Handlungen klammert, habe ich mich oft nicht ausgekannt, nicht gewußt, wer spricht jetzt eigentlich und was wird erzählt?
„Während die junge Journalistin Anna Ci sich mit einer unerlaubten, bedrohten Liebe quält, entdeckt sie eine weitere, lang zurückliegende Geheimliebe, die ihres Vaters zu der Kabarettsängerin Cecilia, die ebenso von hastigen, heftigen Begegnungen und Phasen des Schweigens bestimmt war…“, erklärt mir der Buchumschlag. Nun ja, das habe ich verstanden. Märta Tikkanen könnte man sagen, braucht dazu zweihundertsechzehn Seiten und erzählt in sehr schönen poetischen Worten viel mehr und auch viel weniger, weil sie es so unverständlich tut, daß sich die Leserin nicht auskannte.
Dazu kommt noch, daß das Buch in Schwedisch oder Finnisch, auch das ist mir nicht ganz klar, geschrieben und von Verena Reichel übersetzt wurde und wenn man bei Wikipedia nachschaut, findet man auch nicht sehr viel mehr Erkilärungen.
Die auf Deutsch erschienenen Bücher sind offenbar in der von Angela Praesent und Gisela Kahl herausgegebenen rororo Reihe neue Frau erschienen, von denen ich einige gelesen habe und die einige interessante feministische Autorinnen bekannt machte, bzw. nach Deutschland und nach Österreich brachte.
Bei diesem Roman bleibe ich etwas ratlos zürück, die Sprache war sehr schön und poetisch, beim Inhalt habe ich mich nicht recht ausgekannt, bzw. weiß man ohnehin, daß das Frauen und Männern passieren kann, viel wärmer bin ich mit den Protagonisten nicht geworden, sind sie mir doch seltsam fern und abstrakt geblieben und bei google findet man die eine Rezension zwischen verschiedene Angeboten das Buch zu kaufen.

2011-04-24

Radtouren

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:08
Vor dem Donaurestaurant Traismauer

