Literaturgefluester

2011-05-14

Von Pennern und den Festwochen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:49

Am Freitag den 13. ging es los, der duftende Doppelpunkt hatte es schon angekündet, Säcke gebastelt, Bücherpäckchen geschnürrt und den sechsten Teil der literarischen Wanderung so intensiv gemacht, daß ich gepasst habe und in den Texten der Anthologie nicht nachgezählt habe, wo überall die Worte „Aufruf“ „Fleischwolf“ etc vorkommen. Habe ich ja ohnehin schon den ersten Teil der Anthologie gewonnen. Der zweite „Wir rufen auf! Penner, Fleischwölfe und arbeitsscheues Gesindel!“, wurde um 18 Uhr im Lesesaal der AK Bibliothek für Sozialwissenschaften vorgestellt, dort war ich schon vor einem Jahr, bei der Bibliothek der ungelesenen Bücher mit Julius Deutschbauer und Ilse Kilic und habe auch gleich eine literarisch interessierte Krankenschwester getroffen, bei der ich einmal Supervision machte. Das zum Wechsel meiner Rollen und Austausch meiner zwei Identitäten, das passiert mir ja manchmal, daß ich bei literarischen Veranstaltungen Leute treffe, die von Supervisionen etc kenne und manchmal sprechen mich auch Psychotherapeuten an und diesmal hat es auch gepasst, ist es ja um die Arbeitswelt gegangen.
Gerald Grassl hat die Zeitschrift „Tarantel“ verteilt, nach der in einem von Petra Öllingers Gewinnspielen gefragt wurde, Werner J. Grüner hat sich neben mich gesetzt und ein Herr vom ORF hat eröffnet und den duftenden Doppelpunkt und seine Atthologie vorgestellt. Und das ist ja ein bißchen kompliziert, den Blog gibt es seit 1. Mai 2005, also schon sehr lange und zum ersten Geburtstag ist Petra Öllinger und Georg Schober, der Literaturpreis zum Thema „Arbeitswelt“ eingefallen, was, das habe ich schon geschrieben, eine sehr wichtige Intitiative ist, geht meiner Meinung ja das realistische Schreiben im Literaturbetrieb unter und die beiden Standbeine, die es gab, den Max von der Grün Preis der OÖ Arbeiterkammer und den Luitpold Stern Preis gibt es schon lange nicht mehr.
Bei Beiden habe ich regelmäßig mitgemacht, beim Max von der Grün Preis wurde ich zweimal zu einer Schreibwerkstatt eingeladen, im Jahr 1887, ich bin gerade von der HNO-KLinik weggegangen, habe ich teilgenommen und einer der Juroren hat mir geflüstert, daß ich mit meinem „Slavica“-Text fast gewonnen hätte. Sehr tröstlich, das habe ich nur dreimal beim Luitpold Stern Preis in Wien, 2000, 2003 und 2005, wenn ich mich nicht irre, dann kam der BAWAG-Skandal, in deren Folge die Gewerkschaft den Preis einstellte, bevor sie das aber tat, hat sie mich 2000 in ihre Schreibwerkstatt eingeladen, die vierzehntägig im Palais Strudlhof, das jetzt ein Hotel ist, unter der Leitung von Eveline Haas stattfand, zu der ich sehr gerngegangen bin und dort auch Petra Öllinger kennenlernte. Auf deren duftenden Doppelpunkt, bin ich schon früher gestoßen, habe aber länger nicht mehr hineingeschaut und bin erst durch das sechsteilige Gewinnspiel wieder hingekommen und finde diese Inititative sehr löblich. Georg Schober hat die AK Bibbliothek vorgestellt, die 1922 gegründete wurde, einige bedeutende sozialistische Bibliotheken, darunter die Viktor Adlers aufkaufte, im Faschismus einen Teil ihrer Bücher verlor, 1960 in ein neues Haus zog, das 2006 renoviert wurde und seit 2008 AK-Bibliothek für Sozialwissenschaften heißt und mir schon deshalb bekannt ist, weil der Karli, Alfreds bester Freund, dort Bibliothekar ist. Zu dem Wettbewerb ist zu sagen, daß es diesmal ein bestimmtes Thema gab, daß die Teinahme niederschwellig ausgerufen wurde, also alle die noch keine eigenständige Publikation hatten, teilnehmen konnten, da wäre ich schon ausgeschlossen gewesen, zweihundert haben sich beteiligt, offenbar auch viele aus Deutschland, zehn Texte wurden in einer ersten Stufe ausgewählt, die bekamen einen Tutor und erarbeiteten mit ihm einen Text, die vier Preisträger mit ihren vier Tutoren wurden vorgestellt.
