Literaturgefluester

2011-04-04

Korrigierbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:24

Nachdem ich Donnerstag und Freitag zwischen Veranstaltungen, Buchbesprechungen, Stunden, Diagnostik und Abrechnung hin- und her gehetzt bin, war das Wochenende in Harland bei wunderschönen Wetter geruhsamer und da bin ich auch mit den „Zwillingswelten“, die ja seit Dienstag liegen geblieben sind weitergekommen. Seit dem letzten Korrigierbericht hat sich einiges verändert. Inzwischen sind es zweiundneunzig Seiten bzw. 48.165 Worte. Ich habe es einmal händisch korrigiert und am Wochenende die Korrekturen übertragen. Die Fakten stimmen jetzt wahrscheinlich, die Namen, das Alter, die Haarfarben etc, das, wo sich die Fehler einschleichen. Ich habe außer der Sprache an der ich noch arbeiten will, weder große Recherchelücken noch Plotfehler gefunden. Sprachlich ist es noch sehr holprig, ein paar unverständliche Stolpersätze werden auch noch drinnen sein, es wird wahrscheinlich auch noch ein paar Wiederholungen geben, die hinauskommen, so daß die Endfassung vielleicht um eine Seite weniger haben wird. Große Plotveränderungen werde ich wohl auch hier nicht vornehmen, immer wenn ich da Ideen habe, lasse ich es dann doch, bzw. finde ich das ohnehin schon angedeutet.
Ich habe mir die zweiundneunzig Seiten ausgedruckt und überlegt, da ich heute nur bis zwei Uhr Stunden hatte, ob ich damit nicht spazieren gehe oder mich in die Straßenbahn setze, um eine Art Recherchekorrektur zu betreiben. Bei der „Absturzgefahr“ habe ich das im letzten September kurz nachdem ich mit dem Rohentwurf fertig wurde, so gemacht. Da bin ich mit den Bus an den Rändern Wiens und auf den Kahlenberg hinaufgefahren und habe mir in meinem grünen Buch je eine Seite pro Person angelegt, wo ich was darüber geschrieben habe. Schließlich habe ich es so gelassen und ein paar Monate am Feinschliff der Sprache und den Fehlern korrigiert. Jetzt hätte eine Recherchekorrektur eher etwas für einen Literaturgeflüsterartikel gebracht, da ein großer Teil der Handlung ja nicht in Wien spielt. Nach Linz zu fahren und dort herauszubekommen, ob es ein Kongreßhotel gibt und ob das an der Donau steht, will ich nicht und im Hotel Wolfinger haben wir während unserer Radtouren ein paarmal geschlafen. In Trapani war ich vor zehn bis fünfzehn Jahren zu Ostern einen Tag und auf unserer letzten Sizilienreise, da habe ich wie wild an der „Sophie Hungers“ geschrieben, sind wir nicht dorthin gekommen, weil uns vorher das Öl aus dem Auto ausgeronnen ist. Dafür waren wir ein paar Tage in Taormina und das kommt ja auch ein bißchen vor. In Wien spielt nur der zweite Teil, der „Friedhof der ungelesenen Bücher“ und da zum größten Teil in Lisbeths Wohnung in der Währingerstraße. Wenn ich einen Recherchegang machen würde, hätte ich dorthin gehen können. Da es aber eher an der Sprache als am Plot zu recherchieren gibt, brächte mich das nicht viel weiter und ich hätte mich wahrscheinlich mit einem Tagesfahrschein in den Bus gesetzt, das Manuskript korrigiert und dabei die Leute um mich herum beobachtet, in der Hoffnung der Lisbeth und der Katharina zu begegnen oder ich wäre eine Runde in die Hauptbücherei bzw. zu den Bücherschränken gegangen. Das habe ich bei der „Mimi“ letztes Jahr gemacht, aber das spielt ja dort, beim Bücherschrank in der Westbahnstraße, wo es kein Bankerl gibt und da ich um eins die letzte Stunde hatte, wäre es für eine große Straßenbahnrunde ohnehin schon zu spät gewesen, da wäre ich mit dem Korrigeren der zweiundneunzig Seiten nicht durchgekommen. Das Wetter war auch nicht so schön, zum hinsetzen und Bücherschrank beobachten und, daß die