Vor dem Donaurestaurant Traismauer

Im Jahr 2007 sind wir bekanntlich ein Stück mit der Dichterradkarawane der Ruth Aspöck, die von Wien nach Bamberg ging, mit der sie sich von ihrem Verlag „Die Donau hinunter“ verabschiedete, mitgefahren. Am Dienstag nach Ostern ist sie begleitet nur von einer guten Freundin, die sich noch am Ostermontag in dem Theater in der Burggasse, wo im Rahmen des Osterspaziergangs des erstes Wiener Lesetheaters die Karawane sozusagen von Rolf Schwendter verabschiedet wurde, anmeldete, losgefahren. Wir haben uns am Donnerstag darauf in Ybbs angeschlossen. Da war vorher im Radiokulturcafe die Pressekonferenz des ersten Ohrenschmauses, anschließend sind wir nach Harland gefahren und von St. Pölten mit dem Zug nach Ybbs, wo wie die anderen getroffen haben. Da gab es im Ybbser Rathaus einen Brunngraber Abend und Rudolf Brunngrabers Tochter ist mit ihrem Hund und ihrem Auto, glaube ich, bis Linz mitgefahren. Wir haben es mit den Rädern von Ybbs bis Regensburg in zehn Tagen gemacht, die Kilic haben sich in Linz angeschlossen, vorher gab es ein paar Besprechungen und Treffen bei der Ruth Aspöck, die bei dieser Gelegenheit Robert Eglhofer kennenlernte und ich habe die Karwoche davor zum Anlaß genommen, mich ein bißchen einzutrainieren.
Bin aber, glaube ich, erst am Mittwoch oder Donnerstag nach Harland gekommen, vorher machte ich meine Praxis und meine Aussendungen bezüglich einiger Lesungen, die ich anschließend hatte und am Abend bin ich in die Alte Schmiede gegangen, wo es ein sehr schönes Musikprogramm gegeben hat. Und dann mit dem Rad trainieren, damit ich die Radfahrt schaffe, obwohl es die Ruth Aspöck ohnehin sehr pomali angegangen ist und nur jeweil kleine Radstrecken festlegte und jeden Abend gab es eine Lesung aus einem ihrer Bücher in einem anderen Ort. Ich habe in Vilshofen aus den Donaugeschichten gelesen, das ist zwischen Passau und Deggendorf, weil es bei St. Pölten ja ein Viehhofen gibt und in den Tagen davor habe ich meine St. Pöltner Bekannten, z.B. den Robert Eglhofer angeschrieben, ob sie mit mir trainieren, fand aber keine Mitstreiter, so habe ich mir allein die Routen festgelegt, die ich seither regelmäßig zu Ostern aber auch im Sommer absolviere. Im Winter wirds ja meistens nicht sehr viel mit dem Radfahren und da Harland an der Traisen zwischen der Stadt St. Pölten und Ochsenburg liegt, ist das ohnehin ganz leicht. Ich fahre mit dem Rad von der Siedlung an die Traisen und dann nach links oder rechts.
2007 habe ich, glaube ich, mit Herzogenburg begonnen, da spaziere ich immer durch das Stift, in Wilhelmsburg war ich, glaube ich, einen Tag später und das war glaube ich der Ostersamstag, das war dann eine Erholung, weil eine kleinere Strecke, dafür bin ich es am Sonntag zünftig angegangen mit dem Alfred nach Traismauer und zur Donau und haben im Donaugasthof Mittag gegessen, dort sind wir 2007 zwar nicht mehr hingekommen, aber 2008 sind wir ja mit den Hundertmarks von dort nach Passau gefahren. Da habe ich im Literaturgeflüster schon darüber geschrieben, über die Donauradkarawane leider noch nicht, das muß ich jetzt aus dem Gedächtnis tun und am Ostermontag waren wir, was wir ja sonst am Sonntag tun, auf der Rudolfshöhe und sind am Nachmittag nach Wien in dieses ehemalige Kino in die Burggasse, um Ruth Aspöck die Gutscheine für ein Schnitzl um drei Euro, das es dort in dem Donaugasthaus gab, zu übergeben und uns auf die Fahrt einzustimmen.
