Literaturgefluester

2011-05-23

Russische Literaturdebuts

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:41

Während wir gespannt auf Klagenfurt warten, präsentierte die Hauptbücherei, die Gewinner des russischen Debutpreises, die in der von Christiane Körner übersetzt und herausgegebenen, bei Suhrkamp erschienenen Anthologie „Das schönste Proletariat der Welt“, erschienen ist, und mit drei Autoren Alisa Ganieva, Denis Osokin und Aleksej Lukjanov derzeit auf Lesereise ist, vorige Woche fünf deutsche Städte, heute Wien, morgen Graz, ein sehr spannendes Unterfangen, wie Christian Jahl von der Hauptbücherei betonte und die Übersetzerin Christiane Körner erzählte in der Einleitung etwas über die Literatur der jungen Russen. Der Debutpreis ist eine russische Einrichtung, die sich an Autoren unter fünfundzwanzig wendet, sie war zuerst erstaunt, daß so junge Leute schon so gut schreiben, hat sich aber von ihrer Qualität überzeugt. Es ist die Generation nach der SU, die also weder dafür noch dagegen ist, sondern die Vergangenheit von außen betrachtet und in deren Werken das Reisen eine Rolle spielt, das Fhren mit dem Zug, das Erkunden der Welt, das Surfen durch das Internet. Stimmen, die nicht mehr aus Moskau oder Petersburg kommen, sondern aus Perm, Ufa, Kazan etc.
Dann stellte sie die drei Autoren vor und begann mit Aleksej Lukjanov, der 1976 in der Nähe von Solikamsk im Ural geboren wurde, von Beruf Schmid ist, mehrere Kurzromane und viele Kurzgeschichten geschrieben hat, zweimal Debut-Preis-Finalist war und auch den neuen Puschkin Preis gewonnen hat. Er hat in der Anthologie einen Text, der von sieben Leuten einer Brigade handelt, einer ist Schmid, also das Alter Ego des Autors und die, Aleksej Lukanov verwendet surrealistische Elemente in seinen Texten, verlernen plötzlich das Fluchen, danach bricht die Infrastruktur zusammen, die sieben wollen nach Paris auswandern, das das plötzlich aber alle tun, bleiben sie in Moskau hängen oder kehren in ihre Heimat zurück und fluchen können sie dann wieder auch. Eine Anspielung auf die Entvölkerung durch die Intellektuellen, die alle ins Ausland gehen, meinte Christiane Körner.
Robert Reinagl las wieder die deutsche Übersetzung und Christiane Körner, die in Frankfurt am Main lebt, hat sehr deutsch übersetzt, da wird geguckt und mit Aprikosen geworfen, etc, sehr hart für österreichische Ohren, seltsamerweise sprach das eine russisch sprechende Dame an und Christiane Körner, war darauf vielleicht ein bißchen befremdet, hats den jungen Russen aber übersetzt.
Na klar, auf Österreichisch hätte es anders geklungen und Robert Reinagl meinte auch, daß er kurz überlegt hatte, ob er aus den Aprikosen nicht Marillen machen soll. Dann ging weiter mit Alisa Ganieva, die zwar in Moskau geboren wurde, aber in Dagistan aufwuchs, am Gorki Institut Literatur studierte, dann schon eine bekannte Kritikerin war, sie ist 1985 geboren, so daß sie ihren Roman „Salam Dalgat!“ mit dem sie gewonnen hat unter einem männlichen Pseudonym einreichte. Dann wurde sie dafür gelobt, daß sich eine Frau so gut in einen männlichen Protagonisten einleben kann und der besucht eine Stadt im Kaukasus und schildert das dortige Leben, wofür Alisa Ganieva wieder getadelt wurde, daß sie ihr Nest beschmutzte und es ging in den gehörten Ausschnitten auch sehr orientalisch zu.
Denis Osokin wurde 1977 in Kasan geboren, studierte in Warschau Psychologie, in Kasan Literaturwissenschaft, gewann 2001 den Debutpreis und ist ein arrivierter Drehbuchautor, der vor kurzem in Venedig mehrere Preise gewonnen hat. Seine Texte, eine Art Kalendergeschichten, waren auch Titelgebend, hat er sich doch an die Zwanzigerjahre orientiert und Texte über das Proletariat geschrieben, in denen es von Teufel und Engeln nur so wimmelte.
Nachher gab es eine lebhafte Diskussion, was der Debut-Preis für die jungen Literaten bedeutet? Alisa Ganieva meinte, daß viele Autoren, die vorher ihre Texte einem Verlag anboten, erst nachher einen fanden. Die drei sind nur auf Deutsch und Englisch in einer Anthologie vereint, im Russischen haben sie Einzelveröffentlichungen, weil die Russen nicht so gerne Anthologien lesen und die Verlage das nicht drucken.
Sie wurden nach ihren Vorbildern gefragt und man erfuhr, daß es in Moskau eine lebhafte Lyrikszene gibt, was Christian Jahl etwas wunderte, was macht man da? Höchstwahrscheinlich Poetry-Slam würde ich meinen, darauf entspann sich eine Diskussion, daß die Clubs sehr klein wären, die Lyriker sich selber ihre Werke vorlesen oder vorhüpfen würden, was mich daran denken ließ, daß ich sowas bei den vorvorletzten Literatur im Herbst Verstaltungen gesehen habe, da gab es auch Performances von russischen bzw. ukrainischen Lyrikern, die irgendwo ihren eigenen Club haben, die mich sehr beeindruckten. Erich Klein, der das mitkuratiert hatte, war im Publikum und Alexander Nitzberg, der russische Dichter, den mir Christel Fallenstein einmal vorstellte und der auch seine Literaturperformanceprogramme hat. Sonst war die Veranstaltung nicht sehr gut besucht. Der Sascha hat aber wieder fotografiert und die Autogrammsammlerin Autogramme gesammelt.

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2 Kommentare »

  1. Ich suche nach E-Mail-Adresse oder Telefonnummer von Christiane Körner, weil ich die professionelle Übersetzung brauche. Kann mir jmd helfen??

    Kommentar von Kunin Boris — 2011-10-16 @ 22:37 | Antwort

  2. Der Verlag vielleicht?

    Kommentar von jancak — 2011-10-16 @ 22:57 | Antwort


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