Literaturgefluester

2011-04-28

Alte Schmiede und mehr

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:29

In ihrer „Neues von Freunden“-Rubrik berichtete Christiane Zintzen von fünf interessanten Literaturveranstaltungen, die vom Dicht-Fest abgesehen, allesamt und synchron am Donnerstag (nicht am Freitag) stattfinden und man hat die Qual der Wahl oder muß sich splitten.
Was mich ebenfalls betraf, zwar hatte ich mir schon länger vorgenommen, in die Alte Schmiede zu den Lesungen von Anna Kim und Wolfgang Hermann zu gehen, da die bei E. A. Richters Buchpräsentation schon im November war, Wolfgang Helmharts „frauen in bunt“ wären aber sicher ebenfalls interessant gewesen, das Kabelwerk ist jedoch sehr weit, die beiden Newcomers Robert Prosser und Stefan Abermann habe ich ebenfalls schon gehörte, wenn mir aber E.A. Richter, der mich immer so freundlich zu seinen Veranstaltungen einlädt, einen Kommentar über die Veranstaltung und Rudi Lasselsberger, falls er er dort gewesen ist, ein Foto schickt, könnte ich ein synchron berichten und man könnte im Literaturgeflüster einen weiteren Einblick in das Wiener Litereraturleben bekommen, das ja sehr zweifellos sehr vielfältig ist…
Die 1977 in Südkorea geborene Anna Kim, die 1978 nach Deutschland und 1983 nach Wien kam, ist mir aber ebenfalls keine Unbekannte, habe ich ihren Namen doch das erste Mal bei einer IG-GV gehört, als ich Barbara Neuwirth fragte, wer das Autorenstipendium der Stadt Wien bekommen hat? Bei einem der Büchertürmen bin ich dann auf die „Bilderspur“ gestoßen, beim Bachmanpreis hat sie auch gelesen und ihren zweiten Roman, bei „Rund um die Burg“ vorgestellt, Christl Greller hat sie einmal zu einer Lesung ins Literaturhaus eingeladen und dann hat sie bei dem Reisereportagenprojekt „Mit Sprache unterwegs“ mitgemacht. Da konnte man sich bewerben oder wurde eingeladen und Anna Kim hat ein Projekt über Grönland eingereicht, weil sie unbedingt dorthin fahren wollte und außer dieser Reisereportage, über die ich im November im Radiokulturhaus und auch einmal im „Tag zu Tag“ hörte, ist bei Droschl ein Esseyband „Invasionen des Privaten“ herausgekommen.
„Das ist eigentlich ein trauriges Buch“, erzählte Anna Kim in der Einleitung „aber ich bin heute so gut aufgelegt, daß ich immer grinsen werde!“ und las dann ein Stück über die grönländische Stadt NUK und eine Frau Hansine vor, eine in Grönland geborene Dänemark-Schwedin, bei der sie eine Woche lebte und die sie für eine Grönländerin hielt. Das scheint Anna Kim überhaupt sehr oft passiert zu sein und so geriet sie auch in Identitätsprobleme und mußte erklären, daß sie aus Austria nicht aus Australien kommt, aber in Südkorea geboren wurde. Anna Kim hat sich mit der grönländischen Geschichte, der Rolle der Sprachen und dem Einfluß Dänemarks auseinandergesetzt, ist beim Inlandeis gewesen und mit den Hundeschlitten gefahren und hat in der Diskussion von ihrer starken Faszination die das Land auf sie hat geschwärmt. Sie schreibt jetzt auch einen Roman darüber und hat die Theorie gebraucht, um Material zu sammeln. Die Diskussion war diesmal besonders interessant, weil viele Fragen aus dem Publikum kamen und die „Invasionen des Privaten“ bzw. die Weiten und die Grenzen Grönlands offenbar ein Thema ist, das interessiert. Dann ging es vom Keller ins Parterre, man muß ja jetzt in der Alten Schmiede Bewegung zwischen den einzelnen Lesungen machen und da hat Wolfgang Hermann seinen Erzählband „In Wirklichkeit sagte ich nichts“ vorgestellt, bei dem ich einige Aha-Erlebnisse hatte. So bin ich beim Durchschauen des Archivs draufgekommen, daß der Band im Juni in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt wurde. Das hatte ich vergessen, nur gewußt, daß ich vor zwei drei Jahren in der Alten Schmiede war, als „Herr Faustini und der