Literaturgefluester

2011-06-05

Der Hahn ist tot

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:29

Nun kommt die Besprechung von Ingrid Nolls ersten Roman „Der Hahn ist tot“, dessen Protagonistin, Rosemarie Hirte ich schon aus der „Apothekerin“ kenne, da liegt die neben einer alten Frau und erzählt ihre Geschichte, wie sie unschuldig, von den Männern ausgenützt wurde und zu einigen Morden kam, ähnlich hinterfotzig geht es weiter, bzw. fängt es so an, denn 1990 hat die Arzttochter und Arztgattin, als die Kinder aus dem Haus waren, zu schreiben begonnen und mit ihren hinterfotzigen Monologen von den armen Frauen, die von den Männern ausgenützt werden und dabei Gott und die Welt umbringen, großen Erfolg gehabt.
Im „Hahn ist tot“, ist Rosemarie Hirte die Heldin und erzählt blauäugig von ihrem Leben, zweiundfünfzig ist sie und bezeichnet sich selbst als alte Jungfer, sie hat Jus studiert, mit einem Kollegen gelernt und davon geträumt, mit ihm ein paar Kinder und eine gemeinsame Praxis zu haben, als er sie kurz vor dem Examen verließ, daraufhin schmiß sie dieses und wurde Versicherungsangestellte, hatte noch einmal eine Beziehung zu ihrem Chef, dann nur mehr ihre Freundin Beate und den Hund ihrer Arbeitskollegin Frau Römer, den sie betreut, als die ihren Krebs behandeln lassen muß.
Beate, die in einer Volkshochschule arbeitet, möchte mit Rosi, die mit dem dritten Namen Thyra heißt, einen Vortrag über Literatur besuchen, kann aber nicht, weil sie glaubt, daß ihre Tochter schwanger ist, so geht Frau Hirte allein und verliebt sich in die sanfte Stimme des Vortragenden, sie kauft sich dessen Buch und fährt mit dem Hund in den Ort und zu dem Haus in dem er lebt, ab da steht sie stundenlang in seinem Garten und sieht ihm beim Arbeiten zu, bis sie ihn einmal mit seiner alkoholkranken Frau trifft, es kommt zum Streit, sie zieht die Pistole, er nimmt sie ihr aus der Hand und schießt auf sie, jetzt tritt Rosi-Thyra auf, überredet ihn eine Flasche Whiskey zu trinken und dann zu sagen, er könne sich nicht mehr erinnern, während er das tut, kommt die Frau zu sich, so daß Thyra sie erschießen muß und Rainer Witold Engstern dann ins Bein schießt. Sie fährt nach Hause, besucht ihn aber wieder und sie beschließen sich unauffällig kennenzulernen, so daß sie mit Beate in ein Wirthaus geht, um sich von ihm ansprechen zu lassen. Nur leider scheint sich Witold in Beate zu verlieben, so daß Thyra nichts anderes überbleibt, als die von einem Turm zu stürzen, danach vertraut Witold Thyra an, daß es nicht Beate, sondern deren Tochter Vanessa ist, die er liebt, umsonst der Mord.
Rosemarie Thyra, die plötzlich ihre Macht genießt, beschließt Vanessa nicht umzubringen, sie fühlt sich auch ein bißchen krank und die Beziehung zu der Jüngeren geht ohnehin auseinander, so daß Witold, der eigentlich mit Vanessa wandern wollte, plötzlich sie, eine junge Kollegin und noch einen Freund mit seiner Frau dazu einlädt.
Die Wanderung wird irgendwie bizarr, weil niemand außer Witold und der jungen Kollegin dazu Lust hat, Thyra hat Magenschmerzen, bricht das französische Essen heraus, belauscht aber Witold, wie er sich mit der Frau seinen Freundes, die sich Scarlett nennen läßt, obwohl sie Pamela heißt, in der Nacht im Garten trifft und dann mit dem Auto davon fährt. Da die Frauen zusammenschlafen, erwischt Thyra Scarlett um drei Uhr früh in der Badewanne und weil sie sie als „alte Schachtel“ beschimpft, wirft sie den Lockenstab ins Wasser, die Polizei hat wieder alle Hände zu tun, einen mysteriösen Todesfall aufzuklären und Thyra rechnet sich aus, wievielen Kindern sie schon ihre Mütter nahm.
Sie will auch nichts mehr von Witold, bekommt aber Besuch von einem Polizisten, dem die vielen Ähnlichkeiten auffallen und der in ihrem Badezimmer, die Pistole entdeckt, die Thyra längst wegwerfen hätte sollen. Uberfüßig zu erwähnen, daß er kurz darauf in Thyras Badezimmer liegt, sie ruft Witold an und der kommt er auch, um ihr zu helfen, die Leiche zu beseitigen. Sie setzen sie in ein Auto, übergießen sie mit Benzin und rollen sie einen Steinbruch hinunter. Das heißt Witold tut das, Thyra schaut nur zu und sieht, daß er sich nicht retten kann, so fährt sie nach Hause, legt sich in Bett, denn es es ihr schlecht. Es wird bei ihr auch ein Krebs diagnostiziert und so bekommt sie nur nebenbei mit, daß Witold, an dem die Morde hängenbleiben, seine Sprache und sein Gedächtnis verloren hat, als Pflegefall im Rollstuhl sitzt und nach ihrer Genesung, sie bekommt einen künstlichen Darmausgang, geht in Pension, fühlt sich noch hilfloser und älter, besucht sie ihm zweimal in der Woche im Pflegeheim, um ihm im Garten spazieren zu fahren und ihm zu erzählen, daß sie ihn einmal liebte…
Ganz schön hinterfotzig, noch dazu, wo diese Thyra im dritten Roman einen Rückfall hat, von einer anderen unschuldigen Mörderin ihre Geschichte erzählt bekommt und ihr dann rät, einen weiteren Mord zu begehen…
Publikum und Rezensenten waren begeistert, Elke Heidenreich schreibt von „So viel Abstrusen, daß man sich vor Lachen wälzen möchte..“, das ist mir nicht passiert, es war aber spannend zu lesen, zwischen dem Mord an Beate und der Wanderung durch den Elsaß nimmt die Spannung etwas ab, es wird psychologisch theoretisch, wenn Thyra sich in ihrer Allmacht suhlt, sich Pralinen kauft und darin Digitalisltabletten probehalber placiert und es kommen auch Geschichten von Kindern vor, die nicht wirklich für die Handlung wichtig sind. Der Schluß ist gemein, endet der Mann, der zwar auch nicht nett zu ihr war und ständig was mit jungen oder älteren Frauen hatte, fürchterlich, weil er ihr in seiner Eitelkeit helfen wollte. Die Frau bleibt mit ihrem Krebs über und es geht ihr auch nicht wirklich gut.
Was soll ich dazu sagen? Das gibt es, daß Frauen betrogen werden und an Krebs sterben, so viele Morde zum Glück aber nicht, die denken wir uns nur aus oder lesen darüber und eine Frau mit zweiundfünfzig Jahren ist nicht wirklich alt, der gute Witold war nur drei Jahre jünger und wird nicht so bezeichnet und Ingrid Noll ist auch erst in diesem Alter berühmt geworden, als die Hausfrau und Arzthelferin begonnen hat, über das Elend der Welt tragisch böse Krimis zu schreiben, die wir offenbar sehr gern lesen.

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