von Samstag auf Sonntag von Vandalen überfallen und zerstört wurden, habe ich auch noch anzumerken. Auch nicht zu verstehen, warum man so was macht. Frank Gassner hat mir gestern ein diesbezügliches Mail nach Harland geschickt. Dann hat die Frau, die um zehn ihren Befund holen sollte, kurz vor vier angerufen, daß sie das jetzt tuen wird und ich bin nicht stattdessen im Garten gesessen und habe in den Computer korrigiert, wie die zweite Möglichkeit wäre, sondern noch gar nicht angefangen, weil ich ja kurz für eventuelle Schreibprozeßinteressierte berichten will, daß ich jetzt das Ganze im Computer durchgehen werde. Da kann ich mir evenutelle Änderungswünsche immer noch aufnotieren und dann das Ganze wieder kapitelweise bis es sitzt. Dann kommt die letzte Phase, solange durchschauen bis ich keinen Fehler finde, dann bekommts der Alfred, wie gehabt und der schaut nach den Rechtschreibfehlern.
Das Kapitelweise korrigieren, wie ich es gerne mache, wird diesmal ein wenig schwieriger, bzw. anders sein. Da ich ja ein sehr langes erstes mit vierundsechzig einhalb Seiten und dann zwei kürzere, vierzehn einhalb und zehn Seiten, die ihre unterschiedlichen Zeiten brauchen werden. Beim zweiten Kaptiel habe ich mir vor ein paar Tagen gedacht, daß ich das beim Bachmannpreis lesen würde, wenn ich dazu eingeladen werden würde, also schaue ich mir das sprachlich besonders an.
Das ist vermutlich der letzte längere Bericht über das Schreiben an „Zwillingswelten“, weil ich ja bald nur mehr heute habe ich zehn, zwanzig etc Seiten korrigiert schreiben oder wie das bei „Absturzgefahr“ gewesen ist, berichten könnte „heute trödle ich schon wieder vor mich hin“. Das intensive Berichten darüber hat mir trotz der harschen Kritik einer deutschen LeserIn Spaß gemacht, weil man daran gut sieht, wohin man mit einer Anfangsidee kommt, welche Irrwege das nimmt und seit ich über meine Schreibprozesse berichte, weiß ich auch, es kommt immer irgendwann die Phase, wo ich denke, ich kann es nicht, ich kann es nicht, zwei Tage später gehts dann zügig weiter.
Wenns eine Vorschau mit Beschreibungstext und Umschlagbild gibt, werde ich das wieder ins Literaturgeflüster stellen, da werde ich auch auf die Schreibberichte hinweisen, das dauert aber noch, kommt da zuerst bei die „Absturzgefahr“ von der es noch immer kein Umschlagbild gibt und den Text muß ich auch erst schreiben.
Dafür gibts wieder eine Idee für ein eventuelles Nächstes, die allerdings höchstens für eine Nebenfigur gut ist, hat mich da ja ein Klient darauf gebracht, daß er Tag für Tag mit der Straßenbahn in einen unbekannten Teil Wiens fährt und dort Kaffee trinkt und spazierengeht. Da könnte ich ja eine meiner depressiven Heldinnen hinschicken und wenn die dann noch im Rathaus spioniert oder sich beim Bürgermeister als Wunderwuzzi verdingt…, nun ja, nun ja, das wäre wieder eine meiner spinnerten Ideen, aber vielleicht schreibe ich dann wirklich etwas anderes und gänzlich Neues, mal sehen, es ist ja noch nicht so weit. Jetzt werde ich sicher wieder über das Korrigieren stolpern, trödeln und mir auch noch öfter denken, ich kann es nicht, ich kann es nicht, obwohl ich schon glaube, daß ich es wenigstens ein bißchen kann.
Jetzt ists halb sechs und wenn ich an dem Artikel noch eine Stunde korrigiere, kann ich dann gleich auf den Spittelberg gehen, weil ich mich dort mit dem Alfred treffe, um mir den Film „Die Lust der Frauen“ anzuschauen, obwohl heute in den Textvorstellungen der Alten Schmiede sowohl die Hilde Langthaler als auch Lidio Mosca-Bustamante lesen und zum Korrigieren bin ich nicht sehr viel gekommen.

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