Literaturgefluester

2011-05-30

Reise in die Vergangenheit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:54

Das gabs heute in der Alten Schmiede und in der Galerie Splitter, nämlich Wiederbegegnungen mit Gerald Bisinger und Elfriede Gerstl, die einmal ein Ehepaar waren und beide haben mich irgendwie gemocht. Ich behaupte ja immer, daß der 1936 geborene Gerald Bisinger ein Fan von mir war, gut das ist ein bißchen übertrieben, aber er brachte meine Vampirgeschichte einmal in den ORF und in die Rampe und ich habe den Dichter mit seinen einzigartigen Gedichten „Ich sitze im Zug nach Bratislava, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August“ und das in hunderttausend Variationen auch sehr gemocht. Neben mir liegen die beiden Droschl Bände „Ein alter Dichter“ und „Dieser Tratsch“, aus den Büchertürmen der Literatur im März, vielleicht hat Alfred mir auch eines einmal gekauft, als wir bei einer Lesung waren und dann gabs 1999 diese Preisverleihung zum Würdigungspreis, wo ich noch eingeladen wurde. Alle waren schwarz angezogen ich auch, schwarze Hose, schwarzer Pulli, wie bei Vernissagen und Literaturveranstaltungen üblich, trotzdem war so eine komische Stimmung und den Preisträger habe ich auch nicht gesehen. Dann trat Ministerialrat Unger an das Podium und erklärte, daß der Preis posthum an die Witwe vergeben würde, weil sich das der Preisträger gewünscht hätte und bei der Lyrik im März danach las Gerald Kofler oder war es jemand anderer, eines der Gedichte zum Thema „Allerheiligen“ oder so.
„Sitze beim Ottakringer Friedhof, trinke ein Glas Rotwein und überlege, werde ich ich in mächsten Jahr innerhalb oder außerhalb des Grabes“.
Ich war bei der Beerdigung am Ottakringer Friedhof und im Jahr 2000 hat Maximillian Droschl, das war in der Zeit, wo die schwarz-blau Proteste besonders intensiv waren, zum ersten Todentag wahrscheinlich, zu einem Friedhofsbesuch und dann in die Zehnermarie zum Heurigen eingeladen. Ich bin irgendwie zu spät gekommen, also nur zum Glas Rotwein und zum Heurigenbuffet, nachher hatte ich auch die erste Widerstandslesung versäumt bzw. mich niemand dazu eingeladen und heute gabs eine “ Stunde der literarischen Erleuchtung“ in der Alten Schmiede und in dieser stellte Marie Therese Kerschbaumer unter dem Motto „Zwiesprache im Schönen“, den 1977 erschienenen Gedichtband „Poema ex Ponto“ -„Publius Ovidius Naso“ im Schmiedesaal vor, hinter ihr hing das von Eva Maria Geisler, die inzwischen auch schon gestorben ist, gemalte Portrait mit der Krone und der karierten Jacke und August Bisinger der Sohn, der in der Alten Schmiede, die Tonanlage betreut und den Autoren das Glas Wasser richtet, hatte Werke seines Vaters für einen Büchertisch zusammengestellt und da gab es wahre Gustostückerln.
Alte Herbstpressausgabe und andere Unikate und das typische Alte Schmiede Stammpublikum, die Wiener Dichteriege, die immer weniger wird, gab es auch, Lisa Spalt, Elfriede Czurda, Julian Schutting, Gerhard Jaschke, Hannelore Kofler Elisabeth Wäger-Häusle, Herbert W. Wimmer, Wolfgang Helmharth u.u.u.
Zu Marie Therese Kerschbaumer habe ich auch meine Beziehung, habe ich sie ja Ende der Siebzigerjahre im Arbeitskreis schreibender Frauen kennengelernt, den sie irgendwie betreute und durch den ich in den Literaturbetrieb hineingekommen bin, für mich war das damals sowas wie die Gruppe 47 und als ich 1987 in die GAV aufgenommen wurde, habe ich sie, glaube ich beim NIG getroffen und da hat sie mich mit „Jetzt bist du eine von uns begrüßt“, später hatte ich mit ihr Schwierigkeiten, denn als ich die Frauenlesung in St. Pölten machte und sie dazu einlud, habe ich gehört, daß es ihr gar nicht so recht war und mich und die anderen, die dort gelesen haben, Elfriede Haslehner, Ruth Aspöck, Hilde Langthaler, als schreibende Hausfrauen bezeichnet hat, mit denen sie nicht verwechselt werden will, sie war dann aber sehr gerührt, als nach der Lesung ein alter Mann auf sie zu kam und sich von ihr ihre Bücher signieren ließ, dann habe ich sie 1998 noch einmal in die Frauenlesung, die ich damals in der Alten Schmiede machte „Die mittleren Jahre oder fast ein Altweibersommer“, einladen wollten, aber da gabs vorher bei den IG Autoren Schwierigkeiten mit dem Staatssekretär Wittmann, der die Autoren irgendwohin einlud oder nicht