Literaturgefluester

2011-06-08

Auftritte I

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:36

Das Literaturhaus hat eine neue Leseschiene um die junge Literatur vorzustellen, zwar gab es schon von Barbara Zwiefelhofer, Thomas Ballhausen und Regina Hilber kuratierte „Zeichensetzung, Zeilensprünge“, da es aber nie genug junge Literatur geben kann, gibt es jetzt die Auftritte und das ist eine Lesereihe von außergewöhnlichlichen Autoren, die im Herbst auf der Homepage zum zwanzig Jahre Literaturhausjubeläum, mit Text, Video und Fotoschiene, präsentiert werden sollen, Literaturwissenschaftler, die über den Autor etwas sagen gibt es aus. Am Dienstag hat Sebastian Fastenhuber Bernhard Strobel und Anna Weidenholzer vorgestellt. Ich war nicht ganz sicher, ob ich hingehen soll, sind mir ja beide Autoren keine Unbekannten und bin eine Weile im ziemlich leeren Literaturhaus herumgestanden, habe Robert Huez auf die Kurztextmaschine angesprochen und ihm mitgeteilt, daß ich es schade finde, daß nicht klar ist, vom wem die Anfangssätze stammen und mir dann die Ausstellung angeschaut. Später ist Gerhard Jaschke gekommen, noch mehr hat mich der Auftritt Elfriede Haslehners erstaunt, die mir sagte, daß sie ihre Bücher gerade in die Hauptbücherei gebracht hätte und mich aufforderte, das ebenfalls zu tun. Sie wunderte sich, daß so wenige Leute gekommen wären und fragte dann, wo Sidonia Binder wäre? Worauf mir klar war, daß sie zu einer anderen Veranstaltung wollte.
Ich hatte meinen Platz neben Anna Weidenholzer, Anne Zauner hat das Projekt erklärt, Sebastian Fastenhuber begann etwas über den 1982 geborenen Bernhard Strobl zu erzählen, der 2007 mit einem Erzählband bei Droschl debutierte und dort inzwischen einen zweiten Erzählband herausgegeben hat. Mit Erzählungen tue ich mir ja schwer, bzw. lese ich sie meistens nicht. Bernhard Strobel habe ich aber, glaube ich, auf der letzten Buchwoche im Rathaus kennengelernt, wo er seinen Erzählband „Sackgasse“ vorstellte und im Radio sicher auch einige seiner kurzen Erzählungen gehört, die wie Sebastian Fastenhuber erklärte, von Ausparungen leben und meistens von einsamen alte Männer und Paaren mit seltsamen Beziehungen handeln. Er sagte dann noch, daß Bernhard Strobel ein Wenigschreiber sei, der die Vielschreiber hasse, etwas, das bei mir naturgemäß ungute Gefühle weckt, aber gut, ich gehöre halt zur zweitens Kategorie. Jetzt arbeitet er an einem Roman und hat sich vorgenommen hat, daß er etwas Besonderes werden müße, etwas, was man einem jungen Autor zwar gern verzeiht, bzw. der Literaturbetrieb auch verlangt, ich habe ihn beim Hinausgehen aber dennoch angesprochen, ob er sich damit nicht unter zu großen Druck setze und ihn, wie ich fürchte, damit ein wenig verwirrt. Es passt aber zu der Erfolgsdiskussion, die derzeit gerade auf Thomas Wollingers Blog läuft.
Die lakonisch kurzen Geschichten des sehr großen jungen Mannes haben mir auch gut gefallen, auch wenn sie nicht immer ganz verständlich waren. Die erste war die Titelgeschichte aus dem neuen Buch „Nichts, nichts“, da geht ein Mann mit seinen Einkäufen nach Hause, wird auf dem Weg zu seiner Wohnung von seinem Cousin angerufen, der ihn sagt, er müsse mit Maria sprechen, darauf schmeißt er die Einkäufe in den Kühlschrank oder auf den Boden, sagt seiner Frau oder Partnerin nicht, was er hat und rennt wieder aus dem Haus, trifft im Supermarkt einen Bekannten, der ihn an den kranken Vater erinnert, dann geht er nach Haus, erzählt, daß der Vater schon „ziemlich am Ende ist, sind wir das nicht alle?“, sagt die Freundin oder umgekehrt und der letzte Satz heißt „Nichts nichts“. Die zweite Geschichte aus dem anderen Buch war ähnlich, ein verstörter Mann und ein sehr ähnlicher Satz über Simonas Mutter, der Freundin seiner Frau „Wie geht es ihr, ist sie schon tot?“
Anna Weidenholzers Texte sind dagegen ein wenig weniger lakonisch, leben aber auch von Ausparungen. Sie hat 2010 den Erzählband, „Der Platz des Hundes“ herausgebracht, den ich mir jetzt endlich zu lesen vorgenommen habe, wenn ich mit meiner Leseliste fertig bin und habe im Literaturgeflüster schon viel über Anna Weidenholzer geschrieben, deren Name ich durch den FM4 Wettbewerb kennengelernt habe. Sie hatte auch einen Text in dem etcetera junge Literaturheft und bei Angelika Reitzers erste Textvorstellung gelesen, ist 1984 geboren und jetzt auch in der GAV, obwohl sie dafür fast zu wenige Texte eingereicht hat, sie ist Linzerin, lebt in Wien, hat als Journalistin gearbeitet, macht auch bei den Lockstoffen mit. Gelesen hat sie die sehr poetische Titelgeschichte „Zwischenzeit oder Der Platz des Hundes“ von einem Leopold, der Motten im Mehl hat aus denen er ständig Palatschinken macht, er spielt Klavier in einem Altersheim, trinkt sehr viel Bier und lebt in einer Zwischenzeit. Seine Frau scheint gestorben, so macht er die Palatschinken für sich und den Hund, der dann auch verschwindet, so daß er alleine mit der Leine ins Wirtshaus geht. Eine sehr poetische Schilderung der Einsamkeit und des Alters einer sehr jungen Frau. Dann kam eine noch unveröffentlichte Geschichte und das obligatorische Glas Wein, ich habe mich lange mit Anna Weidenholzer unterhalten, Lisa Spalt und Robert Prosser begrüßt, die am Mittwoch lesen und sich Sorgen machten, daß sie zuwenig Publikum haben könnten, weil da auch der „Tag der Freiheit des Wortes“ ist und in der Alten Schmiede soll auch eine Veranstaltung sein, dann bin ich nach Hause gegangen und habe, während ich nach dem „Platz des Hundes“ suchte, noch das Ende des Andrea Winkler Hörspiels gehört.

2 Kommentare »

  1. liebe eva jancak, im aktuellen wieser-katalog auf seite 26 wird das literaturgeflüster zitiert! liebe grüße!

    Kommentar von andrea stift — 2011-06-08 @ 16:54 | Antworten

  2. Interessant, in welchen Zusammenhang?
    Habe einmal an Wieser eine Frage wegen Renata Serelytes „Blaubarts Kinder“ gestellt und keine Antwort bekommen, vielleicht kommt sie auf diesen Weg, werde mir also den Katalog besorgen, bzw. habe ich mich gerade hineingeclickt

    Kommentar von jancak — 2011-06-08 @ 23:29 | Antworten


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