Mann im Hund“ vorgestellt wurde, wußte aber nicht mehr, ob ich darüber schon berichtet habe. Es war aber offenbar vor der Literaturgeflüster Zeit und Wolfgang Hermann kenne ich wahrscheinlich seit 2002, denn da hat er den Siemens Literaturpreis gewonnen. Dort bin ich immer hingegangen und in der „Reise ans Ende der Netzkarte“ kommt auch ein Herr Faustini vor. 2006 kam der erste Faustiniband „Herr Faustini verreist“, der wurde im Literaturhaus vorgestellt. Da kann ich mich erinnern, daß ich Wolfgang Hermann fragte, ob das eine Fortsetzung der Siemens-Preis-Geschichte ist. Bei der Lesung in der Alten Schmiede kann ich mich erinnern, daß dieser Herr Faustini, der sich offenbar zu einem Hund entwickelt oder einen solchen in sich entdeckt, etwas surreal ist und, daß sich Wolfgang Hermann über die Autoren empörte, die Schreibschulen besuchen und ihre Geschichten so konstruieren, daß auf Seite fünfzehn der erste Mord geschieht und auf Seite dreißig…
Er hat damals noch einen Monolog von einem Sandler in Paris gelesen, aber das hatte ich eigentlich vergessen, daran wurde ich erst durch Kurt Neumann erinnert, denn die Vorstellung des Buchs in der Gesellschaft für Literatur ist offenbar an mir vorbeigegangen. Kurt Neumann betonte, daß der 1961 in Bregenz geborene Schriftsteller einer ist, der viel von Flaneuren und Obdachlosen schreibt und erwähnte, daß die Titelgeschichte „In Wirklichkeit sagte er nichts“ ein solcher Monolog eines Obdachlosen in Paris ist, der auch als Theatertext verstanden werden kann. Der Band enthält verschiedene Erzählungen, einige, wie die „Tunesische Nacht“, die durch die politischen Ereignisse besondere Aktualität erlangt hat, wurde schon vor zwanzig Jahren geschrieben, andere sind vor kürzerer Zeit entstanden. Wolfgang Hermann begann mit der Geschichte „Auf den Schultern im Park“, die ebenfalls von einem Obdachlosen handelt, der im Park lebt und den Gärtnern bei der Arbeit zusieht, dann kam die „Tunesische Nacht“, da hat Wolfgang Hermann vor zwanzig Jahren einige Zeit in Tunesien gelebt und seine Erlebnisse von den Hunden, die so laut bellen, daß man in der Nacht nur mit dem Taxi nach Hause fahren kann, während er vor Sonnenuntergang in die Stadt gegangen ist, aufgeschrieben. Dort wird er von den arbeitslosen Männern als Ausländer ausgenommen, was ihm Vegnügen macht, sie auf eine Flasche Wein einzuladen, so daß sie ihm von den Brotkriegen erzählen und wie teuer die Zigaretten geworden sind. De Frauen schnattern, halten ihre Burka mit den Zähnen fest und tragen die Einkäufe nach Hause, während auf den Parties der Reichen, die Mädchen Jeans tragen und die Wächter, die ihre Häuser bewachen nur sehr wenig verdienen, die Reichen aber im Mercedes spazieren fahren.
In der Diskussion ist Wolfgang Hermann wieder auf das Schreiben gekommen und meinte, daß er kein Planer sei und länger brauche, bis er Material zusammen hat, weil er sich nichts ausdenken könne. Wenn man aber seinen Lebenslauf anschaut, sieht man, daß er schon viel geschrieben hat, auch Gedichte, obwohl er sagte, daß er damit nicht zufrieden ist, weil sie seinen Ansprüchen nicht genügen , die verdichtete Form des Monologs wäre ihm aber gelungen und davon hat er auch einige Fassungen geschrieben und eine davon zum Kontrast zum „Hernn Faustini“ damals in der Alten Schmiede gelesen.
Es war also wieder ein interessanter Abend.Von mir selber kann ich berichten, daß ich immer noch eifrig die „Zwillingswelten“ korrigiere, aber Thomas Wollinger für den Buchtext gewinnen konnte und sein Blog Schreiben ist ja auch einer, wo man viel über das „Schreiben“erfährt. Wem das zu mühsam ist, kann sich ansehen, was alles am Ostermontagmorgen im Museumsquartier passierte, was ja vielleicht auch Splittingalternative ist.

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