einlud, worüber sie sich sehr empörte, da habe ich sie angesprochen, weil ich dachte, es geht ihr nicht gut, sie hat sich provoziert gefühlt, es gab ein hin und her, das bumms in einer Ohrfeige endete, nun ja, inzwischen geht es wieder und ich mag sie eigentlich sehr gern und habe auch einiges von ihr gelesen. Den Band aus diesem Österreich Koffer, den ich einmal in der Buchlandung gefunden habe, im Literaturgeflüster zu besprechen, bin ich ja irgendwie gescheitert und als in Frankfurt, der vorletzte dbp, nicht, wie ich mir sicher war, an Herta Müller vergeben wurde, hat sie in der Alten Schmiede ihre „Gespräche im Tusculum“ vorgestellt.Jetzt hat sie Gerald Bisinger die Ehre gegeben und aus dem 1975 geschriebenen Gedichtband gelesen, der mit einem lateinischen Zitat beginnt und dem Dichter Ovid gewidmet sind. Gerald Bisinger hat damals, wahrscheinlich mit Elfriede Gerstl in Berlin gelebt und den Sommer am Schwarzen Meer verbracht und so lauten die Gedichte mit den elf Verszeilen auch „Sitze in Konstanza, trinke ein Glas Bier, denke an Ovid, hinter mir liegt eine Moschee“ u. so. w. u. so. f.
Ich flüstere das jetzt so prosaisch realistisch, es könnte auch ein wenig schnoddering klingen, Marie Therese Kerschbaumer hat es viel poetischer ausgedurckt und auch das Versmaß erklärt und die lateinischen Zitate übersetzt, die Geschichte der Römer erklärt und erzählt, daß sich Gerald Bisinger damals das Buch eines rumänischen Dichters namens Ion Minulescu kaufte und mit einem anderen Dichter, der später Kulturminister war und den Hölderlin Preis bekommen hat, am Präsidentenpalast vorbei spazierengegangen ist.
Eine sehr beeindruckende Lesung, die nur sehr kurz war, um sechs hat sie begonnen, um sieben war sie schon vorbei, die Autoren sind noch irgendwohin, wahrscheinlich in Cafe Engländer gegangen, ich bin ein bißchen herumgestanden, denn ich wollte ja in die Galerie Splitter zur Finissage von Renald Deppes „Spiel(t)räume“, die Vernissage habe ich ja ziemlich versäumt, weil ich in der Alten Schmiede bei der „Tante Jolesch“ war, diesmal hatte ich aber viel Zeit, so bin ich ein bißchen in der Innenstadt herumgewandelt, habe Sabine Gruber und Walter Famler in Richtung Schönlaterngasse durch den Heiligenkreuzerhof gehen sehen und bin ein bißchen vor der Kirche Maria am Gestande „Heute“ und „Österreich“ lesend gesessen, einer der jungen Männer, die den Büchertisch in der Alten Schmiede betreuen ist grüßend an mir vorbeigegangen und als ich in die Salvatorgasse zurückkam, ist gerade Christian Katt auf mich zugekommen. Drinnen war es bald sehr voll und der andere harte Kern der Literatur ist zu der Finissage gekommen, seltsamerweise gab es keine Überschneidungen und seltsamerweise habe ich auch Herbert J. Wimmer nicht gesehen, aber Eva Dite, Andrea Pauli vom Lesetheater, einen der Stammkäufer der Galerie Lindner, Angelika Kaufmann etc.
Renald Deppe spielte Klarinette, eine junge Dame sang und sprach Gerstl Texte und wurde von Fransika Fleischanderl, Laura und Agnes Deppe begleitet und für nachher hatte Moritz Deppe ein paar Trüffel Variationen vorbereitet, denn einer der Gerstl Texte hat vom Schokolade essen gehandelt, ein anderer von der Sprache, „Odysseus du Arsch“ ist auch vorgekommen und Renald Deppe hat immer wieder an die Elfriede Gerstl erinnert.
„Frau Gerstl nicht vergessen!“, hat er gerufen, aber das wird man in Wien ohnehin nicht so schnell, ich jedenfalls nicht, denn sie war ja eine, die sehr freundlich zu mir war und als ich damals bei diesem Wespennest Event keine Eiladung hatte, weil ich nicht zu den hundert Auserwählten gehörte, hat sie mich einfach mitgenommen und mich deshalb sogar angerufen und einmal, ich glaube, das war 1999, als sie den Trakl und den Friedpreis bekommen hat, hat sie auch auf meinem Geburtstagsfest gelesen. Vor zwei Jahren ist sie gestorben, auch auf ihren Begräbnis war ich. Einige ihrer Bücher habe ich gelesen und einige habe ich auch mit ihr getauscht, bzw. hat sie mir eines zum Geburtstag geschenkt.

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1 Kommentar »

  1. hallodschi, eva jancak, wie gehts, ja, schön schnoddrig, deine flüsterungen, nur weiter so sozusagen mfg rudi

    Kommentar von rudolf lasselsberger — 2011-06-01 @ 00:12 | Antwort


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