Die war sehr schön und eine bleibende literarische Erinnerung. Seither trainiere ich zu Ostern sozusagen für mich selbst und fahre von der Traisen nach links oder rechts, nach Wilhelms- oder Herzogenburg und da ich diesmal schon am Dienstagabend nach Harland gekommen bin, habe ich es am Mittwoch wieder ganz pomali begonnen und bin mit dem Rad zum Naturlehrpfad, habe dort ein bißchen Bärlauch gepflückt und dann beim Lidl eingekauft. Am Donnerstag habe ich zuerst den Orhan Pamuk gesprochen und bin am Nachmittag nach Wilhelmsburg, da gibt es zum Gründonnerstag ja als Higlight die Kirche mit dem Bankerl davor, man kann durch die Kirche durchgehen. Vor zwei Jahren habe ich den Herrn Pfarrer mit seinem Hund spazierengehen sehen, im Vorjahr bin ich auf dem Bankerl gesessen und habe die letzten Szenen der „Mimi“ konzipiert und bin dann in das Papiergeschäft mit der Abverkaufskiste, der „Handke“ liegt noch ungelesen auf dem Bett, bzw. steht er jetzt schon auf der Bücherliste und diesmal gab es von der Judith Hermann „Sommerhaus, später“ und von der Birgit Vanderbeke „Sweet Sixteen“. Beide Bücher habe ich mir gekauft, die Verkäuferin erklärte mir, daß ich damit die freiwillige Feuerwehr Wilhelmsburg unterstütze, bin damit durch die Stadt gegangen, wo es ein neues Einkaufszentrum gibt, daß ich noch nicht gesehen habe. Da konnte ich mich beim Hager ein bißchen durch die Ostereier kosten und bin dann in einen schönen Park gegangen, wo ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob ich das „Sommerhaus, später“ nicht schon habe. Denn als ich 2000 zum ersten Mal den Luitpold Stern Preis gewonnen habe, gab es dafür einen Buchgutschein und da habe ich mir einen Erzählband der Judith Hermann gekauft und noch immer nicht glesen. Macht ja nichts habe ich gedacht, dann habe ich etwas für den Bücherschrank, es waren aber „Nichts als Gespenster“, die ich mir damals kaufte.
Am Karfreitag bin ich flott nach Herzogenburg gefahren. In die Stadt hinein mache ich meistens nur zu Ostern, sonst begnüge ich mich bis zu der Brücke kurz davor zu fahren und auf der anderen Seite wieder zurück und gestern nach St. Pölten in die Stadt, weil ich mir ja das Buch zum Tag des Buches holen wollte, habe mit dem Alfred beim Tschibo einen Kaffee getrunken und mir die Ausgrabungen angeschaut. Die Doris Kloimstein habe ich an einem Karfreitag vor Jahren auch einmal getroffen und wäre dabei fast in den Dom zu einer Messe mit dem Bischof Krenn gekommen und heute haben wir wieder eine Fahrt ins Donaugasthaus nach Traismauer gemacht. Ob wir da im Vorjahr waren weiß ich nicht mehr, vor zwei Jahren haben wir es versucht, nur leider ist dem Alfred die Luft aus sämtlichen Rädern gekommen, so daß wir es nur bis zu der Tankstelle bei der Brücke bzw. zur „Seedose“ schafften, wo es ein Ostergrill und Ostereier gab. Diesmal haben wir es geschafft und zwei Stunden gebraucht. Im Donaugasthaus Mittag gegessen, leider keinen Platz im Garten mehr bekommen, dafür vom Buffet gegessen, also jede Sorte Gebackenes, Fisch, Spargel, Schnitzel und Salat, viel zu viel und vielleicht auch nicht ganz frisch herausgebacken und Instant gewürzt.
Für alle Literaturquizlinteresierte Cornelia Travnicek stamm übrigens aus Traismauer, die habe ich aber nicht gesehen. Jetzt bin ich wieder zurück und der Osterurlaub, der sehr gelungen war, fast aus. Auf die Rudolfshöhe werden wir noch morgen fahren und bei Alfreds Eltern Mittagessen und dann nach Wien, wo es stattt zum Osterspaziergang des Lesetheaters ins Schikanederkino zu einem Film über Allen Ginsberg geht.

