Literaturgefluester

2011-07-02

Auf eigene Faust

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:08
Robert Eglhofer&Ruth Aspöck

Robert Eglhofer&Ruth Aspöck

Erika Brunngraber

Erika Brunngraber

Pünktlich zum Ferienbeginn und dem der Sommerfrische kam eine Einladung zum Thema Reisen in die „Kultur Mitte“ in Krems. Das heißt Alfred hat in Harland die handgeschriebene Einladung zur Lesung von Ruth Aspöck und Robert Eglhofer bekommen und da wir das Wochenende ohnehin nach Harland wollten, hat es gepasst und wir sind nach fünf in die Stadt Krems losgefahren, was insoferne eine Abwechslung ist, weil wir sonst nur nach Krems-Stein zur Kulturmeile und zur Theodor Kramer Preisverleihung kommen. Ruth Aspöck ist zwar im Augenblick vielleicht ein wenig bös auf mich, bzw. gab es ja am Sonntag Differenzen und ich habe auch schon wieder anderen Literaturärger bekommen, so daß ich im Augenblick ein wenig niedergeschlagen bin. Wir kamen aber sehr rechtzeitig nach Krems und fanden die obere Landstraße auch gleich und auf dem Weg dorthin sahen wir hunderte Feuerwehrmänner mit ihren Helmen und Uniformen in Richtung Donau laufen und zig Feuerwehrautos standen herum, weil gerade hundertfünfzig Jahre Kremser-Feuerwehr, wie ich später erfahren habe, gefeiert wurde.

Büchertisch

Büchertisch

Robert Eglhofer

Robert Eglhofer

Die obere Landstraße, die Kärntnerstraße Krems war aber ziemlich leer und alle Geschäfte hatten um halb sieben auch schon geschlossen, dafür trafen wir gleich Ingeborg Reisner vor dem Lesungslokal, oben war es auch noch leer. Ein Raum mit weißgedeckten Tischen auf dem schon Brötchen standen, die Getränke mußte man sich holen. Bilder von Ingrid Loibl hingen an den Wänden. Ruth Aspöck kam auch gleich und nach und nach füllte sich der Raum mit Bekannten und Unbekannten. Doris Kloimstein, Brigitte Schramm, Robert Eglhofers Bruder und Schwägerin, Ruths Sohn Martin, die Gabi und dann noch die lokalen Künstler, der Hausherr und ein Herr Gemeinderat, der Robert Eglhofer und Ruth Aspöck fotografierte. Das Thema Reisen passt, wie bereits erwähnt zum Sommer, Ruth Aspöck und Robert Eglhofer reisen auch sehr viel herum. So hat die Ruth in Madrid studiert und zehn Jahre in Kuba gelebt und der Robert ist pensionierter Englischlehrer und hat ein Jahr an einer englischen Gesamtschule unterrichtet. Seit Ruth Aspöcks Tagebuchprojekt fertig ist und demnächst als Buch erscheinen wird, hat sie ein neues Projekt und reist Grillparzer an allen Orten nach, wo er gewesen ist und im letzten Sommer war sie mit Robert Eglhofer in der österreichischen Künstlerkolonie in Paliano und in Kuba waren sie 2008 auch. Das gibt Stoff für eine Lesung zum Thema Reisen und so lag auf den Tischen auch ein Programm mit sieben Lesungspunkten. Robert Eglhofer hat mit seinen Englanderfahrungen begonnen. Der erste Text hieß „Zuckerwein und Brot“ und schildert seine Zeit als Lehrer dort und das muß 1986 gewesen sein, als die burgenländischen Winzer den Wein mit Frostschutzmittel pantschten und das dann noch von der Steuer abschreiben wollten und sich die englischen Kollegen über die Eßkultur der Österreicher amüsierten, dann bekam Robert Besuch von einem englischen Kollegen und wollte ihm als Ausgleich das Körberl mit allen Brot und Semmelsorten füllen, die die österreichischen Bäcker zu bieten hatten, nur leider war der Kollege ein Allergiker und beim Heurigen ist ihm nur aufgefallen, daß die Österreicher zuviel Schweinefleisch essen.

