Literaturgefluester

2011-07-15

Podium Portrait – Kurt Klinger

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:52

Ein bißchen Lyrik in der Badewanne, nämlich die sechsundzwanzig Gedichte, die im Podium-Portraitheftchen Nummer 12 erschienen sind, die ich mir im letzten Jahr aus dem niederösterreichischen Literaturhaus anläßlich der Kramer-Preis-Verleihung mitgebracht habe.
Der 1928 in Linz geborene, 2003 in Wien gestorbene Kurt Klinger, Literaturfunktionär, Redakteur und Journalist, der Vizepräsident der Gesellschaft der Literatur gewesen ist, Chefredakteur von „Literatur und Kritik“ und Mitherausgeber der „Rampe“ war, ist wahrscheinlich den literarisch Interessierten nicht so bekannt, obwohl er über eine große Veröffenlichungsliste verfügt und viele Preise und Auszeichnungen bekommen hat.
Zu seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag sollte das Podium-Portrait erscheinen, dessen Vorwort von dem 1955, ebenfalls in Linz geborenen Bernhard Widder stammt, leider ist er früher gestorben, so daß das Vorwort, wie Bernhard Widder ausführte, ein bißchen anders wurde und ein Widder-Gedicht zum Begräbnis gibt es auch:

der himmel über wien, von nordwesten her
war immer mehr dunkelgrau, fast schwarz,
kam langsam näher im verlauf einiger stunden.

schwarze gewitterwand im westen. später kam
regen wie aus wut. graue schräge wasserwand
vor dem dritten tor des Zentralfriedhofs.

Dann führt er in seinen Begegnungen mit Kurt Klinger „Im Getöse des Lebens“ noch aus, daß Kurt Klinger in Rom eine Wohnung hatte, wo er nach seiner Pensionierung einige Jahre lebte, die er endlich auflösen wollte, weshalb er dorthin fuhr und eine Verabredung mit Bernhard Widder wegen der Podium-Gedichte auch verschieben mußte, weil er sich eine Erkältung zugezogen hat.
Am 23. April 2003 ist er gestorben und ich weiß nicht genau, ob ich Kurt Klinger jemals gesehen habe, der Name war mir aber bekannt, weshalb ich den Band auch mitgenommen habe und nach dem intensiven Prosa-Seminar der letzten Woche mir jetzt eine Stunde Lyrik in der Badewanne gönnte und von den sechsundzwanzig ausgewählten Gedichten, hier ein paar Proben wiedergeben will.

Da wäre einmal „Im Lesesaal“, das auch auf der Heftrückseite abgedruckt ist.

Heiße Köpfe
Innen brodelt
zartes Hirngewebe

Vorsichtig faßt die Pinzette
meiner Fragen hinein.
Die Weisheit fühlt sich verletzt.

Entgeisterter Dampf
entweicht betroffen
ins ungebildete All.

Und am Anfang gibt es ein „Selbstinterview“

Ich bin leider nicht Franzose
je suis Austrichien
làutre chien
Nennen Sie diesen Zustand
wie Sie wollen

dann noch ein Stückchen aus „Der Kuß?“

„Ich glaube“ urteilt der Zahnarzt
„wir haben noch einmal Glück gehabt.
eine Infektion weiter nichts
unangenehm, aber belanglos
Spülen Sie in den nächsten Tagen
mit diesem sympathischen Antisepticum
aber – küssen Sie nicht“

Von den Podium-Heftchen habe ich ja einige, das Lebert-Portrait wurde im Geflüster schon besprochen und bei der Präsentation der letzten Hefte bin ich auch in der Alten Schmiede gewesen.

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