2011-04-23

Ostersamstag und Welttag des Buchs

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:05
Mit dem Gratisbuch am Herrenplatz in St. Pölten

Mit dem Gratisbuch am Herrenplatz in St. Pölten

Der Welttag des Buches, von dem ich, glaube ich, 1998 das erste Mal etwas hörte, erscheint mir inzwischen irgendwie eingeschlafen, denn damals kann ich mich erinnern, gab es überall Aktionen und Frauen, die vor Buchhandlungen mit Rosen und Buchgutscheinen winkten und beinahe jede Buchhandlung hatte ihr eigenes Gratisbuch. Es gab ein deutsches und eines vom Hauptverband des Buchhandels, der Libro hatte anfangs eines, u.s.w.u.s.f. Der Libro ist dann bald eingegangen, bzw. verkauft und übernommen worden, als wir 2007 die Radtour nach Bamberg machten, waren wir am Tag des Buches in Straubing bzw. in Regensburg, da habe ich versucht, die deutsche Anthologie, die es in Österreich inzwischen nicht mehr gab, zu bekommen, es gab aber nur mehr die Kinderausgabe und der österreichische Buchhandel begann auch mit dem Gratisbuch zu sparen, es gab nur mehr einige Buchhandlungen, die es verschenkten, weil die Buchhändler, wie mir der alte Herr in der Margaretenstraße, den es inzwischen auch nicht mehr gibt, sagte, dafür etwas bezahlen müßen. Seit zwei Jahren lese ich auf der Seite des Hauptverbandes, die Buchhändler können eine Spende dafür verlangen, beim Schubert gibt es das Buch aber immer noch problemlos gratis. Ein paar Jahre hat es die Evelyne Polt-Heinzl, wie ich finde unvergleichlich gut, zusammengestellt, heuer waren es Wolfgang Böck und Gerald Schantin, der Präsident des HVBs. Die Themen kommt mir vor, sind immer gleich, denn 2007, als wir kurz vor sechs aus dem Zug in St. Pölten ausstiegen und ich schnell zuerst zu Thalia dann zum Schubert lief, gings, um das Thema essen oder waren es damals die Buchhandlungen und ums Essen gings erst 2008 als es die Büchertramway noch gab und ich das einzige Mal mitgefahren bin?
Reisen ist auch so ein Generalthema, was eben viele Leute interessiert, aber wieviele Leute interessieren sich für den Tag des Buches und überhaupt wenn er am Ostersamstag ist? Wenn man das Internet hernimmt, erstaunlich viele, denn da saß ich am Mittwoch in meiner Osterfrische auf der Terrasse und bekam ein Mail von der literarischen Agentur der Doris Lind, die mich immer freundlich mit ihren Buchempfehlungen versorgt und die hatte den Tip ein Buch ins Osterkörbchen zu packen und hat gleich eine literarische Hausapotheke zusammengestellt und dann gibt es den duftenden Doppelpunkt der Petra Öllinger, ein Blog der beinahe an mir vorbeiging, zu unrecht aber, denn wer interessiert sich sonst für Arbeiterliteratur? Der duftende Doppelpunkt tut es, hat viele Tips und Anregungen und erstaunlich anspruchsvolle Gewinnspiele, so heute eins zum Tag des Buchs, da kann man das Buch, der Maria Leitner gewinnen, die auf der ersten Etappe der literarischen Spaziergänge, die derzeit auch veranstaltet werden, erraten werden mußte.
Ich habe mich gerade daran beteiligt und kurz darauf den Fehler auf meiner Osterferienseite ausgebessert, denn da hatte ich geschrieben, daß der Tag des Buches deshalb gefeiert wird, weil Shakespeare und Cervantes am 23. April geboren wurden, sie sind an diesem Tag aber gestorben und keiner meiner Leser hats bemerkt. Am tollsten von all den Aktionen ist aber sicher, daß Nina von Libromanie zusammen mit lovelybooks einen Lesemarathon zum Tag des Buches ausgerufen hat, das sind diese ein wenig merkwürdig scheinenden Veranstaltungen, wo ein Tag zum Gemeinschaftslesen ausgerufen wird, in diesem Fall von Mitternacht zu Mitternacht, kein Mensch muß die ganze Zeit lesen, er kann sich aber, wenn er es nur eine halbe Stunde tut, bei lovelybooks melden und auf seinen Blog darüber schreiben.