Interessante Texte und interessante Leute, wie Dr. Klaus Unterberger vom ORF launig erklärte, einen der zwei dritten Preise hat zum Beispiel eine sehr selbstbewußte Bankerin gewonnen, sie hat eine sehr beeindruckende Entlassung im Finanzjargon beschrieben. Ihr Tutor war ein ehemaliger Lehrer, dessen Text „Fristlos“ nach einer wahren Geschichte schildert, wie eine Kassierin vom Kaufhausdetektiv beim Stehlen erwischt wird, fristlos entlassen werden soll, aber sie ist bei der Gewerkschaft und ihr Freund, ebenfalls ein Kaufhausdetektiv, beseitigt das Beweismaterial. Alfred Ciperas „Zwischentöne“ schildert im Dialekt die Mulitkultigesellschaft der Arbeitswelt und die Tutorin Barbara Finke-Heinrich „Auszüge aus ihrem Pflegetagebuch“. Dann kam eine Clownin und Feuerschluckerin mit einem Text namens „zerschnipselt,“ wo aus Ersatzstücken und Werbetexte eine Zugfahrt geschildert wird. Ja richtig, das habe ich vergessen, das Thema war „Arbeitswelt und Sprache“, so ist vieles sehr kunstvoll gewesen, wie beispielsweise der Tutorentext „Marketing“, der von einer Steuerberaterin kam. Da hat eine Frau ein Date mit einem Mitarbeiter und sie geht es bilanztechnisch an, als Risikofaktor und high bzw. flate rate, wie gut, daß der letzte Satz der beratenden Freundin „Muß Liebe schön sein!“ laute.
Der erste Preisträger war ein Mann namens Sven Köther. Sein Text hieß „Die Frechheit“ und schloß thematisch an, da wird eine Verkaufsabteilung neu übernommen, der neue Chef will alles besser machen und verwendet dabei lauter englische Floskeln, so daß der Protagonist ihn mit einer Pistole besucht und als letzten Satz „Reden Sie Deutsch!“, zu ihm sagt.
Nachher gabs die Preisverleihung, die Preisträger bekamen die gebastelten Säcke, Bücherpakete und eine Ukunde. Ein Buffet der technisch gewerblichen Abendschule, Brötchen und in Schokolade getunktes Obst, ein bißchen Smalltalk mit Petra Öllinger und weil es so früh begonnen hat, war nicht nur Zeit für die Festwocheneröffnung am Rathausplatz, es ist sich sogar noch ausgegangen ins Museumsquartier zu schauen, wo gerade ein Bücherflohmarkt zugunsten Japans stattfindet. Eine diese seltsamen Aktionen, die Verlage spenden Bücher, die man um einen bis drei Euro kaufen kann und der Erlös soll den Erdbebenopfern helfen. Nun gut, zum Normalpreis würde ich sie nicht kaufen und neue Bücher um drei Euro sind sehr günstig, obwohl die Buchhandlung Kuppitsch dem offenen Bücherschränken eine Kollektion gespendet hat und da bin ich gestern offenbar richtig gewesen und habe einen der Wien Krmins von Gerhard Loibelsberger und „Drei starke Frauen“ von Marie NDiaye, 2010 bei Suhrkamp erscheinen, erwischt.
Leselustfrust hat den Flohmarkt auf ihren Blog sehr enthusiastisch angekündigt, dann war es halb so schlimm, ein paar Restposten auf langen Tischen, die Autoren an der Kasse schon weg, aber Helmut Schneider von Wien live, die das Ganze offenbar veranstaltet, hat mir die Bücher verkauft. Dan Lungu „Das Hühnerparadies“, der ersten Teil einer Trilogie, wo ich bei der Vorstellung von Teil II vor zwei Jahren ich in der Hauptbücherei gewesen bin und mich Herwig Bitsche noch nicht nach dem Buch fragen traute, habe ich aber bekommen und eine sehr zerfledderte „Pastetenlust“ von Pierre Emme, das Leselustfrust glaube ich, einmal sehr begeistert besprochen hat und dann noch Xaver Bayers 2008 erschienenen Geschichtenband, den ich für die Buchpreisjury durchgesehen habe und einen Ludweig Fels, ebenfals bei Jung und Jung erschienen. Vier Bücher um sieben Euro , wann ich die wohl lesen werde? Aber es war ja für eine gute Sache, kann ich mir einbilden und den Peter Handke habe ich ohnehin liegenlassen. Danach mit der U-Bahn, ab siebzehn Uhr gab es Freifahrt, zum Rathausplatz und da gab es auch ein Jubiläum, nämlich „Sechzig Jahre Wiener Festwochen“ Zu den Eröffnungskonzerten am Rathausplatz gehe ich ja gerne, jetzt war ich zwar schon länger nicht, weil voriges Jahr wahrscheinlich gleichzeitig der Theodor Kramer Preis, vor zwei Jahren habe ich, aber glaube ich, berichtet und es war interessant, nämlich eine große Chorvereinigung, mit diesmal drei Außenbühnen, die übertragen wurden, in Melk, Tirol und am Wörtersee. Dirk Stirmann hat moderiert, am Schluß haben alle Beethovens „Ode an die Freude gesungen.

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