Literaturgefluester

2011-05-25

Sujet, Hybris, Referenz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:56
Angelika Reitzer

Angelika Reitzer

Philip Hautmann

Philip Hautmann

Wieder einmal Textvorstellungen mit Angelika Reitzer, die ja dieser Reihe einen eigenen ästhetischen Anspruch gibt und dieses Mal die neuen Bücher von Andreas Unterweger, Josef Kleindienst und Philip Hautrmann präsentierte. Alles in den Neunzehnhundertsiebzigerjahren geborene Männer und alles keine Unbekanten, hat Josef Kleindienst ja voriges Jahr beim Bachmannpreis gelesen, Andreas Unterweger kenne ich von verschiedenen Veranstaltungen mit Philip Hautmann, habe ich schon gelesen, nämlich bei der Präsentation der Volkstimmefestanthologie 2009 und in dieser sind auch Teile aus seinem Roman „Yorick oder ein Mensch in Schwierigkeiten“ enthalten.
Die Zusammenstellung der Autoren ist interessant, wie auch Angelika Reitzers Einleitungsreferat mit dem sie Verbindungen zu den drei Werken herzustellen versuchte. Sujet, Hybris, Referenz, sehr genau habe ich diese Verbindungsfaden nicht verstanden, drei originelle Bücher sind es aber allemal, die irgendwie aus der Reihe fallen, wobei meiner Meinung nach Philip Hautmann, der am wenigstens Professionellste ist, während die beiden anderen ja schon Kultcharakter haben.
1977 in Linz geboren und jetzt in Wien lebend und der Roman besteht aus drei Teilen, in der Diskussion erklärte Philip Hautmann auf Angelika Reitzers Frage nach der Rolle der Literatur, denn der Roman besteht aus einer Reihe von Zitaten und Anspielungen, das er einfach angefangen hat, dann hätte sich das Weitere schon ergeben. Shakespeares „Hamlet“ spielt dabei eine Rolle und dieser Yorick ist irgendwie ein lästiger Mensch, der zum Frühstück kommt und wenn man das Haus verläßt, um ihn auszuweichen, geht er einfach mit. Er will einen großen Roman über die Menschheit schreiben, aber nicht er allein, auch seine Freundin, die sinnigerweise Therapeutin ist, will das, dann kommen ein paar Seitenhiebe auf die Psychologen oder Therapeuten, wo und wie sie masturbien und die Fallbeschreibungen wurden einem Buch Kernbergs entnommen. Diese Therapeutin ist so selbstbezogen, daß sie sich nur für sich selber interessiert, weil sie aber nur Narzisten behandelt, merken die das nicht. Die anderen Teile, die sich auf die Künstler beziehen, werden vielleicht ähnlich ironische Anspielungen haben. Es gibt auch eine Abhandlung über den Neoliberalismus, die ist in der Volksstimmefestanthologie enthalten und Yorick schließt sich einigen Bankern an, bis die ihn entlarven, ein sehr originelles Buch und interessant, das Angelika Reitzer es mit Andreas Unterweger und Josef Kleindienst mischte oder auch nicht, denn Josef Kleindienst bei Sonderzahl erschienener Band „An dem Tag an dem ich meine Friseuse küßte sind viele Vögel gestorben“ ist ja auch ein sehr ungewöhnlich und wurde schon für den originellesten Titel nominiert, dann besteht es aus sechshundertneunzehn Miniaturen und einem Protagonisten, der einerseits, wie ein Tourist die Stadt erlebt oder „Am Fenster steht und spukte“, dabei hat „zwei Tage hat das Telefon nicht geläutet und ich habe die Welt vergessen“, dann taucht ein russischer Oberst auf, Affen spielen eine Rolle und Weltverschwörungstheorien. Eine Bankerin und scheint auch etwas mit ihm vorgehabt zu haben, was habe ich nicht ganz verstanden.