Nina hat eine ganze Liste von Blogs zusammengestellt, die sich gemeldet haben, die können die Nichtleser durchgehen und das habe ich inzwischen auch getan und werde es den Rest des Tags noch tun. Ich glaube da sind hundert Blogs oder so gelistet, die meisten kannte ich noch nicht und das ist irgendwie schon erstaunlich, wie viele meist deutsche Leute und meistes sind es, glaube ich, junge Frauen, sich für das Lesen interessieren, daß die dann meist noch Rezensionsexemplare beziehen, finde ich ich ebenfalls erstaunlich und wundere mich, daß es funktioniert, frage aber gelegentlich auch um solche an. Zu Weihnachten gab es ja eine große Diskussion bezüglich der Qualität der Blogs. Die Meisten sind sehr einheitlich und besprechen Bücher, die ich eigentlich nicht lese, das stimmt schon, man trifft aber immer wieder auf Überraschungen, so bin ich gestern auf den Blog einer jungen Frau gestoßen, die sich Mira Sun nennt, von ihren Hartz IV Erfahrungen berichtet, beim Nanowrimo, bei der Aktion Buchkauffrei, eine Art Bücherfasten und bei den Lesermarathons mitmacht und deren Blog ganz anders ist. Ich werde mich also demnächst bei den Marathonlesern ein wenig umschauen, habe mir vorhin das Buch zum Welttag geholt, kann damit in der Badewanne verschwinden und die Märta Tikkanen, das ist die skandinavische Autorin, die in den Siezbzigerjahren im Arbeitskreis schreibender Frauen mit ihrem Buch „Wie vergewaltige ich einen Mann“ aufgefallen ist, zu lesen beginnen. Sonst werde ich zum Marathonlesen nicht viel kommen, habe seit ich in der Osterfrische bin aber, den Orhan Pamuk und die Paula Fox gelesen und gestern, als mich Gerlinde Tamerl zu der Zoderer Lesung einlud, sein Buch angefragt, dann komme ich zwar mit meiner hundert Bücher Leseliste ins Schleudern, denn als ich am Donnerstag mit dem Rad nach Wilhelmsburg gefahren bin, bin ich an der Bücherkiste, die dort in der Hauseinfahrt eines Schreibwarengeschäfts steht, nicht vorbeigekommen und habe so je einen Euro der freiwilligen Feuerwehr für Judith Hermanns „Sommerhaus, später“ und Birgit Vanderbekes „Sweet sixteen“ gespendet und habe auf meiner Bücherliste schon Buch 94 aufgezählt. Die „Rote Lilo trifft Wolfsmann“-Anthologie des duftenden Doppelpunkts, die inzwischen gekommen ist, habe ich gar nicht mehr eingetragen.
Jeder hat so seine kleinen Schwächen und da man am Tag es Buches lesen soll, kann ich mich durch die Blogs der Marathonleser wühlen. Ich habe das am Morgen ein bißchen getan, bin dann aber mit dem Rad in die Stadt gefahren, bei Schubert, wie erwähnt das „Erlesene Menu“ problemlos bekommen und kann es mir nun sozusagen ins Körbchen mit den Eiern legen, denn da in St. Pölten bald Gemeinderatswahl ist, standen am Riemerplatz und in der Kremsergasse, die freiwilligen Helfer mit den Eiern, rot, blau und gescheckt, letztere von der ÖVP, die Grünen und die Kommunisten habe ich nicht entdeckt, dafür ließ sich Bürgermeister Stadler mit seiner Crew am Rathausplatz fotografieren und Alfred hat das mit seiner neuen Kamera am Markt- und Domplatz getan, denn da gibt es im Augenblick Ausgrabungen zu bewundern. Neben dem Gratisbüchlein gab es auch ein paar Buchjournale und den Thalia Osterprospekt. Also sehr viel Lesefutter für das Körbchen, Spargel, Pinzen, Bärlauchbrot, Erdbeeren für die Feiertage und bezüglich des Osterputzes bin ich über die Fenster hergefallen, so daß es wieder ein bißchen sauber ist und ich den Rest des Nachmittages gemütlich auf der Terrasse lesen, korrigieren etc kann und bezüglich E-Book, das jetzt wirklich im Kommen scheint, gibt es auch einiges zu vermelden. Da kann nämlich jeder, der die Rechte über seine Bücher hat, bei Amazon welche machen lassen und 70 % verdienen, so meldet es das Literaturcafe. Ich bin da zwar ein wenig skeptisch, daß das funktioniert, die Rechte meiner Bücher liegen aber bei mir, ich werde mir aber höchstwahrscheinlich keinen Kindle zulegen, wozu auch, gibt es ja genug in den Bücherschränken und meine Vorräte, die sich angesammelt haben sind auch intensiv, daß sich da aber, wie ich glaube, still und heimlich viel ändern wird, habe ich schon geschrieben, in diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Tag des Buches und frohe Ostern natürlich auch!
Als kleines Geschenk gibts noch das Archiv von 2009 und 2010. Vorher habe ich ja noch nicht berichtet.