Doris Kloimstein

Doris Kloimstein

Ruth Aspöck folgte mit einem Kuba-Text „Kuba mein immerwährender Traum“, der in „zwei bisschen“ einem fröhlichen Wohnzimmerbuch abedruckt ist und da man sich beim Büchertisch die Bücher gegen eine freie Spende nehmen konnte, habe ich mir das Buch genommen, um im Geflüster richtig zu zitieren, obwohl ich gar nicht sicher bin, ob ich es nicht vielleicht in Wien schon habe. Robert Eglhofer folgte mit seinem Kubatext, eine Hyme auf Che Guevara „Hasta la Victoria siempre“ und setzte sich dabei ein schwarzes Baskenmützchen mit dem Revolutionsstern auf. Ja richtig, Erika Brunngraber, die Tochter von Rudolf Brunngraber der „Zucker aus Kuba“ geschrieben hat, das Ruth Aspöck in ihrer Edition die Donau hinunter auch als eines ihrer ersten Bücher auflegte, war auch im Publikum und weiter ging es nach Italien. Da las Ruth Aspöck zuerst etwas von einem schönen Haus, Robert Eglhofer folgte mit seinen Paliano-Erlebnissen, wo es eine Frau namens Rafaela gab, die das literarische Quartier putzte und fließend Deutsch sprach, während die Fahrt von der Station Termini bis nach Paliano eine ziemliche Irrfahrt war, weil kein Mensch sie verstanden hat.
Nachher gab es eine Pause mit Gesprächen, dann trug Ruth Aspöck vor, wie sie einmal von Valencia nach Madrid gefahren ist, in Madrid hat sie während des Putsches ja studiert und darüber das Buch „Ausnahmezustand für Anna“ geschrieben. Der Büchertisch auf dem auch die Volksstimmeanthologien und die „Donaugeschichten“, Bücher also in denen auch meine Texte enthalten sind, lagen, hat sich wegen den günstigen Verkaufsbedingungen übrigens schnell gelehrt, ich habe die meisten ihrer Bücher aber schon. Am Schluß kam wieder Robert Eglhofer mit einem England-Text und schilderte seine Reiseerfahrungen, die er mit Ruth wegen ihres Grillparzer Projekts machte. In Istambul, Venedig, Rom war er mit ihr schon, diesmal hat sie ihn auch nach England mitgenommen, weil dort der grantige Dichter und Wiener Hofrat 1836 war, er ist also viel mit der Postkutsche herumgereist. Ruth Aspöck reist in der Pension seinen Spuren nach und hat den ehemaligen Englischlehrer sozusagen als Assistenten mitgenommen und ist mit ihm überall gewesen, wo, wie sie seinen Tagebüchern entnahm, Grillparzer gewesen ist. Robert Eglhofer schilderte genial, daß sie die Grillparzerspuren nicht gefunden haben, denn das Hotel, wo er abstieg, gibt es nicht mehr, sie sind dann zwar ins Parlament gegangen, aber überall hieß es nur „Grillparzer who?“ und nur die Dame vom Kulturinstitut schickte sie in eine Galerie, weil dort Anselm Kiefer eine Ausstellung mit dem Titel „Des Meeres und der Liebe Wellen“ hatte.
Dann haben wir Ingeborg Reisner mit der ich noch ein bißchen über ihre literarischen Ansprüche diskutierte zum Bahnhof nach St. Pölten gebracht und sind nach Harland gefahren, wo die Sommerfrische trotz des naßkalten Wetters über das der Alfred kräftig schimpft, beginnt.

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2 Kommentare »

  1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich muss sagen, du hast wirklich aufmerksam zugehört und eine wunderbare Zusammenfassung des Abends gegeben.
    Liebe Grüße
    Robert und Ruth

    Kommentar von Robert — 2011-07-03 @ 21:06 | Antwort

  2. Mitgeschrieben und zur Ergänzung auch das kleine Büchlein aus der Wohnzimmeredition mitgenommen, das ich morgen zurückbringe, wenn sich herausstellen sollte, daß ich es schon zum Geburtstag bekommen oder im Bücherschrank gefunden habe

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-07-03 @ 21:22 | Antwort


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