Literaturgefluester

2011-07-03

Drei Jahre Literaturgeflüster

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Heute wird das Literaturgeflüster drei Jahre alt, habe ich doch am 3. Juli 2008, um halb neun am Morgen, schnell, schnell, bevor der Alfred in die WU mußte, die ersten Zeilen hingeschrieben. Inzwischen ist der 767 Artikel entstanden, in dem ich mein literarisches Leben, sehr beharrlich, konsequent und manchmal auch etwas frustriert, in die Öffentlichkeit schicke.
Obwohl ich keine Kategorien verwende, gibt es drei bis fünf Bereiche, die das Literaturgeflüster umspannen. Der Erste sind die Veranstaltungsberichte und da ich seit über dreißig Jahren zwei bis dreimal in der Woche vorwiegend zu Wiener Literaturveranstaltungen gehe, gibt es inzwischen ein sehr umfangreiches Archiv und einiges, das man wahrscheinlich nur bei mir finden kann.
Ich habe wieder einige Autoren persönlich kennengelernt, so hat mich im vorigen November E.A.Richter zu seiner Lesung eingeladen, Sara Wipauer, die jetzt wohl gerade nach Klagenfurt fährt, hat mich angesprochen und Reinhard Wegerth lädt mich auch immer zu seinen Veranstaltungen ein und erkundigt sich „Wär das nicht was für das Literaturgeflüster?“
Die Rezensionen haben zugenommen, da hat sich durch die Bücherblogs, die ich inzwischen regelmäßig lese, mein Leseverhalten eindeutig gesteigert. Vorher habe ich in etwa jede Woche ein Buch gelesen, 2010 waren es schon neunzig und heuer werden es sicher über hundert sein, führe ich inzwischen auch eine Leseliste. Dann kam der erste offene Bücherschrank, den ich, wie inzwischen seine Nachfolger, regelmäßig besuche und das spornt zumindest mich zum Lesen an. Seit ich für das Literaturgeflüster alles bespreche, lese ich auch konzentrierter, mein Schreibstil hat sicher ebenfalls profitiert.
Da bin ich schon bei den Schreibberichten, die es von Anfang gegeben hat, seit einer harschen Kritik, fasse ich sie zusammen und verlinke, damit sie für die Leser verständlicher sind und man den Schreibvorgang besser beobachten kann.
Ein lockeres Plaudern über Literatur, hat Ilse Kilic einmal das Literaturgeflüster genannt und mich auch eingeladen es im Vorjahr im Amerlinghaus vorzustellen. In diesem Jahr hat Consens, die mich regelmäßig zu lesen scheint, das Literaturgeflüster in einem Interview zitiert. Das mit der Textästhetik habe ich zwar nicht ganz verstanden, nehme aber an, daß sie es gerne wissenschaftlicher hätte, aber das ist, glaube ich, nicht mein Stil. Habe ich ja Psychologie und nicht Philosophie studiert und da denke ich, daß ich verständlich über die eigene Literatur und die der anderen schreiben will. Subjektiv und in der Ich-Form, aber, wie ich hoffe, ehrlich und ich denke auch, daß meine Begeisterung, die ich noch immer habe, durchschwingt und die will ich weitergeben. Ein bißchen pädagogisch bin ich sicher schon. Daß das, was ich schreibe, wertschätzend und nicht verletzend ist, ist mir als Psychologin ebenfalls sehr wichtig, so schreibe ich auch nie, das ist aber ein schlechtes Buch oder war eine fürchterliche Lesung. Vielleicht wirkt auch meine Einstellung mit möglichst wenig Geld durch die Runden zu kommen, ein wenig schrullig in der Konsumgesellschaft, ist aber der Versuch, trotz literarischer „Erfolglosigkeit“, so zu leben, wie ich es will.
Daß ich politisch eher auf der linken Seite stehe, ist, glaube ich, kein Geheimnis und, daß ich sozialkritisch-realistisch schreibe, wahrscheinlich ebenfalls nicht und es kann ja auch nicht wirklich schaden, sich für die Kreativität aller einzusetzen und einen freien Hochschulzugang zu fordern.