2011-04-22

Der kälteste Winter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:13

„Der kälteste Winter“ von der 1923 geborenen Paula Fox „Erinnerungen aus dem befreiten Europa“ oder „Eine Fahrt in Herz der Finsternis“, wie auf der Buchrückseite steht, sind seine Reihe von Texten, die eine Reise auf einem notdürftig umgebauten Kriegsschiff nach Europa schildern, wo die dreiundzwanzigjährige Paula Fox einen Winter in London, Paris, Warschau und Spanien verbringt. Geschickt und beauftragt wurde sie von einer Nachrichtenagentur. Die Reise scheint sie sich als Kellnerin in einem Ferienhotel im Frühjahr 1946 in den Catskills verdient zu haben und die Geschichten erst viel später, der Band ist 2005 in der Originalausgabe erschienen, zusammengestellt zu haben. Beginnen tut es in New York, wo Paula Fox geboren wurde und die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte, mit einer Schilderung von Begegnungen mit Menschen „deren Namen heute zum Teil auf berühmten Grabsteinen stehen.“ Duke Ellington zum Beispiel oder Billie Holiday, die „in einem Jazzclub auf der zweiundfünfzigsten Straße auf einem Barhocker saß und sie bat „Schätzchen wärst du so nett?“ ihren Pelzmantel aufzuheben, der ihr von den Schultern gefallen war.“ Es gibt dann auch ein Bild von Billie Holiday im Pelzmantel im Buch und das ist in verschiedene Kaptitel geteilt, die von New York nach Europa und wieder zurück führen.
So kommt sie mit dem umgebauten Kriegsschiff 1946 zuerst nach London, wo sie bei drei Ehepaaren wohnt, von denen eines ein Kind hat, das die berühmte Schule von Summerhill besucht. Paula Fox arbeitet bei einen Verleger und sieht Manuskripte durch, obwohl sie keine Arbeitserlaubnis hat und so auch einmal Besuch von der Polizei bekommt. Es gibt ein Foto vom zerstörten Straßenverkehr Londons. Dann geht es nach Paris, wo auf den Champs Elysees vor kurzem noch die schwarzen Nazistiefeln entlangmarschierten. Die Französinnen versuchen jedoch schon wieder unbekümmert ihren Beschäftigungen und Besorgungen nachzugehen. Sie trifft kurz Jean Paul Sartre und einen Mann, der die Schaflederjacke trägt, die ihn drei Jahre im KZ wärmte und wird, als sie wieder in London ist von der Nachrichtenagentur mit einem Flugzeug nach Prag und von dort im Zug nach Warschaugeschickt, weil sie nur eine kleine Journalistin ist, die bedeutenderen dürfen direkt in das zerstörte Warschau fliegen, sie wird auch vor dem kalten Winter gewarnt und darf in einem der drei noch existierenden Hotels wohnen, wo man nur einmal in der Woche baden kann und auch nur, wenn einem zuvor das Stubenmädchen das heiße Wasser nach oben schleppt und in die Badewanne lehrt. Sie reist mit den anderen Journalisten herum und erfährt, daß niemand öffentlich von den Juden spricht. Mrs Helen Grassner ist aber eine davon und empfindet Schuldgefühle, daß niemand von ihrer Familie umgekommen ist und hat Schwierigkeiten mit dem Jungen mit dem Holzstumpf, der vor dem Hotel steht und Zeitungen verkaufen will und die, die sie nicht kaufen, mit dem Holzstumpf ins Schienbein tritt.
Dann geht es in ein ehemaliges Jagdschloß eines preußischen Adeligen im Tatragebirge, das die polnische Regierung in ein Erholungsheim für Kinder aus Konzentrationslagern umgebaut hat, bevor Paula Fox zu einem siebzigjährigen Onkel nach Spanien fährt, der mit dem Philosophen Ortega y Gasset befreundet war. Der Onkel hat einen Hund, der Perlita heißt, den er mit Knoblauch aufzog und hatte Schwierigkeiten mit General Francos Polizei, weil er in einem Brief an seine Schwester in Amerika der Hoffnung Ausdruck gab, bald vom Faschismus erlöst zu werden. Leider zeigte ihn eine junge Cousine aus Cadiz an, so daß er verhaftet und gefoltert wurde, trotzdem ist Paula Fox sehr traurig, als sie nach Amerika zurückkehrt und nicht sicher, ob sie nicht in Europa bleiben hätte sollen.
Das letzte Kapitel heißt „Astronomiestunde“ spielt wieder in Amerika und in den Fünfzigerjahren, da ist Paula Fox Lehrerin in einem Heim für schwer erziehbare Jugendlichen und fährt mit einem solchen Jungen, der sich für Astronomie interessiert, zur Columbia University um ihm ein Teleskop zu zeigen. Das spannt wieder den Bogen von den Jugendlichen in Amerika zu denen in dem Erholungsheim an der Tatra und zu den Erfahrungen, die sie zehn Jahre zuvor im zerstörten Europa machte.
Das Buch mit den Geschichten des kältesten Winters, die Paula Fox „von den Ketten befreite, von deren Fesseln sie gar nichts ahnte“ ist sicher sehr interessant, wenn auch vieles nur kurz angerissen wird und daher vage und schwer verständlich bleibt, dennoch passt es wahrscheinlich das Buch am Karfreitag zu lesen.
Von Paula Fox, die, wie Wikipedia schreibt, lange Zeit vergessen war und heute als eine Klassikerin der Modere gilt, habe ich, 2002 das erste Mal gehört, als ich auf der Frankfurter Buchmesse auf eine Lesprobe ihres Buches „In fremden Kleidern – Geschichte einer Jugend“ stieß. Bei Beck und bei dtv sind ihre Bücher erschienen. Von den „Kalfornischen Jahren“ habe ich auch etwas gehört, gelesen habe ich bis auf diese Kriegserinnerungen noch nichts von ihr, glaube aber, daß ich vor kurzem erst auf eine Rezension von oder über sie gestoßen bin. Hat doch Bernadette Conrad 2011 bei Beck „Die vielen Leben der Paula Fox“ herausgebracht, ebenso ist 2011 der Band „Die Zigarette und andere Stories“ erschienen.

