Literaturgefluester

2011-06-11

Pepsi im Waschsalon

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:51

Eigentlich ist Edda Helmkes „Pepsi im Waschsalon“ ein sehr böses Buch, obwohl es vodergründig sehr leicht vom Alltag im Berliner Kiez plaudert. Es dürfte Ende der Neunzigerjahre, also noch nicht allzu lang nach der Wende spielen und irgendwo um den Weddingplatz, keine Ahnung wo das ist, Berlin ist ja sehr groß und ich war schon lang nicht mehr dort. Es ist auch noch erstaunlich aktuell, nur das Jugendamt sekkiert vielleicht nicht mehr so.
Jedenfalls geht um die Bewohner eines abgewohnten Miethauses, das modernisiert und die Mieter damit hinausgeworfen werden sollen und der Titel ist auch eine Mogelpackung, wie das auf Berlinerisch wahrscheinlich so heißt, denn Itha Rossmann geht mit ihrer Tochter Pepita genannt Pepsi nur einmal, ziemlich am Anfang des Buches dorthin, wo sie auch eine interesante Bekanntschaft macht. Denn die Waschmaschine ist kaputt, am Schluß des Buches erfahren wir auch warum, da die kleine Pepsi, wahrscheinlich so zwischen drei und vier Jahre alt, wenn ihr langweilig ist und Mama und der neue Freund noch im Bett liegen, die Löffel in die Maschine steckt, die dann die Schwarzmonteure herausholen umd zweihundertfünfzig Mark von Itha dafür verlangen, die die alleinerziehende Mutter, die in einem Cafe am Weddingplatz jobt und von der Fürsorge drangsaliert wird, nicht bezahlen kann. Am Beginn passiert noch etwas anderes, nämlich ein Rentner wird samt Hund in der Nachbarwohnung tot aufgefunden, so tritt der Polizist Ralf Schubert auf den Plan und läutet an Ithas Tür, die für die kleine Pepsi gerade Cornflakes macht und die andere Nachbarin, die Cognac trinkende Wilma wird nervös darüber. Pepsi ist die Tochter des schwarzen Musikers Normann, der Itha aber verlassen hat und Ithas Mutter ist auch gerade nach Mallorca ausgerückt, worüber sich die Rentnerin Wilma etwas wundert, die hat einen Sohn vom Rentner Kleber, nämlich den erfolgreichen Anwalt Wolfi Kröger, dem auch das Cin-Cin gehört, in dem Itha als Serviererin angestellt wird, der schwule Marokkaner Jussuff, der mit dem Architekten und Freizeithaarschneider ebenfalls in Ithas Mietshaus wohnt, hat ihr das vermittelt und Itha wartet schon lange auf einen Platz im Montessori Kinderladen für Pepsi, während der Sohn des Lehrers, der auch in dem Haus wohnt, schon viel früher einen bekommen hat.
Itha hat zwei Freundinnen, Pille und Elke, Pille ist die Frau des Lehrers Ekki, ja diese Abkürzungen und war Psychologin in Bogota, jetzt hat sie zwei Kinder und macht einen Deutschkurs, während ihr Mann aufs Land ziehen will, aber in dem Haus das er für sie gefunden hat, haben Neonazis einmal eine Fünfzehnjährige an einen Baum gefesselt und gefoltert, jetzt will Pille, die eigentelich Pilar Lopez heißt, dort nicht mehr hin, kann das ihrem Ekki aber nicht kommunizieren und die dritte Freundin Elke ist mit Mann und Kind längst an den Stadtrand übersiedelt, jetzt will sie wieder in den Beruf zurück, bekommt aber keine Teilzeitstelle und schlecht ist ihr auch dauernd.
Itha bekommt schließlich doch einen Platz in der Kindergruppe und muß Pepsi dafür einkleiden, sie ist eigentlich Schneiderin, deshalb hat sie sich auch einen tollten Patchworkmantel genäht, für die dazu passenden Strümpfe hat sie aber kein Geld, so findet sie der Kaufhausdetektiv in ihrer Tasche, der Polizist Schubert, der eigentlich eine Freundin namens Doro hat, mit der er gerade zusammengezogen ist, muß einschreiten und so wird für Itha ein Päckchen mit diesen Strümpfen im Cin-Cin abgegeben. Itha hat auch den achtundzwanzigsten Geburtstag und die Freunde planen eine Überraschungsparty, die Betreuerin vom Jugendamt und Schubert tauchen mit Blumen auf, das Fest wird aber gestört, weil Elke plötzlich verschwunden ist. Am Schluß wird alles gut, die Paare wechseln ein paarmal ihre Beziehungen und Häuser, Schubert entpuppt sich als begnadeter Privatdetektiv, besonders mit Unterstützung seiner Ex-Freundin Doro, Elke wird bei Ithas Mutter gefunden und ein paar die Frau ermutigende Floskeln gibt es auch immer wieder.
„Leider muß ich in die Kanzlei, meine Damen“, sagte Wolfi und hob bedauernd die Hände. „Sonst würde ich euch zum Kaffee einladen.“
„Das kriegen wir schon alleine hin!“, sagte Wilma. „Sei mal schön fleißig,du.“ Seite 299
Edda Helmke wurde 1964 in Bad Marienfelde geboren und lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Bei Piper sind vor der mir vorliegenden 1999 Ausgabe zwei Romane „Bitte keine Umstände“ und „Am Anfang war die Windel“ erschienen. Für ihre Erzählung „Pepsi im Waschsalon“, die dem Buch zugrunde liegt, wurde sie 1997 mit dem Walter-Serner-Preis ausgezeichnet. Mir war die Autorin völlig unbekannt und wem es interessiert, wie ich zu meinen Büchern komme, ich gehe vorwiegend nach den Autorennamen und die kenne ich ja meistens, weil ich viel zu Lesungen gehe. Hier war es das Cover und der Malik-Verlag der mich neugierig machte, so daß ich es mir das Buch in den Zwischenzeiten zwischen Weihnachten und Neujahr, als ich auf Mayor Bronsteins Spuren zur Ingrid nach Dornbach ging, aus dem Bücherschrank in der Zieglergasse zog und an diesem Abend dort überhaupt sehr fündig war.

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