Da bin ich schon bei dem, was noch fehlt, gebe ich ja auch meine persönliche Meinung zum politischen Geschehen oder zu meinen Urlauben wieder und schreibe auch manchmal eine Reportage oder stelle einen literarischen Text ins Netz, aber das nur selten, weil ich meistens mit einem Roman beschäftigt bin.
Lust und Frust einer literaturbesessenen, manchmal frustrierten Autorin also und da kann ich gleich wieder jammern, daß die Zahl meiner Lesungen im Vergleich zum Vorjahr abgenommen hat und veröffentlicht habe ich außer meinen Digitaldruckbüchern und in der Volksstimmefestanthologie auch nicht viel. Eine Eintrittskarte in den Literaturbetrieb, wie ich mir das vielleicht wünsche, ist das Literaturgeflüster nicht geworden. Die Verleger und die Kritiker wurden auf mein Schreiben nicht wirklich aufmerksam. Vielleicht schreibe ich im Facebook- und im Twitterzeitalter auch zu lang, denn da habe ich mir sagen lassen, daß man im Internet flüchtiger liest und nicht die Geduld für meine genauen Artikel aufbringt, sondern nur mal schnell nachsieht, wer heuer den FM4-Preis gewonnen hat oder zu meinem Joseph Roth Artikel kommt, weil Ö1 mit „Sprache unterwegs“ sendet. Ich würde mir auch einen lebendigeren literarischen Diskurs wünschen, habe meine eifrigsten Kommentierer aber verloren und manche Leute schreiben mir lieber Mails, so daß das Literaturgeflüster vielleicht ein wenig einseitig ist.
Meine Psychologiekollegin, Irmgard Gelter, hat einmal gefragt, ob ich mein Schreiben jetzt auf meinen Blog verlege? So ist es nicht, bin ich ja gerade am Fertigstellen von zwei Erzählungen, der „Absturzgefahr“ und den „Zwillingswelten“.
Aber vielleicht ist das Literaturgeflüster meine Parallelwelt, in der ich meinen Frust auslebe, auch wenn es die anderen doch nicht so interessiert, daß da eine beharrlich vor sich hinschreibt und gelegentlich einen Rechtschreibfehler macht. So habe ich auch zum dritten Jahrestag eine Bestandsaufnahme verfaßt, obwohl ich das erst gar nicht wollte, um nicht zu Ich-bezogen zu sein.
Also auf ins vierte Jahr, in dem es vielleicht noch ein bißchen rauher wird und die Einsparbemühungen noch mehr spürbar werden und wenn es mir gelingen sollte, was ich immer hoffe, vielleicht doch den großen Roman zu schreiben, der ein bißchen beachtet wird, wäre das doch schön.
Für die Interessierten das Geburtstagsständchenarchiv 1 und 2 und die Statistik 71.641 Leser, 767 Artikel, 430 Kommentare, durchschnittlich täglich hundert Aufrufe, bestbesuchter Tag am 31.1. 2011 mit 250 Aufrufen.

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2 Kommentare »

  1. Das Dreijährige bläst die Backen dick auf pusten pusten pusten
    Und schon sind sie erloschen die Kerzen eins zwei drei
    Auf dem Geburtstagskuchen doch keine Gäste und Geschenke
    Nur vier Zeilen in das vierte Lebensjahr und eine Wunschkarte

    An das Geburtstagskind: Absätze ruhig verwenden, du bist schon groß;-)

    Kommentar von ichmachmirgedanken — 2011-07-03 @ 23:06 | Antwort

  2. Vielen Dank für das launige Gedicht, ja jetzt kommt der Kindergarten, dann die Volks- und vielleicht auch die Gesamtschulbildung, bevor der freie Hochschulzugang günstig wäre und am Schluß das Ehrenkreuz? Absätze sehe ich übrigens auch…

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-07-04 @ 08:27 | Antwort


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