2011-04-21

Das stille Haus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:07

Im “ Stillen Haus“, dem 1983 erschienenen, zweiten Roman des 1952 geborenen Orhan Pamuk, zeigt sich wie Wolfgang Schneider in FAZ-Net schreibt, die frühe Meisterschaft des türkischen Autors.
Das stille Haus steht in Cennethisar am Marmarameer ein paar Kilometer von Istanbul entfernt und wird von der neunzigjährigen Fatma und ihrem kleinwüchsigen Diener Recep bewohnt, die Besuch von ihren Enkeln Faruk, Metin und Nilgün bekommt und dann gibt es noch Rezeps Bruder, den hinkenden Losverkäufer Ismail und seinen Sohn Hasan, der in Mathematik durchgefallen ist und sich statt zu lernen, den Nationalisten angeschlossen hat, um die Wände mit Parolen anzuschmieren und den Geschäftsleuten Geld abzupressen. Der Roman spielt im im Sommer 1980 vor dem Militärputsch und die sechs Protagonisten treten in den abwechselnden Kapitel als Ich-Erzähler auf, was das Lesen Anfangs etwas schwierig macht, denn sie haben alle ihre Phantasien, Träume, Ängste, Schuldgefühle, wie in den alten russischen Romanen, reden aneinander vorbei, scheitern am Leben und die alte Fatma liegt in ihrem Bett und läßt, während sie von Rezep, der der illegitime Sohn ihres Mannes Selahattin ist, ihr Leben und ihre Schuldgefühle an sich vorbeiziehen.
Mit Zwanzig wurde sie als schönes junges Mädchen mit einer Schatulle voller Schmuckstücke, an einen hoffnungsvollen jungen Arzt verheiratet, der wurde aus Istanbul verbannt, ließ sich am Marmarameer nieder, um dort das stille Haus zu bauen und an seinem Lebenswerk, einer Enzyklopädie zu schreiben, von der er Fatma, die sich bald in ihr Zimmer zurückziehen wird, fortan erzählt. Daß es keinen Gott gibt, hat er herausgefunden und was es mit dem Tod auf sich hat, daß das der Unterschied zwischen den Europäern und dem Orient ist. Er beginnt zu trinken, zwei illegitime Kinder hat er mit dem Hausmädchen auch und da es keine Patienten gibt und die Enzyklopädie nichts einbringt, muß er regelmäßig den Juden holen, um ihm Fatmas Schmuck zu verkaufen, bis die Schatulle schließlich leer im Kasten überbleibt. Fatma, die nicht nur nicht zuhörte, sondern auf die Nebenbuhlerin und ihre Kinder auch mit ihrem Stock einschlug, trägt sich mit Vorwürfen schuld am Hinken Ismails und an Rezeps Zwergenhaftigkeit zu sein und hat Angst, daß er das den Enkelkindern, die jedes Jahr auf Besuch im Sommer kommen, erzählen könnte.