Josef Kleindienst

Josef Kleindienst

Andreas Unterweger

Andreas Unterweger

Angelika Reitzer hat in der Einleitung etwas von James Bond erwähnt und von einen Listenroman gesprochen, die Psychologin in mir hat es natürlich wieder auf die menschlichen Ausnahmesituationen bezogen und an eine Psychose gedacht, die der einsame Held, bei dem das Telefon nicht läutet, ja auch entwickeln kann und bei Weggehen habe ich eine eher konventionell gekleidete Frau Josef Kleindienst etwas von Drogen erzählen hören, man könnte es also auch als Drogenrausch deuten und so ergeben die sechshundetneunzehn Miniaturen verschienenen Sinn und man müßte natürlich das Ganze lesen, um es zu verstehen. Bei Andreas Unterwegers zweiten, bei Droschl erschienenen Buch „Du bist mein Meer“ erscheint es einfacher oder auch nicht. Hat mich ja schon die quadratische Form am Büchertisch verwirrt, weil ich das Buch zuerst für eine CD gehalten habe. Dann besteht es auch aus drei Teilen bzw. Listen, drei mal siebenundsiebzig Bildern und der erste Satz lautet „Er hat seinen Fotoapparat verloren“, der Protagonist, das „Er“, Andreas Unterweger betonte in der Diskussion, daß er nicht „Ich“ schreiben wollte, macht offenbar mit seiner schwangeren Frau oder Freundin Urlaub am Meer, verliert aber vorher seinen Fotoapparat, so daß er zu zeichnen beginnt und dann auch zu schreiben, er zeichnet den schwangeren Bauch der Frau, geht von einem Ort zum anderen, spricht mit dem „Du“ und philosophiert über das „zu Hause“. Am Ende kommt es zu einer totalen Liebeserklärung und das Ganze hat auch eine abgehakte kleinen Form. Jede Seite ein Kapitel und manchmal besteht es nur aus einem Satz, ähnlich wie Josef Kleindienst Miniaturen, der in dieser Form einen ganzen Spionageroman aufbaut und unähnlich zu Philip Hautmann, der sich in seinen drei Teilen nicht beschränkte. Eine sehr ungewöhnliche Lesung, die die Grenzen der Sprache und das Experimentieren mit den verschiedensten Formen deutlich machte und weil ich vorhin vom Bachmannpreis geschrieben habe, da weiß man inzwischen auch schon mehr, stehen die Namen der Auserwählten schon seit gestern auf der Bachmannpreishomepage, beziehungsweise wurden sie sie heute im Radiokulturcafe bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben und ich habe mich wieder einmal verschätzt, bzw. habe ich doch an viel zu junge Autoren gedacht und bin nur bei Julya Rabinowich richtig gelegen. Die 1961 geborene Maja Haderlap ist ja schon eine sehr etablierte Autorin, die ich, glaube ich, aus der GAV kenne, Daniel Wisser kenne ich von einer Ilse Kilic Veranstaltung im Amerlinghaus, er hat ein Buch bei Ritter herausgebracht. Damals habe ich gedacht, so ähnlich kann ich auch schreiben und habe meinen damals aktuellen Text an Ritter geschickt. Ilse Kilic war mit Fritz Widhalm heute auch in der Alten Schmiede. Dann habe ich noch Radek Knapp, Herbert J. Wimmer, den Sonderzahl Verleger und einige ältere Damen, die mit den Autoren vielleicht verwandt sind, gesehen und es war wieder einmal deprimierend zu beobachten, wer mich aller übersehen hat.

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2 Kommentare »

  1. also ich habe dich jedenfalls nicht übersehen!!! und ich lese auch dein literaturgeflüster immer mit neugier, ich finde es toll, dass du so konsequent in dieser dichte das literarische leben beschreibst!

    Kommentar von ilse kilic — 2011-05-26 @ 12:50 | Antworten

  2. Ja, das finde ich auch sehr toll, nur manchmal packt eine der Frust, dann denke ich, ich schreibe es auf und wenn dann eine aufmunternde Reaktion kommt, ist das sehr fein. In diesem Fall war es vielleicht auch nur ein Versehen, denn ich bin ja gar nicht so klein, daß ich so leicht zu übersehen bin.

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-05-26 @ 13:57 | Antworten


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