Aber die sind ohnehin in ihre eigenen Probleme eingesponnen, so hat der Älteste, der Historiker Faruk, den seine Frau Selma verlassen hat, inzwischen, wie der Vater und der Großvater zu trinken angefangen und besucht jeden Tag ein Archiv, um die Geschichte seines Landes aufzuschreiben, was aber nicht gelingen will. Nilgün ist Kommunistin, liest Turgenjew und studiert Soziologie, während Metin noch auf die amerikanische Schule geht und von einem Studium in Amerika, einer großen Erfindung und Reichtum träumt, dazu braucht er aber Geld und so will er die Großmutter überreden, ihr Haus abzureißen und den Grund zu verkaufen und verbringt die Nächte mit seinen reicheren Freunden trinkend und kiffend am Meer, bzw. mit rasenden Autofahrten, wo sich die Jugendlichen damit amüsieren, die Autos der Gastarbeiter vor sich herzuhetzen. Hasan ist dagegen in Nilgün verliebt, beobachtet sie beim Baden und verrät seinen nationalistischen Freunden, daß sie täglich beim Krämer die kommunistische Zeitung kauft und weil er ihr auch noch einen Kamm gestohlen hat, wird er von ihnen aufgezogen und soll ihr die Zeitung aus der Hand reißen, was schließlich, zuvor stehlen die Nationalisten noch Metins Geld, das er sich durch Nachhilfestunden im Hause seiner Tante in Istanbul verdiente, damit endet, daß er Nilgün niederschlägt, die schließlich, während die Großmutter in ihrem Zimmer immer und immer wieder ihr Leben durchgeht und nach Rezep ruft, an einer Gehirnblutung stirbt und das Buch mit einer Erinnerung der Großmutter, als sie als kleines Mädchen von ihren Freundinnen, die auch besser, reicher und schöner waren, “ Robinson Crusoe“ schenken ließ, endet, die hervorragend zum kommenden Tag des Buches passt. „Wenn die einmalige Lebensreise vorbei ist, kannst du sie nicht von neuem beginnen, aber wenn du ein Buch in der Hand hast, und mag es noch so verworren und unverständlich sein, dann kannst du, wenn du willst, um das Unverständliche und das Leben doch noch zu begreifen, das Buch noch einmal von vorne lesen, nicht wahr, Fatma?“
Das trifft für Orhan Pamuks von 1980-1983 geschriebenen Roman, in dem an einer Stelle auch ein Orhan vorkommt, der an einem Roman schreibt, sicherlich nicht zu, hat er doch 2006 den Nobelpreis bekommen und ist mit seinen Romanen, in denen er zwischen dem modernen europäischen Roman und der mystischen orientalischen Tradition vermitteln will, berühmt geworden.
„Herr Cvedet und seine Söhne“ ist, glaube ich, der zuletzt auf Deutsch Erschienene und wird auf der ORF-Bestenliste vorgeschlagen.
„Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt“, habe ich mir von dem Buchgutschein, den ich bei der Szene Margarten gewonnen habe, gekauft, dann kam der Nobelpreis, den Friedenspreis des deutschen Buchhandels in Frankfurt, hat er schon ein Jahr früher bekommen.
Zwei Zitate von ihm gibt es bei Wikipedia auch zu finden, die einiges über den Schriftsteller erzählen können: „Meine Aufgabe besteht nicht darin, den Europäern die Türken, den Türken die Europäer zu erklären, sondern gute Bücher zu schreiben“ und „Wissen Sie, es gibt Leute, die lieben ihr Vaterland, indem sie foltern. Ich liebe mein Land, indem ich meinen Staat kritisiere.“

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